Sonntag, 14. Juli 2013

Jesus total - Walter Moers

Wenn Gottes Boten seine Verkündigung in einem unverblümten Rap vortragen, wenn die heilige Familie plötzlich alles andere als heilig ist und Petrus, der Fels, auf den die Kirche Gottes gründet, völlig aus der Rolle fällt, dann ist Mut gefordert. Mut, sich der “wahren Geschichte“ zu stellen. Und genau hier zeigt sich schon der parodistische Ansatz dieses 1992 erstmals erschienenen Werks von Walter Moers.
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Das Christentum, das sich insbesondere um die Verkündigung der einen Wahrheit und deren theologisch-kultureller Tradierung bemüht, Zuversicht und Hoffnung eben dieser Wahrheit kundzutun, wird hier bei weitem nicht nur auf visueller Ebene bis zur Schmerzensgrenze auf die Schippe genommen.
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Neben den charakteristischen Moers-Zeichnungen sind es daher vor allem die spitzfindigen, sarkastisch-schwarzhumorigen Worte, die in Kombination mit den Bildern schonungslos eine völlig andere Interpretation des Neuen Testaments, der Geschichte Jesu bieten. Von Verkündigung, Geburt und Versuchung in der Wüste bis zum Tod am Kreuz werden viele bekannte Szenen aufgegriffen und reflektiert. Dabei treffen sie je genau den empfindlichen Punkt, jenes Ziel von Ironie und Provokation.
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Moers' Fans, die genau hierauf Wert legen, werden ohne Zweifel voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Jedoch sollte sich der Leser der Lektüre dessen bewusst sein, dass nicht selten Grenzen überschritten werden, die sicher so manchem als zu heftig erscheinen. Daher ist zu diesem Band eine FSK anzuraten. Interessierte Leser sollten sich die Frage stellen, wie viel Witz und Humor man in dem sensiblen Bereich der Religiosität jeweils versteht.
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Fazit: Die Kenner des bekannten Illustratoren wissen hier vermutlich längst, was sie erwartet und können sich ungestört auf die Lektüre einlassen. Es ist eine Frage der je ganz persönlichen Definition von Humor und Ironie: „Jetzt bestellen – oder wollen Sie warten bis zum Jüngsten Tag???“

4 Sterne! 

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