Samstag, 2. April 2016

Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben - Matt Haig

Eine Hommage an Liebe, Literatur und Leben 


„Die Morgendämmerung bricht auf wie eine Wunde, die von neuem blutet.“

„Ich war schon zu tief unten. Tränen vergoss man im Fegefeuer.War man erst in der Hölle, war es zu spät. Die Tränen waren weggebrannt bevor sie fließen konnten."

„Ich hielt es nicht aus – konnte es nicht aushalten – mich auch nur eine Sekunde länger so zu fühlen. Ich musste mich beenden.“

„Achtung. Wer glaubt, ein depressiver Mensch wolle glücklich sein, irrt sich gewaltig. Depressive Menschen haben nicht das geringste Interesse am Luxus des Glücklichseins. Sie wollen einfach nur keinen Schmerz mehr spüren.“



Abraham Lincoln, Isaac Newton, Winston Curchill, F. Scott Fitzgerald und Robin Williams hätten sich sicher zu 100% mit diesen Worten identifizieren können, genauso wie Jim Carrey, Halle Berry und viele namenlose Unbekannte da draußen es noch heute tun. Denn sie alle hatten oder haben eines gemeinsam: unendlichen Schmerz! Ein Schmerz, der viel größer ist, als es die meisten körperlichen Leiden je sein könnten. Denn er ist omnipräsent und endlos.

Auch Matt Haig, der Autor dieses Buches, wurde von diesem Schmerz so gewaltig aus der Normalität gerissen, dass sein alltägliches Leben undenkbar wurde. Zumindest für eine ganze Weile. Woran andere leider oft scheitern ist der Versuch, zur Normalität zurückzufinden. Und genau das ist Haig gelungen.

Somit wird dieses Buch sicher für eine Vielzahl seiner Leser ebenfalls zu einem guten Grund, am Leben zu bleiben. Denn eines ist sicher: Der Kampf gegen die Depression, wenn auch unsagbar leid- und mühevoll, ist definitiv zu gewinnen! Es ist möglich!

Der Text ist in fünf große Bereiche unterteilt, die aus der Ich-Perspektive Haigs Weg in die Depression, den daraus resultierenden Leidensprozess und vor allem auch die Überwindung der Krankheit schildern:

  1. Fallen
  2. Landen
  3. Aufstehen
  4. Leben
  5. Sein

Zu jedem dieser fünf Bereiche gehören einzelne, kleine Kapitel, die sich thematischen Schwerpunkten widmen, wie etwa der Erinnerung an Kindheit und Jugend, der Reflexion einzelner Begegnungen oder der Versuch, einen Supermarkt zu betreten. Er schreibt über Angst, über Schmerz, über die Zeit und natürlich über die Liebe. Hochinteressant sind zudem die Zwiegespräche mit dem eigenen, früheren Ich aus der heutigen Perspektive. Und am wichtigsten bleibt letztlich die Liste all jener Dinge, die das Leben lebenswert machen, für ihn, aber auch für uns alle!

Fazit: Eine grandiose Lektüre, die selbst genau das erfüllt, was für Matt Haig Literatur bedeutet:

„Bücher sind Möglichkeiten. Sie sind Fluchtwege. Sie geben dir Optionen, wenn du keine hast. Jedes Buch kann ein Heim für einen entwurzelten Geist sein.“

Dieses Buch bestärkt, spendet Trost, gibt Kraft und macht neuen Mut. Ein kleines Meisterwerk! Überaus zu empfehlen! 

100 Sterne! 

Weitere Infos bei dtv und  hier!

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