Samstag, 31. Oktober 2015

Andere Wesen. Frauen in der Kirche - Theresia Heimerl

Herrschaft, Hierarchie, Macht und Moderne 



„Wer es als Frau bis jetzt in der Kirche ausgehalten hat, sollte bleiben, denn jetzt wird’s erst richtig spannend.“
_
Frauen und die katholische Kirche, die katholische Kirche und Frauen … wie man es auch dreht oder wendet, welche Perspektive man auch einschlägt, schon auf den ersten Blick scheint allein die bloße Kombination dieser Worte eine mutige Verbindung aus sich fundamental widerstrebenden Elementen zu sein.
Frauen haben in der Kirche nichts zu suchen. Die Kirche bietet für Frauen kaum Möglichkeiten zur aktiven Mitarbeit – ja, mehr noch: schenkt ihnen keinerlei Anerkennung, stempelt sie ab zu bloßen Objekten, … so jedenfalls die weit verbreitete Annahme.

Und genau hier erweist sich ein zweiter, weitaus präziser ausfallender Blick als überaus lehrreich und augenöffnend. Denn fernab durchaus kritisch zu betrachtender Auffassungen zeigt sich dann ein etwas anderes Bild: „Weder werden Frauen grundsätzlich als Sünderinnen oder gar sündiger als der Mann gesehen noch als bloße Verführerinnen tugendhafter Männer. Das Frauenbild der lehramtlichen Texte seit dem II. Vatikanum ist eben nicht jenes des Hexenhammers, sondern der bürgerlichen Romantik.“

Der österreichischen Professorin für Religionswissenschaft Theresia Heimerl ist es auf eindrucksvolle Weise gelungen, das Thema Frauen im Bereich der Kirche ausführlich zu beleuchten und ebenso interessant wie informativ darzustellen. Sie präsentiert eine Art Überblickswissen, das den gesamten Verlauf der kirchengeschichtlichen Entwicklung präzise zusammenfasst bis hin zum wichtigsten Dokument unserer Tage, das Schreiben zur Bischofssynode Instrumentum Laboris.

Bei der Analyse elementarer, kirchlicher Verlautbarungen, wie z.B. Pacem in terris, Gaudium et Spes oder Humanae vitae verliert sie nie den Blick auf die unterschiedlichen Lebenswelten von Mann und Frau sowie auf die Herausforderungen, die sich vor dem Hintergrund damaliger Vorstellungen jeweils stellten. Ihr gelingt der unmittelbare Anschluss an die gesellschaftliche Wirklichkeit, indem sie mit James Bond oder Twilight Dimensionen der Popularkultur in ihre Überlegungen miteinbezieht. Und damit wird die Lektüre zu einem kurzweiligen, hochinteressanten Informationsinput. Erkenntnisse der Genderforschung werden mit Judith Butler ebenso reflektiert wie die Facetten von Marienbildern oder allgemein der Mutterschaft.

Fazit: Eine wichtige Lektüre, die Mut macht, voller Optimismus und Innovationsstreben in die Zukunft zu blicken. Sehr zu empfehlen. 

5 Sterne! 

Weitere Infos bei styria.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen