Samstag, 9. April 2016

Für mich ist auch die 6.Stunde. Überleben unter Schülern - Frau Freitag



„Irgendwann werde ich mal in voller Schülermontur meinen Unterricht beginnen. Mütze auf, Jacke an, Handschuhe, billige Kopfhörer, aus denen laute Musik zu hören ist, Rucksack auf dem Rücken, Chipstüte in der einen und 1,5 Liter Pfirsich Eistee in der anderen Hand. Dann sollen dir mir mal sagen, ob sie das nicht auch ungemütlich finden. Ach so, und wenn sie mich ansprechen, dann fummle ich natürlich erst an meinem Handy rum, bevor ich ihnen antworte.“


Von Schüler- und Lehrertypen, Elterngesprächen und Unterrichtsstörungen, vom Horror des Referendariats oder vom Umgang mit BFFs, die Autorin Frau Freitag spricht über all das, was im schulischen Alltag wirklich wichtig ist. Auf ebenso unterhaltsame wie informative Weise präsentiert sie in einer Mischung aus autobiografischem Erfahrungsbericht und praxisnahem Ratgeber ein Potpourri aus aberwitzigen, manchmal auch überraschenden bis hin zu leicht schockierenden Situationen rund um das Berufsfeld des Lehrers.

Das Buch besteht aus einzelnen Kapiteln zu den folgenden Themenbereichen:

  • Die Ausbildung und der Beruf
  • Das Chaos sortieren
  • Die berühmte Lehrerpersönlichkeit
  • Der Schüler
  • Der Lehrer
  • Der Unterricht
  • Lehrer werden – ich bleiben – wie man gesund bleibt

Was ist zu tun in der ersten Stunde in einer neuen Klasse? Wie verhält man sich angemessen am ersten Tag im Lehrerzimmer? Und wie verhält man sich, wenn das Beste im Schulalltag überhaupt (natürlich unvorbereitet!) passiert: eine Vertretungsstunde?! 

Die Leser profitieren hier eindeutig von den Erfahrungen der Autorin und werden eingeladen, den ein oder anderen Handlungsratschlag in die Tat umzusetzen. Besonders amüsant sind zahlreiche Tipps und Listen, die Dinge aufzählen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, etwa die Tipps zum äußeren Erscheinungsbild eines Lehrers. Andere Erfahrungen hätte man gerne schon in den ersten Jahren der eigenen Tätigkeit gewusst, z.B. dass Eltern umso seltener in die Schule kommen, je verhaltensauffälliger und schwieriger der Schüler ist.

Eine lohnenswerte, kurzweilige Lektüre, die insbesondere allen Berufseinsteigern wertvolle Anregungen bietet, wie der schulische Alltag ohne größere Probleme zu bewältigen ist. Dabei schafft es die Autorin stets, eine kritische Distanz zur momentanen Lehrerausbildung zu wahren und nimmt dem sogenannten Referendariat ein Stück weit den Schrecken. Aber auch erfahrene Lehrer werden viel Freude an diesem Text haben, da er vor allem durch die schonungslos ironisch-humoristische Perspektive überzeugt. Durchaus empfehlenswert! 

4 Sterne! 

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