Dienstag, 22. April 2014

Hau eine Delle ins Universum - Hans-Uwe L. Köhler

Musst du dein Leben ändern? Nein. Du musst dein Ändern leben.“
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Hans-Uwe L. Köhler, Experte im Bereich der emotionalen Kommunikation, verweist innerhalb der ersten Kapitel dieses Ratgebers auf die Aussagen Sterbender kurz vor ihrem Tod. Viele wünschten, sie hätten sich selbst erlaubt, glücklicher zu sein, hätten mehr Mut gehabt, wirklich zu leben oder allgemein weniger gearbeitet. Damit der Wunsch nach einem gelingenden, glücklichen Leben keine Sehnsucht bleibt, gilt es im Hier und Jetzt zu handeln – oder, um es mit den Worten des Autors zu sagen – eine Delle in das eigene Universum zu hauen. Es geht um ein Aktiv-werden, um konkretes Handeln.
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Auf ebenso anschauliche wie leicht verständliche Weise erklärt der Autor mit viel Wortwitz und Einfühlungsvermögen, warum es so wichtig ist, dogmatische Überzeugungen zu vermeiden, die dem eigenen Erfolg bloß im Wege stehen. Auch negative Glaubenssätze müssen refelektiert und schließlich aufgegeben werden. Denn es ist letztlich nicht möglich, die Vorgaben und Wertorientierungen eines anderen zu den eigenen zu machen. Nur so kann es dauerhaft gelingen, Selbstvertrauen und Selbstgewissheit aufzubauen, die auf dem Weg zu einem gelingenden Leben die wichtigste Basis darstellen.
Anknüpfend hieran stellt Köhler den Bereich der Arbeit in den Mittelpunkt seines Ratgebers. Wie ein modischer Fehlkauf, die Wahl eines falschen Partners oder Ähnliches, ist auch die Entscheidung für einen falschen Berufsweg denkbar.
Unmissverständlich wird vor Augen geführt, dass gerade dann die Option der inneren Kündigung oder der inneren Emigration, bei der nur noch das Nötigste erledigt wird und die Begeisterung für die Sache fehlt, auf Dauer keine Lösung ist. Da sich das Wesen der Arbeit im Laufe der menschlichen Evolution grundlegend geändert hat, sollte hier ein Prozess des Umdenkens stattfinden. Wer mit dem, was er tut, nicht glücklich ist, wird es auch schwer haben, ein zufriedenstellendes Privatleben zu führen. Anhand konkreter Beispiele spricht der Autor seiner Leserschaft Mut zu, eine Änderung in Angriff zu nehmen. Hochinteressant sind zudem seine Ausführungen zu positiv empfundenem Eustress und der negativen Variante des Disstress, den er mit dem unangenehmen Gefühl vergleicht, am falschen Ort zu befinden.
Am Ende des Buches werden 10 Goldene Regeln zusammengestellt, die dabei helfen, das eigene Universum mutig zu verändern.
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Fazit: „Es ist der Wunsch zu gestalten, zu formen. Es ist der Urgedanke, dass man Ideen, Wünschen und seinen Phantasien Gestalt geben kann.“ - Die aktive Gestaltung des eignen Lebens fängt mit einer kleinen Delle in dem oft einengenden individuellen Universum an. Ein guter Ratgeber, der an einigen Stellen doch den Bereich Job hin zu persönlicheren Themen hätte verlassen können. Wer allerdings ein erfolgsversprechendes, Job-orientiertes Coaching möchte, ist hier sehr gut bedient. Eine empfehlenswerte Lektüre. 

4 Sterne! 

Weitere Informationen bei Ariston! 

Sonntag, 13. April 2014

Love works - Stephanie Katerle

Liebe als tröstendes Sahnehäubchen für die Versorgergemeinschaft und die Fortpflanzungsmission hat ausgedient, sie ist Selbstzweck geworden.“
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Stephanie Katerle, die als Coach und psychologische Beraterin tätig ist, hat die Zeichen der Zeit erkannt. So ist nicht nur das Wesen der Liebe einem kulturellen Wandlungsprozess unterworfen, sondern auch die Definition und Funktion von Arbeit. In unserer modernen Gesellschaft stehen beide Bereiche für einen vielfältigen Anforderungskatalog mit entsprechenden Rollenerwartungen, die kaum zu bewältigen scheinen oder sich im schlimmsten Fall widersprechen. Doch wie kann es gelingen, einen Ausgleich zu finden, sowohl in der Liebe als auch im Job? Eine glückliche Partnerschaft zu führen und erfolgreich im Beruf zu sein, ohne dabei persönliche Bestrebungen nach Selbstentfaltung aufgeben zu müssen, wirkt auf den ersten Blick als unüberwindbarer Gegensatz. Genau an diesem Punkt setzt Katerles Ratgeber an. Er verspricht Abhilfe und zeigt Wege auf, wie die Liebe auch vor dem Hintergrund unserer heutigen, vielschichtigen Arbeitswelt funktionieren kann.
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Unter einer besonderen Belastung stehen vor allem jene Partnerschaften, die dem klassischen Familienportrait der 50er entgegenstehen – und damit die Mehrheit heutiger Beziehungen: Mobile Arbeitnehmer mit einem weiten, täglichen Arbeitsweg, Mehrverdienerhaushalte und Fernbeziehungen.
Anhand exemplarischer Paare mit ihren je spezifischen Problemen wird aufgezeigt, wie negative Glaubenssätze aufgebrochen werden können.
Häufig sind es auch Rollenerwartungen, die bei den einzelnen Paaren zu Konflikten führen. Mit Hilfe einer ganzheitlichen, systemischen Beratung gibt Katerle konkrete Handlungsimpulse zur Lösung der Schwierigkeiten. Dabei sind die Ansätze, an denen gearbeitet wird, auch für die Leser interessant. Aspekte wie „Selbstwert und Akzeptanz“, „Emanzipation aus der Geschlechterrollenerwartung“ oder „Zentrierung und Stärkung“ von Ressourcen stellen Bereiche dar, die in jeder Beziehung von Bedeutung sind. Es fällt folglich leicht, sich mit den besprochenen Situationen zu identifizieren. Häufig findet man als Leser selbst Anregungen zur Lösung eigener Probleme.
Neben solchen Fallbeispielen regen praktische Übungen eine Reflexion der eigenen Beziehung, aber auch der Akzeptanz und des Selbstwertes an. Hier liefert außerdem der Fragebogen zur Work-Love-Balance zu Beginn des Buches wichtige Anregungen.
Die Autorin spricht des Weiteren über den Einfluss von Vorbildern, Verpflichtungen, Eifersucht, Lebenszielen oder Karrierebestrebungen.
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Fazit: Ein hervorragender Ratgeber, der beweist, dass es auch heute durchaus möglich ist, Liebe und Job zu vereinbaren ohne sich dabei selbst zu verlieren. Er macht Mut, sich dieser Herausforderung voller Gelassenheit zu stellen, indem er Erfolgsgeschichten in Form von Fallbeispielen vorstellt und Impulse gibt, die eigene Situation entsprechend zu verändern. Sehr zu empfehlen! 

5 Sterne! 

Weiterführende Informationen beim Kreuz Verlag! 

Erich Ohser alias e.o.plauen - Vater und Sohn

Die Welt wird für den, der zeichnet, schöner, sehr viel schöner.“

Die ebenso liebevoll wie unterhaltsamen Geschichten rund um die beiden Charaktere Vater und Sohn erfreuen sich bis in die heutige Zeit größter Beliebtheit. Dabei beweist ein Blick auf die beeindruckende Rezeptionsgeschichte, mit wie viel Freude die Bilderabfolgen von Beginn an aufgenommen wurden. Und das obwohl - oder gerade weil sie dem damalig propagierten Menschenbild zuwiderlaufen. Es ist nicht der militärisch strenge, taktisch vorgehende Mann, sondern eine herzliche Vaterfigur voller elterlicher Liebe und Zuneigung für den Sohn, die so sehr begeistert.
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Unbeschwerte Erlebnisse und tagtägliche Situationen voller Witz und Humor lassen oftmals die schwierigen Verhältnisse vergessen, denen Erich Ohser alias e.o. plauen begegnen musste. Eine ganz andere, für Viele bisher sicher unbekannte Seite des berühmt gewordenen Künstlers präsentiert Elke Schulze in dieser ebenso ansprechend gestalteten wie detailliert recherchierten Biografie Ohsers. Bestückt mit Zeugnissen seines künstlerischen Schaffens, zu denen etwa kolorierte oder in Schwarz-Weiß gehaltene Tuschzeichnungen, Bleistiftzeichnungen oder Holzschnitte zählen, berichtet die Autorin in einer umfassenden Weise über familiäre Hintergründe, über Kindheit und Jugend, Schulbildung und Studium, seine Ehe mit Marigard, die Beziehung zum Sohn Christian und schließlich auch über politische Missstände. Es ist hochinteressant, Hintergrundinformationen zu Ohsers Tätigkeit als Illustrator von Gedichten Erich Kästners oder aber auch zu seiner Zeit als
politischem Karikaturisten zu erhalten; auch hier an konkreten Beispielen veranschaulicht.
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Private Fotos aus dem Familienalbum, Zitationen original verfasster Briefe und andere Textzeugnisse führen dem Leser sehr anschaulich vor Augen, wie sein Leben ausgesehen hat. Und so werden auch die Gefühle und jene Unsicherheiten spürbar, die die damalige Bücherverbrennung zur Folge hatte, bei der auch Illustrationen Ohsers vernichtet wurden. In einer Zeit, in der künstlerische Werke ohne Erlaubnis des Propagandaministeriums untersagt wurden, ist es Ohser gelungen, die beliebten Vater-Sohn-Geschichten voller Warmherzigkeit und Liebe zu erschaffen – die somit letztlich auch als politisches Statement gelten dürfen. Schließlich legen sie eine außergewöhnlich starke, auf Respekt und Wohlwollen gründende Bindung zwischen Vater und Sohn offen, die heute wie damals ihre Leser auf eine herrlich amüsante Art und Weise begeistert.
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Fazit: Schulze leistet einen wesentlichen Beitrag, den unbekannten Künstler hinter den pfiffigen Geschichten näher kennenzulernen, um seine ganz persönliche Geschichte zu verstehen. Eine überaus gelungene Ausgestaltung einer Biografie Erich Ohsers, ebenso abwechslungsreich wie ansprechend, die nicht an Daten und Fakten spart, stets hochinteressant und unterhaltsam zugleich verfasst! Ein Gewinn für jeden Vater und Sohn-Fan, eine Bereicherung für Sammler und ein persönliches Stück Geschichte für alle zufällig darüber Stolpernden. Unbedingt zu empfehlen! 

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Ein wahrer Genuss für alle „Vater und Sohn“-Liebhaber

Der Südverlag präsentiert seinen Lesern eine wundervolle Zusammenstellung der 33 schönsten Geschichten rund um den herzlichen Vater und seinen aufgeweckten Sohn. Zu Beginn des Sammelbands findet sich passenderweise die erste veröffentlichte Geschichte „Der schlechte Hausaufsatz“ aus dem Jahr 1934.
Herrlich amüsant und unterhaltsam sind die Bildabfolgen, wobei jeder Geschichte eine Doppelseite des Buches gewidmet ist. Rechts befinden sich die Illustrationen, links unter dem jeweiligen Titel eine exemplarische Situation, nun noch einmal herausgegriffen und in zarten Tönen visualisiert.
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Die Besonderheit des Bandes besteht darin, dass alle Geschichten erstmals in Farbe wiedergegeben werden. Liebevolle und sehr passende Kolorationen machen die Lektüre zu einer wahren Freude, wobei die beiden Titelhelden nichts an ihrem Charme einbüßen müssen. Die Erlebnisse drehen sich rund um die täglichen Probleme des Lebens, zeigen Konflikte mit gesellschaftlichen Autoritäten auf oder liefern pfiffige Ideen, um so manche schwierige Alltagssituation zu meistern. Immer dabei ist natürlich eine Prise Humor.
Alles in allem zeugen sie von der tiefen Liebe und elterlichen Zuneigung eines Vaters zu seinem Sohn. Wohlwollen und ein Gefühl der Verbundenheit wird in jeder Geschichte spürbar. Interessante Hintergrundinformationen werden dem Leser auf den letzten Seiten geboten, wenn es um biografische Daten des Autoren geht, die eindrucksvoll zusammengefasst wurden.
Letztlich erhalten die Leser einen umfassenden Einblick in das Leben einer beeindruckenden Künstlerpersönlichkeit und eine überaus gelungene Sammlung farbig aufbereiteter Geschichten.
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Fazit: Eine Perle für jeden Sammler, ein wunderbares Geschenk für jeden Vater und eine gewinnbringende Lektüre für jeden Einzelnen. Unbedingt zu empfehlen! 

5 Sterne!  

Weitere Infos beim Südverlag.

Freitag, 11. April 2014

Männopause - Linus Höke

Stellen Sie sich vor Ihren Badezimmerspiegel. Ziehen Sie nun das, was neben ihren Mundwinkeln herunterhängt – also Ihre Wangen – mit den Händen nach oben.“
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Olaf Bruchmann, der Held in Linus Hökes neuestem Werk, stellt sich mutig seinem unausweichlichen Schicksal: dem eigenen 50.Geburtstag.
Die zwei Tagen, die ihm bis zu diesem einzigartigen Ereignis noch bleiben, sind voll tiefgreifender Gedanken über den bisherigen Verlauf seines Lebens. Und so beginnt die Lektüre mit der klassischen Liste all jener Dinge, die ein Mensch bis zu seinem 50. getan haben sollte. Und bei Olaf hört es schon beim „Baum pflanzen“ auf. Der Leser darf sich gleich zu Beginn über einen herrlich amüsanten, ironisch-sarkastischen Kommentar jener Vorhaben freuen, von denen Olaf bisher nichts so richtig umsetzen konnte. Was bleibt zu tun? Alles nachholen? Oder noch schnell vor dem Geburtstag erledigen? … 2 Tage sind es, die ihm als Gnadenfrist bleiben.
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Der Leser lernt Olaf innerhalb 18 kurzer Kapitel kennen und lieben. Die Texteinheiten ähneln dabei in gewisser Weise einzelner Kolumnen, die sich je einem Thema widmen. Es geht dabei vor allem um die klassischen Fragen des Älterwerdens, angefangen vom eigenen Aussehen, über ein angekratztes Selbstwertgefühl, Männerabende oder Burn-out, bis hin zur Vergangenheitsliebe und einem allgemeinen Gefühl des nicht enden wollenden Blues.
Aufgelockert werden die kurzen Textpassagen durch Illustrationen André Sedlaczeks, stilecht in Schwarz-Weiß, die nichts an Humor und Witz zu wünschen übrig lassen. Schonungslos visualisiert der Cartoonist typische Alltagssituationen aus dem Leben eines alternden Mannes. Sie ergänzen Hökes lustige Geschichte rund um den bald 50-jährigen Olaf und sorgen für einen zusätzlichen Spaßfaktor. Zudem finden sich neben den Illustrationen einige in grau gehaltene Textabschnitte, die dem Leser zahlreiche Tipps und Tricks verraten, etwa wie man trotz Alter von der Außenwelt als leistungsfähig wahrgenommen werden kann. Dazu zählt beispielsweise ein überdimensional großer Terminkalender oder organisierte Anrufe. Sehr unterhaltsam sind die Ratschläge zum Thema „Wie schiebe ich richtig Blues?“ oder das Quiz zur Fitness im Umgang mit moderner Technik.
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Fazit: Eine unterhaltsame Lektüre, die sich insbesondere für alle „Betroffenen“ eignet, gerne auch als das etwas andere Geschenk für künftige Geburtstagskinder. Vermittelt wird hier vor allem eins: Am Beispiel Olafs erkennt man, worauf es wirklich (im Alter) ankommt: eine Prise Humor – egal wie weit sich das eigene Spiegelbild vom Pitt- und Clooney-Maßstab entfernt.  

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Lappan!