Montag, 25. Februar 2013

Burnout kommt nicht nur von Stress - Dr. med. Mirriam Prieß


„Unsere Welt ist längst eine Welt der Superlative geworden. Eine Welt, in der immer mehr möglich ist, und alles machbar sein soll. Grenzen sind dazu da, um überschritten zu werden, lautet oft die Devise.“
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Burnout ist mittlerweile zu einem ernsten Problem unserer westlichen Welt geworden, zu einer neuen Zivilisationskrankheit, vor der zunehmend auch junge Menschen betroffen sind. Und noch immer wird die Erkrankung von vielen geleugnet oder gar belächelt. Fragt man nach den Ursachen, werden oft Stress und Überforderung genannt. Bei einem genaueren Hinsehen wird jedoch schnell deutlich, dass sich “Stress“ als relativ schillernder Begriff nur schwer definiert lässt. Mögliche Erklärungsversuche unterscheiden sich je nach subjektivem Empfinden. Auch ist der Punkt, an dem Überforderung beginnt, schlecht zu benennen.
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Dr. med. Mirriam Pries macht in diesem Titel erstmals darauf aufmerksam, dass Stress und Überforderung nicht die Ursachen eines Burnouts sein können, sondern lediglich mögliche Symptome. Basierend auf der jahrelangen Erfahrung als Ärztin und Psychotherapeutin kam sie zu dem Schluss, dass es sich beim Burnout um einen Selbstregulierungsversuch des Körpers handelt, der genau dann auftritt, wenn Menschen ein Leben führen, das ihrem eigenen Wesen zutiefst widerspricht. Wenn Rollen gespielt werden und das bloße Funktionierenwollen zum Lebensziel erhoben wird. Als Folge daraus ergibt sich nicht nur der Verlust eigener Identität, sondern vielmehr die typischen sowohl körperlichen als auch seelischen Erschöpfungszustände. Demnach ist die Ursache einer Burnout-Erkrankung der Verlust des Ichs, der Identität; ein Konflikt in einem oder mehreren der wichtigsten Lebensbereiche, zu denen die folgenden zu zählen sind:
  • Beruf
  • Familie und Partnerschaft
  • Gesundheit
  • soziale Kontakte
  • Individualität/Hobbys
  • Glaube/Spiritualität
Ziel einer jeden Prävention muss daher die Herstellung eines Gleichgewichts in ebendiesen Bereichen sein. Hierzu zählt neben der soliden Dialogfähigkeit auch diejenige, Emotionen wahrzunehmen, zu deuten und zu verarbeiten. Die Autorin erklärt präzise, worauf man beim Burnout achten sollte und wie es gelingen kann, zu sich selbst zurückzufinden. Dabei beschreibt sie die Erkrankung im Blick auf Unternehmen sowie auf private Hintergründe, etwa Beziehungen. Die Bedeutung von Angst, Kompensationsstrategien und Persönlichkeitsmerkmalen wird ebenfalls näher erläutert.
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Fazit: Ein ganzheitlicher Ansatz, der m.E. das Problem am Ursprung fasst und Lösungsvorschläge liefert, die reelle Chancen auf Besserung eröffnen. Denn letztlich geht es beim Burnout um den konkreten Menschen und nicht um allgemeinen Stress. Überaus zu empfehlen!

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Südwest!

Samstag, 23. Februar 2013

Mit dem Geist eines Buddha - Karuna Cayton


„Diese trainierbare Fähigkeit, alles, was in uns vorgeht, genau wahrzunehmen,wirkt sehr befreiend, verlangt aber Ausdauer. So begrüßenswert und kostbar unverhoffte Einblicke in unsere inneren Möglichkeiten sind, für anhaltende Klarheit und Bewusstheit bleibt das stetige Geist-Training wichtig.“
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Basierend auf den Kenntnissen buddhistischer Psychologie präsentiert Karuna Cayton, renommierter Coach und Therapeut auch im Bereich der Privatpersonen- und Unternehmensberatung, die wichtigsten Prinzipien zur Herstellung eines wacheren und befreiten Geistes. Schritt für Schritt werden die Leser eingeladen, eine reflektiertere Einstellung zu üben. Ein wichtiger Punkt ist in diesem Zusammenhang die Herstellung einer funktionierenden Selbstwahrnehmung, unabhängig von äußeren Einflüssen oder denn Vorstellungen anderer. Da jeder Mensch bestimmte Rollen spielt, fällt es oft nicht leicht, die eigentliche Ich-Identität zu entschlüsseln. Cayton zieht hierzu einen Vergleich zur Schauspielerei, indem er auf die zahlreichen (gespielten) Identitäten von Tom Hanks verweist. Anhand konkreter Übungen soll das eigene Ich erfahrbar werden.
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Eine wirklich überaus gelungene Übung ist darüber hinaus die Anleitung zur Dekonstruktion der Realität. Da wir die uns umgebende Wirklichkeit häufig einseitig wahrnehmen, etwa im Straßenverkehr, mangelt es uns an einem weitsichtigen Blick, der auch offen für positive Außeneinflüsse bleibt. Cayton schlägt daher vor, sich während eines Staus auf eben diese positiven Einflüsse zu konzentrieren und diese bewusster wahrzunehmen, wobei somit auch Frustrationsgefühle automatisch ausgeblendet werden.
Mittelpunkt der Lektüre bildet der Versuch, das eigene Leiden als subjektiv zu erkennen und somit in die Lage versetzt zu werden, eben dieses Leiden zu lindern und handhabbarer zu machen. Hilfreich ist es hierzu, destruktive Emotionen zu erkennen und bewusst zu stoppen. Wie dies gelingen kann, wird hier sehr praxisnah und leicht nachvollziehbar beschrieben. Der Text ist anschaulich verfasst, konkrete Beispiele erleichtern die jeweilige Umsetzung der Ratschläge und Beispiele aus dem Coachingalltag des Autors zeigen nochmals, worauf bei dem Versuch einer Änderung zu achten ist.
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Fazit: Eine durchaus gelungene Lektüre, die dabei verhilft, die Kenntnisse buddhistischer Psychologie positiv zu nutzen und das eigene Leben lebenswerter zu gestalten.

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Lotos! 

Freitag, 22. Februar 2013

Die Neue Echter Bibel - Genesis 1-11


„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.“
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Der biblische Schöpfungsbericht, der den Anfang des Buches Genesis bildet, regte als einer der bekanntesten Texte der Bibel schon seit jeher kontroverse Diskussionen an, etwa dann, wenn es um dessen Auslegung geht. Extreme Positionen münden entweder im Kreationismus und Fundamentalismus oder beschwören gar einen radikalen Kritizismus. Das Zusammenführen zahlreicher Einzelüberlieferungen mit je unterschiedlichen Inhalten und die Nähe zu damals bekannten Mythen erfordert hier in besonderer Weise eine gründliche Exegese. Es bedarf einer Differenzierung zwischen den gewählten Darstellungsformen und deren theologischem Inhalt.
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Josef Scharbert bietet in diesem Band zu Genesis 1-11 einen ebenso umfassenden wie detailliert beschriebenen Kommentar der biblischen Urgeschichte, wobei nicht nur der Text selbst in den Blick genommen wird. Darüber hinaus erhält der Leser wichtige Informationen zur Entstehungsgeschichte, babylonischen Mythen sowie Inhalt und Aufbau des Buches Genesis oder einleitenden Hintergründen zum Wesen des Pentateuch. Für die Exegese grundlegende Begrifflichkeiten, zu denen etwa “Literarkritik“ oder “Pentateuchredaktor“ gehören, werden verständlich und leicht nachvollziehbar definiert.
Im Zentrum des Bandes steht jedoch die Textauslegung. Ausgehend von der Einheitsübersetzung finden sich zu den jeweiligen Versen ausführliche Beschreibungen direkt auf der entsprechenden Seite. Sie beinhalten Erläuterungen zu Wortwahl und zentralen hebräischen Begriffen. Auch auf Textwachstum und hintergründige Mythen wird näher eingegangen. Alle Erklärungen münden in der Darstellung der jeweiligen theologischen Aussageabsicht, sodass schließlich das Hauptanliegen der biblischen Urgeschichte deutlich wird: Die Vermittlung von Wesensaussagen über die für den Menschen und seine Welt grundlegende Ordnung.
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Fazit: Dank des übersichtlichen Aufbaus und der Zusammenstellung fundierten Wissens ein idealer Begleiter der biblischen Textarbeit. Für Studium und Prüfungsvorbereitung bestens geeignet.

5 Sterne! 

Weiterführende Informationen beim Echter Verlag! 

Donnerstag, 21. Februar 2013

Angst - Dirk Kurbjuweit


„Man muss Geschichte einteilen, sonst verliert man den Überblick.“
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Diese fast schon philosophisch anmutenden Worte lässt Dirk Kurbjuweit den Protagonisten der Geschichte sprechen, Randolph Tiefenthaler, dessen Leben völlig aus dem Nichts von Grund auf erschüttert wird. Während er sich sowohl beruflich als auch privat durchaus erfolgreich etablieren konnte und ein leben voller Zufriedenheit führt, taucht sie auf: Die Angst. Ein ominöses Gefühl, das ihn im Kern seiner Selbst tief erschüttert und ihm all das zu stehlen vermag, was ihn ausmacht: Seine Familie, sein Glück, sein Leben.
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In dynamischen Szenenwechseln und detailliert beschriebenen Emotionen fällt es dem Leser leicht, in die Geschichte einzusteigen und die Handlung mitzuverfolgen. Aus der Sicht des Protagonisten selbst beschrieben, gelingt es, dessen Ängste nachzuempfinden und ebenso Fassungslosigkeit und Wut angesichts der rücksichtslosen Intrigen eines sonderbaren Fremden aufzubauen. Rückblenden machen den Text interessanter und lassen viel über Randolphs Persönlichkeit erfahren. Wie geht er mit der bedrohlichen Situation um? Wird er sich gegen die Beschuldigungen zur Wehr setzen können? Und kann am Ende die Gerechtigkeit siegen?
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Fazit: Normalität und Alltag, so lautet der Rahmen, aus dem sich massive Bedrohung und Angst entwickeln. Es sind keine überbordenden Phantasmen, die diese Angst entstehen lassen, sondern das Gewöhnliche, das Bekannte. Gerade deswegen entfaltet dieser Text sein zutiefst erschütterndes Potenzial. Sehr zu empfehlen!

5 Sterne! 

Nähere Infos sowie Leseprobe bei Rowohlt!

Montag, 18. Februar 2013

Hirngespenster - Ivonne Keller [Gastrezension]


Ivonne Keller ist mit "Hirngespenster" ein wundervoller Debütroman gelungen.
Die Geschichte handelt von drei Frauen. Silvie, deren Schwester Anne und Sabina, deren Leben miteinander verwoben ist. 
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Allein der Prolog nimmt einen schon gefangen. Aus der Sicht von Silvie Jakop wird geschildert, wie sie sich in einer hilflosen Situation erlebt. Ihr Körper, ihre Sprache und ihr Denkvermögen gehorchen ihr nicht mehr. Dazu kommt noch, dass sie zwar mit ihrem Mann und ihren Söhnen unter einem Dach lebt, aber nicht allein, sondern zusammen mit der neuen Frau ihres Mannes. 
Diese Situation macht sehr betroffen, man leidet förmlich mit ihr. Es tun sich unzählige Fragen auf, die einen in die Geschichte hineinziehen und zum Weiterlesen zwingen. 
In einem Rückblick der die vier vorhergegangenen Jahre beleuchtet, wird Silvies Leben, das ihrer Schwester Anne und der Jugendliebe ihres Mannes, Sabina, betrachtet. Alle drei Frauen haben gewisse Vorstellungen vom Leben, die sich aber so nicht realisiert haben. Aus der jeweiligen Perspektive dieser Frauen erfährt man mehr und mehr von deren Leben, ihren Vorstellungen und der tatsächlichen Realität. In einem Strudel voller Gefühle von Mitleid, Sympathie, Unverständnis und Hass wird man mit der Handlung mitgezogen. Man möchte erfahren, was Silvie eigentlich zugestoßen ist. Dabei bildet sich immer mehr ein Spannungsbogen heraus, der einen über die Seiten fliegen lässt, um zur Lösung zu gelangen. Die ganze Zeit steht man vor einem Rätsel, wer warum was getan hat. Dabei gibt die Autorin jedem Charakter genug Freiraum sich zu entfalten und für Überraschungen zu sorgen. Selbst Nebenfiguren, wie die Nachbarin Olga, werden wunderbar skizziert. Diese Figur, mit dem großen russischen Herz, die sich um Sabina sorgt, ist förmlich sichtbar.
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Viel kann allerdings nicht über die Handlung verraten werden, da sonst die Spannung genommen werden würde. Nur soviel kann verraten werden, auf die Lösung dieses vertrakten Rätsels kommt wohl so schnell niemand.
Eine absolute Leseempfehlung, mit der Hoffnung auf einen weiteren tollen Roman von Ivonne Keller.

5 Sterne! 

Weitere Infos auf der Homepage der Autorin.

Ein herzliches Dankeschön an Gastrezensentin Gela für diese Einschätzung!  

Samstag, 16. Februar 2013

Wenn Engel fliegen, lacht der Himmel - Stefanie & Magnus Stern


Das literarische Genre des Briefromans neu entdeckt
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„War es ein Spiel? - Hätte ich das Wissen müssen?“
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Sternchen und Adrian. Die Liebesbeziehung der beiden Protagonisten offenbart sich für den Leser Schritt für Schritt durch die Lektüre der Briefe, die sie sich gegenseitig schreiben. Inmitten einer von Hektik und Stress erfüllten Welt sind sie Zeugnisse größter Sehnsucht, tiefster Liebe und engster Vertrautheit. So erweist sich diese Verbindung des Paares relativ zu Beginn als einzigartig und von besonderer Intensität.
Die Schreiben beinhalten Erinnerungen an die gemeinsame Zeit, Wünsche innerhalb der Beziehung und fast schon philosophische Überlegungen das Thema der Liebe betreffend. Natürlich geht es dabei auch um emotionale Abgründe, die die beiden zu bewältigen haben. Die Autoren haben durch diesen Band letztlich ein in bereits früheren Zeiten sehr erfolgreiches Genrekonzept aufgegriffen und mit neuem Leben gefüllt.
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Fazit: Auf höchst einfühlsame Weise führen die beiden Liebenden miteinander Korrespondenz. Die sprachlich authentischen und dennoch gefühlvoll bewegenden Briefe bringen im Herzen des Lesers etwas zum Klingen, reißen mit. Am Ende wünscht man sich, der Band hätte auch mehreren Seiten bestanden. Ein gelungener Text!

4 Sterne! 

Donnerstag, 14. Februar 2013

Oldenbourg Interpretationen - Erzählungen der Romantik



„Die Protagonisten ziehen in die Welt, durchlaufen verschiedene Erfahrungsräume, geraten in krisenhafte Situationen, die immer Desorientierung, Instabilität und tiefgreifende Veränderungen der Persönlichkeit mit sich bringen.“
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Mit diesen Worten charakterisiert Monika Gross das Wesen romantischer Erzählungen und rückt sie somit in die Nähe jugendlicher Entwicklungsstadien. Denn es sind gerade junge Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen oder vergleichbare Krisen bewältigen müssen. Und gerade darum erweisen sich romantische Erzählungen und insbesondere Märchen als idealer Unterrichtsgegenstand.
Nach einer ersten Erläuterung von Theorie und Poetik dieser Epoche, widmet sich die Autorin der ausführlichen Interpretation der Beispieltexte, die neben einzelnen Handlungssträngen ebenso Figurenkonstellation und Stilistik näher beschreibt. Als wertvoll erweisen sich die Originalzitate, die Gross in die Interpretationen einfügt. Thesen und Erklärungen werden dadurch anhand des Primärtextes belegt, wichtige Zusammenhänge sind wesentlich leichter nachvollziebar. Auch für Schülerinnern und Schüler, die sich einen ersten Eindruck der Texte verschaffen oder zu einem erweiterten Verständnis gelangen wollen, sind die in verständlicher Sprache gehaltenen Interpretationen sehr zu empfehlen.
Folgende Textauswahl wird innerhalb des Bandes genauer analysiert:
  • Ludwig Tieck: Der Runenberg
  • Wilhelm Hauff: Das kalte Herz
  • Adelbert von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte
  • E.T.A. Hoffmann: Das öde Haus
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Die zweite Hälfte des Buches ist vor allem für Lehrerinnen und Lehrer hochinteressant. Die Autorin stellt umfassende Stundenentwürfe zu den ausgewählten Erzählungen vor, wobei ebenfalls eine Darstellung der didaktischen Aspekte sowie die methodischen Realisierung im Unterricht Beachtung finden. Darüber hinaus stellt die Autorin (Haus-)Aufgabenanregungen und Übungen zur Texterschließung vor, inklusive möglicher Deutungsansätze. Letztlich handelt es sich um komplette, gut durchdachte Unterrichtsreihen, die ohne Änderung übernommen werden können und eine gewinnbringende Unterstützung bieten. Am Ende des Textes findet sich eine Sammlung möglicher Klausurthemen.
Abgerundet wird der Band von einem weiterführenden Literaturverzeichnis zu den ausgewählten Texten sowie zur Romantik als Epoche.
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Fazit: Fundiertes Wissen in praktischer Anwendung, klare Interpretationslinien!

5 Sterne! 

Weitere Infos beim Oldenbourg Verlag!

Mittwoch, 13. Februar 2013

Der Honeymoon Effekt - Bruce H. Lipton


„Ein durch große Liebe hervorgerufener Zustand der Glückseligkeit, Leidenschaft, Energie und Gesundheit.“
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Mit diesen Worten charakterisiert Bruce H. Lipton den im Titel genannten Honeymoon-Effekt, bei dem jeder Moment mit einer geliebten Person Freude und tiefste Dankbarkeit hervorruft. Es handelt sich um das bekannte Gefühl der ersten Verliebtheit, den Honeymoon- oder Flitterwocheneffekt, der leider bei den meisten von uns nach mehreren Jahren des gemeinsamen Zusammenlebens geringer wird oder sogar gänzlich endet. Doch genau dieses Gefühl lässt sich dauerhaft erhalten. Bruce H. Lipton, Zellbiologe u.a. an der medizinischen Fakultät Stanford, zählt zu den Pionieren im Bereich der Epigenetik. Anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse präsentiert er seiner Leserschaft einen detaillierten Einblick in die Biochemie der Liebe und verrät, wie man den Schmetterlingen im Bauch neuen Schwung verleihen kann.
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Die enthaltenen Erläuterungen verzichten auf esoterische Glaubenssätze und bieten stattdessen eine Zusammenschau neuester Erkenntnisse auf dem Gebiet der Zellbiologie, Quantenphysik sowie der Neurologie. Wesentliche Zusammenhänge zur Paarbeziehung sind nicht zuletzt auch durch Grafiken, Tabellen und andere illustrierte Beispiele leicht nachvollziehbar. Demnach entspricht auch die Vorstellung positiver und negativer Schwingungen den Grundlagen allgemeiner Quantenphysik. Wie destruktiv es sein kann, eigene Gefühle durch Sprache zu verbergen, wird anhand fundierter wissenschaftlicher Fakten vor Augen geführt. Im Mittelpunkt des Bandes steht daher der Prozess des Umdenkens, der Änderung eigener, dysfunktionaler Denkmuster, hinderlicher Rollenzuschreibungen und unterbewussten Programmierungen.
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95% aller täglichen Gedanken sind negativ oder redundant, eine Tatsache, die nicht selten zum Scheitern einer Beziehung führen kann. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen unter Zukunftsängsten oder ähnlichen Gedanken, die sich nicht auf das Hier und Jetzt beziehen. Bruce H. Lipton verhilft während der Lektüre zu einer “Umprogrammierung“ des Lesers. Unter Berücksichtigung einzelner Ratschläge soll es ermöglicht werden, positive Schwingungen nicht nur innerhalb einer Beziehung zu generieren, sondern sie zu einem wesentlichen Bestandteil des Alltags zu machen. Das eigene Denken nimmt dabei eine entscheidende Funktion ein und soll daher optimiert werden, sodass sich mehr Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und den anderen einstellt.
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Fazit: Der Liebe neue Kraft verleihen auf der Basis der wissenschaftlicher Erkenntnisse. Hochinteressant und aufschlussreich.

4 Sterne!

Sonntag, 10. Februar 2013

Königs Erläuterungen: Der Hofmeister


„ [...] ich bin an meine Schule gebunden, und muss Gott und meinem Gewissen Rechenschaft von geben.“
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Neben Goethes Götz von Berlichingen und den Leiden des jungen Werther gehört Lenz' Komödie „Der Hofmeister“ zu den bedeutendsten Stücken des Sturm und Drang. Denn es wird viel mehr erzählt als die bloße Verführung einer Schülerin durch deren Hofmeister und die familiären Konsequenzen. Das Stück lebt von dem Geist des Sturm und Drang und zeichnet das Bild einer satirischen Inszenierung der feudalen Gesellschaft seiner Zeit. Im Fokus stehen nicht nur soziale Beziehungen und die Determination des Menschen, sondern vielmehr der Begriff der Freiheit und der Bildung. Durch Themenwahl und ästhetische Mittel schuf Lenz ein literarisches Stück, das seiner Zeit großes Aufsehen erregte.
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Die Interpretation der Reihe Königs Erläuterungen leistet bedeutend mehr als eine bloße Einführung in das Werk. Neben der üblichen Inhaltsangabe, die kein Detail außer Acht lässt, und den sprachlichen Erläuterungen, überzeugt der Band insbesondere durch die verständliche Darlegung ästhetischer Strategien des Sturm und Drang. Das beinhaltete Hintergrundwissen zur literaturgeschichtlichen Strömung erklärt die Grundprinzipien der Epoche anhand der wichtigsten theoretischen Schriften: Goethes Rede zum Shakespeare Tag sowie die von Lenz verfasste Schrift „Anmerkungen übers Theater“. Beide Texte werden in ihrem Kern vorgestellt.
Zusätzliche Erläuterungen zum Aufbau des Werkes, zu Personenkonstellationen und deren Charakteristika erleichtern das anschließende Verständnis der vorgestellten Interpretationsansätze. Angaben zu Autor und Werk sowie zur Rezeptionsgeschichte runden die Materialsammlung ab. Ein Training für bevorstehende Prüfungen ist dank der integrierten Aufgabensammlung möglich, zu der auch die idealen Lösungsvorschläge angegeben sind.
Wer sich intensiver mit dem Thema befassen möchte, erhält am Ende des Bandes ein hilfreiches, teils kommentiertes Literaturverzeichnis.
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Fazit: Dieser Band der Königserläuterungen thematisiert all das, worauf es in der Epoche des Sturm und Drang ankommt. Anhand des Lenz'schen Textes werden Kernelemente literarischen Schaffens wie Komik, satirische Wirkung, Wortwahl und Elemente der neuen Ästhetik präzisiert und im Zusammenhang erklärt. Die Interpretationshilfe reicht also weit über eine bloße Abiturvorbereitung hinaus. Auch für Lehrer, Dozenten oder Studenten kann sie zur Orientierung und Prüfungsvorbereitung dienen. Eine Sammlung fundierten Wissens, uneingeschränkt zu empfehlen!  

5 Sterne! 

Weitere Infos sowie PDF-Download beim Bange Verlag! 


Königs Erläuterungen: Die Verwandlung

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.“
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Franz Kafkas expressionistische Erzählung, die von der Verwandlung eines jungen Mannes berichtet, ist ein Musterbeispiel grotesken Schreibens. Die bisherige Existenz des Protagonisten wird im Kern erschüttert, ein normales Leben eigentlich unmöglich. Und dennoch reagiert die Familie relativ unauffällig, lässt Gregor bei sich wohnen und führt ihr Alltagsleben fort. Erst auf den zweiten Blick eröffnet sich für den Leser die Kernaussage des Stücks.
Der Prozess des Textverständnisses wird durch die Interpretationshilfe der Königs Erläuterungen wesentlich vereinfacht.

Zu diesem Stück präsentiert sich die Reihe in einer neuen, optisch sowie inhaltlich verbesserten Aufmachung. Eine Art Kopfzeile am oberen Rand des Buches erleichtert eine Orientierung im Text und trägt dazu bei, die gewünschten Inhalte schneller zu finden. Ein zweifarbiges Layout (Dunkelblau und Grün) bringt deutlich mehr Struktur in die bisher doch sehr eng beschriebenen Zeilen der älteren Ausgaben. Die veränderte Größe gestaltet die Ausgaben handlicher, übersichtlicher. Erstmals enthalten die Interpretationshilfen eine Schnellübersicht am Anfang des Textes, die alle wichtigen Punkte der einzelnen Kapitel in Stichworten zusammenfasst, eine Neuerung auf die sicher niemand mehr verzichten möchte. Die einzelnen Schlagworte bringen auf den Punkt, was unbedingt zu beachten ist und was man sich merken sollte. Des Weiteren sind nun graphisch ausgefeilte Illustrationen nach dem Vorbild klassischer Tafelbilder Teil des Interpretationsbandes. Auch sie verhelfen zu einem schnellen Verständnis, wenn es etwa um Personenkonstellationen, Vergleiche oder Handlungsabläufe geht. Die Prüfungsaufgaben am Ende des Bandes präsentieren sich wesentlich strukturierter. Musterlösungen sind nicht mehr in Aufsatzform enthalten, sondern Stichwortartig und in wenigen Sätzen. Wichtige Stichworte sind in einer Auflistung mit Pfeilen angegeben. Auch hier ist es für den Leser möglich, besonders schnell viel Wissen zu verinnerlichen. Eine sehr angenehme Art des Lernens!
Daneben finden sich weiterhin die gewohnten, wissenschaftlich fundierten und dennoch verständlich beschriebenen Charakterisierungen der jeweiligen Personen, die ausführliche Darlegung des Inhalts, Informationen zu Sprache und Stil sowie zu Autor, Werk und Zeitgeschichte.
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Im Fokus steht hier die Veränderung Gregors durch die Verwandlung und sein (sozialer) Abstieg. Zusammenhänge zu Kafkas eigener Biographie werden ersichtlich. Verschiedene Interpretationsansätze, wie etwa der sozial-gesellschaftskritische oder der grotesk-komische werden genauestens beschrieben. Die Materialsammlung und das Literaturverzeichnis verweisen auf hilfreiche Angaben zu Kafka und Werken des Expressionismus. Am Ende des Bandes ist Platz für eigene Notizen.
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Fazit: Ein überaus gelungenes, neues Design, das das Ziel der Zeitersparnis erfüllt und dennoch umfassende, gut recherchierte Informationen bietet. Für Schüler, Lehrer, Studenten und alle am Text Interessierten uneingeschränkt zu empfehlen. Auch hier ist eine Vorbereitung auf Studium und bevorstehende Prüfungen zweifelsohne möglich!  


5 Sterne! 


Weitere Infos sowie PDF-Downloads beim Bange Verlag! 

Königs Erläuterungen: Prinz Friedrich von Homburg


„Berlin. Lustgarten vor dem alten Schloss [...]“
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Kritik an der Preußischen Gesellschaftsform, der Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft sowie das isolierte Künstlertum - all das steckt in Kleists Werk rund um den jugendlichen Draufgänger und Träumer Prinz Friedrich von Homburg. Der Bezug zur als Tyrannei empfundenen französischen Fremdherrschaft im Blick auf die Zeitgeschichte sowie der starke Wunsch nach sozialen Veränderungen macht den Text zu einem überaus interpretationsbedürftigen Stück.
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Abhilfe bietet der vorliegende Band der Königs Erläuterungen in sowohl optisch als auch inhaltlich verbesserter Aufmachung.
Eine Art Kopfzeile am oberen Rand des Buches erleichtert eine Orientierung im Text und trägt dazu bei, die gewünschten Inhalte schneller zu finden. Ein zweifarbiges Layout (Dunkelblau und Grün) bringt deutlich mehr Struktur in die bisher doch sehr eng beschriebenen Zeilen der älteren Ausgaben. Die veränderte Größe gestaltet die Ausgaben handlicher, übersichtlicher. Erstmals enthalten die Interpretationshilfen eine Schnellübersicht am Anfang des Textes, die alle wichtigen Punkte der einzelnen Kapitel in Stichworten zusammenfasst, eine Neuerung auf die sicher niemand mehr verzichten möchte. Die einzelnen Schlagworte bringen auf den Punkt, was unbedingt zu beachten ist und was man sich merken sollte. Des Weiteren sind nun graphisch ausgefeilte Illustrationen nach dem Vorbild klassischer Tafelbilder Teil des Interpretationsbandes. Auch sie verhelfen zu einem schnellen Verständnis, wenn es etwa um Personenkonstellationen, Vergleiche oder Handlungsabläufe geht. Die Prüfungsaufgaben am Ende des Bandes präsentieren sich wesentlich strukturierter. Musterlösungen sind nicht mehr in Aufsatzform enthalten, sondern Stichwortartig und in wenigen Sätzen. Wichtige Begriffe sind in einer Auflistung mit Pfeilen angegeben. Auch hier ist es für den Leser möglich, besonders schnell viel Wissen zu verinnerlichen. Eine sehr angenehme Art des Lernens!
Daneben finden sich weiterhin die gewohnten, wissenschaftlich fundierten und dennoch verständlich beschriebenen Charakterisierungen der jeweiligen Personen, die ausführliche Darlegung des Inhalts, Informationen zu Sprache und Stil sowie zu Autor, Werk und Zeitgeschichte.
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Grundsätzliche Prinzipien des Kleistschen Schreibens werden vorgestellt und dazu passende ausführliche Worterklärungen. Kernelemente des Stücks, zu denen die Problematik Individuum vs. Gesellschaft, die Entwicklungsstadien des Protagonisten sowie die anstößige Todesfurchtszene gehören, werden nachvollziehbar und leicht verständlich dargelegt. Auch hier erweisen sich die Ausführungen zu den Prüfungsfragen als sinnvolle und hilfreiche Abrundung der Interpretation.
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Fazit: Dank idealer Unterstützung steht einem umfassenden Textverständnisses nichts mehr im Wege! Wieder eine überaus empfehlenswerte Ausgabe!  

5 Sterne! 

Weitere Infos sowie PDF-Downloads beim Bange Verlag! 

Samstag, 9. Februar 2013

Soeben angekommen: Das blaue Glück!

Auf Streifzug durch die Literaturgeschichte! 

Königs Erläuterungen: 

> Franz Kafka: Die Verwandlung 

> Heinrich von Kleist: Prinz Friedrich von  Homburg 

> J.M.R. Lenz: Der Hofmeister 



Nähere Infos auf der Verlagsseite!

Freitag, 8. Februar 2013

Buchverlosung: Der Honeymoon - Effekt!

Wäre es nicht schön, das Gefühl der ersten Verliebtheit dauerhaft in unseren Beziehungen spüren zu können? Der Welt-Bestseller-Autor von "Intelligente Zellen" Bruce Lipton zeigt in seinem neuesten Werk, wie genau das gelingen kann. Passend zum Valentinstag, der in Kürze bevor steht.


Zum Inhalt:
Der Honeymoon-Effekt bringt die Magie von Liebesbeziehungen bis auf die zelluläre Ebene und lehrt uns, wie wir sie selbst erschaffen können. Eine unterhaltsame Tour durch die Wissenschaft von Liebesbeziehungen für alle, die eine Liebesbeziehung in ihr Leben bringen oder lebendig erhalten möchten. Bruce Lipton erklärt auf seine wundervoll einprägsame, verständliche und amüsante Art mit Hilfe der Zellbiologie, der Quantenphysik und der Neurologie, wie wir das herrliche Gefühl der Flitterwochen dauerhaft in unsere Beziehungen holen können. Jede Zelle strahlt Energie aus und ihre Frequenz hat erheblichen Einfluss darauf, was in unserem Leben geschieht. Und was bestimmt die Frequenz unserer Energie? Unser Bewusstsein und unser Unterbewusstsein. In einer Paarbeziehung also vier unterschiedliche Bewusstsein mit jeweils eigenen Zielen, Absichten und Programmen.

Passend zum Valentinstag gibt es 5 Exemplare zu gewinnen!




Hinterlasst dazu einfach bis zum 14.02., 14.00 Uhr einen Kommentar, der folgenden Satz vervollständigt:


Liebe ist … !


Schickt Euren Beitrag inklusive Adresse bitte an: buchbewertungen[@]web.de
Die Gewinner werden anschließend hier bekanntgegeben!



Euch allen viel Glück! 

Weitere Infos zum Titel inklusive Leseprobe bei Koha! 


Einführung in die Literatur des Expressionismus - Ralf Georg Bogner


„Wichtiger […] ist jedoch die Einsicht in die Radikalität, mit der sich die neue Generation der Expressionisten gegen die ältere literarische Moderne, ihre Konzepte, ihre Poetik und ihre Repräsentanten wendet.“
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Der Expressionismus als literatur- und kunstgeschichtliche Strömung des beginnenden 20. Jahrhunderts gehört ohne Zweifel zu den faszinierendsten Bewegungen seiner Zeit. Noch nie zuvor haben sich sowohl Künstler als auch Literaten auf eine derart drastische Weise mit der sie umgebenden Welt auseinandergesetzt. Der Begriff der Kunst wird regelrecht reformiert, alte Konzepte erweitert. Im Zentrum expressionistischen Schaffens steht vor allem die Abstraktion von der Realität, die mittels literarischer Techniken wie etwa Reihungsstil, Provokations- und Schockästhetik oder sprachlicher Verknappung erreicht werden soll. Und es sind genau solche charakteristischen Merkmale expressionistischer Werke, die eine Interpretation repräsentativer Texte auf den ersten Blick als problematisch erscheinen lassen.
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Einen weitaus umfassenderen Einblick als eine typische Einführung bietet Ralf Georg Bogner, Professor für Neuere deutsche Philologie und Literturwissenschaft, in seinem Einführungswerk zum Expressionismus. Nach einer allgemeinen Klärung des Epochenbegriffs und einer Darstellung des aktuellen Forschungsstandes, bei dem er auch auf die Expressionismusdebatte eingeht, werden die jeweiligen Kontexte in den Blick genommen. Hierzu zählen neben der Sozialisation der Autoren ebenso politische und soziale Hintergründe wie auch philosophische und ideologische Positionen. Auch das Aufkommen neuer Medien spielt eine herausragende Rolle für die Veränderungen literarischen Schaffens. Insbesondere das Kino wird expressionistische Texte grundlegend prägen.
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In einem nächsten Schritt beschreibt Bogner wesentliche Züge expressionistischer Literatur. Anhand einer präzisen Beschreibung der einzelnen Gattungen und deren Charakteristika wird relativ schnell deutlich, wo Unterschiede zu klassischen Formen liegen. Eine Auflistung typischer Motive und Gestaltungsweisen vereinfacht die anschließende Auseinandersetzung mit Einzeltexten massiv. Der Titel enthält detaillierte Einzeltextanalysen zu folgenden Werken:
  • Alfred Döblin: Die Ermordung einer Butterblume
  • Georg Heym: Berlin I
  • Albert Ehrenstein: Tubutsch
  • Gottfried Benn: Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke
  • Georg Kaiser: Von morgens bis mitternachts
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Zur Prüfungsvorbereitung ist dieser Band uneingeschränkt zu empfehlen. Er überzeugt ebenso durch wissenschaftlich fundierte Erläuterungen wie auch durch eine nachvollziehbare Darlegung der jeweiligen Fakten in leicht verständlicher Sprache. Der Text ist ideal gegliedert und in sich stringent. Als besonders vorteilhaft erweisen sich die breiten Seitenränder, die während der Lektüre genügend Raum für individuelle Notizen lassen. Zusätzlich sind die wichtigsten Schlagwörter eines Abschnitts am Rand abgedruckt, sodass sich der Leser optimal orientieren kann und sofort merkt, was innerhalb eines Abschnitts besonders wichtig ist. Das Sachregister am Ende des Buches vereinfacht das schnelle Auffinden gewünschter Themenkomplexe. Der Überblick zur Forschungsliteratur durch die kommentiere Bibliographie kann eine weitere Beschäftigung mit dem Thema fördern und unterstützen.
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Fazit: Eine überaus gelungene Darstellung der Epoche sowohl in zeitgeschichtlicher als auch vordergründig in literarischer Hinsicht. Das Wesen des Expressionismus wird durchleuchtet und aufgedeckt. Eine spätere Analyse eingängiger Texte sollte nach dieser Lektüre bestens gelingen.

5 Sterne! 

Weitere Informationen bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft! 

Sonntag, 3. Februar 2013

Die Vorsorgelüge - Holger Balodis/ Dagmar Hühne


Der schöne Schein privater Altersvorsorge radikal entlarvt
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„Die Lobby zur Beseitigung der staatlichen Sozialkassen ist kein Hirngespinst, sie existiert wirklich und ist erschreckend erfolgreich […]“
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Altersarmut ist heute schon ein ebenso schockierendes wie ärgerliches Faktum und damit zugleich ein hochsensibles Thema des öffentlichen Diskurses. Die Autoren Holger Balodis und Dagmar Hühne, beides ausgewiesene Experten auf dem Gebiet Altersvorsorge und Versicherungen, präsentieren ihren Lesern einen umfassenden Bericht rund um die aktuellen Missstände zum Thema Rente. Als Autoren der ARD-Magazine „monitor“, „plusminus“ und „Ratgeber Recht“ zeichnen sich durch eine präzise Recherchearbeit aus, die auch während der Lektüre dieses Titels deutlich wird. Sie leisten im Bereich der Altersarmut eine regelrechte, längst überfällige Aufklärungsarbeit und ermöglichen einen schonungslosen Einblick in das skrupellose Spiel durch Politik und Wirtschaft mit der Angst der Bevölkerung. Intrigen und Manipulationsversuche von Seiten der Politik werden unverblümt offengelegt. Interessant ist hier auch ein kurzer Rückblick auf die Anfänge der Misere und den Versuch einer Demontage der gesetzlichen Rentenversicherung.
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Im Zentrum des Buches steht u.a. der Risikofaktor der privaten Altersvorsorge, präzise belegt anhand verschiedenster Beispiele. Trotz der Vorteile des Umlageverfahrens der staatlichen Rente sind Riester, Rürup und Co. sukzessive erfolgreicher und stärker geworden und das auf Kosten der Versicherten. Ein Beispiel hierfür wäre etwa die reelle Unmöglichkeit des Vertragswechsels bei der Rürup-Rente oder die Tatsache, dass viele der abgeschlossenen Garantien faktisch kaum geleistet werden können, etwa dann, wenn sich nicht von der deutschen Muttergesellschaft, sondern vielmehr von ausländischen Töchtern gegeben werden. Dank einer stichhaltigen Argumentation wird schnell ersichtlich, wieso die Riester-Rente plakativ als Milliardengrab bezeichnet werden kann. Ausführlich erörtert wird zudem die Bedeutung der Finanz- und Eurokrise für die private Rente sowie die Möglichkeit von Alternativen und deren vorausgesetzte Korrekturen im System.
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Fazit: Auf wissenschaftlich fundierter Basis und auf hohem sprachlichen Niveau präsentieren sich die jeweiligen Kapitel des Buches. Informativ und aufschlüssig sind zudem die verwendeten Quellen, die im Anmerkungsverzeichnis am Ende des Textes aufgelistet sind. Ein hochinteressanter Bericht eines wichtigen Themas. Sehr zu empfehlen.  

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Econ!

Freitag, 1. Februar 2013

Mutter, wann stirbst du endlich? - Martina Rosenberg


„Ich kann nicht mehr aufhören. Ich weine um sie und um mich und um all sie sinnlosen, grausamen Jahre, die nun endlich hinter uns liegen.“
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Krankheit, Alter und Tod gehören in unserer lifestyleorientierten Erlebnisgesellschaft zu den beliebtesten Tabuthemen. Sie werden ausgeblendet, verdrängt, totgeschwiegen. Und dennoch handelt es sich um unvermeidbare Vorgänge, die einen jeden von uns früher oder später betreffen. Ein unausweichliches Schicksal. Gerade deswegen ist eine ernsthafte Auseinandersetzung umso wichtiger, ja geradezu zwingend erforderlich.
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Der nur auf den ersten Blick reißerisch wirkende Titel des Buches steht für das überaus authentische Eingeständnis einer Tochter, die durch den sowohl körperlichen wie auch geistigen Zerfall ihrer Mutter am Ende aller Kräfte angelangt ist. Ein Zustand völliger Verzweiflung.
Nach der Diagnose einer Demenz bei ihrer Mutter und dem bald darauf folgenden Schlaganfall des Vaters fühlt sie sich als Tochter verpflichtet, die Pflege der Eltern zu übernehmen. Es dauert nicht lange, bis ernste Probleme zu Tage treten. Als massiv nachteilig erweist sich nun das Leben in einem Mehrgenerationenhaus. Durch die räumliche Nähe ist es unmöglich, abzuschalten; Distanz zu entwickeln. Die Probleme des Alltags sind omnipräsent. Nach kurzer Zeit wird es zu einer kaum zu bewältigenden Belastung, zwei Familien zu managen. Der Alltag wird hektischer, die Autorin selbst leidet körperlich und seelisch unter dem Abbau ihrer Eltern. Ebenso kommt es nicht selten zu erschütternden Situationen, wie z.B. dann, wenn die Mutter nachts orientierungslos mit aller Kraft um Hilfe schreit.
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Der Text beleuchtet ebenfalls die emotionale Kompetente. Die Eltern sind die ersten Personen, denen vertraut wird, die Halt bieten und Liebe schenken. Vor allem die Mutter! Zusehen zu müssen, wie beide langsam vor sich hin “verfallen“ und jeden Tag ein stückweit mehr sterben ist eine Erfahrung, die man wirklich niemandem wünscht. Streitigkeiten zwischen den Elternteilen, die mangelnde Kompetenz des Vaters zu Empathie mit seiner Frau, der verstärkte Generationskonflikt und die unterschiedlichen Möglichkeiten einer Pflege, zu denen Heim und diverse Pflegedienste zählen, gehören hier zu den Problemen, die sich im Vergleich zu innerseelischen Konsequenzen auf Seiten der betroffenen “Kinder“ noch leicht bewältigen lassen.
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Martina Rosenberg bietet ihren Lesern einen ebenso schockierenden wie zutiefst bewegenden Erfahrungsbericht zur Pflege der eigenen Eltern. Authentisch und unverblümt beschreibt sie all die Herausforderungen, denen sie sich hat stellen müssen und die Belastungen, die sie all die Jahre hat überwinden müssen. Der Text sensibilisiert wie kein weiterer für jene Sorgen, die kranke Eltern im Alter bedeuten können. Er verleiht all denen eine Stimme, die selbst eine vergleichbare Situation erfahren haben. Zugleich macht er wütend und führt zur unbeantwortbaren Frage nach dem WARUM.
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Fazit: Wenn der Leidensweg der eigenen Eltern zur Zerreißprobe wird. Ein längst überfälliger und überaus zu empfehlenswerter Text!

5 Sterne! 

Weiterführende Informationen zum Titel sowie eine Leseprobe bei Blanvalet! 

Website der Autorin: www.martina-rosenberg.de