Mittwoch, 19. Oktober 2016

GENDER KEY - Christian Seidel



„Wir werden von Frauen geboren. Auch die Männer. Das Weibliche steckt daher in den Männern, egal wie radikal sie es verdrängen. Sie verfügen aber keinesfalls über die typisch weibliche Fähigkeit, Leben zu schenken, so wie man es von männlichen Göttern erwarten würde …“ 


Folter, Ermordung, Verstümmelung, sexuelle Diskriminierung, pränatale Geschlechtsselektion, gezielter Femizid … all das sind leider Stichworte, die auch im Jahr 2016 noch immer den brutalen Alltag von zu vielen Mädchen und Frauen umschreiben. Und obwohl sich vielerorts die sogenannte Emanzipation durchsetzen konnte, herrschen bei genauerem Hinsehen dennoch jene Klischees, die es längst abzuschaffen galt. Es sind stereotype Verhaltensweisen, die das Miteinander der Geschlechter grundlegend beeinflussen, sei es im Bereich des Berufes oder im Privaten.

Christian Seidel präsentiert mit „GENDER KEY“ nicht nur einen interessanten Überblick über geschichtliche Prozesse, die zur Herausbildung der bekannten Klischees führten, sondern leitet gezielt dazu an, projektive Geschlechterrollen zu erkennen, um sich über sie hinwegzusetzen. Überaus informativ und aufschlussreich erläutert er beispielsweise Bedeutung und Funktion des Gott-oder Steinzeit-Klischees, erklärt die emotionale Verankerung typisch weiblicher oder männlicher Verhaltensweisen und weist nachvollziehbar nach, dass die angebliche Geschlechtsidentität vielfach auf Konditionierungsprozessen beruht.

Als Berater im Bereich von Gender- und Beziehungsthemen lässt Seidel seine Leser an authentischen Erfahrungen teilhaben, indem er etwa von den Erfahrungen eines Chats berichtet, in dessen Rahmen es um die Frage ging, wie sich Frauen im Berufsalltag durchsetzen können. Hier wird von den Erlebnissen ganz unterschiedlicher Frauen berichtet, z.B. die Erfahrung: Gefühl trifft auf Niemandsland.
Im Mittelpunkt der Lektüre steht jedoch keineswegs die Dokumentation bloßer Erfahrungen, sondern das bewusste Einleiten eines Veränderungsprozesses. Mit dem neu gewonnenen Wissen im Blick auf eigene Rollen- und Verhaltensmuster kann Frauen dann die Wahrnehmung der eigenen Konditionierung gelingen, um ein Gespür für subjektive und objektive Rollenprojektionen zu entwickeln und eigene Grenzen zu durchbrechen.  
Interessant sind zudem Seidels Ausführungen über veränderte Anforderungen an Männer und Frauen innerhalb unserer modernen Gesellschaft oder unabdingbare Voraussetzungen zur Gestaltung frauenfreundlicher Arbeitsplätze.

Fazit: Die Lektüre hält uns den Spiegel vor, macht auf Missstände aufmerksam und zeigt Wege auf, wie es gelingen kann, mutig die Grenzen längst überholter Auswirkungen einer geschlechtlichen Rollen-Programmierung zu überwinden. Bereichernd, gewinnbringend, zielführend! Sehr zu empfehlen! 

5 Sterne! 

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