Donnerstag, 31. Juli 2014

Die Kraft der inneren Bilder nutzen - Thomas Kretschmar, Martin Tzschaschel

Wohlbefinden durch Imagination

Liebeskummer – eines der schlimmsten Gefühle überhaupt – ist zugleich der beste Beweis für die wirkmächtige Kraft eigener Imagination. Denn es reicht schon aus, an die geliebte und in dieser Situation oftmals verlorene Person zu denken und schon schlägt einem das Herz bis zum Hals. So stark, dass man kaum noch atmen kann. Die Bauchgegend zieht sich zusammen und beim bloßen Gedanken an den Verlust wird einem richtig schlecht.
Es sind die inneren Bilder gemeinsamen Glücks, die, bei der genauen Kenntnis dessen, dass sie sich vermutlich nie wiederholen werden, für sowohl seelisches als auch körperliches Unbehagen sorgen.
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An diesem Beispiel wird sofort deutlich, um wie viel nützlicher das selbe Prinzip im umgekehrten Fall sein kann, positiv gewendet. Innere Bilder als Ausgangspunkt kreativer Kräfte, seelischer Erholung bis hin zu körperlicher Regeneration.
Die beiden Autoren liefern ihrer Leserschaft in diesem Ratgeberband eine nützliche Anleitung, wie genau das gelingen kann. In einem ersten theoretisch-informativen Teil stellen sie Hintergründe zu psychologischen Archetypen, Emotionen, Träumen oder Tagträumen dar, bevor sie sich ganz konkret der Frage widmen, wie der Einzelne heilende Techniken der Imagination im Alltag anwenden kann. Für Ungeübte besteht die einfachste Möglichkeit darin, Tagträume effektiv im Gespräch mit einem ausgebildeten Therapeuten lenken zu lassen. Im Mittelpunkt des Bandes steht die KIP, die Methode der katathym-imaginativen Psychotherapie. Die Basis einer solchen Therapie wird umfassend erläutert, ebenso wie Standardmotive, Wirksamkeit aber auch potenziell auftretende Herausforderungen. Dabei beschreiben die beiden Autoren auch komplexe Prozesse sehr anschaulich und gut verständlich. Der letzte Teil des Buches schließt mit Erfahrungen aus der Praxis, indem es zu verschiedenen Problemfeldern Gespräche zwischen Klienten und Therapeuten präsentiert. Ein letztes Kapitel beschreibt darüber hinaus interessante Ergebnisse eines Forschungsprojekts zum Thema Imagination gegen das Altern. Weiterführende Hinweise bietet ein ausführliches Literatur- sowie Stichwortverzeichnis.
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Fazit: Eine gewinnbringende Lektüre, die man jedem nur empfehlen kann, der im Bereich dieser Therapieform tätig ist. Sie kann darüber hinaus auch hilfreich für Patienten sein und natürlich für all diejenigen, die an Einblicken in die Kraft der inneren Bilder interessiert sind.

5 Sterne!

Weitere Informationen bei Südwest.

Sonntag, 20. Juli 2014

Mit Bildern lernen - Eine Bilddidaktik für den Religionsunterricht - Rita Burrichter/ Claudia Gärtner

Affektiv-spiritueller Zugang zum Glauben

Bilder zählen zu einem festen Bestandteil unserer medial geprägten Gesellschaft. Somit liegt eine Integration in unterrichtliches Geschehen nahe. Darüber hinaus vermögen es gerade Werke der Kunst, den Betrachter für die religiöse Dimension der Wirklichkeit zu sensibilisieren. Die ästhetischen Ausgangsprodukte schulen die menschliche Wahrnehmungsgabe und lenken den Blick auf die Sphäre des Transzendenten. Die schulische Arbeit mit Bildern zielt darauf, neue Sichtweisen auf das Dargestellte und damit zugleich auch auf Gott, Mensch und Welt zu eröffnen.
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Dieser Band zur Bilddidaktik im Religionsunterricht versucht offene Fragen zu klären:
Anhand welcher Kriterien lassen sich angemessene Beispiele im Blick auf die jeweilige Lerngruppe finden? Wie sieht eine gelungene Unterrichtsgestaltung mit Werken der Kunst überhaupt aus?
Und welche Handlungsimpulse bzw. Aufgabenstellungen sind prinzipiell denkbar?
Anhand von 50 ausgewählten Werken der Kunst erhalten die Leser einen exemplarischen Einblick, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten im konkreten Unterricht sein können. Dabei werden auch auf den ersten Blick schwierig anmutende Themenkomplexe, wie beispielsweise Eschatologie, Trinität oder der Kreislauf von Geburt, Sterben und Tod, berücksichtigt und schülergerecht aufbereitet. Zudem liefern die einzelnen Praxisbausteine wertvolle Hinweise zu kreativen Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht, z.B. zu Mark Wallingers Skulptur „Ecce Homo“, Klaus Rinkes „Tor zur Ewigkeit“ oder Michael Triegels Papstportrait, durch das anhand eines Bildvergleichs die jeweils individuelle Auslegung des Papstamtes ersichtlich werden kann.
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Grundsätzlich gliedert sich der Band in drei Kategorien:
I Bilddidaktische Grundfragen
II Bildtheologische Grundfragen
III Lernorte
Eine Vielzahl unterschiedlichster Autoren teilen ihr Expertenwissen mit dem Leser, indem zu ausgewählten Kategorien einzelne Aufsätze zu finden sind. Lehrkräfte profitieren von den umfassenden Hintergrundinformationen zu Kriterien der Bildauswahl, empfohlenen Erarbeitungsformen, theoretischen Einblicken in die Geschichte des Bildes im Christentum sowie der allgemeinen Orientierung an den großen theologischen Fragestellungen. Vorgestellte Modelle der Bilderschließung, hierzu zählen Stocks strukturale Bildanalyse und vor allem Langes 5-Phasen-Modell, liefern ebenso wichtige Anregungen wie die ausführliche Besprechung verschiedenster Lernorte, z.B. Grundschule, Kirchenraum, Gemeinde oder Museum. Sehr von Vorteil ist der Aufbau der einzelnen Kapitel bestehend aus einem Informationskästchen mit Hintergründen zum jeweiligen Künstler, gleich mehreren Aufgabenstellungen zum vorgestellten Bildbeispiel sowie wichtigen Literaturhinweisen. Farbige, qualitativ hochwertige Abbildungen können problemlos als Kopiervorlage genutzt werden.
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Fazit: Eine gewinnbringende Einführung in die Bilddidaktik am Beispiel des Religionsunterrichts, die insbesondere durch ihre Praxisnähe überzeugt. Sie enthält eine Vielzahl interessanter Handlungsimpulse für den Unterricht, die direkt eingesetzt werden können und sich zudem auf die Arbeit mit eigenen Bildbeispielen übertragen lassen. Sinnvoll, hilfreich und darum überaus zu empfehlen.

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Kösel! 

Freitag, 18. Juli 2014

Der ganz normale Bahnsinn - Miguel Fernandez

Bahnsinnig lustig


Die Bahn macht nicht nur mobil, sondern – ob gewollt oder ungewollt – immer wieder auch wahn- oder vielmehr „bahn-sinnig“. Dabei sind es längst nicht nur defekte Klimaanlagen, diverse Verspätungen und drängelnde Menschenmassen, mit denen sich der typische Passagier konfrontiert sieht. Auf den Reisenden wartet oftmals die ein oder andere Überraschung.
Miguel Fernandez ist es gelungen, diese überraschenden Momente rund um Bahnhof, Züge und Co.in einem kleinen Comicband einzufangen.

Herrlich überspitzte Situationen voller Ironie und Witz sorgen für so manches verschmitzte Schmunzeln bis hin zum lauten Lacher. Es sind unterhaltsame kreativ-gestaltete Zeichnungen, deren Betrachtung gerade für all diejenigen großen Spaß bedeutet, die regelmäßig Zugfahren. Fernandez vertritt eine klare Botschaft: Statt in Frust und Ärger zu verfallen, sollte man sich lieber gelassen zurücklehnen und die ein oder andere Bahnfahrt mit Humor aufnehmen.
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Fazit: Ein unterhaltsam – humorvoller Band, der auch als Geschenk oder Mitbringsel wunderbar geeignet ist, um eine Reise zu versüßen.

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Lappan!

Sonntag, 13. Juli 2014

Raus aus dem Jammersumpf - Margit Hertlein

Warum ich? … Womit habe ich das nur verdient? … Ich bin zu gut für die Welt! … Die anderen sind schuld! …
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Sei es im Berufsleben, innerhalb einer Partnerschaft oder im Bereich der Freizeit: das Jammern scheint ein fester Bestandteil des Alltags geworden zu sein – und zwar auf hohem Niveau. Seien wir ehrlich, es verschafft manchmal schon eine kurzfristige Erleichterung. Doch im Hinblick auf zukünftige Situationen erweist es sich als ein überaus destruktiver Mechanismus. Einmal gefangen im Jammersumpf ist eine Befreiung kaum noch denkbar. Die Folge sind Enttäuschungen, Frustration und Desillusionierungen, die sich leider nicht selten dauerhaft zu manifestieren drohen. Margit Hertleins Anliegen ist es, genau diesen Prozess zu stoppen.
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Die Kommunikationstrainerin, die ebenfalls als Coach arbeitet, bietet ihrer Leserschaft einen überaus gelungenen Ratgeber, einen Wegweiser aus dem Sumpf der Verbitterung. Dabei schafft sie es, die neuesten Erkenntnisse aus Psychologie, Soziologie, Neurologie oder der Evolutionslehre in kleinen Häppchen zugänglich zu machen. Von der ersten bis zur letzten Seite sind die angenehm lesbaren, kleinen Kapitel ebenso unterhaltsam wie informativ.
Sie spricht von der fundamentalen Bedeutung von Humor, Motivation und Neugier, die einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, gar nicht erst im Jammersumpf zu landen. Gleichzeitig werden dabei Wege aufgezeigt, wie es jedem ganz einfach gelingen kann, auch als Erwachsener neugierig durchs Leben zu gehen, den Humor nicht zu verlieren und die eigene Motivation auch in schwierigen Phasen aufrechtzuerhalten.
Hilfreich sind außerdem vielfältige Hintergrundinformationen zum Jammern oder der Vergleich zur Klage. Hertlein zeigt auf, warum negative Erfahrungen beispielsweise automatisch intensiver erlebt und behalten werden, warum die meisten Glücksmomente nie von Dauer sein können
und inwiefern ein statisches oder dynamisches Menschenbild bereits eine Menge über die jeweilige Lebenseinstellung verrät. Neben dem wissenschaftlich fundierten Hintergründen vermittelt sie aber auch Denkanstöße, die die eigene Reflexion anregen. Sie stellen wichtige Impulse dar, den Jammersumpf dauerhaft zu verlassen und das eigene Leben dadurch positiv zu verändern.
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Fazit: Eine hervorragende Lektüre, die dazu ermuntert, das Wagnis einer Veränderung einzugehen und das eigene Leben nicht mehr länger vom Jammern bestimmen zu lassen. Unterhaltsam. Lehrreich. Gewinnbringend. 

5 Sterne! 

Weitere Informationen bei Ariston! 

Samstag, 12. Juli 2014

Ein Buch für die L(i)ebenden - Trauernotizbuch

Und manchmal sind es nur Worte, die trösten.


Wie könnte ich aufhören dich zu lieben, wo die Liebe keinen Raum, keinen Ort kennt, sondern nur die Seele bewohnt.“
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Es gibt im Leben kaum etwas Schlimmeres, als den Verlust eines geliebten Menschen. Manchmal hat man es schon kommen sehen, manchmal ist die Erlösung nach einem langen Kampf gegen eine Krankheit, der verloren wurde, und manchmal trifft es einen wie aus heiterem Himmel. Schonungslos. Wie ein Schlag.
Dann heißt es weitermachen, verarbeiten, der Zeit vertrauen, die alle Wunden heilt. … Es sind gut gemeinte Hinweise von Freunden und Verwandten, die jedoch die Tragweite des Verlustes oftmals kaum nachvollziehen können. Ein Verarbeiten scheint undenkbar und tief in unserem Inneren wissen wir, dass die Zeit keine Wunden zu heilen vermag.
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Dieses liebevoll gestaltete Trauernotizbuch begleitet auf dem jeweils ganz persönlichen Weg, zu lernen, mit einem schmerzenden Verlust weiterzuleben. Einfühlsame Sprichwörter und Redewendungen wechseln sich ab mit stärkenden Bibelzitaten und Gedichten voller Hoffnung. Zahlreiche Bilder, wie z.B. die stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen laden dazu ein, zu einer meditativen Ruhe zu kommen und dabei Erinnerungen zuzulassen. Graphisch illustrierte Fragen laden zur Reflexion ein. Es ist vor allem die einfühlsame Sprache, die hilft, die schmerzenden Gefühle der Trauer zu lindern. Darüber hinaus bietet das Buch Raum für eigene Notizen und individuelle Erinnerungen an den Verstorbenen.
In der Spiralbindung entspricht es einem klassischen Notizbuch. Im Anhang findet man eine Übersicht mit wichtigen Anlaufstellen für Trauernde, zu denen neben der Option einer Telefonseelsorge insbesondere Beratungsangebote und Selbsthilfegruppen gehören, sowie spezielle Internetangebote und Online-Foren. Transportiert wird vor allem das Gefühl, in der Not nicht alleine gelassen zu sein. Und manchmal findet man nur ein einziges Wort oder einen Spruch, der einen stärkt, der – wenn auch nur für einen kurzen Moment – die Trauer umwandelt in liebende, dankbare Erinnerung.
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Fazit: Ein hervorragendes wichtiges Buch, das wirkliche Hilfe bietet, Halt und Orientierung in einer furchtbaren Lebenserfahrung. Es eignet sich als persönliche Unterstützung oder aber auch als Beileidsbekundung für andere. 

5 Sterne! 

Weitere Informationen bei DON BOSCO.