Dienstag, 20. November 2018

Und immer wieder - zurück ins Leben, Freya v. Stülpnagel

 Aufbruch zurück ins Leben

„Das Entscheidende ist, dass wir uns auf den Weg machen, neue Schritte wagen, aber auch das verwundete Herz pflegen und beschützen und uns überraschen lassen, was das Leben noch mit uns vorhat.“

Immer wieder stellt der Tod Familie und Freunde des Verstorbenen vor die Aufgabe, den Verlust der geliebten Person nicht nur als schmerzende Tatsache anzuerkennen, sondern vielmehr noch, ihn zu akzeptieren. Besonders dann, wenn das Sterben nicht nachvollziehbar scheint, wie etwa am Ende eines langen glücklichen Lebens, entsteht oft das Empfinden, ein gelingendes Weiterleben sei schier ein Ding der Unmöglichkeit.

Genauso erging es der Autorin dieses Buches, die ihren Sohn im Alter von gerade einmal 18 Jahren aufgrund seines Suizids verloren hat. In einzelnen kurzen Kapiteln berichtet sie offen und ehrlich von eigenen Erfahrungen; von Hürden, die es zu meistern galt und immer wieder zu meistern gilt; von Ängsten, wie etwa der Gefahr, von Nachbarn gesehen und angesprochen zu werden und von ersten, kleinen Erfolgen während ihres Trauerprozesses.
Dabei verzichtet sie auf weise Belehrungen oder die Darstellung psychologischer Erkenntnisse im Zusammenhang mit der aktuellen Trauerarbeit,  die exemplarische Ratgeber dieses Spektrums immer wieder erläutern. 

Freya v. Stülpnagel bietet ihrer Leserschaft autobiografisch gefärbte Texte, die vor allen eines sind: authentisch. 
Und genau damit gelingt es ihr, eine solide Grundlage zu schaffen, sich mit der eigenen Trauer auseinanderzusetzen. Überaus hilfreich ist es, authentische Berichte kennenzulernen und sich in den Schilderungen einer Leidensgenossin wiederzufinden. Stülpnagel ist es gelungen, Aufmunterung, Trost und Zuversicht spürbar zu machen. Somit wird die Lektüre für viele Anker im Meer der Verzweiflung und des Verlustes.

Poetische Worte bekannter Literaturgrößen, zu denen Mascha Kaléko, Marie Luise Kaschnitz, Friedrich Hölderlin oder Rainer Maria Rilke gehören, versuchen Worte zu finden für die schwer greifbare emotionale Verfassung des Trauerns.

Positiv ist zudem die Sensibilisierung für das, was im Leben wirklich wichtig ist. Um es mit den Worten der Autorin auszudrücken:

„Die Werteskala hat sich verschoben: geschenkte Zeit, vorbehaltlose Zuwendung und achtsames Zuhören sind Haltungen, die tragen und wieder Vertrauen in das Leben ermöglichen können.“

Fazit: Eine Lektüre, die vor allem eines vor Augen führt: Auch in Trauer und seelischem Schmerz sind wir nicht alleine! Es gibt die Möglichkeit, den Verlust als Teil der eigenen Biografie anzuerkennen und zu einem individuell guten Leben zurückzukehren! Uneingeschränkt zu empfehlen!

5 Sterne! 

Weitere Infos beim Kösel-Verlag.