Samstag, 23. Mai 2015

Du machst mir nichts vor - Marco Löw



„Weil Falschinformationen uns in großes Unglück stürzen können und so manche Entscheidung enorme Tragweite hat […], ist es wichtig, dass Sie lernen, genau zu unterscheiden, wann Sie welchen Menschen glauben und vertrauen können und wann nicht.“
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Im Beruflichen wie im Privaten ist die adäquate Einschätzung des Gegenübers von unschätzbarem Wert. Viel zu schnell kommt es zu Missverständnissen oder sogar ernsteren Streitigkeiten, die hätten vermieden werden können. Und je weniger Kenntnisse über wesentliche Merkmale der Kommunikation vorhanden sind, desto größer das Potenzial, selbst Opfer von Lügen, Betrug und Täuschungen zu werden. Die Schulung kommunikativen Wissens fungiert somit als eine Art Schutzmechanismus, der gleichsam zur erfolgreichen Bewältigung alltäglicher Begegnungen beiträgt.
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Marco Löw, ehemaliger Ausbilder in Vernehmungstechniken und heute erfolgreicher Trainer sowie Redner, präsentiert seiner Leserschaft mit diesem Buch eine sehr zuverlässige Unterstützung, wenn es darum geht, Gesprächspartner zu durchschauen. Sukzessive leitet er dazu an, Kommunikationsmuster erst einmal wahrzunehmen, bevor sie in einem nächsten Schritt gedeutet werden können. Auf Basis dessen ermöglicht er es dem einzelnen Leser, in jeder denkbaren Situation, sei sie beruflicher oder privater Natur, souverän zu handeln. Er liefert ein breites Repertoire an Techniken, mit deren Hilfe die Puzzleteile eines Kommunikationsmusters entschlüsselt werden können, sodass diesie sich später zu einem klaren Gesamtbild fügen.
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Der Ratgeber beginnt mit einem Blick auf die drei Arten von Urinstinkten: Angriff, Flucht und Erstarren. Damit verbundene ideomotorische Bewegungen werden anschließend vorgestellt. Hierzu zählen etwa Augenbewegungen. In der Konfrontation mit Vorwürfen kommt es folglich häufig zur Auslösung des Fluchtreflexes, der dafür sorgt, dass die Augen zum Boden oder zur Seite wandern. Hochinteressant ist hier die vorgesehene Übung zur Schulung der eigenen Wahrnehmung solcher Verhaltensmuster während eines Gesprächs. Diese und alle sich im Buch befindlichen Übungen sind ohne Probleme oder gar Peinlichkeiten ganz nebenbei im Umgang mit Bekannten oder Freunden durchführbar und dabei sehr aufschlussreich und gewinnbringend im Sinne eines Trainings der zuvor von Löw beschriebenen Methoden. Übersichtliche Tabellen und Stichwortlisten vereinfachen zudem die Aneignung der neuen Kenntnisse.
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Neben der Rollenverteilung in formellen und informellen Gruppen wird auch die Bedeutung des individuellen sprachlichen Fingerabdrucks thematisiert, zu dem etwa auch der jeweilige Fachjargon bestimmter Berufsgruppen und deren typische Gesprächsmuster gehören. Interessante psychologische Erkenntnisse werden in einem Kapitel zu introvertierten vs. extrovertierten Menschen vorgestellt, die ihre Energie jeweils aus unterschiedlichen Quellen schöpfen, der Auseinandersetzung mit sich selbst oder mit Gruppen. Auch neurobiologische Inhalte fließen zum Teil in die Darstellung mit ein.
Wie unterschwellig die Wahrnehmung innerhalb eines Gesprächs oft abläuft, deckt die Erläuterung zur Funktionsweise der sogenannten Reizwörter (z.B. bloß, nur, aber, eigentlich, fast immer) auf. Sinnvoll und hilfreich ist weiterhin die Beschreibung von Killerphrasen und Totschlagargumenten mit gleichzeitiger Nennung von Situationen, in denen sie vermehrt auftreten. „Das ist eben so!“ wird man man dann zu hören bekommen, wenn der Gesprächspartner selbst über keine fundierten Argumente verfügt, seine Meinung aber für durchaus überzeugend hält.
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Im Anhang des Buches findet sich ein leicht verständliches Glossar zu den wichtigsten Fachtermini, man denke etwa an die Begriffe Kontrasteffekt, Haloeffekt oder Introversion. Auszüge aus fingierten Gesprächen sind ebenfalls im Schlussteil enthalten und helfen dabei, zwischen Warnindikatoren und Glaubwürdigkeitsindikatoren zu unterscheiden, um die Aufrichtigkeit eines Gesprächspartners treffsicher einzuschätzen.
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Fazit:
Eine Lektüre, die den eigenen Horizont erweitert mit einem Wissen, das für jeden nur Vorteile bringen kann! Fundierte Kenntnisse souverän und praxisnah vermittelt. Überaus empfehlenswert! 

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Rowohlt Polaris.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Herrlich humorvolle Entzauberung des Superhelden-Hypes - André Sedlaczek

Wer an die Gestaltung der Kinolandschaft der letzten Jahre denkt, kommt an einer Sache ganz sicher nicht drum rum: dem Gedanken an Superhelden! 

Männer und Frauen mit ganz besonderen Fähigkeiten. Und seien wir mal ehrlich, wir schauen zu ihnen auf! Denn wer möchte im Alltag nicht so stark sein wie Thor? So flexibel wie Mr. Fantastic? Sich endlich mal was trauen und alle aufgestauten Aggressionen raus lassen, wie Hulk! Oder in der ein oder anderen Situation einfach verschwinden können, wie die hübsche Storm!
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Es ist eine ganz besondere Aura, die die Superhelden umgibt. Doch wenn wir genauer hinschauen, haben auch sie nicht nur mit Bösewichten zu kämpfen, sondern, ganz genauso wie wir, mit den Herausforderungen des täglichen Lebens.
Seien es die ungeahnten Fähigkeiten von Spiderman, Beziehungsprobleme bei den Fantastic 4 oder die Frage nach dem perfekten Outfit, natürlich gestellt von Hulk.
André Sedlaczek gestattet seinen Lesern unverhüllte Einblicke in den Alltag der beliebtesten Superhelden der letzten Jahre und zeigt dabei ganz unverblümt, dass auch sie nur Menschen sind.
Dabei ist es erstaunlich, auf welch gelungene Weise der Künstler die je individuellen Charakterzüge der „Supermänner“ trifft und ihnen gleichsam ganz eigene Züge verleiht.
Schonungslos und unverblümt illustriert er die aberwitzigsten Situationen im Leben der Superhelden, sodass man sich regelrecht auf das Weiterblättern freut. Dabei stellt so manche Entzauberung einen willkommenen Angriff auf die Lachmuskeln an, andere wiederum erfordern eine große Portion schwarzen Humors, wenn z.B. der liebste Held beim Arzt gezeigt wird.
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Fazit: Ein rundum gelungenes Werk. Das ideale Geschenk für alle Comic-Sammler und superheldenbegeisterte Kinogänger. 

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Lappan!