Montag, 14. Januar 2013

Grau ist Great - Sabine Reichel


„Die Zeit schreitet voran, und zwar an uns vorbei und über uns hinweg, schleift uns dabei mit und hinterlässt Spuren.“
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Fitness, Attraktivität und vor allem eins: Jugend! Betrachtet man die aktuelle Medienlandschaft, so wird man schnell feststellen, dass diese drei Bereiche längst zu den neuen Idealen unserer modernen Gesellschaft geworden sind. Spuren, die die Zeit hinterlassen, vor allem solche, die unser jugendliches Äußeres verändern, gehören hier nicht dazu. Galt das Alter in früheren Zeiten noch als Status der Ehre, verbunden mit Werten wie Weisheit, Güte oder Großzügigkeit, ist es mittlerweile zu einem Tabuthema geworden, über das nicht gerne gesprochen wird. Die Moderne ist geprägt durch einen unnatürlichen Umgang mit dem Älterwerden und erste Anzeichen werden so lange nur irgend möglich verdrängt und versteckt. So auch das Ergrauen der Haare.
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Sabine Reichel, Designerin, Autorin und Journalistin, setzt sich auf äußerst anregende Weise mit der ungeliebten Haarfarbe auseinander. Wie das Älterwerden ist auch das Wort „Grau“ mit vielen negativen Assoziationen behaftet, im Gegensatz zu Worten wie „Bunt“ oder „Farbig“. Doch warum ist es eigentlich so schlimm, sichtbar zu altern?
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Einzelne Kapitel widmen sich genau dieser Frage. Dabei wird schnell klar, dass es um viel mehr geht, als nur einen Farbton. Und nicht nur Frauen verbinden mit ihrer Frisur ein bestimmtes Rollen- und Identitätsverständnis, das sich durch die Veränderung der Haarfarbe aufzulösen droht. Es werden vielfach merkwürdige Beobachtungen aufgedeckt, wie etwa die enge Verbundenheit der Lebensgeschichte mit der Haarlänge, die sich mit zunehmendem Alter stetig verkürzt bis zum Erreichen der sogenannten “vernünftigen mittleren Kurzhaarfrisur“ und der Verwandlung zur asexuellen Matrone. Eine Vielzahl ähnlicher skurriler Haargeschichten sind Bestandteil der jeweiligen Kapitel. Als interessant erweisen sich zudem einzelne Haargeständnisse aus dem Bekanntenkreis der Autorin sowie eigene Erfahrungen als Mitglied der Silberfuchs-Society.
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Fazit: Die Autorin präsentiert voller Stolz ein ebenso unterhaltsames wie mutiges Plädoyer zum selbstbewussten Zelebrieren des eigenen Alters. Locker-leicht lesbar, sehr zu empfehlen!  

5 Sterne! 

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