Montag, 20. Mai 2013

Schriften zur Literatur - Alfred Schütz




„Kunst ist unter anderem die bewusste Umdeutung der Relevanzstruktur der Lebenswelt. Das Imaginäre ist nicht an die Grenzen gebunden, die im täglichen Leben durch die Forderung der Durchsetzbarkeit gesteckt sind.“
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Theoretische Reflexionen zum Kunst- und in diesem Zusammenhang insbesondere zum Sinnbegriff zeichnen die hermeneutischen Untersuchungen des aus Österreich stammenden Philosophen und Soziologen maßgeblich aus. Auf einzigartige Weise entfaltet Schütz spezifische Dimensionen des Sinns und fasst seine Arbeit schließlich unter dem Begriff der phänomenologischen Sozilogie zusammen, einer Theorie sozialen Handelns. Dass seine Forschungsergebnisse auch auf die Literaturwissenschaft angewandt werden können und sich zu Analysezwecken gewinnbringend nutzen lassen, beweist spätestens dieser Sammelband, der neben seinen frühen Arbeiten bisher unveröffentlichte Manuskripte zu Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahren beinhaltet.
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Nach einleitenden Informationen zum Gesamtband, die neben Bemerkungen zum Band die wichtigsten Thesen Schütz' anschaulich und präzise darstellen, gelingt der thematische Einstieg problemlos. Interessant sind vor allem neue Perspektiven auf die Auseinandersetzung mit literarischen Texten, sei es der Zusammenhang von Sinnsetzung und Sinndeutung im Textproduktions- und Textrezeptionsprozess oder die Aneignung ästhetischer Formen. Darüber hinaus beschäftigt er sich eingehend mit dem Aristotelischen Gesetz der Einheit als Sinngesetz im Goethe-Schiller'schen-Sinn und dessen spezifischer Gestaltung innerhalb einzelner literarischer Gattungen. Dieser Band der Reihe bietet u.a. Interpetationsansätze literarischer Beiträge, die Anklänge an Schütz' Theorie ästhetischer Sinnwelten anklingen lassen sowie auf das bekannte Konzept der Lebenswelttheorie zurückgreifen. Trotz eines hohen Komplexitätsgrades lassen sich seine Erläuterungen dank einer eingänglichen Schreibweise leicht nachvollziehen. Dabei folgen die jeweiligen Beiträge einem durchgängigen Aufbauprinzip: Dem editorischen Bericht schließt sich der Text an, es folgen ausführliche Anmerkungen der Editoren. Enthalten sind die Texte:
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> Goethe: Novelle (1926)
> Wilhelm Meisters Lehrjahre (1948)
> Zu Wilhelm Meisters Wanderjahren (1948)
> T.S. Eliots Kulturtheorie (1950)
> Soziologische Aspekte der Literatur (1955)
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Ein für Wissenschaft und Studium mehr als aufschlussreicher Sammelband, der zu Einstieg und Vertiefung in Schütz' Theorien bestens geeignet ist. Sehr zu empfehlen!  

5 Sterne! 

Weitere Infos bei UVK.

Mittwoch, 8. Mai 2013

Quintessenzen. Überlebenskunst für Anfänger - Sven Böttcher


 „Aber deine Welt, dein Glück und deine Bedeutung, der Sinn des Lebens, hängen nicht an der Wahrnehmung anderer und schon gar nicht an deren Applaus. Du allein entscheidest, wie viel Sinn dein Leben hat.“
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Manchmal ist das Leben voller Fallstricke und es fällt nicht immer leicht, zwischen Leid, Krankheit und Trostlosigkeit seinen ganz persönlichen Weg und erst recht den Sinn darin zu finden. Nicht selten droht man völlig in der Verzweiflung unterzugehen.
Sven Böttcher, der im Alter von 40 Jahren an Multipler Sklerose erkrankte, setzt in diesem Band das Versprechen an seine Tochter, eine Art Überlebensbuch zu schreiben, in die Tat um. Was ist wirklich wichtig? Worauf kommt es an? Wie lauten die Geheimnisse des Universums und wo findet man es – sein individuelles Glück?
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Anhand kurzer Texte lehrt Böttcher nicht nur seine Tochter einen neuen Blickwinkel auf das Leben einzunehmen. Kleine Kapiteleinheiten thematisieren Glauben, Glück, Gesundheit und eigene Verhaltensweisen in Hinblick auf die Sinnfrage. Natürlich geht es auch um ernste Dimensionen eigener Erfahrung wie Enttäuschungen, Tod und andere Schicksalsschläge. Und trotz der erschütternden Diagnose ist es Böttchert gelungen, seine positive Sicht auf das Leben nicht zu verlieren. Geradezu das Gegenteil ist der Fall. Er präsentiert eine überzeugende Lebensphilosophie, die regelrecht ansteckt und Mut macht, sich selbst den Herausforderungen des Alltags zu stellen und diese aus einer etwas veränderten Perspektive zu betrachten. Und der vielleicht hilfreichste Satz lautet dabei: Heirate dich selbst!
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Es ist ein zutiefst beglückendes Gefühl, an den Reflexion des Autors rund um das Thema Kosmos, Leben und Liebe Anteil zuerhalten. Ein Buch, nach dessen Lektüre man sich im wahrsten Sinne des Wortes verändert hat, ja, das geradezu zu dieser Veränderung einläd. Eine wunderbare Lektüre nicht nur für Heranwachsende, sondern auch für all diejenigen, die immer noch auf der Suche nach Halt und Orientierung sind.
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Fazit: Absolut empfehlenswert!  

5 Sterne! 

Leseprobe sowie weitere Infos bei Ludwig! 

Sonntag, 5. Mai 2013

Bevor ich gehe - Susan Spencer-Wendel



 „Ich glaube nicht, dass mein Tod das Leben meiner Familie ruinieren wird. Doch mir ist klar, dass die Art meines Sterbens ihre Fähigkeit beeinträchtigen könnte, unbeschwert zu leben. Voller Freude zu leben ...“
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Von Angesicht zu Angesicht mit dem Tod – in dieser schwierigen Situation fasst Susan Spencer-Wendel einen einzigartigen Entschluss. Statt in Selbstmitleid oder Verzweiflung zu verfallen, blickt sie realistisch nach vorne und verfolgt dabei nur noch ein Ziel: positive Eindrücke sammeln, um selbst welche zu hinterlassen. Denn für ihre Familie möchte sie auch für die Zeit nach dem eigenen Tod nur das Beste. Und damit auch ihr Ehemann und die drei gemeinsamen Kinder nicht in der Trauer um die Mutter untergehen, beginnt sie einen radikalen Wandlungsprozess.
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Als die dreifache Mutter mit 44 Jahren erfährt, an ALS zu leiden, einer Krankheit, die zu massiven Schädigungen der Nervenzellen und nach Lähmungserscheinungen der Gliedmaßen, der Schluck- und Atemmuskulatur unweigerlich zum Tode führt, sitzt der Schock tief. Doch relativ schnell nimmt Susan ihr Schicksal an. Sie lässt unliebsame Verpflichtungen fallen, reagiert in Alltagssituationen weniger genervt und gehetzt, sieht das Leben aus einem anderen Blickwinkel. Mit ihrem Ehemann wiederholt sie die ersten Jahre ihrer Ehe, indem die beiden gemeinsam nach Budapest reisen, wo sie die erste Zeit ihrer Beziehung verbrachten. Neben einem Aufenthalt in Ungarn oder auf Zypern besucht sie mit ihrer 14-jährigen Tochter den Big Apple. Die unvergesslichen Tage in New York werden von damit abgerundet, dass sie zusammen mit ihrer Tochter exklusive Brautkleider anprobiert, eine Erfahrung, die sie sonst nicht erlebt hätte.
Während dieser Reisen führt sie aufrichtige Gespräche mit ihren Liebsten und gewinnt neue Einsichten in das Leben. Obwohl ihr Körper stetig schwächer wird, gelingt es ihr mental, ihre Ziele durchzusetzen und bis zuletzt nicht aufzugeben.
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Ein ebenso emotional intensiver wie radikal realistischer Erinnerungsband einer mutigen Ehefrau und Mutter. Bei der Lektüre erfährt der Leser nicht nur mutige Taten und tieftraurige Einsichten Susan Spencer-Wendels. Auf einzigartige Weise wird man vielmehr selbst darauf hingewiesen, dass das eigene Leben nicht unendlich andauert und dass man gerade deshalb wirklich jeden Tag so gut es geht auskosten sollte!
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Fazit: „Weine nicht, weil es vorbei ist. Lächle, weil es passiert ist.“
(Theodor Seuss Geibel)

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Heyne!