Dienstag, 30. Juli 2013

UTB Profile: Literarische Romantik - Gerhard Kaiser

„Wo gehn wir denn hin? … Immer nach Hause.“
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Die Romantik als eine Epoche, deren poetologische Grundlage wesentlich auf philosophischen Abhandlungen der damaligen Zeit fußt, zeichnet sich aus durch Komplexität und – gerade auch im literarischen Bereich – Vielfalt. Zur Untersuchung repräsentativer Werke ist es dabei unumgänglich, zentrale Kategorien wie etwa das Romantisieren, die progressive Universalpoesie, Transzendentalallegorien und Potenzierungsstrategien zu verstehen.
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Gerhard Kaiser, Privatdozent an der Universität Göttingen und Inhaber einer Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Siegen, liefert mit diesem Band der UTB-Reihe Profile eine ebenso übersichtliche wie leicht verständliche Einführung in die Gesamtepoche, bei der philosophische Hintergründe, Motivkomplexe und ideelle Konzepte anhand konkreter Textbeispiele erläutert werden. Nach kurzen einleitenden Informationen beginnt die praktische Analyse ausgewählter Texte, die das breite Spektrum romantischer Gattungen (Lyrik, Roman, Kunstmärchen) und zum Teil auch Gattungskombinationen berücksichtigt und darüber hinaus Unterschiede zwischen Früh-, Hoch- und Spätromantik offenlegt. Zu den ausgewählten Autoren zählen u.a. Wackenroder, Tieck, Novalis, Eichendorff und E.T.A. Hoffmann. Neben detaillierten Einzelanalysen wie etwa zu Novalis' „Heinrich von Ofterdingen“ finden sich Analysen, die auf speziellere Fragen ausgerichtet sind, z.B:
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> „Hoffmanns Erzählprinzip der Mehrdeutigkeit am Beispiel des Ritter Gluck“
> „Clemens Brentano als sentimentalischer Dichter des Naiven und “trauriger unstäter Geist““
> „Zum Drama der Romantik – Der Gestiefelte Kater“
> „Des Knaben Wunderhorn oder Romantisches sampling im Zeichen des Volkes“
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Das letzte der sieben Kapitel des Einführungsbandes schließt mit einer Nachbemerkung zur Romantikrezeption. Auch hier sind wie zuvor weiterführende Literaturhinweise angegeben, die für ein vertieftes Selbststudium gewinnbringend genutzt werden können.
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Fazit:

Ein sehr empfehlenswerter Band, der Fachausdrücke und typische Konzepte nicht nur präzise erläutert, sondern vielmehr direkt in der Praxis anwendet. Gerade deswegen eignet sich die Lektüre optimal zur Begleitung von Seminaren und Vorlesungen, zur Prüfungsvorbereitung oder auch als Anregung zum Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten. Gelungene Zusammenstellung fundierten Wissens zur Epoche der Romantik.

5 Sterne! 

Weitere Infos bei UTB! 

Montag, 22. Juli 2013

Zen Food - Martin und Philippa Faulks

„Zen Food ist nicht das, was wir landläufig unter einer Diät verstehen. […] Zen Food beruht auf dem Prinzip, das mit dem japanischen Wort “Kaizen“ bezeichnet wird. Es bedeutet “Verbesserung“ oder ganz wörtlich “kleine dauerhafte Veränderung zum Guten“.“
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Mal ehrlich: Der Wunsch abzunehmen ist für jeden von uns absolut nachvollziehbar und Diätkonzepte, die Erfolg versprechen, gibt es viele. Doch trotz der gefühlt unendlichen Auswahl an Abnehmtipps und Tricks bieten diese Ratschläge zumeist keine wirklich dauerhafte Lösung.
Martin und Philippa Faulks präsentieren mit Zen Food nun eine ganzheitliche Strategie, die nicht nur einseitig auf eine Veränderung der Essensgewohnheiten zielt. Gemeint ist neben der speziellen Ernährungsweise vor allem ein neuartiges Lebenskonzept, dessen Resultate Vitalität, Harmonie und Wohlbefinden und sogar ein gestärktes Selbstbewusstsein sein können.
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Neben theoretischen Hintergrundinformationen zu Zen Food, Reflexionen über den Prozess des Umdenkens oder der Kultivierung von Zufriedenheit, stehen hier ebenso ganz praktische Ratschläge im Mittelpunkt. Demnach führen schon minimale Änderungen zu großen Wirkungen. Der Verzicht auf eine Cola/Limo pro Tag könnte demnach bis zu 7 Kilo im Jahr reduzieren.
Achtsamkeit, Meditation und die Kunst Loszulassen sind wichtige Faktoren, um beispielsweise das sogenannte Kompensationsessen zu vermeiden und Motivation entstehen zu lassen.
Zwischenmahlzeiten, Schlaf, Verdauung, Essen im Urlaub, Bewegung und einen beispielhaften Verlaufsplan bilden thematische Schwerpunkte des Ratgebers. Die beiden Autoren verraten, warum es wichtig ist, beim Essen zu sitzen oder was ein warmes Glas Wasser mit Zitronensaft effektiv bewirkt. Erläuterungen zum idealen Salat oder kalorienarmen Getränken können ebenso in der Praxis gewinnbringend genutzt werden. Insgesamt sind die Hinweise und Ratschläge so gestaltet, dass sie keine Probleme bereiten und mühelos in den Alltag integriert werden können. Positiv zu bewerten ist die individuelle Ausrichtung, die jedem ermöglicht, das Konzept des Zen Food nach eigenen Vorlieben und Wünschen umzusetzen. Niemand wird gezwungen, übermäßig viel Sport zu machen, wenn seinen Interessen absolut zuwiderläuft. Die Wochenpläne im Anhang richten sich somit nach unterschiedlichen Schwerpunkten, wie etwa der Verlaufsplan mit spiritueller Ausrichtung, den Plan für den schnellen Gewichtsverlust oder ganz ohne körperliches Training.
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Subjektive Erfahrungen der beiden Autoren werden zusätzlich geschildert, jedoch immer nur am Rande. Im Zentrum stehen die konkreten Handreichungen, die es ermöglichen sollen, den ganz persönlichen Alltag nach dem Zen Food-Prinzip zu gestalten, um letztlich zu dauerhaften Lebens- und Körperglück zu gelangen.
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Fazit: Ändert nicht nur in Hinblick auf die Ernährung die Perspektive! Sehr zu empfehlen.


5 Sterne! 

Weitere Infos inklusive Leseprobe bei Lotos!

Montag, 15. Juli 2013

Gehen - Elisabeth Hör-Bogacz



„Was viele nicht wissen: Zu Fuß zu gehen ist eine verblüffend wirksame Methode, den Alltag zu entschleunigen und in den eigenen Rhythmus zu kommen. Die wichtigste Botschaft: Sie müssen sich nicht anstrengen, um Ihr Wohlbefinden zu steigern und mehr Leichtigkeit zu empfinden. Im Gegenteil.“
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In einer Zeit, in der der moderne Mensch nicht nur die Wahrnehmung der ihn umgebenden Welt, sondern vielmehr auch die Wahrnehmung innerseelischer Prozesse vollkommen verlernt hat, sind Auszeiten von Stress und Hektik des Alltags unverzichtbar. Dabei müssen keine aufwendigen Sportkurse oder Seminare besucht werden. Es genügt, sich auf eine ganz natürliche Bewegung zu konzentrieren: Das Gehen.
Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Verglichen mit typischen Sportarten werden Gelenke und Knochen geschont, Stoffwechselprozesse normalisieren sich, eine Gewichtsreduktion wird erleichtert, Bronchien und Lunge werden entlastet und die Herzleistung deutlich verbessert. Auch auf die Körperhaltung nimmt das Gehen deutlich positiven Einfluss, was insbesondere für all diejenigen von Bedeutung sein kann, die beruflich oder privat viel sitzen.
Elisabeth Hör-Bogacz stellt ein unkompliziertes Konezpt vor, um zu mehr Ausgeglichenheit und Fitness zu gelangen. Alleine 30 Minuten zügiges Gehen entfalten bereits positive Effekte in den genannten Bereichen. Aber auch in entspannter Weise kann es dazu beitragen, sich dauerhaft und rundum wohlzufühlen.
Anhand einzelner Kapitel beschäftigt sich die Autorin mit den Bereichen Selbtbewusstsein, Körpergefühl, Gelassenheit, Kreativität und Achtsamkeit. Sie nimmt die Themen jeweils nicht nur theoretisch in den Blick, indem sie etwa auf den paradoxen Zeitbegriff, auf Rausch und Schnelligkeit sowie unser subjektives Zeitempfinden reflektierend eingeht. Vielmehr gibt sie ihren Lesern konkrete Anregungen, Übungen und Methoden an die Hand, um das Gehen auch wirklich in die Tat umzusetzen.
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Dieses Kompendium des Gehens ist ein leicht verständlich geschriebener Ratgeberband, der dazu ermutigt, sich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Weg zu machen und die Natur und sich selbst neu zu entdecken. Anders als viele Sportarten, die extrem anstrengend oder mit massivem Aufwand verbunden sind, braucht man hierzu nichts weiter als den Willen, den ersten Schritt zu tun. Und es stimmt. Gehen fördert Kreativität, kann in Situationen der Anspannung befreiend wirken und einen klaren Kopf schaffen, führt zu mehr Körperbewusstsein und Ausgeglichenheit. Es ist ein wunderbarer Weg, für den hier geworben wird. Eine kleine und sehr hilfreiche Fibel – eine Anleitung, den ersten Schritt zu wagen. Überaus zu empfehlen!  

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Integral!

Sonntag, 14. Juli 2013

Jesus total - Walter Moers

Wenn Gottes Boten seine Verkündigung in einem unverblümten Rap vortragen, wenn die heilige Familie plötzlich alles andere als heilig ist und Petrus, der Fels, auf den die Kirche Gottes gründet, völlig aus der Rolle fällt, dann ist Mut gefordert. Mut, sich der “wahren Geschichte“ zu stellen. Und genau hier zeigt sich schon der parodistische Ansatz dieses 1992 erstmals erschienenen Werks von Walter Moers.
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Das Christentum, das sich insbesondere um die Verkündigung der einen Wahrheit und deren theologisch-kultureller Tradierung bemüht, Zuversicht und Hoffnung eben dieser Wahrheit kundzutun, wird hier bei weitem nicht nur auf visueller Ebene bis zur Schmerzensgrenze auf die Schippe genommen.
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Neben den charakteristischen Moers-Zeichnungen sind es daher vor allem die spitzfindigen, sarkastisch-schwarzhumorigen Worte, die in Kombination mit den Bildern schonungslos eine völlig andere Interpretation des Neuen Testaments, der Geschichte Jesu bieten. Von Verkündigung, Geburt und Versuchung in der Wüste bis zum Tod am Kreuz werden viele bekannte Szenen aufgegriffen und reflektiert. Dabei treffen sie je genau den empfindlichen Punkt, jenes Ziel von Ironie und Provokation.
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Moers' Fans, die genau hierauf Wert legen, werden ohne Zweifel voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Jedoch sollte sich der Leser der Lektüre dessen bewusst sein, dass nicht selten Grenzen überschritten werden, die sicher so manchem als zu heftig erscheinen. Daher ist zu diesem Band eine FSK anzuraten. Interessierte Leser sollten sich die Frage stellen, wie viel Witz und Humor man in dem sensiblen Bereich der Religiosität jeweils versteht.
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Fazit: Die Kenner des bekannten Illustratoren wissen hier vermutlich längst, was sie erwartet und können sich ungestört auf die Lektüre einlassen. Es ist eine Frage der je ganz persönlichen Definition von Humor und Ironie: „Jetzt bestellen – oder wollen Sie warten bis zum Jüngsten Tag???“

4 Sterne! 

Weitere Infos bei Knaus!