Montag, 25. Februar 2013

Burnout kommt nicht nur von Stress - Dr. med. Mirriam Prieß


„Unsere Welt ist längst eine Welt der Superlative geworden. Eine Welt, in der immer mehr möglich ist, und alles machbar sein soll. Grenzen sind dazu da, um überschritten zu werden, lautet oft die Devise.“
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Burnout ist mittlerweile zu einem ernsten Problem unserer westlichen Welt geworden, zu einer neuen Zivilisationskrankheit, vor der zunehmend auch junge Menschen betroffen sind. Und noch immer wird die Erkrankung von vielen geleugnet oder gar belächelt. Fragt man nach den Ursachen, werden oft Stress und Überforderung genannt. Bei einem genaueren Hinsehen wird jedoch schnell deutlich, dass sich “Stress“ als relativ schillernder Begriff nur schwer definiert lässt. Mögliche Erklärungsversuche unterscheiden sich je nach subjektivem Empfinden. Auch ist der Punkt, an dem Überforderung beginnt, schlecht zu benennen.
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Dr. med. Mirriam Pries macht in diesem Titel erstmals darauf aufmerksam, dass Stress und Überforderung nicht die Ursachen eines Burnouts sein können, sondern lediglich mögliche Symptome. Basierend auf der jahrelangen Erfahrung als Ärztin und Psychotherapeutin kam sie zu dem Schluss, dass es sich beim Burnout um einen Selbstregulierungsversuch des Körpers handelt, der genau dann auftritt, wenn Menschen ein Leben führen, das ihrem eigenen Wesen zutiefst widerspricht. Wenn Rollen gespielt werden und das bloße Funktionierenwollen zum Lebensziel erhoben wird. Als Folge daraus ergibt sich nicht nur der Verlust eigener Identität, sondern vielmehr die typischen sowohl körperlichen als auch seelischen Erschöpfungszustände. Demnach ist die Ursache einer Burnout-Erkrankung der Verlust des Ichs, der Identität; ein Konflikt in einem oder mehreren der wichtigsten Lebensbereiche, zu denen die folgenden zu zählen sind:
  • Beruf
  • Familie und Partnerschaft
  • Gesundheit
  • soziale Kontakte
  • Individualität/Hobbys
  • Glaube/Spiritualität
Ziel einer jeden Prävention muss daher die Herstellung eines Gleichgewichts in ebendiesen Bereichen sein. Hierzu zählt neben der soliden Dialogfähigkeit auch diejenige, Emotionen wahrzunehmen, zu deuten und zu verarbeiten. Die Autorin erklärt präzise, worauf man beim Burnout achten sollte und wie es gelingen kann, zu sich selbst zurückzufinden. Dabei beschreibt sie die Erkrankung im Blick auf Unternehmen sowie auf private Hintergründe, etwa Beziehungen. Die Bedeutung von Angst, Kompensationsstrategien und Persönlichkeitsmerkmalen wird ebenfalls näher erläutert.
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Fazit: Ein ganzheitlicher Ansatz, der m.E. das Problem am Ursprung fasst und Lösungsvorschläge liefert, die reelle Chancen auf Besserung eröffnen. Denn letztlich geht es beim Burnout um den konkreten Menschen und nicht um allgemeinen Stress. Überaus zu empfehlen!

5 Sterne! 

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1 Kommentar:

  1. Das Buch werde ich mal kaufen, nicht für mich, aber für jemanden, der mir sehr am Herzen liegt.
    Danke für deine Rezension.
    Und heute habe ich angenfangen, meine Blogleser in einem Post vorzustellen, du bist in Part I mit dabei
    Liebe Grüße :-) Hanne
    http://lesegenuss.blogspot.de/2013/03/news-leser-meines-blogs-vorstellung.html

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