Mittwoch, 17. September 2014

Einfach unvergesslich - Rowan Coleman

 Jeder Augenblick ist kostbar, wenn die Erinnerung davon läuft


„Ich schmiege mich in ihre Arme und lasse mich von ihr trösten, denn ganz gleich, welchen Tag unseres früheren Lebens sie da gerade wieder durchlebt: ich wünschte, ich wäre auch da. Da, wo nach einem Kuss und einer Umarmung alles wieder gut war.“
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Rowan Coleman bietet ihren Lesern mit ihrem elften Roman eine ergreifende Geschichte, die zutiefst zu Herzen geht. Die Protagonistin Claire durchlebt eines der schlimmsten Schicksale überhaupt: den Verlust der eigenen Erinnerung, letztlich den Verlust des eigenen Ichs.
Ihre Identität, das was sie im Kern ihres Wesens ausmacht, verschwindet zusehends. Und so werden ganz alltägliche Abläufe, sie es das simple Anziehen der Schuhe oder das Kochen von Gemüse, für sie zur Tortour. Schmerzhaft muss sie erfahren, dass sie sich regelrecht zurück entwickelt, unnormal wird, den Verstand verliert. Sie ist krank und verwirrt, mit keiner Aussicht auf Besserung.
Für Claire wird es nun zunehmend wichtiger, all die Erinnerungen, die ihr noch geblieben sind, festzuhalten. Und sie beginnt, ein Erinnerungsbuch anzulegen.
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In einem gelungenen Wechsel der Perspektiven (Ich-Erzähler aus Sicht von Mutter und Tochter) gelingt es der Autorin allein schon durch die unterschiedlichen Blickwinkel eine eindringliche, hoch emotionale Geschichte zu erzählen. Man wird mitten hineingenommen in die Reise der Protagonistin in ihre eigene Vergangenheit. Dabei wird ersichtlich, dass es vor allem Menschen, Gefühle und bestimmte, damit verbundene Augenblicke des Glücks sind, die sehr lange in ihrem Gedächtnis verwurzelt blieben. Somit wird Liebe zu der Größe, die bis zuletzt bleibt.
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Eine besonders einfühlsame Sprache macht es leicht, Empathie zu den sehr sympathischen Figuren aufzubauen und ihre Sorgen und Nöte, aber gerade auch die schönen Momente nachempfinden zu können.
Elliptische Sätze und Gedankenfetzen in asyndetischer Reihung, verbunden mit einer gefühlvollen, modernen Sprache, machen die Geschichte zu einer fließenden, kurzweiligen Lektüre. Insgesamt handelt es sich um ein liebevoll gestaltetes Taschenbuch in angenehmer, relativ großer Schrift. Die Seiten der Erinnerung Claires enthalten zudem einen kleinen Marienkäfer als Zeichen einstigen Glücks.
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Fazit: Die Lektüre eignet sich für jeden, insbesondere für alle, die sich selbst einem ähnlichen Schicksal im Familien- oder Freundeskreis stellen müssen. Sie tut einfach gut. Bezaubernd schön und traurig zugleich.
Wunderbar. Herzergreifend. Zum Nachdenken anregend. Überaus zu empfehlen!


5 Sterne! 

Weitere Infos bei Piper. 

1 Kommentar:

  1. Ich habe zu diesem Thema vor kurzem auch auch Buch gelesen, obwohl es mich eher weniger betrifft, aber ich war erstaunt, wie sehr ich mich in die Thematik doch reinversetzen konnte! Das Buch hier klingt auf jeden Fall auch sehr interessant, wenn auch ein wenig melancholisch.

    Übrigens bin ich jetzt mal Leser deines Blogs geworden und werde mal öfter vorbeischauen!! :D
    Liebe Grüße
    Jessi
    http://in-buechern-leben.blogspot.de/

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