Mittwoch, 31. Oktober 2012

EGO-TRIP - Birgit Ebbert

Wenn er die Zeit doch nur zurückdrehen könnte. Man müsste eine Zeitmaschine erfinden, waren seine letzten Gedanken, ehe er einschlief.“
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Der 14-jährige Mike wird zu drei Wochen Jugendarrest verurteilt, nachdem er ein Mädchen brutal attackierte. Hier lebt er, bis auf kurze Kontakte zu einem vorübergehenden Lehrer und einer Sozialarbeiterin, in völliger Isolation. Dabei soll er sein Verhalten überdenken und seine Tat reflektieren. Dank der sympathischen Steffi gelingt es ihm, einen Computer zu bekommen, eigentlich für die schriftliche Reflexion seiner Tat gedacht. Schließlich entdeckt Mike ein Spiel, das neben dem Schreibprogramm als einziges auf dem PC installiert ist. Von Neugier gepackt meldet er sich natürlich sofort an und begegnet in dieser fiktiven Welt Ekim, einer Figur, die ihm zum verwechseln ähnelt und sehr persönliche Fragen stellt. Die Reflexion beginnt …
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Für Mike setzt eine Reise in seine eigene Vergangenheit ein, bei der auch der Leser gleichzeitig immer mehr über den Jungen erfährt und die eigentlichen Hintergründe seiner Tat verstehen lernt. Von den alkoholabhängigen Eltern vernachlässigt, wächst er bis zum Ende des 4. Schuljahres bei seiner Großmutter auf. Doch als mit ihrem Tod die einzige Bezugsperson verschwindet und er keine Liebe und Zuneigung mehr erfährt, beginnen die Probleme. Mike rutscht ab in ein tiefes Loch aus Schmerz, Trauer und Hass. Seine Gefühle kanalisieren sich zunehmend in Gewaltausbrüchen. Erst durch die Inhaftierung lernt er eine Verdrängung seiner Emotionen zu vermeiden und über Probleme zu sprechen.
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Das Buch thematisiert eine ganze Reihe kritischer Bereiche im Leben eines Jugendlichen, die sehr authentisch beschrieben werden. Neben Enttäuschung, Aggression und Gewalt geht es insbesondere um Verlust und Trauer sowie deren Bewältigung; aber auch um Verantwortung, Träume und Ziele im Leben.
Dank der kurzen Kapitel ist der Text nicht nur angenehm lesbar, sondern stellt zudem eine ideale Schullektüre dar, die vielfältige Ansatzpunkte zur kritischen Reflexion innerhalb des Unterrichts bietet und darum nur empfohlen werden kann.
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Fazit: Eine ungewöhnliche Reise zu sich selbst, die lehrreicher nicht hätte sein können. 

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Edition Zweihorn! 

Montag, 29. Oktober 2012

Glück ist für alle da - Das große Lesebuch des positiven Denkens


Glück in all seinen Facetten 

Alles, was erschaffen wird, existiert zunächst als Gedanke.“
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Die Realität ist nicht mehr als ein Konstrukt eigener Gedanken und Gefühle, die auf uns und unsere Welt Einfluss nehmen. Ebenso ist auch das Glück ein Konstrukt, bestehend aus vielfältigen Erscheinungsformen; abhängig von subjektiven Empfindungen. Der Versuch, eine einheitliche Definition des Glücks zu finden, erweist sich als dementsprechend schwer. Jedoch erleichtert diese Erkenntnis die Bemühung, sich dem Wesen des Glücks zu nähern, um es so schließlich selbst zu finden.
Was bedeutet eigentlich Glück im Allgemeinen? Gibt es äußere Einflüsse als Garanten des Glücks? Wie findet man dauerhaftes Glück und wie lassen sich die je eigenen Glücksmomente erkennen?
Die Neuerscheinung „Glück ist für alle da“ setzt sich mit diesen und weiteren Fragen auseinander. Es ist ein Lesebuch des Glücks, eine Sammlung gewinnbringender Aufsätze bekannter Vertreter positiven Denkens, die mit je eigenen Schwerpunkten einen Beitrag leisten, Glück als innerlichen Zustand zu erkennen und als Bestandteil des eigenen Lebens zu integrieren.
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Eine spirituell christlich gefärbte Auseinandersetzung zum Thema bietet Anselm Grüns Textbeitrag, während Hermann Scherer für Aktivität im Hier und Jetzt plädiert. Es gilt, am Beispiel Julian Draxlers orientiert, Chancen im Leben zu erkennen und zu ergreifen. Eigene Wünsche dürfen nicht unbeachtet bleiben. Er empfiehlt es zu deren Verwirklichung gegen den Strom der Masse zu schwimmen: Erfolg durch Auflehnen gegen den Mainstream.
Beiträge weiterer Autoren beschäftigen sich mit der Individualität des Glücks, mit Achtsamkeit, Treue und anderen Tugenden, mit Heilung, Befreiung aber auch dem angemessenen Umgang mit Schicksalsschlägen. Rituale, Dankbarkeit, Religion oder eine lebendige Sehnsucht sind einige der möglichen Wege zum Glück. Interessant sind auch vorgestellte Glücksbräuche, wie etwa das Strietzelwerfen sowie die Ausführungen zum Unterschied zwischen Zufriedenheit und Glück. Eine wichtige Rolle zur Fähigkeit, Glück zu empfinden, spielen die eigenen Gedanken. Hier ist insbesondere das Kapitel Esther und Jerry Hicks uneingeschränkt zu empfehlen: „Jeder Manifestation geht immer ein Gedanke voraus.“ Sehr hilfreich ist die Vorstellung unterschiedlichster Werkzeuge, die das Glück regelrecht anlocken. Etwa Kleidung als Instrument ambitioniert und erfolgreich aufzutreten und somit auch ambitioniert und erfolgreich zu denken; oder die Methode der Eigenwerbung. Die einzelnen Kapitel sind kurz gehalten und angenehm lesbar.
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Fazit: Eine ganz wunderbare Lektüre und meines Erachtens nach die beste Sammlung fundierten und dennoch praktisch durchaus hilfreichen Wissens über das Glück. Sie macht es möglich, Ziele, Einstellungen und Haltungen zum Leben zu optimieren. Die Leser werden dazu angehalten, das Leben mehr als eine Bühne zu sehen, auf der man selbst Regie führt und auf der man selbst aktiv werden kann, um Glück in sein Leben zu lassen. Ein Buch, das Mut macht und zum Handeln motiviert. Es ist zur eigenen, reflexiven Auseinandersetzung mit dem Thema Glück, zum Schwelgen in Glücksmomenten oder als liebevolles Geschenk bestens geeignet! 

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Ariston! 

Interview mit Alexander Karl


Schule, Liebe, Party, Freunde, Probleme, Sex, Drugs and Rock'n Roll, … Die volle Ladung genau der Themenkomplexe, die das Leben eines Jugendlichen heute ausmachen, darum geht es in Alexander Karls gelungenem Debütroman „Real Me“, der auch kürzlich auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde. Die Protagonisten werden in authentischer Schilderung auf dem Weg des Erwachsenwerdens begleitet. Ein herzliches Dankeschön an den jungen Autor, der sich für ein Interview zur Verfügung stellte!



>Eine ganz spannende wie auch persönliche Frage gleich zu Beginn: Lieber Alexander, welcher Charakter aus dem Buch entspricht deiner Persönlichkeit am ehesten?
Die Frage ist vor allem ganz schön schwer zu beantworten! (lacht) Jeder Charakter aus „Real Me“ ist vielschichtig und hat Facetten, mit denen ich mich teilweise identifizieren kann. Bei manchen mehr, bei manchen weniger. Manchmal bin ich so emotional und nachdenklich wie John, dann wieder vertrauensvoll wie Gwen oder ruhig wie David. Aber John kann ich oft am besten nachvollziehen, immerhin ist er auch der Haupterzähler.

(Fotograph: David Köndgen)

> Der Text verzichtet ganz bewusst auf ausschmückende Elemente des Kitsch, sondern stellt die Erfahrungen der einzelnen Figuren sehr realistisch dar. Worin besteht für dich der Reiz des Alltäglichen? Weshalb hast du dich für das Genre der Gegenwartsliteratur entschieden, statt etwa Fantasy oder Krimi?
Ich habe mit „Real Me“ eine ehrliche und authentische Geschichte erzählen wollen, die es möglich macht, dass sich die Leser wirklich in den Figuren und ihren Problemen erkennen. Mit 15 oder 16 Jahren haben mir solche ehrlichen Storys gefehlt, in denen es nicht nur völliges Verknalltsein oder totalen Liebeskummer gibt. Jugendliche haben doch viel mehr Probleme, als nur dem Schwarm hinterherzulaufen. Da gibt es Probleme in der Clique, Stress zu Hause, Streit mit anderen Bekannten oder Lehrern – und oft alles zur gleichen Zeit. Und genau diese Komplexität wollte ich zeigen.

> Ein derartiger Erfolg beim ersten Roman ist außergewöhnlich und selten. Hast du an Kursen zum kreativen Schreiben teilgenommen, um deine eigenen Schreibfähigkeiten zu verbessern oder auszubauen. Oder war es ein spontanes Drauflosschreiben?
Es gab tatsächlich einen Moment, in dem ich einfach drauf los geschrieben habe – in einer Unterrichtsstunde auf einem Collegeblock, da war ich 15 Jahre alt. Da entstand die Rohversion von „Real Me“. Mit 16 Jahren habe ich dann alles auf den PC gebracht und den ersten Band abgeschlossen. Ich habe natürlich auch viele Bücher gelesen und geschaut, wie andere ihre Geschichten erzählen und mich mit anderen Jungautoren auf www.hierschreibenwir.de ausgetauscht. Aber ein richtiges Coaching hatte ich nicht.

> Wie haben deine Freunde auf die neue Karriere reagiert? Schließlich geht es in deinem Roman um eine jugendliche Clique, in der vielleicht die ein oder andere Person sehr stark an realen Vorbildern orientiert dargestellt wurde.
Karriere klingt jetzt sehr professionell (lacht). Ich muss mich tatsächlich noch daran gewöhnen, dass ich nicht nur Student, sondern nun auch Schriftsteller mit einem veröffentlichten Buch bin. Meine Schulfreunde kennen sogar die Anfänge von „Real Me“, haben teilweise auch die erste Fassung, die ich in der zehnten Klasse geschrieben habe, gelesen. Sie alle freuen sich, dass es mit der Veröffentlichung geklappt hat und haben das fertige Buch gelesen. Da gab es nur Lob, was mich sehr gefreut hat.

> Was war bisher das schönste, was das schlimmste Feedback zu deinem Buch?
Es gab einige sehr nette Nachrichten von Jugendlichen, die „Real Me“ berührt hat und die das Lesen genossen haben. Das sind für mich auch immer unglaublich schöne Momente, wenn so eine Nachricht über Facebook kommt, weil man da ja nicht mit rechnet. Übrigens gefällt nicht nur Jugendlichen mein Buch, sondern auch Erwachsene fühlen sich durch „Real Me“ wieder an ihre Jugend erinnert, wie ich bereits erfahren habe. All diese Reaktionen zeigen mir dann, wie sehr sich die Jahre der Arbeit gelohnt haben. Hin und wieder gibt es auch konstruktive Kritik und Anregungen, die ich aber immer gerne aufnehme und mich damit auch auseinandersetzte.

> Interessant ist natürlich auch die Schreibtechnik, die ein junger Autor verfolgt. Gibt es irgendwelche Tipps und Tricks zur Verbesserung der Ausdrucksweise? Wie schreibst du überhaupt: ganz klassisch am PC, von Hand oder gar an ungewöhnlichen Orten? Zu welchen Zeiten bist du besonders kreativ?

Mittlerweile bin ich ein klassischer Laptop-Schreiber, wenn es um das Tippen einer Story geht. Spontane Ideen schreibe ich mir auf irgendwelche Zettel und mache mir Notizen im Handy. Manchmal passen sie dann zu einem Buch oder einer Kurzgeschichte, an der ich arbeite, manchmal wandern sie in den Ideen-Fundus. Übrigens gehöre ich zu den Menschen, die auch unter der Dusche plötzlich eine super Idee haben können – aber da habe ich den Notizblock nie dabei. Komischerweise bin ich bei Regen und Gewitter sehr kreativ und schreibe da auch gerne. Wenn draußen die Blitze zucken und der Regen plätschert, fliegen meine Finger besser über die Tastatur.

> Und welche Ratschläge würdest du jemandem geben, für den du jetzt ein neues Vorbild geworden bist?
Ich glaube, alle Autoren ticken und arbeiten ganz unterschiedlich – deshalb sind generelle Tipps schwer. Aber auf jeden Fall sollte man mit offenen Augen durchs Leben gehen und offen für neue Ideen sein. Und natürlich: An seine Träume glauben, wenn man von seinem Talent und seinem Können überzeugt ist.

> Ist es dir schwer gefallen, sich in die Erlebnis- und Gefühlswelt der einzelnen Figuren einzufinden? Der Text lebt ja gerade aus einem Wechsel unterschiedlichster Perspektiven.
Stimmt, bei „Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich“ gibt es immer wieder wechselnde Erzähler, wobei John doch sehr dominant seine Sicht und seine Erlebnisse schildert. Schwierig war es aber nicht, weil ich ja wusste, wie sich die Figur in der Handlung fühlt. Denn sie agiert und „lebt“ ja auch, wenn ich aus Johns Perspektive erzähle.

> Das eigene Buch auf der Buchmesse. Wie fühlt sich das an? Hast du deinen Erfolg gebührend gefeiert?
Das sind solche Wow-Gefühle, die für ein breites Grinsen auf meinem Gesicht sorgen. Vor ein paar Jahren habe ich den Verlagen dort noch „Real Me“ angeboten, nun steht es da. Es dauert immer ein wenig, bis ich das dann wirklich realisiert habe. Aber nach dem Wow-Gefühl ist vor dem nächsten Wow-Gefühl und das bedeutet eben auch: weiter arbeiten.

> Neben deiner Tätigkeit als Autor gehst du zusätzlich noch einem Studium nach. Wie schafft man es, beides zu vereinbaren ohne dass ein Bereich vernachlässigt wird?
Das fragen mich tatsächlich viele. Die vier „Real Me“-Bände habe ich ja alle neben der Schule und dem Abitur geschrieben, was darunter auch nicht gelitten hat. Zwei weitere Bücher neben dem Studium. Zudem war ich noch über ein Jahr Chefredakteur des medienkritischen Blogs media-bubble.de und habe noch allerhand andere Sachen gemacht. Das geht nur mit einem guten Zeitmanagement und To-Do-Listen, die immer auf meinem Schreibtisch liegen. Anders funktioniert das nicht.

> Eine wichtige Frage für alle Fans: Sind weitere Buchprojekte außerhalb der „Real Me“-Reihe geplant?
Ja! Ich habe zwei weitere Romane geschrieben, die eher für Erwachsene sind. Derzeit sammelt sich in meinem Kopf der Plot eines neuen Buches, aber gerade bearbeite ich den zweiten „Real Me“-Band. Lesestoff gibt es also zur Genüge.

Weitere Infos zu Real Me auf dem Blog des Autors sowie bei Facebook!

Sonntag, 28. Oktober 2012

Schüchtern - Florian Werner


Beim Schlafen ziehe ich immer die Bettdecke über den Kopf, weil ich Angst habe, dass ich von Geistern oder Einbrechern angesprochen werden könnte.“
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Florian Werner präsentiert seinen Lesern eine autobiographisch gefärbte Abhandlung über eine Charaktereigenschaft, die in unserer modernen Gesellschaft durchaus ambivalent auftritt. Denn es herrscht aktuell eine merkwürdige Gleichzeitigkeit sowohl rücksichtslosen Verhaltens als auch solcher Personen, die sich selbst als schüchtern bezeichnen würden.
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Nicht selten wirken schüchterne Menschen im beruflichen wie auch privaten Alltag völlig deplatziert. Sie scheinen kaum in die (heutige) Gesellschaft zu passen.
Doch was ist eigentlich das Wesen der Schüchternheit? Wie entsteht sie? In welchen Formen tritt sie auf? Und die weitaus wichtigere Frage: Wie lässt es sich mit dieser ungeliebten Eigenschaft überhaupt leben? Gibt es möglicherweise sogar Vorteile schüchternen Verhaltens?
Ausgehend von diesen und weiteren Fragen analysiert Florian Werner den Kern der Schüchternheit. In Rückgriff auf eigene Erfahrungen als schüchterner Mensch lässt er seine Leser an so manchem skurrilen Erlebnis längst vergangener Tage teilhaben und vollzieht dabei zugleich eine kritische Selbstreflexion. Da wäre zum Beispiel das unlogische, kaum nachvollziehbare Verhalten in ganz alltäglichen Situationen, wie etwa dem Vorgang des Telefonieren. Gerade dann, wenn Interaktionen mit anderen Menschen gefordert sind, reagieren Betroffene, so auch Werner, völlig irrational und entwickeln nicht selten unbegründete Ängste und Vorstellungen ihres Gegenübers, die im schlimmsten Fall sogar in einer Sozialphobie enden können. Werner, bekannt unter dem Spitznamen Schildkröte, zieht sich selbst gerne zurück. Er schreibt von der Allgegenwärtigkeit der Schüchternheit, der Bedeutung sozialer Rollen, von Geschlechterzuschreibungen sowie der somatischen, behavioralen und kognitiven Dimension der Schüchternheit. Am Ende der Lektüre wird die persönliche Bewältigungsstrategie des Autors deutlich: Ironie und Humor.
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Fazit: Das Werk ist ein gelungener Spagat zwischen wissenschaftlich fundierten sowie hoch philosophischen Betrachtungsweisen der Schüchternheit und herrlich selbstkritischen und ironischen Passagen voller Witz und Ironie.

5 Sterne! 

Samstag, 27. Oktober 2012

Was vom Leben übrig bleibt, kann alles weg - Hans-Jürgen Heinicke


Die Dinge nehmen ihren Lauf. Und manchmal sind wir dabei. Für einen kurzen Moment oder für etwas länger – aber nie für ewig.“
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Leben und Tod. Obwohl die beiden Bereiche zusammengehören, versuchen wir doch zumeist, letzteren auszublenden, ja sogar völlig zu verdrängen. Dem Tod kann man allerdings nicht entgehen und früher oder später wird eine Konfrontation mit diesem unbeliebten Thema auf die ein oder andere Weise unweigerlich stattfinden. Nämlich dann, wenn nahe Bekannte, gute Freunde, Verwandte oder gar ein geliebtes Mitglied des engeren Familienkreises verstirbt.
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Für Hans-Jürgen Heinicke ist diese Konfrontation Alltag geworden. Als Schatzsucher der besonderen Art durchforstet er die Nachlässe Verstorbener und trägt dafür Sorge, dass die Überreste eines Lebens ordnungsgemäß entsorgt werden. Er ist professioneller Wohnungsauflöser.
Wie er zu diesem doch eher ungewöhnlichen Beruf kam, schildert er in seinem autobiographisch geprägten Buch. Neben eigenen Eindrücken und Erlebnissen während der Arbeit in fremden Wohnungen oder aber auch im Umgang mit den Hinterbliebenen geht es insbesondere um den Tod als Thema, das einen jeden von uns eigentlich zutiefst interessieren sollte. Was ist es, das von einem Leben übrig bleibt – wenn Möbel, Kleidung, Dekoration; kurzum die Besitztümer entsorgt sind? Was hinterlässt ein Mensch? Was bedeutet er für die trauernde Familie? Und ist es womöglich denkbar, das Glück eines Lebens anhand der jeweiligen Wohnung zu ermessen?
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Hochinteressante Einblicke in einen eigentlich ganz privaten Bereich gewährt uns Heinicke in diesem Text. Der Leser wird, wenn auch nur für einen kurzen Moment, zu einer veränderten Sichtweise auf das Leben geführt. Ein Prozess, den schließlich auch der Autor selbst durchlaufen ist. Die Lektüre stellt daher zugleich eine kritische Reflexion des heutigen, modernen Lebensstils dar; dessen Hauptanliegen es ist, das Glück in all seinen Formen festzuhalten. Der Gedanke an die eigene Endlichkeit entlarvt den Versuch unserer Konsumgesellschaft, das Glück kaufen zu können, als fatalen Trugschluss. Somit sensibilisiert der Text schließlich für das, was wirklich wichtig ist im Leben.
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Fazit: In einer lockeren und zugleich authentischen Schreibweise setzt sich Heinicke in aller Ernsthaftigkeit aber auch Ironie mit dem Ende eines jeden Lebens auseinander. Ein sehr reflexives Buch, das noch geschrieben werden musste. Uneingeschränkt zu empfehlen.

5 Sterne! 

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Ein Jahr in San Francisco - Hanni Bayers


Home. Sweet Home.“
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San Francisco. Die Metropole im Westen der USA, im Golden State gelegen, hat nicht nur mich, sondern auch Hanni Bayers in ihren Bann gezogen. Und das völlig zu Recht! Zusammen mit der Autorin begibt man sich auf eine Reise in den Alltag, wie es im Untertitel so schön heißt. Die Leser sind dabei eingeladen, an sowohl beruflichen als auch privaten Erlebnissen der jungen Frau teilzuhaben und sich von der außergewöhnlichen Stadt verzaubern zu lassen, sofern dies nicht schon vor der Lektüre geschehen ist.
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In ihrem ganz persönlichen Reisebericht schreibt Bayers von der Begegnung mit Menschen, Kulturen und atemberaubenden Landschaften. Schnell wird dabei klar, warum es San Francisco vermag, auf seine Besucher eine enorme Faszination auszulösen. Eine Vielzahl unterschiedlichster Vorzüge der Stadt werden im Text beschrieben. So macht Hanni gleich zu Beginn ihres Aufenthalts die Erfahrung, wie herzlich die Leute dort sind und wie einfach es ist, richtig gute Freundschaften zu schließen. Mit ihren sympathischen neuen Freunden erkunden sie schließlich das Nachtleben oder wird Teil kultureller Feste, die es in dieser Form in Deutschland nicht gibt.
Im Sinne eines Reiseführers bietet der Text dem Leser neben den persönlichen Erfahrungen der Autorin interessante Beschreibungen der besten Sehenswürdigkeiten, informative Anhaltspunkte und Ratschläge sowie eine Einführung in den kalifornischen Lebensstil, wobei durchaus nicht auf ironische Kommentare verzichtet wird:
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Du sagst dauernd Worte wie „like“ und „for sure“ und „right on“ und „dude“ und „totally“ und „peace out“ und „chill“ und „hell of“.
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Gerade Liebhaber der Stadt werden große Freude an der Lektüre haben und so manche Beschreibungen 1 zu 1 nachvollziehen können. Wer schon mal in San Francisco sein durfte, kann gut nachempfinden, wie authentisch die Schilderungen der Autorin sind. Für andere wären an manchen Stellen ausführlichere Kommentare wünschenswert, etwa über den Yosemite Park oder weitere Themen, zu denen man eigentlich gar nicht genug schreiben kann. Alles in allem ist der Text sehr jedoch gelungen. Der Schreibstil der Autorin ist hervorragend, der Text dadurch flüssig zu lesen. Es ist fast so, als wäre man selbst in San Francisco und dürfte all die schönen Erlebnisse selbst machen. Danke dafür! 

5 Sterne! 

Weitere Infos zum Buch bei Herder! 

Sonntag, 21. Oktober 2012

Enthetzt Euch! - Karlheinz A. Geißler


Könnte es vielleicht sein, dass den Menschen das Messen der Zeit mehr Spaß macht, als sie zu leben?“
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Für den Begriff der Zeit gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Definitionen, die je eigene Schwerpunkte setzen und dabei nur ein frommes Ziel verfolgen: das Enträtseln eines Phänomens, von dem das Leben des modernen, in der “Dringlichkeitskultur“ lebenden Menschen wesentlich bestimmt wird. Denn nicht ohne Grund erscheint das Substantiv “Zeit“ in der Liste der am häufigsten gebrauchten Worte noch vor “Mama“. Von Natur aus ist der Mensch eigentlich zeitblind, d.h. er kann sie mit Hilfe der Sinne nicht wahrnehmen. Erst technische Hilfsgeräte haben es möglich gemacht, die Zeit zu messen. Und dennoch scheint es ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Mensch trotz aller Bemühungen, die Kontrolle über die Zeit verliert. Das Leben wird immer schneller und Zeit zu einem kostbaren Gut. Angesichts dieser Tatsache muss man sich die Frage stellen, wie viel Beschleunigung eine Gesellschaft überhaupt verträgt.
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Genau hier setzen die Überlegungen Karlheinz A.Geißlers an. Ausgehend von der Feststellung, dass der Mensch selbst die Zeit ist, untersucht er verschiedene Zeitqualitäten und den Einfluss der äußeren Umwelt auf unser Zeitempfinden. Analysen zur Veränderung der Gehgeschwindigkeit je nach Umgebung sind in diesem Zusammenhang sehr aufschlussreich. Darüber hinaus beschreibt er das Leben als eine Summe von Zeiterfahrungen, die sich in eine subjektive und objektive Zeit einteilen lassen. Auch an dieser Stelle sind die Ausführungen des Autors sehr aufschlussreich und hochinteressant. Des Weiteren spricht Geißler über die vielfach genutzte Muss-Rhetorik in Kombination mit der Zeit oder über frequent verwendete Begriffe wie “Zeitfenster“ oder “zeitnah“. Im Zentrum steht schließlich das Plädoyer für eine allgemeine Entschleunigung, für mehr Gelassenheit, Ruhe, Geduld und Langsamkeit im eigenen Leben; wichtige Faktoren, die in der Vergangenheit schon so mancher Hochkultur zum Aufstieg verholfen haben.
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Insgesamt zeichnet sich der Text durch ein hohes Niveau bei gleichzeitiger angenehmen Lesbarkeit aus. Einzelne Kapitel thematisieren brisante Inhalte der aktuellen Geschichte, die im Zusammenhang zur Zeit stehen. Sie beleuchten die unterschiedlichsten Facetten eines Phänomens, das den Alltag eines jeden Einzelnen in entscheidender Weise prägt. Von daher ist das Buch von hohem Interesse für eine breite Leserschaft. Während der Lektüre wird deutlich spürbar, dass der Autor über jenes Thema schreibt, das man als sein Spezialgebiet nennen kann. Für den Leser ist es nur von Vorteil, an diesem Wissen teilzuhaben und für ein Umdenken, eine Entschleunigung des Lebens sensibilisiert zu werden.
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Fazit: Eine grandiose Abhandlung über die Zeit und unsere heutige Lebenskultur, die im besten Fall Augen öffnet.

5 Sterne! 

Samstag, 20. Oktober 2012

Ein paar Emotionen im Herbst gefällig?

Aktuelles Gewinnspiel ...


"Es roch nach Frau. Ich schlug die Augen auf und lächelte. Bis ich sah, wo ich war. Ein fremdes Schlafzimmer. Über mir hing eine Wanduhr, deren Ticken mich die ganze Nacht genervt hatte. Auf der Kommode neben dem Bett lag kein Zettel. Es duftete nicht nach Kaffee. Niemand küsste mich wach. Niemand legte sich noch mal zu mir. Niemand verpasste mir einen süßen Blick wegen letzter Nacht. Nachts ließen One-Night-Stands einen bisweilen vergessen, dass es nicht die Frau des Lebens war, die da so schön seufzte. Doch das Morgenlicht rückte das Verhältnis zurecht. Bloß zu Besuch. Ich rollte mich aus dem Bett, griff nach meiner Hose und dachte an Nele. Das ist das Problem mit der großen Liebe - sie versaut einen für die kleinen."

[Quelle: Bastei Lübbe]




Wer das Buch gewinnen möchte, hinterlässt bitte einen Kommentar mit der Angabe einer E-Mail Adresse. 

Auch eine Teilnahme via Facebook ist möglich. Dazu einfach ein "Gefällt mir" beim entsprechenden Beitrag klicken. 

Es müssen keine besonderen Bedingungen erfüllt werden! 

Einsendeschluss ist der 30.10.2012. 

Viel Glück! 

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Mein Weg mit dir - Angelika Schweizer


[…] egal, ob Sie nun Pferdebesitzer sind oder nicht, bleiben Sie stets gelassen und klinken sich täglich für mindestens 10 Minuten aus dieser hektischen und lauten Welt aus. Wie Sie das machen, bleibt Ihnen selbst überlassen, ich habe Ihnen nur einen von vielen Wegen gezeigt.“
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In ihrer autobiographisch geprägten Erzählung schreibt Angelika Schweizer, die hauptberuflich als Anwältin tätig ist, von ihrer Beziehung zur Stute Etienne; einer auf Fairness und Achtung basierenden, innigen Bindung. Rückblickend erzählt sie von der Liebe zu Tieren, die sich erst sehr spät entwickelt hat. Denn als Kind musste sie auf die Gesellschaft eines Tieres verzichten. Und auch ihr besonderes Interesse an Pferden entstand erst im Alter von 35 Jahren durch ein liebevolles Geschenk ihres Mannes. Ab diesem Zeitpunkt war in ihr jedoch ein Feuer entfacht, eine außergewöhnliche Leidenschaft geweckt.
Über sieben Jahre nahm sie zweimal wöchentlich an Reitstunden teil. In dieser Zeit knüpfte sie neue Kontakte und Freundschaften, musste aber leider auch erste Krisen bewältigen. Schließlich endet sie nach einem schweren Reitunfall sogar im Krankenhaus. Doch auch dieser Rückschlag kann die Liebe zu Etienne nicht zerstören.
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Aufrichtig und ehrlich beschreibt Schweizer ihre Erlebnisse mit Pferden und lässt ihre Leser an der einzigartigen Beziehung zur ihrer Stute teilhaben, eine Beziehung, die ihr Leben von Grund auf verändert hat. Ein neues Umfeld fernab von der Hektik der Großstadt haben sie glücklich werden lassen. Und das ist es schließlich, worauf es ankommt.
Der Text gleicht mehreren Tagebucheinträgen und ist gut zu lesen. Unverständlich bleibt jedoch, warum sowohl Farb- als auch Schwarzweiß-Fotografien statt einer einheitlichen Gestaltung genutzt wurden. Manche Beschreibungen, wie etwa das Sympathisieren mit der Tierkommunikation, eigenen sich wahrscheinlich ausschließlich für sehr tierverbundene Menschen, während sie bei allen anderen wenig Anklang finden. Jedoch steht in diesem Werk ja insbesondere die Beziehung zwischen Tier und Mensch im Mittelpunkt.
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Fazit: Das Buch ist ein Plädoyer für mehr Achtsamkeit im Leben und einen Wechsel des eigenen Blickwinkels. Anhand Angelika Schweizers Lebensgeschichte leuchten die positiven Aspekte einer natur- und tierverbundenen Lebensweise auf, die letztlich auch für den Leser eine Inspiration sein können.

4 Sterne!

Weitere Infos unter diesem Link!

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Coaching to go - Dasa Szekely



Coaching to go hilft Ihnen, Ihre (festgefahrenen) Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Schon in kurzer Zeit werden Sie auf diese Weise handlungsfähig, weil Sie Ihre gewohnten Denkmuster durchbrechen – der erste Schritt für Veränderung.“
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Das „To Go-Prinzip“ ist in unserer modernen Gesellschaft weit verbreitet. Zumeist handelt es sich dabei um Lebensmittel wie Kaffee oder Fast Food-Produkte, die bequem mitgenommen werden können. Ohne eine Unterbrechung des Alltags und gewohnter Routinen kann dem Körper die nötige Nahrung zugeführt werden.
Dasa Szekely, gelernte Werbetexterin und systemischer Coach, entwickelte erstmals ein Konzept, das auch den seelischen Hunger schnell und einfach zu stillen vermag. In ihrem Frankfurter Coachingladen bietet sie solche To Go-Sitzungen an, in denen sie Interessenten in 30minütigen Sitzungen unterstützend zur Seite steht. Dabei geht es insbesondere um den Versuch, bei individuellen Problemen einen Wechsel der Perspektive anzuleiten. Nur so kann sich eine veränderte Sichtweise einstellen, die den Betroffenen hilft, eine neuartige Auseinandersetzung mit eigenen Problem zu wagen.
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In ihrem Buch stellt Szekely das Coaching to go- Konzept ausführlich vor und bietet ihren Lesern anhand der 30 häufigsten Irrtümer über sich und die Welt einzelne Kurzcoachings. Ausgehend von frequent genutzten Aussagen wie etwa „Ich kann nichts.“, „Ich stolpere von einem Desaster ins nächste.“, „Mir wächst alles über den Kopf“, „Da tappe ich im Dunkeln.“ oder „Es ist die Hölle.“ leitet die Autorin zu einer differenzierten Sichtweise an. Jedes Kapitel ist dabei einer solchen Aussage gewidmet. Die Lektüre eröffnet Reflexionsmöglichkeiten und dient dazu, selbst in aussichtslosen Situationen neuen Mut zu schöpfen und sich Problemen und Schwierigkeiten voller Tatendrang zu stellen. Der Text verfolgt insbesondere das Ziel, destruktive Denkmuster zu durchbrechen und positive Haltungen zu stärken.
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Zusammenfassende Statements, zur Reflexion anleitende Fragen und zahlreiche Illustrationen im Comicstil gestalten die Lektüre sehr abwechslungsreich. Dadurch, dass die Kapitel insgesamt sehr kurz gehalten sind, eignen sie sich besonders für das To Go-Prinzip. Sie bieten schnelle Hilfe. Gewinnbringend sind hier auch viele im Text hervorgehobene Tipps und Ratschläge der Autorin.
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Fazit: Coaching to go ist ein zeitgemäßes Prinzip der Persönlichkeitsstärkung und Lebensberatung. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit sind die kurzen Hilfen sehr sinnvoll und von großem Wert. Dennoch muss bedacht werden, dass zumeist ein Kurzchoaching auf die Dauer nicht genügt. Denn wie auch das Lebensmittel-To-Go-Prinzip kann z.B. Fast Food immer nur eine Übergangs- und keine Dauerlösung sein. Es ist allerdings ein guter Anfang.

4 Sterne!

Weitere Infos bei Ariston! 

Vom Glück mit Büchern zu leben - Stephanie von Wietersheim/ Claudia von Boch


"Jeder Mensch liest anders. Und die Liebe eines Menschen zu seinen Büchern ist ganz eigen und unverwechselbar."
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Liebe, Glück und Momente der Erfüllung … das alles bieten Bücher. Sie transportieren Emotionen wie kein anderes Medium und nicht selten entwickelt der Besitzer eine ganz eigene Beziehung zu ihnen. Genau hier setzt der kunstvoll gestaltete Bildband an. Das Glück, mit Büchern zu leben wird auf vielfältige Weise illustriert.
Gerade in Zeiten zunehmender Beliebtheit von E-Books und E-Readern tut es gut, sich auf den eigentlichen Wert des gedruckten Buches zu besinnen. Das besondere Flair einer heimischen Bibliothek und weiteren, kreativen Aufbewahrungsmöglichkeiten zeigt, wie Bücher als Möbelstück zu einem festen Bestandteil des Lebensumfelds werden, auf den der wahre Buchliebhaber nicht verzichten möchte.
Schauspieler, Autoren, Literaturkritiker, Gourmetkritiker, Journalisten, Galeristen und weitere Kunstbegeisterte sprechen über ihre individuelle Einstellung zu Büchern. Hierzu zählen etwa Florian Langenscheidt, Barbara Schöneberger, Felicitas von Lovenberg oder Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe. Thematisiert werden insbesondere außergewöhnliche Buchentdeckungen, die die jeweilige Liebe zur Literatur haben entstehen lassen oder die es vermochten, prägenden Einfluss auf das Leben zu nehmen. Ebenso erfolgt ein Blick auf die schönsten Anfangs- und Endsätze sowie auf die je aktuelle Nachttischlektüre.
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Zwischen zauberhaften Fotografien und ganz persönlichen Eindrücken werden die Leser neu sensibilisiert für die eigentlichen Funktionen der Bücher. Als „mobile Rettungsinseln“ voller Schutz und Zuflucht ermöglichen sie abenteuerliche Reisen aus der Alltäglichkeit. Sie lassen den Leser in fremde Welten abtauchen, stillen Sehnsüchte und präsentieren beste Unterhaltung.
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Fazit: Der Bildband bietet seinen Lesern Einblicke in verschiedene Lebensgeschichten bekannter Persönlichkeiten. Er bringt die Liebe zu Büchern in all ihren verschiedensten Facetten zum Ausdruck und dient darüber hinaus der Inspiration, die Liebe zum Buch neu zu entdecken.

5 Sterne!

Weitere Infos bei Callwey! 

Bestellen könnt ihr den Titel gleich hier!

Abschließend ein großes Dankeschön an Blogg dein Buch! 

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Drüberleben - Kathrin Weßling


Ich liege auf dem Bett und fühle die Matratze wie das klopfende Herz unter dem Dielenboden und weiß nicht, wie ich mich bewegen soll, weiß nicht, wie ich nur einen Schritt auf dem Boden vor dem Bett machen soll, und selbst wenn ich es wüsste, so bestimmt nicht, wohin dieser Schritt und alle seine folgenden gehen sollen.“
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Depressionen. Ein beklemmendes Gefühl andauernder Lähmung sowohl körperlich als auch seelisch. Wie sehr die Betroffenen darunter leiden, führt die Geschichte der jungen Ida beispielhaft vor Augen. Mit 24 Jahren müsste die junge Frau eigentlich mitten im Leben stehen, an allen Vorzügen und Freuden teilhaben, ihre Freizeit mit Freunden genießen und ihre Jugend voll und ganz auskosten. Doch genau das ist nicht möglich. Ihre Depression führt zu den trübsten Gedanken, den schauderhaftesten Lähmungserscheinungen und entwickelt sich zu einer unaufhörlichen Antriebslosigkeit.
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Ida leidet. Sie leidet so sehr, dass sie zum wiederholten Male einzig und allein in dem Aufenthalt einer Klinik einen Ausweg erkennt. Verzweifelt sehnt sie sich nach Hilfe. Aus ihrer Perspektive erleben die Leser ihre innerseelischen Zustände, ihre Erlebnisse während des Aufenthaltes, Beziehungen zu Patienten, Ärzten und allen weiteren Personen. Auf höchst authentische Weise beschreibt die junge Frau ihre Ängste, Nöte und Gedanken. Zusammen mit der Protagonistin Ida wird der Leser schonungslos in einen Sog voller Emotion gezogen. Dank der unvergleichlichen Schreibweise der jungen Autorin, die an jeder Stelle die passenden Worte findet, wird jedes Gefühl, jeder Gedanke der Verzweiflung nachempfunden. Ihre Geschichte ist fesselnd und bewegend bis zum letzten Punkt. Ein außergewöhnliches Debüt, das einen neuen Blick auf die psychosomatische Erkrankung der Depression wagt. Der Text eröffnet eine Sicht, die für die Krankheit mit all ihren Erscheinungsformen sensibilisiert und vielleicht auch Vorurteile zu beseitigen vermag. Depressionen sind keine vorübergehenden Phasen der Melancholie oder Traurigkeit, sondern ein ernstzunehmendes und leider auch andauerndes Leiden.
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Fazit: Es fällt schwer, eine Bewertung zu diesem Titel zu schreiben, da man selbst dem Text in keinster Weise gerecht werden kann. Kathrin Weßling ist ein junges Talent, das zum Glück entdeckt wurde. Ihre Schreibweise ist einzigartig, lebendig und appelliert an die Emotionen des Lesers. Auf weitere Texte darf man gespannt sein! 

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Goldmann!

Sternenreiter - Jando


Heimat und Herkunft eines Menschen werden zu viel Bedeutung beigemessen. Wahre Heimat findest du in den Herzen der Menschen, die dich lieben.“
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Ein modernes Märchen voller Emotion und tiefer Einblicke erwartet den Leser dieser außergewöhnlichen Geschichte, an deren Ende eine Art spirituelles Erwachen steht.
Zu Beginn begleitet man den Protagonisten, einen gestressten Familienvater, in seinem Arbeitsalltag. Für seine Frau und die beiden Kinder bleibt dabei kaum noch Zeit. Viel zu sehr ist Mats in seine Arbeit eingespannt und bemerkt gar nicht, was er dabei zu verlieren droht.
Eines Abends vergisst er beim Überqueren der Straße den wichtigen Blick zur Seite und wird angefahren. Mats hat Glück gehabt und überlebt gerade so. Nach dem Unfall ist er allerdings auf einen Rollstuhl angewiesen. Während seines Krankenhausaufenthaltes lernt er einen sonderbaren kleinen Jungen kennen, der ihm anfangs sehr suspekt ist. Auf unerklärliche Weise wird er jedoch von ihm angezogen und verbringt darauf hin immer mehr Zeit mit dem Kind. Mats genießt die gemeinsamen Treffen und seine Faszination für das Kind wächst mit jeder Begegnung. Im Mittelpunkt stehen dabei die heilsamen Gespräche. So scheint der Kleine immer die passenden Worte parat zu haben, die Mats weiterhelfen und ihn zum Nachdenken anregen.
Schließlich überdenkt er sein bisheriges Verhalten, bereut die ungenutzte Zeit ohne seine Familie und kommt zu der Erkenntnis, dass die Arbeit es nicht vermag, seine Sehnsucht zu stillen. Einzig und allein die Liebe zu seiner Familie, die vermittelte Geborgenheit und der Zusammenhalt können sein Leben mit Sinn erfüllen.
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Das Buch weitet den Blick für das, was wirklich wichtig ist im Leben. So stellt sich nicht nur bei dem Protagonisten ein Wechsel der Perspektive ein. Vielmehr werden die Leser selbst zu einem Reflexionsprozess über ihre genutzte Zeit eingeladen. Dabei wird in Erinnerung gerufen, wie wertvoll geliebte Menschen und insbesondere Kinder eigentlich sind. Den persönlichen Umgang mit ihnen gilt es zu überdenken.
Im Text ist es der Junge, der diese zum Nachdenken anregende Sätze und Handlungsimpulse ausspricht. Sie können dem Leser viel bedeuten, jedoch wirken sie wenig authentisch. Kein Kind in diesem Alter verfügt über die Weisheit des kleinen Jungen und wäre dazu in der Lage, einem Erwachsenen auf diese Weise zu helfen, ja in die Rolle eines spirituellen Lehrers zu schlüpfen. Diese Ungereimtheit verwundert während der Lektüre. Vermutlich ist dies der Grund, warum die Geschichte als modernes Märchen tituliert wurde. Ansonsten ist sie wunderbar zu lesen und bietet viel Raum für Emotionen und Magie.
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Fazit: Empfehlenswert insbesondere für Liebhaber philosophischer Geschenkbände nach dem Vorbild des kleinen Prinzen.

4 Sterne!

Weitere Infos bei KoRos Nord!

Hier das traumhafte Postkartenmotiv zum Buch:


Mittwoch, 10. Oktober 2012

Langenscheidts Handbuch zum Glück - Florian Langenscheidt


Auf den Spuren des Glücks
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Wir sind Täter, nicht Opfer. Wir haben unser Leben – zum größten Teil – in der Hand. Wir sollten für unser Glück oder Unglück nicht andere verantwortlich machen, sondern uns selbst.“
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In diesem Sinne lädt Florian Langenscheidt seine Leser dazu ein, aktiv am eigenen Glück zu arbeiten. Sein Handbuch zum Glück ist gerade darum viel mehr als ein bloßer Abriss über verschiedene Charakteristika oder eine bloße Sammlung definitorischer Beschreibungen. Es bietet Einblicke in die unterschiedlichen Spektren des Glücks und macht auf die kleinen Glücksmomente des Alltags aufmerksam. Der Text fordert dazu auf, diese Momente neu wahrnehmen zu lernen und genau hinzusehen. Denn nur so ist es möglich, vorhandenes Glück überhaupt zu erkennen.
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Vor Beginn der eigentlichen Lektüre empfiehlt sich ein Test zur eigenen Lebenszufriedenheit im Anhang des Buches, der anhand eines von der Weltgesundheitsorganisation entwickelten Programms erstellt wurde. Dieser sogenannte Glückstest berücksichtigt dabei die Bereiche Physis, Psyche, Unabhängigkeit, soziale Beziehungen, Umwelt, Spiritualität sowie Lebensqualität und eröffnet schließlich eine detaillierte Zusammenschau der gegenwärtigen Situation des Lesers.
Die einzelnen Kapitel des Buches widmen sich einer Vielzahl unterschiedlichster Facetten des Glücks. Besonderer Raum wird den Themenkomplexen Sehnsüchte und Projekte, Begeisterung, Freunde, Arbeitswelten, Kinder, Beziehungen und natürlich der Liebe eingeräumt. Auch die dunkle Seite des Glücks, zu der etwa Neid oder Ungerechtigkeiten gehören, wird näher beleuchtet. Hochinteressant sind konkrete Fallbeispiele von Personen, denen viel Unglück im Leben widerfahren ist und die dennoch oder trotzdem ihr persönliches Lebensglück nicht verloren haben. Sie machen dem Leser Mut, in manch einer schwierigen und aussichtslosen Lage nicht zu verzweifeln. Darüber hinaus finden sich im Text zahlreiche Anekdoten aus dem Leben des Autors, die sehr persönlich gehalten sind. Insgesamt regt das Handbuch zum Glück Reflexionsprozesse von Seiten der Leser an, die sich um Voraussetzungen des Glücks, Bestandteile des Glücks oder allgemein um das Streben nach Glück drehen.
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Deutlich spürbar wird mit jeder Zeile, dass Langenscheidt hier über sein Spezialgebiet schreibt. Er veröffentlichte bereits mehrere Bände zu diesem Thema und gründete während seines Studiums das „Institut für angewandte Glücksforschung.“ Viele Ergebnisse präsentiert er nun in diesem Handbuch. Das Glück scheint seine Lebensaufgabe zu sein. Machen auch wir es uns zum Lebensziel und -inhalt!
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Fazit: Ein Buch, das sprichwörtlich glücklich macht. Sehr lohnenswert! 

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Heyne!

Schutz vor Burn-out - Dr. Manfred Nelting


Jeder ist dabei nun selbst gefragt, sich bewusst für ein Leben ohne Burn-out, aber mit Glücksmomenten und Zufriedenheit stark zu machen. Das bekommt man aber nicht frei Haus geliefert.“
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Dr. Manfred Nelting, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Leiter der Gezeiten Haus Klinik in Bonn, präsentiert seinen Lesern ein umfassendes Konzept zur Prävention von Burn-out. In der heutigen schnelllebigen Zeit lassen Medien und Konsum eine Art Scheinwelt entstehen, die zu einer radikalen Veränderung der Verhältnisse führt und kaum noch Raum bietet für einen achtsamen Umgang mit sich selbst aber auch mit anderen. Der Mensch scheint für eine globalisierte Welt nur unzureichend vorbereitet. Zunehmende Anforderungen an das Individuum sowohl im beruflichen als auch privaten Bereich begünstigen zusammen mit ungebremsten Kommunikationsmöglichkeiten nicht selten ein Entstehen der Burn-out-Erkrankung.
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Die Ursache liegt dabei zumeist in einer Diskrepanz zwischen Anforderungsdruck und der persönlichen Bewältigungskompetenz. Eine Therapie birgt in jedem Fall Schwierigkeiten, da die Erkrankung einerseits ein hochindividuelles Geschehen aber andererseits zu einem Massenphänomen geworden ist. Und dennoch lassen sich Handlungsimpulse zusammenstellen, die einen Wandel des eigenen Lebens hin zum Positiven ermöglichen.
Neben neuro- und hirnpsychologischen Grundlagen sowie einem fundierten Basiswissen in Bezug auf Erscheinungsformen der Krankheit, stellt Nelting insbesondere unterschiedliche Bestandteile des Burn-out-Schutzes vor. Hierzu zählt vor allem die Gesundheitskompetenz als Fähigkeit, nach Zeiten der Krise erneut zu einem Zustand des Gleichgewichts zu gelangen. Unterstützt wird dieser Prozess durch einen gesunden Schlaf, eine abwechslungsreiche Ernährung, innere Balance und Phasen des Innehaltens und der bewussten Wahrnehmung. Im Text finden sich zahlreiche praktische Anleitungen, die diese Bereiche stärken wollen. Eine dem Buch beigefügte DVD mit QiGong-Übungen, die Körper und Geist stärken, erleichtert die eigene Umsetzung erheblich. Nolting plädiert ebenso für einen angemessenen Umgang mit der Dauererreichbarkeit und fordert seine Leser dazu auf, durch eine Erweiterung der eigenen Perspektive neue Begeisterung und neuen Lebensmut zu gewinnen.
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Fazit: Ein passiver Alltag, Gefühle der Unzulänglichkeit und eine freudlose Arbeitswelt, in der die Menschenwürde immer weniger wert zu sein scheint, fordern geradezu dazu auf, selbst aktiv zu werden, um einen Burn-out zu verhindern, solange es noch möglich ist. Nelting liefert ein Konzept des Gesundheitsmanagements und der Schutzmöglichkeiten, das jeder Einzelne ohne Probleme umsetzen kann. 

5 Sterne!

Weitere Infos bei Mosaik!

Dienstag, 9. Oktober 2012

Mein aktueller Lese- und Geschenktipp!


The Simple Joy of Living.“
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Sanfte Farben, Pastelltöne, verspielte Accessoires wie aus einer anderen Welt, …

das alles kennzeichnet Fräulein Klein. Ihre Backrezepte und Dekorationsvorschläge sind so entzückend, dass sich der Leser angesichts all der hinreißenden Phantasie und liebevollen Ideen schon beim bloßen Anblick in all die Vorschläge und Anleitungen verliebt, die den vier Jahreszeiten entsprechend geordnet sind. Herrliche Torten und weitere Schleckereien regen zum eigenen Backen an. Die Bastelanleitungen wecken die Lust, selbst tätig zu werden und das eigene Zuhause zu verschönern.
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Viele Ideen können perfekt mit Kindern umgesetzt werden. Mütter erhalten zahlreiche Anregungen zu zauberhaften Dekorationsmöglichkeiten für den Kindergeburtstag, z.B. Papierblumen-Toppers oder Lollies aus Blütenblättern. Auch bei einigen Rezepten können die lieben Kleinen behilflich sein. Das Ergebnis wird dabei garantiert ein Leuchten in ihre Augen zaubern.
Neben vielen leckeren Rezepten, für die ich sehr dankbar bin, ist mein liebster Dekotipp die besprühte Flasche als Blumenvase. Sehr individuell, edel und einzigartig!
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Fazit: Die perfekte Kombination aus Backen, Familie, Schleckereien und dem Zauber des Besonderen. Wie der Inhalt, so auch die Aufmachung des Buches. Ein wunderbares Geschenk für sich selbst und andere!

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Callwey!

Montag, 8. Oktober 2012

STOPP Alzheimer! - Bruce Fife


Sie möchten sicher nicht warten, bis ein Großteil Ihres Gehirns abgestorben ist, bevor Sie anfangen, etwas dagegen zu tun. […] Sie können Alzheimer und andere degenerative Krankheiten stoppen, bevor sie die Kontrolle über Ihr Leben übernehmen, aber Sie müssen jetzt damit beginnen.“
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Dr. Bruce Fife stellt in diesem Werk seine Anti-Alzheimer-Strategie vor und macht allen Betroffenen Mut, aktiv gegen die Krankheit vorzugehen. Alzheimer gehört wie auch die Demenz zu den neurodegenerativen Krankheiten, wobei eine Degeneration des Gehirns bis zu einem gewissen Grad eine normale Folge des Alterns ist. Doch die extremen Folgen dieses Prozesses können reduziert, wenn nicht sogar verhindert werden. Wichtig dabei ist, aktiv zu werden, bevor es zu spät ist und die Erinnerung langsam ausgelöscht wird. Der Autor setzt hierzu einen wichtigen Handlungsimpuls. Ziel ist es, den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen, die das Gehirn besonders leistungsstark machen. Eine ketogene Ernährung, die auf einer Reduzierung von Kohlenhydraten basiert, soll eine solche Optimierung des Gehirns leisten.
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Fife stellt in einem ersten Teil seines Buches die wichtigsten Funktionen unseres Gehirns vor und zeigt, welche Vorgänge bei dem Krankheitsbild der Alzheimer oder Demenz gestört sind. Die verschiedenen Stadien einer Alzheimererkrankung werden vorgestellt, sowie die Bedeutung des Insulinspiegels, giftigen Metallen, Zahnerkrankungen und des Cholesterins für unseren Körper. Eine ausgewogene Ernährung kann vor allem eine ketogene, kohlenhydratarme Diät bewirken. Fette fungieren hier als eine Art Brainbooster, während sich Zucker ausschließlich negativ auswirkt. Das Grundlagenwissen endet mit einem Kapitel über Basiskenntnisse in Hinblick auf Fette und Öle sowie den gesättigten und ungesättigten Fettsäuren. Schließlich geht es um Hinweise, wie sich eine ketogene Ernährung leicht umsetzen lässt. Leser erhalten beispielsweise eine Vorstellung eines typischen Tagesplanes nach der 25-Gramm-Diät, der genaue Angaben der Kohlenhydrate für Frühstück, Mittag- und Abendessen angibt. Ebenso finden sie eine Auflistung empfehlenswerter Grundnahrungsmittel, dank derer eine schnelle Orientierung bezüglich geeigneter Lebensmittel in den Bereichen Brot und Körner, Getränke, Gewürzen, Zucker und Süßigkeiten, Obst, Nüsse u.v.m. möglich ist. Eine verständliche Beschreibung des Autors macht es leicht, die Ratschläge in die Tat umzusetzen und die eigene mentale Leistung zu unterstützen.
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Fazit: Fife gibt Betroffenen, Patienten und allen, die an einer Prävention interessiert sind, Hoffnung, dass Alzheimer und Demenz als neurodegenerative Krankheiten gestoppt werden können. Hierzu bietet er einen auf neuesten Erkenntnissen basierenden Plan zur Revitalisierung des Gehirns, den man nicht missachten sollte.  

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Systemed! 

Sonntag, 7. Oktober 2012

Wachsen in der Liebe - Colin C. Tipping


Sobald wir das Spiel verstehen und erkennen, dass alles, was geschieht, aus einem bestimmten Grund geschieht, selbst wenn wir diesen Grund nicht kennen, ist unsere Reaktion völlig anders.“
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Colin C. Tipping, der als Therapeut, Autor und Lebenslehrer tätig ist, stellt in diesem Band seine Methode der radikalen Vergebung vor. Sie ermöglicht es, auch angesichts schwieriger Lebenssituationen wahren Frieden und innere Befreiung zu finden. Die ausschlaggebende Kraft dabei ist die Liebe; eine Liebe zu anderen und insbesondere zu sich selbst.
Wie es gelingen kann, durch die Liebe zu einer tiefen Selbsterkenntnis zu gelangen und, wie der Titel schon sagt, in ihr zu wachsen, stellt Tipping Schritt für Schritt vor.
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Kern seiner These ist ein ganz bestimmtes Weltbild, wonach nichts ohne Grund geschieht. Alles, auch erschütternde Ereignisse, seien vorherbestimmt und dienen einem höheren Zweck. Ziel aller Begebenheiten im Leben eines Menschen ist das spirituelle Erwachen und als letzte Konsequenz, die Erfahrung wahrer, aufrichtiger Liebe. Tipping teilt das Leben in verschiedene Phasen. Zu Beginn werden dabei auf unterschiedlichste Art Trennungsschmerzen empfunden, sei es innerhalb einer Beziehung, durch Verlust, Krankheit oder andere Dramen. Nur so sei es letztlich möglich, nach einem Zusammenbruch in der Mitte des Lebens zu einer tieferen Erkenntnis zu gelangen. Danach vollzieht sich ein Paradigmenwechsel, der ein Wachsen der Liebe ermöglicht.
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Obwohl seine These an manchen Stellen fast schon zu radikal wirkt, man denke an Seelenwanderung und den bewussten Entschluss einer Seele für bestimmte Facetten menschlichen Leidens, stimmen viele der späteren Übungen mit neuesten psychologischen Erkenntnissen überein. Es geht darum, die destruktive Vergangenheit hinter sich zu lassen, Abhängigkeiten zu beenden, eigene Erwartungen hinter sich zu lassen und Gefühle, auch negative und vor allem auch Schmerzen bewusst zuzulassen. Thematisiert wird hier etwa der angemessene Umgang mit Schuldgefühlen, eigenen Urteilen und Projektionen. Anschließen werden gezielt solche Methoden vorgestellt, die das spirituelle Erwachen verstärken. Kreative Schreibprozesse können dabei helfen, aber auch Texte, die zu einer Reflexion eigener Werte anleiten.
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Tippings Werk ist ein Handbuch, das seine Leser auf ihrem spirituellen Weg begleitet und optimal unterstützt. Es bietet das Handwerkszeug zu einer kritischen, bewussten Reflexion des eigenen Selbst. Die Kapitel sind dabei so aufgebaut, dass sie sich mühelos durcharbeiten lassen. An vielen Stellen werden Denkanstöße freigesetzt, die dazu einladen, über den Sinn spezieller Erfahrungen und ganz besonders der Liebe nachzudenken.
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Fazit: Ein Text, der es vermag, das Bewusstsein zu erweitern. Ein Denkanstoß, um gewohnte Sackgassen hinter sich zu lassen. Ein Eröffnen neuer Perspektiven.

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Integral!