Sonntag, 20. Juli 2014

Mit Bildern lernen - Eine Bilddidaktik für den Religionsunterricht - Rita Burrichter/ Claudia Gärtner

Affektiv-spiritueller Zugang zum Glauben

Bilder zählen zu einem festen Bestandteil unserer medial geprägten Gesellschaft. Somit liegt eine Integration in unterrichtliches Geschehen nahe. Darüber hinaus vermögen es gerade Werke der Kunst, den Betrachter für die religiöse Dimension der Wirklichkeit zu sensibilisieren. Die ästhetischen Ausgangsprodukte schulen die menschliche Wahrnehmungsgabe und lenken den Blick auf die Sphäre des Transzendenten. Die schulische Arbeit mit Bildern zielt darauf, neue Sichtweisen auf das Dargestellte und damit zugleich auch auf Gott, Mensch und Welt zu eröffnen.
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Dieser Band zur Bilddidaktik im Religionsunterricht versucht offene Fragen zu klären:
Anhand welcher Kriterien lassen sich angemessene Beispiele im Blick auf die jeweilige Lerngruppe finden? Wie sieht eine gelungene Unterrichtsgestaltung mit Werken der Kunst überhaupt aus?
Und welche Handlungsimpulse bzw. Aufgabenstellungen sind prinzipiell denkbar?
Anhand von 50 ausgewählten Werken der Kunst erhalten die Leser einen exemplarischen Einblick, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten im konkreten Unterricht sein können. Dabei werden auch auf den ersten Blick schwierig anmutende Themenkomplexe, wie beispielsweise Eschatologie, Trinität oder der Kreislauf von Geburt, Sterben und Tod, berücksichtigt und schülergerecht aufbereitet. Zudem liefern die einzelnen Praxisbausteine wertvolle Hinweise zu kreativen Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht, z.B. zu Mark Wallingers Skulptur „Ecce Homo“, Klaus Rinkes „Tor zur Ewigkeit“ oder Michael Triegels Papstportrait, durch das anhand eines Bildvergleichs die jeweils individuelle Auslegung des Papstamtes ersichtlich werden kann.
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Grundsätzlich gliedert sich der Band in drei Kategorien:
I Bilddidaktische Grundfragen
II Bildtheologische Grundfragen
III Lernorte
Eine Vielzahl unterschiedlichster Autoren teilen ihr Expertenwissen mit dem Leser, indem zu ausgewählten Kategorien einzelne Aufsätze zu finden sind. Lehrkräfte profitieren von den umfassenden Hintergrundinformationen zu Kriterien der Bildauswahl, empfohlenen Erarbeitungsformen, theoretischen Einblicken in die Geschichte des Bildes im Christentum sowie der allgemeinen Orientierung an den großen theologischen Fragestellungen. Vorgestellte Modelle der Bilderschließung, hierzu zählen Stocks strukturale Bildanalyse und vor allem Langes 5-Phasen-Modell, liefern ebenso wichtige Anregungen wie die ausführliche Besprechung verschiedenster Lernorte, z.B. Grundschule, Kirchenraum, Gemeinde oder Museum. Sehr von Vorteil ist der Aufbau der einzelnen Kapitel bestehend aus einem Informationskästchen mit Hintergründen zum jeweiligen Künstler, gleich mehreren Aufgabenstellungen zum vorgestellten Bildbeispiel sowie wichtigen Literaturhinweisen. Farbige, qualitativ hochwertige Abbildungen können problemlos als Kopiervorlage genutzt werden.
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Fazit: Eine gewinnbringende Einführung in die Bilddidaktik am Beispiel des Religionsunterrichts, die insbesondere durch ihre Praxisnähe überzeugt. Sie enthält eine Vielzahl interessanter Handlungsimpulse für den Unterricht, die direkt eingesetzt werden können und sich zudem auf die Arbeit mit eigenen Bildbeispielen übertragen lassen. Sinnvoll, hilfreich und darum überaus zu empfehlen.

5 Sterne! 

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