Dienstag, 30. April 2013

Blick in die Ewigkeit - Dr. med. Eben Alexander


"Dieses Leben ist nicht sinnlos. Doch das können wir von hier aus nicht erkennen - zumindest meistens nicht. Was mir passierte, während ich im Koma lag, ist zweifellos die wichtigste Geschichte, die ich jemals erzählen werde."
_
Berichte von Nahtoderfahrungen gibt es viele und von dem berühmten Licht am Ende des Tunnels hat auch schon jeder etwas gehört. Nicht selten werden solche Erfahrungen als illusionäre Hoffnung oder wage Träumereien abgetan und schlecht geredet. Anders sieht es aus, wenn ein renommierter Neurochirurg die vermeidlichen Hirngespinste als Faktum erkennt und zwar nicht aufgrund der Beschreibungen Dritter, sondern durch eigenes Erleben.
_
Es ist ein plötzlicher Schicksalsschlag, der den jungen Arzt und Familienvater mit einem Mal quasi wörtlich aus dem Leben reißt. Mit starken Schmerzen erwacht er eines morgens, um nur kurze Zeit später ins Koma zu fallen. Die Diagnose: ein generalisierter epileptischer Krampfanfall, beide Gehirnhälften betroffen. Faktisch ist sein Gehirn während der Tage des Komas nicht mehr funktionsfähig und rein wissenschaftlich betrachtet folglich nicht in der Lage, die als Phantasie betitelte Traumwelten eines jenseitigen Lebens zu imaginieren. Und dennoch: Ebens Geist existierte weiter, dessen war sich der Arzt die ganze Zeit bewusst.
Auf hochinteressante und eindringliche Weise berichtet er in einem autobiographischen Rückblick von der Zeit des Komas und seiner im wahrsten Sinne des Wortes erfahrenen Bewusstseinserweiterung. Vom Unterschied zwischen dieser Welt und der Jenseitigen, von Körperlichkeit und neuen Gefühlen, vom Eingehen in das schwarze Nichts und dem langsamen Durchbrechen auf zu einer vollkommen neuen Lichtexistenz. Wie heilsam diese Erfahrung für ihn gewesen ist, stellt er Schritt für Schritt heraus und lässt die Leser dankenswerterweise daran teilhaben. Entstanden ist ein zutiefst eindringlicher sowie mutiger Erfahrungsbericht eines Arztes, der sicherlich jedem Mut macht und Hoffnung schenkt, dass das Leben sowohl einen tieferen Sinn hat als auch potenziell nie endet. Alles, was sich verändert, ist die Daseinsform und die Umgebung.
_
Fazit: Ein Bericht, der bestens geeignet ist für alle am Leben und an der Spiritualität Interessierten und ohne Zweifel auch für Trauernde.  

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Ansata! 

Samstag, 20. April 2013

Moderner Kulturjournalismus - Ursula Nagy




„Wenn man von Kulturjournalismus spricht, spricht man von der journalistischen Reflexion eines kulturellen Prozesses oder Kulturguts, es kann aber auch ein neues, aus dieser Reflexion entstandenes Kulturprodukt, der kulturjournalistische Text als solcher, gemeint sein.“
_
Schon dieses Zitat aus dem Theorieteil des Bandes macht deutlich, dass sich die Autorin auf höchstem Niveau mit der Frage auseinandersetzt, womit wir es überhaupt zu tun haben, wenn von Kultur die Rede ist. Wofür steht dieser Begriff? Und was wird als Kultur angenommen und akzeptiert? Welche Bedingungen sind daran geknüpft? Wie tragen die unterschiedlichsten Facetten der Kultur zu einem solchen Prozess bei? Ursula Nagy, die mit diesem Text an der Universität Erlangen-Nürnberg promovierte, liefert eine detaillierte Beschreibung des theoretischen Forschungsstandes, um die Ergebnisse anschließend anhand einer konkreten Analyse zu verifizieren. In der konkreten Untersuchung zur Resonanz dreier Veranstaltungen ( Deutscher Buchpreis, Deutscher Fernsehpreis, Internationale Biennale der Lichtkunst Ruhr) geht es insbesondere um die Frage, wie eine Auseinandersetzung zwischen Hoch- und Populärkultur in den Medien prototypisch erfolgt.
_
Thematisch gegliedert ist das Buch in zwei Bereiche, wobei der erste Teil einen Abriss über wesentliche Theorieansätze bietet. So werden verschiedene Kulturbegriffe in den Blick genommen, etwa der deskriptive, produktbezogene, elitäre oder populäre. Des Weiteren werden die einzelnen Kanäle des Kulturjournalismus vor dem Hintergrund der heutigen Mediengesellschaft vorgestellt, ihr allgemeinen Funktionsweisen aufgezeigt, sowie Merkmale wie Sprache, Textdesign oder Narrativität dargestellt. Schließlich geht es um die Anwendung des Begriffs in der Praxis. Zur Analyse der drei genannten Medienereignisse gehört ebenso eine Gegenüberstellung hierzu veröffentlichter Artikel in den jeweiligen unterschiedlichen Medienkanälen: Fernsehen, Printmedien und Internet. Gerade in diesem Bereich konnten interessante Ergebnisse erzielt werden.
Kulturelle Bedeutung der Massenmedien sowie Rezeption und kulturelle Reproduktion sind wichtige Begriffe ihres abschließenden Fazits, das neben einer präzisen Zusammenschau der Arbeit nicht auf einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen verzichtet.
_
Fazit: Fundierte Untersuchungsergebnisse, die aus medienwissenschaftlicher Sicht einen interessanten Beitrag leisten zur aktuellen Position des Kulturjournalismus. Der vorangestellte Theorieteil enthält unverzichtbare Informationen, die für Forschung, Wissenschaft und Lehre von Relevanz sind. Der Text besticht durch eine gut nachvollziehbare Struktur sowie einen angenehmen Schreibstil. Eine überaus gelungene Arbeit!

5 Sterne! 

Weitere Infos bei UVK! 

Samstag, 13. April 2013

Kalt erwischt - Heide Fuhljahn


 „Sie fühlen sich grundsätzlich ausgelaugt und erschöpft. - Sie haben wenig Energie und Kraft, und sei es nur zum Zähneputzen. - Sie zweifeln an sich selbst und Ihren Gefühlen.“
_
Auch wenn sich die Symptome einer Depression leise anschleichen und sich erst mit der Zeit verstärken, Fakt ist: es kann jeden von uns, wie der Titel schon sagt, kalt erwischen. Gerade in der heutigen Zeit ist es daher nicht verwunderlich, angesichts der vielfältigen Aufgaben des täglichen Lebens in ein tiefes Loch zu fallen. Denn sie lauert an jeder Ecke, die Gefahr der Überforderung. Und wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, bei uns selbst schon – vielleicht mehr als einmal - typisch „depressive“ Gedanken bemerkt zu haben.
Doch ab wann handelt es sich offiziell um die ernstzunehmende Krankheit? Welche Warnsignale gibt es? Woher kann man Hilfe erwarten?
_
Heide Fuhljahn wagt in diesem Band eine mutige Selbstoffenbarung, das aufrichtige Outing zu der stetig steigenden Gruppe der Depressionspatienten zu gehören. Wie einen Mantel aus Blei, so beschreibt die Journalistin das beklemmende Gefühl dieser Krankheit, das sie allerdings nicht kalt erwischt hat. Fuhljahn leidet vielmehr schon seit Jahren unter Depressionen, die bereits in Kindheit und Jugend zum Ausbruch kamen. Umso bemerkenswerter ist es wie sie gelernt hat, mit der Krankheit auf Dauer umzugehen und sich nicht von ihr zerstören zu lassen. Die Leser werden bei der Lektüre mitgenommen auf eine Reise sowohl in die Vergangenheit ihrer Krankheit als auch die gegenwärtige Situation. Neben Höhe- und Tiefpunkten erlebt man das gesamte Spektrum depressiven Denkens, Fühlens und Handelns. Neben erschütternden Erfahrungsberichten sind es vor allem die mutmachenden Erlebnisse, die den Lesern selbst neu hoffen lassen. Darüber hinaus bietet der Band eine Vielzahl praktischer Ratschläge zum Umgang mit der Krankheit. Hierzu gehören Anregungen zur Selbsthilfe, eine Auflistung renommierter Adressen zur Onlineberatung, Hilfen und Leitlinien für das erste Gespräch mit einem Therapeuten oder aber auch Berichte über das Verhalten von Krankenkassen.
_
Fazit: Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass es sich bei diesem Buch um eine gewinnbringende Lektüre handelt, die neben konkreten Tipps zur Verbesserung der Lage durch das persönliche Zeugnis der Autorin Hoffnung macht, die eigene Situation nicht nur anzuerkennen, sondern gezielt dagegen anzugehen! Sehr zu empfehlen!  

5 Sterne! 

Weitere Infos inklusive Leseprobe beim Diana Verlag! 

Freitag, 5. April 2013

Zeitenzauber. Die goldene Brücke - Eva Völler


 „Bald würde ich Sebastiano wiedersehen … endlich. Sein Bild begleitete mich in meine Träume.“
_
Paris 1625.
Hierher verschlägt es Anna, die sympathische Protagonistin der Zeitenzauber – Reihe in diesem zweiten Teil, der dem Vorgängerband in nichts nachsteht! Eingeschworene Eva Völler Fans, die sich von den spannungsgeladenen Szenen vor der atemberaubenden Kulisse längst vergangener Zeiten schon haben verzaubern lassen, kommen zweifelsfrei auf ihre Kosten. Aber auch für “Neueinsteiger“ gibt es vielfältige Leseanreize, die halten, was sie versprechen.
_
Nach den spektakulären Ereignissen im alten Venedig, im Zuge derer sich die Heldin einem geheimen Zeitwächter-Bund angeschlossen hat, erwartet sie nun ein neues Abenteuer in der französischen Hauptstadt. Inmitten der Abiturprüfungen erhält Anna eine Hiobsbotschaft: Sebastiano ist während eines Einsatzes im 17. Jahrhundert verschwunden. Und natürlich begibt sich Anna sofort auf die Suche nach ihrem Freund. Doch leider kann sich dieser nicht mehr im Geringsten an Anna erinnern, er hat sein vorheriges Leben vollständig vergessen. Was ist mit ihm geschehen? Und wieso hält er sich plötzlich für ein Mitglied der mächtigen Musketiere? Anna lässt nichts unversucht, um ihrem Freund zu helfen, das Geheimnis zu lüften und letztlich auch ihr eigenes Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen.
_
Ein flüssiger Schreibstil, der auch auf humorvolle Einschübe nicht verzichtet, gestaltet die Berichte der Erzählerin. Durch die Wahl dieser Perspektive ergibt sich ein authentisches Gesamtbild der Figur, mit der sich der Leser leicht identifizieren kann. Gefühlvoll mitreißende Szenen lassen mitfühlen und versetzen den begeisterten Leser während der Lektüre fast schon selbst in die Ereignisse der vergangenen Epoche. Vor diesem Hintergrund geht es nicht nur um Abenteuer und Intrigen, die es aufzudecken gilt, sondern vielmehr auch um die traumhafte Liebesgeschichte zwischen Anna und Sebastiano, die einen jeden Leser in ihren Bann zieht.
_
Fazit: Rasant, gefühlvoll, fesselnd! Worin der eigentliche Zauber einer Zeitreise besteht, führt diese Geschichte hautnah vor Augen. Vorsicht: Suchtfaktor!  

5 Sterne! 

Weitere Infos zum Titel bei Bastei Lübbe.