Freitag, 21. August 2015

Bis ans Ende der Geschichte - Jodi Picoult

„Vielleicht weil Einsamkeit ein Spiegel ist und man sich darin selbst erkennt.“ 


 Tod, Erstarrung und nicht nur der Verlust eines geliebten Menschen, sondern der Verlust der eigenen Persönlichkeit. Wie gewohnt umkreist Jodi Picoult in ihrem neusten Roman Themen, die die Protagonisten bis auf den Grund ihrer eigenen Existenz führen und diese zu erschüttern drohen. Neben der eigenen Fragilität, mit der die junge Sage Singer schmerzlich konfrontiert wird, geht es nicht nur um die Geschichte dieses eines Lebens.

Denn Sage freundet sich in einer Trauergruppe mit dem bedeutend älteren Josef Weber an, der ihr Großvater sein könnte. Beide scheinen sich durch ihre Freundschaft gegenseitig gut zu tun, bis Josef seine Lebensgeschichte offenbart. Und die Frage nach Schuld, die gegen Anfang des Werkes schon anklang, stellt sich nun in einer ganz anderen Dimension: vom persönlich, beklemmenden Gefühl der Ohnmacht bis hin zu Handlungen im gesamt-geschichtlichen Ausmaß.

An dieser Stelle erhält die Geschichte eine anthropologische Tiefe, wenn es um die Bewertung guter und böser Taten geht. Was lässt den Menschen letztlich gut oder böse werden? Wo sind die Grenzen zu ziehen? Ist eine Kategorisierung überhaupt möglich?
Die Leser werden hier ganz bewusst zur Reflexion der durch die Lektüre aufgeworfenen Fragen angeregt. Zusammen mit ebenso sympathisch wie authentisch gezeichneten Figuren und einem fesselnd-flüssigen Schreibstil könnte sich auch diese Geschichte durchaus wieder als Bestseller entpuppen; vielleicht ja auch mit Verfilmung.

Vorgenommene Perspektivenwechsel, die auch optisch durch verschiedene Schriften gekennzeichnet sind, passen hervorragend zu dieser Handlung. Es ist sehr interessant zu sehen, mit welchen Haltungen die einzelnen Rollen zu Wort kommen.

Fazit: Überaus gelungen. Eine Lektüre mit Tiefe, über die man auch lange nach dem Lesen noch nachdenkt. Sehr zu empfehlen!

5 Sterne! 

Weitere Infos bei C.Bertelsmann.

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