Samstag, 29. Oktober 2016

Sinnflut. Ein Gebetsworkshop für Jugendliche - Stephan Sigg

Kreative Annäherungsversuche ans Beten  -  wunderbar für Schule und Gemeindearbeit 


Zur Ruhe kommen, die Nähe Gottes suchen, Beten ... 

Im Alltag der meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen spielen diese Kategorien keinerlei Rolle. Vielmehr scheint es darum zu gehen, immer schneller immer mehr zu erreichen, an Ruhe ist da kaum zu denken und beim Gespräch über die Nähe Gottes reagieren sie bestenfalls peinlich berührt. Dabei spüren viele eine tiefe Sehnsucht nach Mehr, die sie jedoch nicht ausdrücken können. 


Beten? Was soll das sein? Wie kann ich beten? Und wozu ist das Ganze überhaupt gut? Stephan Siggs „Sinnflut“ ist eine interessante Einführung in das Gebet, die genau diese Fragen und viele weitere so beantwortet, dass die Lektüre nicht nur kurzweilig ist und Spaß macht, sondern Jugendliche und junge Erwachsene gleichsam eine Einladung erhalten, das Gebet neu zu entdecken. 

Dem Autor ist es auf einzigartige Weise gelungen, fernab von der tradierten Gebetspraxis neue Formen des Zugangs zu finden, die zu 100% der Lebenswelt der jungen Generation entsprechen.  

Kreative Impulse laden dazu ein, alternative Arten des Betens auszuprobieren, wie etwa das Emoji-Gebet. Ein Smartphone-Foto-Shooting zum Thema „Blitzlichter der Woche“ oder ein Danke-ABC am Ende des Tages sind wunderbare Möglichkeiten, Dankbarkeit auszudrücken und zugleich für all die Dinge sensibilisiert zu werden, für die wir zutiefst dankbar sein dürfen. Sehr schnell wird deutlich, dass im persönlichen Gebet jeweils auch ein Lernprozess stattfindet, der die eigene Person betrifft. Hier findet eine Reflexion der Frage statt: Was ist mir persönlich in meinem Leben wichtig und wertvoll?


Besonders interessant ist es beispielsweise, sich dieser Frage mithilfe eines Wortgitters anzunähern, in dem Begriffe zuerst einmal gefunden werden müssen, um sie anschließend ihrem persönlichen Wert nach farblich zu markieren. 


Viele bunte und graphisch abwechslungsreich gestaltete Seiten mit Platz für Fotos und eigene Eintragungen machen es sehr leicht, sich dem Thema Beten zu öffnen. Karierte Seiten als Hintergrund, wie sie oftmals genutzt werden, erinnern an den eigenen Schulblock, auf dem ohne Vorgaben ganz entspannt herumgekritzelt werden darf. Stephan Sigg hat es geschafft, diese entspannte Haltung auf das Thema Beten zu übertragen und einen Zugang zu öffnen, der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigt, wie gewinnbringend und sinnerfüllt Beten sein kann. 


Fazit: Für Schule und Gemeindearbeit oder auch als Geschenk sehr zu empfehlen! Ein überaus gelungener Workshop im Sinne eines persönlichen Eintragebuches. 

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Kösel.

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Gott - glaube ich: Mein Weg raus aus der Kirche und wieder zurück - Nina Achminow



„Klar ist das falsch. Aber deswegen schmeißt man doch nicht gleich ‘ne ganze Kirche weg!“

Familiensynoden, Laientheologen, alternative, spirituelle Konzepte, … die Bemühungen der katholischen Kirche, die Anforderungen der Zukunft zu bewältigen und die Alltagsanliegen der Gläubigen wahrzunehmen, sind breit gefächert. Und dennoch scheint es ihr nicht vollends zu gelingen, anvisierte Konzepte richtungsweisend in die Tat umzusetzen. Tagungen, Diskussionsgruppen und Workshops gibt es viele, jedoch mangelt es an der konkreten Realisierung notwendiger Veränderungen. 

Dabei sind es immer wieder die gleichen Themen, an denen sich so viele stoßen, die eine unüberbrückbare Hürde darstellen oder eine Identifizierung mit der Institution Kirche verhindern. Viele Begriffe aus dem Bereich der Dogmatik und dem Kirchenrecht sind mittlerweile derart negativ aufgeladen, dass eine unvoreingenommene Diskussion kaum noch möglich erscheint. Für immer mehr Menschen sind genau diese Bereiche dann auch Grund genug, endgültig mit der Kirche zu brechen. 

Ähnlich erging es der Autorin dieses Buches, Nina Achminow, die sich ganz bewusst dafür entschieden hat, aus der Kirche auszutreten. Offen, ehrlich und vor allem sehr persönlich berichtet sie in einer Art Glaubensautobiografie von Zweifel, Frust und Ärger. Viele ihrer Gedanken sind sehr leicht nachzuempfinden. Einiges entspricht sicher auch der eigenen Erfahrung. Umso interessanter wird es für den Leser, sie bei ihrem Weg zurück zur Kirche zu begleiten. 

Aus welchem Grund will sie eine einmal getroffene Entscheidung rückgängig machen? Wie reagieren Familie und Freunde auf diesen Prozess des Schwankens? Und was ist es, das sie letztlich zu diesem Schritt zurück bewegen konnte? 

Die überschaubaren Kapitel sind thematisch geordnet und betreffen eine Vielzahl persönlicher Erfahrungen und „Glaubensgeschichten“ aus Kindheit, Jugend und der Zeit des Erwachsenseins. Insgesamt erinnern sie an eine Art Tage- bzw. Notizbuch und sorgen für ansprechende, abwechslungsreiche Lesestunden.

Fazit: Eine Lektüre, die dazu einlädt, die individuelle Einstellung zur Institution Kirche zu hinterfragen, eigene Wertungen kritisch zu reflektieren und vielleicht sogar selbst neue Wege des Zugangs zu finden. Authentisch, ehrlich, überzeugend und sehr zu empfehlen! 

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Herder! 

Montag, 24. Oktober 2016

Fuck It! - Mach nur noch, was du gerne tust, und es ist egal, welchen Job du hast - John C. Parkin



„Bestimmen Sie das grundlegende, konkrete Ziel Ihres Lebens, und ordnen Sie alle Ihre Aktivitäten um es herum an.“            Brian Tracy


Endlich das tun, was uns wirklich Spaß macht, worin wir Kreativität und Leidenschaft entfalten, was uns zutiefst erfüllt – und das nicht nur am Wochenende, sondern hauptberuflich. Was wie ein schöner Traum klingt, muss kein Traum bleiben: Die Vision kann zur Realität werden – und zwar dank der Fuck it!-Methode. 


John C. Parkin, der bereits mehrere Ratgeber zum Fuck-It-Lifestyle veröffentlicht und sein Leben selbst nach dieser Methode gestaltet hat, präsentiert mit diesem neuesten Band eine Unterstützung und Hilfe auf dem Weg der beruflichen Neuorientierung. Gleich zu Beginn führt er seinen Lesern anhand konkreter „Ja, aber …“ – Aussagen eine Auflistung denkbarer Zweifel, Einwände und Ängste vor Augen und löst sie in Klammern durch die Angabe des entsprechenden Kapitels.  


Der erste Schritt einer beruflichen Unabhängigkeit und neuen Freiheit ist es, sich zunächst der eigenen Ziele und Stärken bewusst zu werden. Verdeutlicht wird außerdem ganz klar der positive Mehrwert, der damit einhergeht, wenn wir genau das machen, was unseren Interessen entspricht, was uns Freude bereitet und was wir mit Leidenschaft tun. So wird sich nicht nur die emotionale Verfassung zum Positiven hin verändern, sondern vielmehr können sich sogar gesundheitliche Verbesserungen einstellen. Eine Autobiografie des Autors belegt diese These. Er stellt exemplarisch all jene Ereignisse in seinem Leben vor, als er genau das getan hat, was er eigentlich wollte und die damit verbundenen Emotionen. Diese Überlegung leitet zur Selbstreflexion an, genauso wie der Vorschlag des Autors, einen Brief des 17-jährigen Ichs an sich selbst im Hier und Jetzt zu schreiben, einen Brief an sein 47-jähriges Ich aus der jetzigen Perspektive sowie einen Brief des 77-jährigen Ichs an das aktuelle. Welche Ziele waren die individuell angestrebten der eigenen Jugend für das Erwachsenenalter? Wurden sie bereits erreicht? Was hat die Realisierung verhindert? Und welche Ziele sind im Blick auf das Alter von Bedeutung? Welche Ratschläge könnten in der aktuellen Situation helfen?

Wem es konkreter und präziser lieber ist, kann den Fragebogen „Machen Sie das, was Sie gerne tun?“ ausfüllen, der zu ähnlichen Überlegungen anregt. Oberstes Ziel ist dabei, das sogenannte „Leben in stiller Verzweiflung“ zu vermeiden oder endlich daraus auszubrechen, indem mutig eigene Grenzen überwunden werden.


Positiv anzumerken ist die Tatsache, dass nicht einfach dazu aufgefordert wird, blind alles hinzuschmeißen und von einem neuen, besseren Leben mit einer aufgesetzten, rosa-roten Brille zu träumen, sondern dass realistische Wege aufgezeigt werden. Demnach widmen sich die Ausführungen des Autors neben Möglichkeiten der Unterstützung und Analyse einer potenziellen Zielgruppe unter anderem auch der Frage nach Finanzierungskonzepten oder Möglichkeiten des Teilzeitarbeitens. Wichtig ist die Erkenntnis, dass die Umsetzung des eigenen Ziels möglich ist. „Fuck-It“ ist ein mutiges Plädoyer für das eigene Aktivwerden, damit man Schritt für Schritt sein Ziel erreicht, auch im Beruf nur noch das zu machen, was einem wirklich wichtig ist und wofür man sich begeistern kann.


Fazit: Zielführend, hilfreich, motivierend! Sehr zu empfehlen!

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Ariston.