Montag, 21. Oktober 2013

Vorbilder: Unsere Suche nach Idealen - UVK

Vorbilder fungieren also nach wie vor als Projektionen, auf welche idealisierte Vorstellungen und Werte, die als positiv und gegebenenfalls nachahmenswert gelten, übertragen werden.“
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Das Themenheft der Reihe „tv diskurs: Verantwortung in audiovisuellen Medien“ liefert eine ebenso wissenschaftlich fundierte wie hochinteressante Reflexion zum Thema Vorbilder, verbunden mit unserer aktuellen Medien- und Informationsgesellschaft. Im Blick auf den gegenwärtig exzessiven Medienkonsum und daraus resultierende Konsequenzen, zu denen etwa das Cyberbullying gehört, geht es auch dem Herausgeber um medial präsente Vorbilder und solche, die gerade durch die Medien regelrecht zu Idolen gemacht werden. Die Sammlung unterschiedlichster Aufsätze verschiedener Experten handelt daher auch von Castingshows, Sportlern, VIPs oder Hollywood-Helden.
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Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, welchen allgemeinen Einfluss Vorbilder im Laufe des Lebens ausüben, beginnend mit Kindheit, über Adoleszenz bis hin ins hohe Erwachsenenalter. Die Leserinnen und Leser erhalten gerade hierbei interessante Informationen, die auch kognitive und psychologische Hintergründe mit einschließen. Auch lohnt es sich, die geschichtliche Entwicklung zu verfolgen. Aus dem Lateinischen stammend, bezeichnet idolum eigentlich einen Abgott. Daher ist es naheliegend, den Prozess der Konstruktion eines Vorbilds mit Momenten des Religiösen zu vergleichen, wie sie Rudolf Otto mit den Kategorien Mysterium tremendum und Mysterium fascinans benannt hat. Demnach sieht Dr. Alexander Grau eine Analogie zu Vorbildern, denn auch in ihnen verbinden sich Momente des anziehenden und abstoßenden zugleich, wenn er sagt: „Erst die Spannung von Anziehung und Abgestoßensein begründet das Gefühl, es mit etwas zu tun zu haben, das den Alltag transzendiert und damit aufruft, das bisherige Leben hinter sich zu lassen und ein ganz neues, anderes zu beginnen.“ (S.17).
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Ein Blick auf die kulturelle Entwicklung, ausgehend von der Antike, zeigt, warum prinzipiell zwei Archetypen des Vorbilds entstanden sind: Achill, als mutig-tollkühner und unbesiegbarer Held, sowie der Leidende in Scheitern, Tod und Verklärung; Schemata, die sich in unterschiedlichsten Ausführungen von Passion oder Sieg u.a. auch in modernen Romanen gehalten haben.
Literaturhinweise mit ausführlichen Besprechungen gegen Ende des Themenhefts liefern Anregungen, sich vertieft mit dem Bereich zu befassen.
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Fazit: Ein wunderbares Arbeitsheft zum Thema Vorbilder, das seinen Leserinnen und Lesern faktisches Wissen in ansprechender Aufarbeitung präsentiert und darüber hinaus dazu anregt, sich weiterhin mit dieser Fragestellung zu beschäftigen. Nicht nur für Journalisten und andere Mitarbeiter der Medien von hoher Bedeutung, sondern sicherlich auch für den Bereich Schule und Unterricht. Uneingeschränkt zu empfehlen! 

5 Sterne! 

Weitere Infos bei UVK! 

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