Freitag, 11. April 2014

Männopause - Linus Höke

Stellen Sie sich vor Ihren Badezimmerspiegel. Ziehen Sie nun das, was neben ihren Mundwinkeln herunterhängt – also Ihre Wangen – mit den Händen nach oben.“
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Olaf Bruchmann, der Held in Linus Hökes neuestem Werk, stellt sich mutig seinem unausweichlichen Schicksal: dem eigenen 50.Geburtstag.
Die zwei Tagen, die ihm bis zu diesem einzigartigen Ereignis noch bleiben, sind voll tiefgreifender Gedanken über den bisherigen Verlauf seines Lebens. Und so beginnt die Lektüre mit der klassischen Liste all jener Dinge, die ein Mensch bis zu seinem 50. getan haben sollte. Und bei Olaf hört es schon beim „Baum pflanzen“ auf. Der Leser darf sich gleich zu Beginn über einen herrlich amüsanten, ironisch-sarkastischen Kommentar jener Vorhaben freuen, von denen Olaf bisher nichts so richtig umsetzen konnte. Was bleibt zu tun? Alles nachholen? Oder noch schnell vor dem Geburtstag erledigen? … 2 Tage sind es, die ihm als Gnadenfrist bleiben.
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Der Leser lernt Olaf innerhalb 18 kurzer Kapitel kennen und lieben. Die Texteinheiten ähneln dabei in gewisser Weise einzelner Kolumnen, die sich je einem Thema widmen. Es geht dabei vor allem um die klassischen Fragen des Älterwerdens, angefangen vom eigenen Aussehen, über ein angekratztes Selbstwertgefühl, Männerabende oder Burn-out, bis hin zur Vergangenheitsliebe und einem allgemeinen Gefühl des nicht enden wollenden Blues.
Aufgelockert werden die kurzen Textpassagen durch Illustrationen André Sedlaczeks, stilecht in Schwarz-Weiß, die nichts an Humor und Witz zu wünschen übrig lassen. Schonungslos visualisiert der Cartoonist typische Alltagssituationen aus dem Leben eines alternden Mannes. Sie ergänzen Hökes lustige Geschichte rund um den bald 50-jährigen Olaf und sorgen für einen zusätzlichen Spaßfaktor. Zudem finden sich neben den Illustrationen einige in grau gehaltene Textabschnitte, die dem Leser zahlreiche Tipps und Tricks verraten, etwa wie man trotz Alter von der Außenwelt als leistungsfähig wahrgenommen werden kann. Dazu zählt beispielsweise ein überdimensional großer Terminkalender oder organisierte Anrufe. Sehr unterhaltsam sind die Ratschläge zum Thema „Wie schiebe ich richtig Blues?“ oder das Quiz zur Fitness im Umgang mit moderner Technik.
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Fazit: Eine unterhaltsame Lektüre, die sich insbesondere für alle „Betroffenen“ eignet, gerne auch als das etwas andere Geschenk für künftige Geburtstagskinder. Vermittelt wird hier vor allem eins: Am Beispiel Olafs erkennt man, worauf es wirklich (im Alter) ankommt: eine Prise Humor – egal wie weit sich das eigene Spiegelbild vom Pitt- und Clooney-Maßstab entfernt.  

5 Sterne! 

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