Samstag, 25. August 2012

Avanti Amore - Dana Phillips


Mal ehrlich, deutsche Männer halten einer Frau doch nur die Tür, wenn sie am Morgen danach gehen soll! Oder sie verwechseln „Frauen Aufmerksamkeit schenken“ mit „Auf die Brüste starren“. Meglio sola che male accompagnata – Lieber allein als in schlechter Gesellschaft.“
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Doch damit ist jetzt Schluss. Dana träumt nicht nur von dem sensiblen, italienischen Caprifischer – Nein! Sie weiß ganz genau, dass der italienische Mann die bessere Wahl ist. Dieses Temperament, dieses Aussehen und der hohe Stellenwert der Familie. Ja, der italienische Mann weiß zu leben und zu lieben. Von ganzem Herzen, mit Leib und Seele!
Eine Erkenntnis, die die junge Journalistin besser nicht zu laut vor den Ohren ihrer Chefin preisgegeben hätte. Denn die schickt Dana nun kurzerhand nach Italien – natürlich zu Recherchezwecken. In einem Selbstversuch soll sie ihre These exemplarisch überprüfen und Fortschritte in einer Kolumne festhalten. Dana bleibt keine andere Wahl! Job ist Job. Also macht sie sich gleich auf den Weg um zu testen, ob der Italiener hält, was die Fassade verspricht.
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Dana ist eine sympathische Protagonistin mit der man sich sofort identifizieren kann, die man gerne auf ihrem Abenteuer begleitet. Viele ihrer sowohl positiven als auch negativen Erfahrungen mit der Männerwelt sind durchaus nachvollziehbar. Es ist sehr spannend, die Reise der jungen Frau mitzuerleben, zusammen mit ihr neue Bekanntschaften zu schließen und über Männer und die große Liebe zu philosophieren. Am Anfang eines jeden Kapitels steht der Ort, an dem sich Dana gerade befindet. Nebenbei könnte der Text also durchaus auch als Reiseführer der anderen Art gelesen werden. Den Abschluss bilden jeweils die fertigen Kolumnen, die herrlich zu lesen sind. Das Buch macht einfach Spaß und lässt einen die Frage klären: Do Italiens better?
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Fazit: Bella Italia, Humor und Baustelle Mann. Dieser Roman gibt der Frau was sie haben will: Humorvolle Unterhaltung, locker-fluffige Zeilen voller Ironie aber auch Tiefsinn, liebenswerte Charaktere in atemberaubender Kulisse und vor allem eins: die unbeirrbare Hoffnung auf Liebe und Glück! Uneingeschränkt zu empfehlen.

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Bastei Lübbe!

Seeleninfarkt - Ruediger Dahlke


Sobald die Seele zu wenig Nahrung erhält und das Leben seinen Sinn verliert, droht der Seeleninfarkt.“
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Dr. med. Ruediger Dahlke, der mittlerweile als Psychotherapeut tätig ist, stellt in diesem Band auf umfassende Weise das Krankheitsbild des Seeleninfarkts vor. Wesentliches Anliegen Dahlkes ist es, den Schwerpunkt medizinischer Arbeit nicht nur auf körperliche Gebrechen zu legen, sondern auch seelische Leiden wie Depressionen und Burn-Out zu behandeln. Aus diesem Grund beschreibt er die Krankheitsursachen in Analogie zu einem Herzinfarkt. Bei näherer Betrachtung ergeben sich dabei erstaunliche Parallelen.
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Detailliert beschreibt er die sieben Stufen des Abstiegs in den Seeleninfarkts, ein Teufelskreis mit der Garantie einer sukzessiven Verschlechterung. In einem weiteren Schritt wird die Frage geklärt, wer besonders von einem Seeleninfarkt betroffen ist und wo mögliche Risikofaktoren liegen. Denn nur so lassen sich vorbeugende Maßnahmen zur Prävention ergreifen. Vorgestellt werden leicht umsetzbare Diagnosehilfen und Warnsignale in Form typischer Aussagen von Betroffenen. Hierzu zählen etwa Formulierungen wie „Es ist nicht mehr zum Aushalten.“, „Bei dem Gedanken an die Firma wird mir schlecht.“ oder „Wofür das alles?“
Zunehmende Gefühle der Sinnlosigkeit, Apathie und Resignation sind unmissverständliche Indikatoren einer akuten Gefährdung. Genau hier können erste Hilfemaßnahmen ansetzen, im Hier und Jetzt. Depressive oder Burn-out Patienten, die das Hier und Jetzt oftmals als unzumutbare Belastung erleben, werden aufgefordert, genau dort mit Therapiemöglichkeiten zu beginnen. In diesem Sinne finden sich innerhalb des Textes einige Übungen, die das Eintauchen in das Hier und Jetzt trainieren sollen. Ebenso geht es um eine bewusste Schulung der eigenen Körperwahrnehmung, die auch dabei helfen soll, sich selbst Grenzen zu setzen.
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Zu den Hauptursachen eines Seeleninfarkt gehört insbesondere der gefährliche Umgang mit Zeit, sowohl im Alltag als auch im Berufsleben. Die Stichworte Lebenstempo und Zeitmanagement werden in diesem Sinne näher erläutert. Lohnenswert ist zudem eine Reflexion über den Verfall traditioneller Sozialisationsinstanzen oder über das scheinbare Glück durch den Besitz materieller Güter. Alle möglichen Einflüsse, die von Außen auf den Menschen einströmen, werden in Hinblick auf den Seeleninfarkt beleuchtet. Hochinteressant ist zudem der Blick auf den Bore-Out, d.h. den Risikofaktor der Unterforderung. Allen Betroffenen oder Gefährdeten werden Lösungsvorschläge aus der Gefahrenzone Seeleninfarkt genannt. Dabei wird auch auf die neuesten Erkenntnisse der Glücksforschung eingegangen.
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Fazit: Unmissverständlich führt dieser Band vor Augen, wie wichtig es ist, die Gefahren eines Seeleninfarkts kennen und meiden zu lernen. Sehr zu empfehlen.

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Scorpio! 

Sonntag, 19. August 2012

D-Day. 24 Stunden der Entscheidung - Gregor S.


Menschen, die sowohl eine Krebserkrankung als auch eine Depression durchgemacht haben, berichten, die Depression sei schlimmer gewesen. Denn es gibt kaum ein anderes Leiden, das mit so einem großen Verlust an Lebensqualität einhergeht.“
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Fassungslos lässt einen diese Aussage zurück. Welches extreme Zerstörungspotenzial das Krankheitsbild der Depression in sich trägt, wird den Lesern dieses Bandes schonungslos vor Augen geführt. Detailliert schildert Gregor S. die Symptomatik der Krankheit, bei der sich tagtäglich neue Tiefen auftun. Wie ein einziger, nicht enden wollender Horrortrip erscheint das alltägliche Erleben des Betroffenen, eine Aneinanderreihung zutiefst destruktiver Gedanken und Selbsteinschätzungen.
Dabei macht der Text unmissverständlich auf ein Faktum aufmerksam:
Depression ist keineswegs ein Zeichen mangelnden Intellekts! Denn der Betroffene ist hochgebildet, verfügt über mehrere Universitätsabschlüsse, sogar einen Doktortitel. Und dennoch wurde er aufs Heftigste von dieser Krankheit befallen, die sein Leben zu zerstören drohte.
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Glaubt man den Prognosen der WHO, wird die Depression im Jahr 2020 zu den häufigsten psychiatrischen Krankheiten weltweit gehören. Umso wichtiger ist es, Entwicklungsstadien der Krankheit zu kennen und Betroffene zu verstehen. Gerade auch vor dem Hintergrund der Stigmatisierung, die Patienten leider auch in unserer heutigen, aufgeklärten Zeit erdulden müssen. Würde Gregor S. unter einer vergleichbaren Krankheit fernab seines psychischen Zustandes leiden, wäre die Wahl eines Pseudonyms wohl kaum von Nöten gewesen. Doch die Depression ist, trotz der Erkenntnis fehlerhafter, biochemischer Vorgänge im Gehirn, immer noch negativ besetzt als Zustand der Schwäche.
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Viele Betroffene werden sich in seinen Schilderungen wiedererkennen, sich mit jedem Satz, jedem Wort identifizieren können. Der Zustand der Wertlosigkeit hat dabei viele Gesichter. Gregor berichtet über den Schmerz, andere lachen zu sehen und selbst den Grund der eigenen Traurigkeit nicht zu kennen, über das Gefühl des Verlorenseins, über körperliche Beschwerden und den inneren Druck, der alles unerträglich macht.
Zahlreiche Nebenwirkungen der Krankheit werden verständlich geschildert. Seien es Schuldgefühle, die Scham vor sich selbst oder die Angst vor dem Wachbleiben bei gleichzeitiger Unfähigkeit einschlafen zu können. Eindrucksvoll erlebt man die negativen Gedanken des Schlaflosen inmitten der Nacht. Gregor lebt in einer Beziehung, ist allerdings nicht mehr dazu in der Lage, positive Emotionen wie Liebe, Nähe oder Vertrauen wahrzunehmen. Trotz der Zweisamkeit fühlt er sich alleine und schließt Suizid nicht mehr aus. Dabei könnte er objektiv betrachtet, glücklich sein. Doch die Omnipräsenz der Krankheit raubt ihm jeden Lebensmut, mit der Zeit helfen “innere Ausflug in die heile Welt der Vergangenheit“ nicht mehr weiter. Gregor selbst empfindet sich als “Ambivalenz in Person. Nicht stimmig. Wertlos.“ Doch er gibt den Kampf gegen seine Krankheit nicht auf.
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Gregor S. litt bereits schon einmal unter Depressionen. Dieser Text ist der Erfahrungsbericht eines schlimmen Rückfalls 14 Jahre später. Plötzlich und unvermittelt wurde er als erfolgreicher Mensch Opfer dieser alles zerstörenden Macht. Ein Leben am Abgrund.
Was ist nur los mit mir? Vor drei Monaten wurde meine innere Welt vom Nebel verschluckt.“
Hochinteressant sind in seiner tagebuchartigen Aufzeichnung vor allem auch die Rückblenden in eine unbeschwerte Zeit, in der er das Leben in vollen Zügen genießen und Glück empfinden konnte. Aber auch Rückblenden in die Zeit des ersten Ausbruchs der Krankheit bieten dem Leser allerhand Reflexionsstoff.
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Fazit: Das Buch ist ein wichtiger Beitrag, die Krankheit psychologisch zu verstehen. Darüber hinaus fungiert er als Orientierung und Halt für andere Betroffene. Gregors Empfindungen, sein Tagesablauf, seine Erlebnisse zeigen ihnen, dass sie in ihrem Denken und Fühlen nicht alleine sind, dass es Hoffnung geben kann. Hoffnung, den persönlichen D-Day entsprechend zu gestalten. Auch aus psychologischer Sicht ein hochinteressanter, wertvoller Text!
Überaus empfehlenswert! 

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Scorpio! 

Mittwoch, 15. August 2012

Real Me - Alexander Karl



"... und ich verdeutlichte meine Gesprächsbereitschaft, indem ich die Stöpsel aus den Ohren zog!"
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Dank diesem Buch fühlt man sich als Leser zurückversetzt in eine Zeit des unbeschwerten Daseins - der eigenen Jugend!
Eine Zeit, in der die Zukunft als ein unbeschriebenes Blatt vor einem lag, alle Möglichkeiten und Wege offen. Eine Zeit, in der es keine Sorgen um das Morgen gab, sondern in der nur das Heute, das Hier und Jetzt zählte. Dem jungen Autor schon jetzt ein herzliches Dankeschön für die Wiedererweckung dieser Gefühle!
Inhaltlich geht es, wie der Titel schon andeutet, um die alles entscheidende Frage eines Jugendlichen: Wer bin ich wirklich? Was will ich vom Leben? Welche Rolle spiele ich in den Augen der anderen?
In diesem Sinne begleitet man John und seine Clique in ihrem Alltag. Da wäre der arrogante und eigensinnige Bulldog, die gutaussehende Kris, die in sich gekehrte Gwen und viele weitere. Gleich gegen Anfang der Geschichte begleitet man die Freunde auf ihrer turbulenten Klassenfahrt voller Intrigen und sexueller Eskapaden. Aufrichtigkeit, Vertrauensmissbrauch, Liebe und Enttäuschungen spielen hier eine entscheidende Rolle. Die Charaktere geraten oftmals an ihre Grenzen und müssen schwierige Entscheidungen treffen, die alles verändern können. Und inmitten all dieser Turbulenzen ist es alles andere als leicht, zu sich selbst zu finden. Die Klassenfahrt entwickelt sich schließlich zu einem Ereignis, das vieles verändert. Und auch wieder zurück in ihrem Schulalltag geschehen Dinge, die die individuelle Entwicklung der Figuren fordern. Sei es eine vermeintliche Schwangerschaft oder homosexuelle Neigungen.
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Alexander Karl hat einen Roman geschaffen, der das ganze Spektrum jugendlicher Erfahrung wiedergibt. In authentischer Schilderung erleben die Leser verschiedenste Perspektivwechsel und somit Selbstreflexionen einzelner Charaktere in ihrer Entwicklung. Sowohl Handlung als auch Sprache sind sehr nah an der Realität, wie etwa die aus den unterschiedlichsten Charakteren zusammengesetzte Clique. Dadurch ist es leicht möglich, sich mit den sympathischen Figuren zu identifizieren. Wie ereignisreich und aufwühlend die Jugend sein kann, verdeutlicht dieser Text immer wieder aufs Neue. Aber auch Spaß und Unbeschwertheit dieser Zeit werden deutlich spürbar.
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Fazit: Schule, Liebe, Party, Freunde, Probleme, Sex, Drugs and Rock'n Roll, … Die volle Ladung, das Leben! Ein gelungenes Debüt, bei dem man sich auf weitere Teile der Reihe freuen darf.

5 Sterne! 

Den Blog zum Titel findet ihr hier! 

Sonntag, 12. August 2012

Sitzen vier Polen im Auto - Alexandra Tobor


Warum kann Oma eigentlich Deutsch?“
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Deutschland, ein Wunderland. Voller Reichtum, Süßigkeiten und Farben. So jedenfalls lautet die Vorstellung der achtjährigen Ola – den bunten Seiten des Quelle-Kataloges sei Dank!
Das Mädchen träumt von einem Aufenthalt in diesem Paradies und hat fortan nur noch ein Ziel vor Augen, das sich aus drei Buchstaben zusammensetzt: BRD!
Als ihre Familie 1986 den in Deutschland lebenden Onkel besuchen möchte, ist die Freude groß. Und tatsächlich fühlen sich Olas Eltern in diesem Land so wohl, dass sie kurzerhand beschließen, nicht mehr nach Polen zurückzukehren.
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Doch der Alltag in dem Land der Verheißung ist nicht so glorreich, wie einst angenommen. Denn eine gelungene Integration ist nicht das Ergebnis einer gelungenen Einschulung. Und so müssen sich Ola und ihre Familie vielfältigen Herausforderungen stellen und erst wieder neu lernen, den Alltag zu meistern. Mit welchen Problemen sie dabei konfrontiert werden, erfahren die Leser exemplarsisch an Ola.
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Aus der Perspektive des Mädchens begibt man sich als Leser mit auf eine Entdeckungsreise ins damalige Deutschland und darf an den skurrilen Erlebnissen der Protagonistin teilhaben. Missverständnisse und spätere Schwierigkeiten mit Klassenkameraden scheinen dabei an der Tagesordnung zu stehen. Doch Ola meistert alle Herausforderungen mit Bravour.
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Alexandra Tobor ist ein wunderbarer Roman gelungen, der trotz ernster Thematik nicht auf Humor und ironische Selbstreflexion verzichtet. Die mutige, phantasievolle Ola wird schnell zur Sympathieträgerin, mit der man gerne mitfiebert. Tobors Text überzeugt durch eine einzigartige Schreibweise und liebenswürdige Figuren voller außergewöhnlicher Eigenschaften. Es macht Spaß, sich an vielen Stellen über aussagekräftige Sätze voller Humor freuen zu dürfen. Hier ein Beispiel:
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Ich besuchte den Kommunions-Unterricht bei Pfarrer Braun, dem im Beichtstuhl die Ohren schlackerten, als ich aus Mangel an eigenen Ideen die Sünden kleinkrimineller Klassenkameraden auf mich lud.“
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Fazit: Wer Alexandra Tobors Blog- und Twittertätigkeiten mitverfolgte, wird diesen Roman lieben. Aber auch für alle anderen ist er wärmstens zu empfehlen als humorvoll-heitere Reflexion des eigenen Landes und seiner Eigentümlichkeiten aus den Augen eines achtjährigen Mädchens.

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Ullstein! 

Sonntag, 5. August 2012

ABC des Journalismus - Ein Handbuch


Information ist Macht. Das wissen Journalisten. Und das wissen auch alle anderen Menschen, die daran interessiert sind, ihre Sicht der Dinge dem Rest der Welt unbeeinträchtigt zu übermitteln.“
(Miriam Meckel)
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Das hilfreiche Handbuch zum ABC des Journalismus, mittlerweile in der 12. Auflage, überzeugt durch eine umfassende Darstellung der Fülle journalistischer Tätigkeit. Präsentiert werden Regeln, Konzepte und Routinen, die zur alltäglichen Arbeit dazugehören und nützliches Handwerkszeug in den Bereichen Recherche, Bearbeitung und Präsentation darstellen.
Gerade in der heutigen massenmedial geprägten Welt, in der Reiz- und Informationsüberflutung an der Tagesordnung stehen, erfordert der Beruf des Journalisten multimediales Denken bei effizienter Arbeitsorganisation. Vielfältigen Anforderungen gilt es dabei zu entsprechen. Von immer größerer Bedeutung ist beispielsweise ein integriertes, redaktionelles Arbeiten bei gleichzeitigem crossmedialen Management. In diesem Zusammenhang nimmt ebenfalls der Vorgang des Multi-Channel-Publishing eine bedeutende Rolle ein.
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Neben diesen jüngsten Entwicklungen des journalistischen Anforderungsprofils, die in den Texten des Handbuchs ausführlich erläutert werden, geht es vor allem auch um standardisiertes journalistisches Grundlagenwissen. Dazu gehören etwa Kenntnisse bzgl. der Funktionen der Massenmedien sowie wesentlicher Charakteristika unterschiedlicher Medientypen, von Zeitschriften über Fernsehprogramme bis hin zu facettenreichen Online-Angeboten. Nützlich sind auch Hinweise in Bezug auf verschiedenen Kommunikationsmodi, Gattungstypen und Publikumsinteresse. Theoretische Grundlagen wie z.B. Nachrichtenfaktoren nach Galtung/Ruge oder Theorien und Perspektiven zur Journalismusforschung werden in dem Band präzise erläutert. Zahlreiche Abbildungen, Tabellen, Grafiken, eingeschobene Tipps oder hilfreiche Zitationen eingängiger Zitate erleichtern das Verständnis und ermöglichen eine schnelle Orientierung.
Insgesamt gliedert sich das Handbuch in folgende Großkapitel:
> Journalistische Grundlagen
> Arbeitsprozess in der Praxis
> Planen und Organisieren
> Berufsfeld Journalismus
Besonders vorteilhaft ist die Auflistung der verwendeten Literatur am Ende eines jeden Unterkapitels, die eine Vertiefung und Einarbeitung in das jeweilige Thema vereinfacht. Ebenso ist es möglich, gezielt einzelne Elemente eigener journalistischer Arbeit zu optimieren. Das Handbuch ist somit bestens geeignet, selektiv vorzugehen, Wissenslücken zu schließen oder eben nur eine Verbesserung anzustreben. Theoretisches Wissen findet sich zu allen Bereichen und ist leicht nachvollziehbar. Durch die vielen visualisierten Abbildungen lassen sich die Kenntnisse schnell aufnehmen und anwenden. Der detaillierte Anhang beinhaltet nicht nur eine Aufzählung genutzter Literatur oder der beteiligten Autoren. Vielmehr erhalten die Leser darüber hinaus ein ausführliches Adressverzeichnis relevanter Aus- und Weiterbildungszentren, mit Verbänden, Organisationen, Rundfunkanstalten u.v.m.
Das Handbuch ist für eine breite Rezipientengruppe geeignet, seien es Journalisten, Freiberufler, Studenten oder am Beruf Interessierte. Insbesondere die vielen an der praktischen Arbeit orientierten Expertenmeinungen können zu einer gelungenen Vertiefung des zuvor Gelesenen beitragen.
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Fazit: Eine durchweg lohnenswerte Anschaffung zur Klärung von Grundlagen der Redaktionsorganisation oder zur Verbesserung der eigenen Arbeit. Das Handbuch stellt eine gelungene Kombination aus theoretischer Wissenssammlung und praktischer Anleitung dar.

5 Sterne! 

Weitere Infos bei UVK!

Schloss der Engel - Jessica und Diana Itterheim


Ich bin nur deinetwegen hier. Außer dir kann nichts und niemand jemals etwas daran ändern. Ich bin ein Engel und treffe meine Entscheidungen für die Ewigkeit."
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Vorwürfe, Selbstzweifel, Wut, Enttäuschungen, Freundschaften und die erste große Liebe. Lynn, die 16-jährige Protagonistin des Stücks, erlebt alle Erfahrungen eines Teenagers in voller Wucht. Als sie von ihrem Eltern auf ein Internat geschickt werden soll, reagiert sie ablehnend und mürrisch. Dabei ahnt sie noch nicht, dass dort ein großer Spiegel das Tor in eine andere Welt sein wird. Eine Welt voller Zauber und Magie: Eine Schule für Engel.
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Dort lernt Lynn den gutaussehenden, aber emotional kalten Christopher kennen, der ihr anfangs mit völliger Gleichgütigkeit begegnet. Doch das Mädchen entwickelt trotzdem recht bald starke Gefühle für den eigenwilligen Mitschüler, der allerdings kein normaler Engel ist. In seiner Funktion als Racheengel kann er keine derartigen Emotionen zulassen. Und obwohl eine Beziehung zwischen den beiden aussichtslos erscheint, finden Lynn und Christopher zusammen. Ihre Liebe steht jedoch unter keinem guten Stern. Schnell werden böse Mächte auf Lynn aufmerksam, die das Mädchen auf die dunkle Seite ziehen wollen. Lynn muss nun eine mächtige Totenwächterin und dämonische Seelenräuber fürchten, die sie gerade dann angreifen, wenn sie nicht zur Wehr setzen kann: im Schlaf. Wird Lynn gegen die Gefahren ankämpfen können? Ist ihre Liebe zu Christopher von Bestand?
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Eine große außergewöhnliche Liebe zwischen Mensch und Engel haben die beiden Autorinnen Jessica und Diana Itterheim in ihrem Debütwerk entstehen lassen, die nicht dramatischer und emotionaler hätte sein können. Zusätzlich überzeugt ihre Idee rund um den Dualismus zwischen guten und bösen Engeln, unreifen Seelen und dämonischen Wesen wie etwa die Figur der Totenwächterin. Übersinnliche Kräfte einer phantasievollen Welt können zusammen mit der Protagonistin entdeckt werden. Sehr gelungen ist in diesem Zusammenhang der Schreibstil aus der Ich-Perspektive. Gerade junge Leserinnen und Leser im Teenageralter werden sich mit Lynn sehr gut identifizieren können, die oftmals hin und her gerissen ist zwischen ihren Gefühlen, zwischen purem Selbstbewusstsein und totaler Hilflosigkeit. Auch in der Liebe zum Racheengel Christoph ist eine Liebe entstanden, nach der sich viele Jugendliche sehnen. Eine machtvolle Verbindung mit dem Charakter des Besonderen.
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Fazit: Ein Roman, der begeisterte Fantasy-Leser in den Bann zieht: Atemberaubende Spannung in Kombination mit emotionsgeladenen Momenten und einer einzigartigen Liebe. Im März 2013 wird die Fortsetzung des Romans „Tanz der Engel“ erscheinen.

4 Sterne! 

Weitere Infos bei Aufbau!

Freitag, 3. August 2012

Fatale Bilanz - Stefanie Ross


„Schussgeräusche waren nicht zu hören, aber die Schäden am Auto sprachen für sich.“
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Fatale Bilanz – ein spannender Titel, der in Kombination mit dem hochexplosiven Cover das Herz eines jeden begeisterten Krimilesers höher schlagen lässt. Und die Vorfreude, die das Exemplar schon vor dem eigentlichen Lesen auslöst, wird keinesfalls enttäuscht. Im Gegenteil. Wieder einmal startet eine Kriminalerzählung der Reihe Sutton Krimi voller Dramatik und Action.
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In einer scheinbar ganz alltäglichen Situation ereignet sich ein Mord an einer jungen Mutter, der, so wird sich zeigen, erst Jahre später aufgeklärt werden wird. Auch bei den aktuellen Untersuchungen scheint er eine Rolle zu spielen. Eine Schießerei auf dem Hamburger Rödingsmarkt führt die Polizei zum mächtigen Bankier Joachim Kranz, dessen Auto dabei beschädigt wurde. Der beteiligte Scharfschütze konnte allerdings fliehen. Nun liegt es an Sven Klein vom Hamburger Wirtschaftsdezernat den Fall zu klären. Jedoch verstrickt er sich dabei in seinen Ermittlungen in eine Reihe ungelöster Fragen und Merkwürdigkeiten. So scheint es, als sei die Al-Quaida in den Fall verstrickt. Ungeahnt begibt er sich selbst immer mehr in die Gefahrenzone.
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Stefanie Ross versteht es, ihren Leser den Atem zu rauben und sie voller Spannung mitfiebern zu lassen. Manches Mal scheinen die Fakten glasklar, bis alles wieder durch ein Ereignis in ein neues Licht gerückt wird. Die Rückblende am Anfang der Handlung sorgte bereits schon für eine ausreichende Motivation, den Fall später mit Sven unbedingt lösen zu wollen. Die beteiligten Figuren sind sehr authentisch beschrieben und entwickeln sich schnell zu Sympathieträgern, mit denen man sich gut identifizieren kann. Neben der Geschichte und den überzeugenden Figuren ist es der Schreibstil der Autorin, der überzeugt, zu einem flüssigen Lesen beiträgt und die Ereignisse vor dem inneren Auge lebendig werden lässt. Eine gelungene Kombination aus Leichtigkeit und Drill. Ebenso macht es Spaß, die Charaktere auf ihrem Weg durch die beliebte Hansestadt zu begleiten. Hamburg ist für alle Kenner sehr gelungen beschrieben, vom Flair der Alsterarkaden bis hin zur Schwierigkeit, in der Innenstadt einen Parkplatz zu ergattern. Aber auch für diejenigen, die die Stadt bisher nicht besuchen konnten, ist es sicherlich interessant zu sehen, wie sie exemplarisch dargestellt wird.
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Fazit: Ein Krimi, so wie er sein sollte: Ereignisse voller Kuriositäten und Gefahren, die Rätsel aufgeben und von Ermittlern wie auch Lesern verstanden werden wollen. Sehr zu empfehlen!

5 Sterne!

Weitere Infos bei Sutton!