Dienstag, 31. Juli 2012

Storytelling für Journalisten - Marie Lampert/ Rolf Wespe


In einer digitalen durch Massenmedien geprägten Welt ist es für erfolgreiche Journalisten unumgänglich, durch und durch überzeugende Texte zu produzieren. Texte, die ein disperses Publikum ansprechen, d.h. vom Polizisten über den Professor bis hin zur Putzfrau.
Sie alle wollen gleichermaßen und vor allem gleichzeitig angesprochen werden. Dies ist ein Merkmal eines qualitativ hochwertigen Textes. Wie es gelingen kann, Aufmerksamkeit nicht nur zu generieren, sondern zu erhalten, verrät dieser Praxisband für Journalisten anhand strategischer Anleitungen und vielen konkreten Beispielen.
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Hilfreiche Techniken der Aufmerksamkeitssteuerung sind hier in einer Sammlung zusammengetragen, die das Beste aus einer jeden Arbeit hervorbringen können. Dabei setzen die beiden Autoren am Anfang des Schreibprozesses an: dem leeren Blatt.
Erläutert werden Strategien zur Themenfindung, zum Handlungsaufbau sowie zur anschließenden Ausarbeitung. Bei keinem einzigen Arbeitsschritt wird man alleine gelassen. Für jedes mögliche Problem werden vielfältige Lösungsvorschläge geboten. Dazu zählt etwa die Schwierigkeit, Übergänge wie Rückblenden oder Einzelepisoden zu gestalten, eine angemessene Sprache zu finden oder nach einem stringenten Handlungsablauf zu einem abrundenden Schluss zu kommen.
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Überaus hilfreich sind die Tipps zur Personencharakteristik, der Oxymoron-Technik und den Inseln der Verständlichkeit. Auch Methoden zur Freisetzung des eigenen kreativen Potenzials sind sehr wertvoll und leicht in die Tat umzusetzen. Positiv zu bewerten ist ebenfalls der außergewöhnliche Glossarteil, indem auch komplexe Begriffe verständlich und anschaulich anhand eines Beispiels erklärt werden. Neue Informationen können so schnell und ohne Probleme aufgenommen werden. Expertenmeinungen und bereits erschienene Texte mit Vorbildcharakter sorgen für eine sinnvolle Erweiterung des eigenen Wissens dank konkreter Praxisbeispiele.
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Fazit: Eine Schatzkammer journalistischer Arbeitsmethoden und deren praktischer Umsetzung! Wer seine journalistischen Qualitäten optimieren möchte, sollte auf dieses Buch als unterstützenden Leitfaden nicht verzichten. Sehr zu empfehlen!  

5 Sterne! 

Weitere Infos bei UVK! 

Montag, 30. Juli 2012

Mach endlich was du willst! - Walter Zimmermann

"Auch in ungünstigen Situationen bieten sich immer Optionen und Chancen. Sie müssen Sie nur sehen. Dafür können Sie Ihre Augen schulen - wie für moderne Malerei oder perfekt geflieste Badezimmer."

Ein herzliches Dankeschön an CAMPUS für die Zusendung dieses hilfreichen Ratgeberbandes im Rahmen eines Gewinnspiels! 




Weitere Infos zum Titel bei CAMPUS! 

Sonntag, 29. Juli 2012

Auf die Liebe! - Mordillo


„Jemanden lieben heißt als Einziger ein für die anderen unsichtbares Wunder zu sehen.“ (Francois Mauriac)
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Humorvolle, tiefsinnige oder romantische Zitate und Aphorismen in wunderbarer Kombination mit Mordillos Illustrationen bietet dieser Band, der sich ganz der Liebe widmet. Die unterschiedlichsten Facetten des schönsten Gefühlszustandes der Welt werden somit auf sprachliche und bildhafte Weise fassbar. Interessant ist es zu sehen, welche inhaltlichen Schwerpunkte der Künstler dabei setzt und wie sie in seinen liebenswerten Cartoons umgesetzt wurden. Inspiration liefern dabei bekannte Größen wie Shakespeare, Hieronymus oder aber auch moderne Persönlichkeiten, zu denen etwa Gwen Stefani gehört. Es macht Spaß, im Buch zu Blättern, die vielen farbenfrohen Zeichnungen zu entdecken und sich ganz der Liebe hinzugeben.
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Zum 80. Geburtstag Mordillios erscheinen seine beliebten Beziehungscartoons in dieser besonderen Ausgabe des Lappan Verlags, die unter Beweis stellt, dass er es auf einzigartige Weise vermag, in seinen Kunstwerken besondere Akzente zu setzen. Als Betrachter begibt man sich gerne auf Spurensuche in Mordillos Welt der Liebe.
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Fazit: Sehr zu empfehlen als Geschenk für alle Verliebten, Liebenden und diejenigen, die an den Zauber der Liebe glauben.  

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Lappan! 

Samstag, 28. Juli 2012

Packende Bilder - Cartoons im Urlaub und auf Reisen


„Nächtelanges Monden verhilft Simone zu einer intensiven Urlaubsblässe.“
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Die beiden Herausgeber Wolfgang Kleinert und Dieter Schwalm präsentieren ihren humorfreudigen Lesern eine beeindruckende Sammlung der besten Cartoons rund um die Themen Reisen und Urlaub. Und dass dabei so einiges schief gehen kann, ist keine Seltenheit. Seien es Kinder, die den Unterschied zwischen Whooper, Chicken Wings, McRip und richtigen Tieren eines Bauernhofs nicht mehr kennen, Kreuzritter auf dem falschen Dampfer, Keksmonster auf Gebäckkontrolle oder junge Pärchen im Vollzug der Romantik 2.0.
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Ein breites Spektrum aberwitziger Situationen eines Urlaubs ist in diesem Band dargestellt. Durch den bunten Mix verschiedener Cartoonisten, die hierbei vertreten sind, kommt keine Langeweile auf. Ganz im Gegenteil: Es gilt, unterschiedliche Stile künstlerischen Schaffens zu entdecken, die unterschwellig, ganz offensichtlich oder auch bitterböse mit humoristischen Elementen arbeiten. Seien es richtige Cartoons, die im Kleinen eine Geschichte erzählen, bunte Illustrationen oder Momentaufnahmen in Schwarz-Weiß. Voller Witz, Ironie, einem Funken Sarkasmus und bitterbösem schwarzen Humor begegnet man den lustigsten Urlaubsszenen. Es macht einfach Spaß, sich an der Tollpatschigkeit oder gar Dummheit der Dargestellten zu erfreuen.
Die besten Künstler, wie z.B. Gerhard Glück, André Sedlaczek, Barbara Henniger, TOM oder FLIX, um nur einige Beispiele zu nennen, kommen in diesem Band zusammen. Entstanden ist ein herrliches Buch, das sich zu lesen und betrachten lohnt!
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Fazit: Ein gutes Geschenk für alle Urlaubsbegeisterten und all diejenigen, die wieder so richtig herzhaft amüsieren wollen.

5 Sterne! 

Weitere Infos bei Lappan!

Donnerstag, 26. Juli 2012

Weiblich, jung, flexibel - Felicitas Pommerening



„Während ich mich selbst immer weniger erkenne, scheint sich Carlynn in Indien tatsächlich gefunden zu haben. Zwar nicht auf so eine esoterische Eat-Pray-Love-Weise, aber wohl genauso nachhaltig.“
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Carlynn und Ellen sind beste Freundinnen und haben eins gemeinsam: die persönliche Sinnkrise! Während Carlynns Selbstbewusstsein bei einem Vorstellungsgespräch massiv zu leiden hat, und das trotz guter Noten und einer tadellosen Erscheinung, plagen Ellen Gedanken an ihre universitäre Abschlussarbeit und den anstehenden Prüfungen. Obwohl die Schufterei somit bald ein Ende hat und der beruflichen Karriere nichts mehr im Weg stehen würde, stellt sie sich die Frage, ob es das ist, was sie wirklich will – oder nicht vielleicht doch etwas anderes? Auch ihre Rolle als Partnerin ihres Freundes stimmt sie in letzter Zeit äußerst nachdenklich. In welchen Bahnen wird sich ihr Leben zukünftig bewegen? Auf eine derart ruhige und bescheidene Weise reagiert Carlynn gerade nicht. Sie sucht die große Veränderung und trifft den Entschluss, erst mal alles hinter sich zu lassen. Auf einer Reise nach Indien verspricht sie sich neue Inspiration. Zwei Frauen - zwei unterschiedliche Antworten auf eine große Frage: die Gestaltung der eigenen Zukunft.
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Durch eine völlig neuartige Kombination der beiden Genres Kolumne und Roman trifft Felicitas Pommerening den Puls der Zeit und bietet gerade jungen Frauen beste Leseunterhaltung. Denn das Leben der beiden Protagonistinnen ist nicht nur abwechslungsreich und interessant, sondern fungiert vielmehr als eine Spiegelfläche für die moderne, junge Frau von heute. In diesem Sinne sind alle Fragen und Herausforderungen, denen sich die beiden Freundinnen stellen müssen, Abbild heutiger Lebenswelt. Welche Prioritäten gilt es zu setzen? Familie oder besser doch Karriere? Was bedeutet Status und Einkommen? Und macht ein Hochschulabschluss automatisch glücklich?
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Abwechselnd begleitet man die beiden Freundinnen auf ihrem Lebensweg. Der Bericht je einer von ihnen bildet dabei ein Kapitel. Interessant sind hierbei vor allem die Reflexion des Verhaltens der anderen und die Auswirkungen auf das eigene Ich. Ein gelungener literarischer Schachzug. Besonders Studentinnen werden sich in den beiden Charakteren wiederfinden. Hier herrscht ein Wiedererkennungswert in hohem Maße! Darüber hinaus sind die zwei Freundinnen charakterlich so gestaltet, dass sich jede Frau gleich welchen beruflichen Stands mit ihnen identifizieren kann.
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Fazit: Erheiternde Lektüre, die auf leichte Weise mit den großen Fragen des Lebens umgeht. Gerne mehr davon! 

5 Sterne!   -  Hier könnt ihr bestellen!

Weitere Infos beim Herder-Verlag!

Ein großes Dankeschön auch an Blogg dein Buch! 


Und hier noch ein Hinweis: 

Ab dem 30.07. findet die Blogtour der Autorin statt, bei der es auch Bücher zu gewinnen gibt. 







Weitere Infos bei Youtube!

Montag, 23. Juli 2012

Good Morning Dornröschen - Daniela Kögler


„Mir ist nun klar, dass ich dringend etwas für meine innere Ausgeglichenheit tun muss. Zu viele unnötige Gedanken kreisen in meinem Kopf. Zu viele Banalitäten, über die ich mich aufrege. Und da hilft auch kein Mann raus. Im Gegenteil. Ich brauche kein Date, sondern ein Update.“
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Daniela ist mit ihrem Leben alles andere als zufrieden. Und das obwohl sie es eigentlich sein müsste. Schließlich hat sie neben Familie und Freunden einen Job und lebt in geordneten Verhältnissen. Doch vielleicht ist es genau das: Die Tristesse des Alltags, die sie nicht rundum glücklich werden lässt. Um ihre Situation zu ändern, bleibt nur noch eine Möglichkeit: Die junge Frau fasst den mutigen Entschluss, einfach alles hinter sich zulassen. Ohne an etwaige Konsequenzen zu denken, macht sie sich auf die Reise nach München, wo alles besser werden soll. Und tatsächlich scheint sich der Schritt gelohnt zu haben. Denn niemand anderes als ein Designer findet Gefallen ihr. Ist das der Beginn eines neuen, besseren Lebens?
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Abgesehen von spontanen Entscheidungen und außergewöhnlichen Jobs berichtet die Autorin von Themen, mit denen sich jede Frau beschäftigt. Wie finde ich den richtigen Partner? Was tut man bei einem ersten Date? Wie sollen Enttäuschungen verarbeitet werden? Neben der Suche nach Mr. Right wird außerdem die Frage nach Glück, Zufriedenheit und Selbstfindung bearbeitet.
Alles in allem also ein gutes Thema, das leider nur mittelmäßig umgesetzt wurde.
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Viel zu oft ist im Text ein bloßes Kombinieren von Umgangssprache, Redewendungen und Floskeln zu erkennen. Für meinen Geschmack wird auch zu oft auf das Repertoire von Flüchen zurückgegriffen. Ist das ein modernes Dornröschen?! Als weniger gelungen präsentiert sich außerdem die Gliederung der einzelnen Kapitel, die den Text sperrig werden lässt. Auch der Mix aus wirren Gedankenspielen und der Äußerung spontaner Emotionen erschwert den Lesefluss. Das gesamte Buch gleicht einem inneren Monolog, zu dem man erst einen Zugang finden muss.
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Fazit: Erste Schreibversuche eines jungen Models in Tagebuchform, die verbesserungswürdig sind. Sicher geeignet für treue Daniela Fans.

3 Sterne!

Weitere Infos beim fhl-Verlag! 

Samstag, 21. Juli 2012

3:46 Uhr. Ein protokollarischer Roman - Masì de Sol


21:31 Uhr:
„Es nützt alles nichts. Die Tür zum Glück, sie bleibt verschlossen.“
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Thema des Textes ist der Versuch einer Resozialisierung des Protagonisten Christian Moser, der nach seiner Gefängnisstrafe auf Bewährung entlassen wurde.
Um erneut zu einem normalen Leben zu gelangen und den Alltag mit Struktur und Routine zu füllen, empfiehlt sein Bewährungshelfer protokollarische Notizen des Tagesablaufs festzuhalten.
So weit so gut.
Eine nette, unspektakuläre Unterhaltungslektüre für zwischendurch.
Das jedenfalls fasst die wohl weit verbreitete Erwartungshaltung des Lesers zu diesem Thema zusammen.
Doch das Buch ist ein fast schon bewusstseinserweiterndes Kunstwerk!
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Wer eine gestörte Persönlichkeit mit mangelnder Intelligenz und krankhaften Gedanken erwartet, wird hier heilsam ent-täuscht und entdeckt in dem Protagonisten das völlige Gegenteil. Denn Christian Moser ist ein Mensch von höchster Intelligenz, der sich dementsprechend ausdrückt. Aus seiner Perspektive berichtet er von dem eigenen Weg zurück ins Leben, zurück zu der normalen Welt der Normalen. Doch genau das wird zu einem schier unüberbrückbaren Problem. Er definiert die Zeit der Bewährung als ein Leben auf Probe, eine Zeit, in der er scheinbar nur noch durch Routinehandlungen wie Aufstehen, Frühstücken oder die Körperhygiene angetrieben wird. Auf zutiefst emotionale und persönliche Weise beschreibt er die Schwierigkeit, seinem Leben Sinn zu verleihen. Und vor dem Hintergrund seines sozialen Status' und seines eigenen Selbstwertgefühls als alleinstehender Arbeitsloser ist dies eine besondere Herausforderung, an der er schließlich zu zerbrechen droht.
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Hin und her getrieben zwischen dem Versuch, ein gelingendes Leben zu führen und der völligen Verzweiflung angesichts seiner beklemmenden Situation – so lässt sich Mosers innerseelischer Zustand beschreiben. Glücksähnliche Zustände empfindet er nur noch in der fiktiven Welt seiner eigenen Phantasie, die einen umso größeren Schmerz in ihm zurücklässt. Denn nichts davon ist für ihn real. Wie erschreckend weit er dabei von der Lebenswelt der normalen Menschen entfernt ist, wird spätestens dann ersichtlich, wenn er die Nutzung des Internets als Hineinschnuppern in eine Welt bezeichnet, der er schon lange nicht mehr angehört. Und wenn es dunkel wird, beobachtet er seine Nachbarn in der Dunkelheit und Abgeschiedenheit seiner Wohnung, um einen kleinen Teil der Welt wahrzunehmen, der er nicht mehr angehört.
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Masi de Sol hat ein Kunstwerk geschaffen. Kreative Wortgebilde und Sätze, Ellipsen und Verkürzungen in Verbindung mit einem Wortschatz, der selbst bei Germanistikstudenten bestenfalls zum passiven Teil gehört, verbindet er auf eine Weise, die besser nicht hätte sein können. Denn trotz der schillernden Ausdrucksweise ist es an keiner Stelle schwer, dem Text zu folgen: Ganz im Gegenteil! Das Buch, dessen Kapitel nach den Uhrzeiten eines Tages von 7:23 bis 3:46 gegliedert ist, lässt sich innerhalb weniger Stunden durchlesen. Man entdeckt dabei eine Vielzahl von Sätzen mit einem persönlichen Mehrwert. Unmöglich erscheint es, den Text aus der Hand zu legen. Er ist absolut fesselnd, die Geschichte zutiefst beeindruckend!
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Im Grunde geht es um die Fülle menschlicher Existenz: alltägliche, lebenserhaltende Aufgaben, wie Nahrungsaufnahme oder Körperhygiene über die Schätze der Erinnerung an vergangene Erlebnisse bis hin zu bewegenden Themen wie Liebe, Versagen, Angst und Tod – letztlich um die Frage nach Sinn. Dabei ist das beklemmende Fazit, dass es für manche Menschen unmöglich sein muss, einen Sinn in ihrem Leben finden zu können. Dies gilt für Moser ganz besonders, da er im Grunde seines Herzens so denkt und fühlt wie alle anderen auch, aber von ihnen aufgrund seiner Vergangenheit ausgegrenzt wird.
Ähnlichkeiten seiner Psyche und der seelischen Verfasstheit von Depressiven sind unbestreitbar. 
Ein Buch, das aus anthropologischer, psychologischer und sicher auch theologischer Sicht hochinteressant ist.
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Fazit: Was in der Tiefe der menschlichen Psyche verborgen liegt, wird am Beispiel des Protagonisten exemplarisch vor Augen geführt. Ein Text über den Sinn des Lebens und den Versuch, an diesem auch in aussichtslosen Rahmenbedingungen festzuhalten. Ein Roman, der einen sprachlos zurücklässt!  

Mindestens 5 Sterne!!! 

Zutiefst empfehlenswert! 

Weitere Infos hier!

Ich fürchte mich nicht - Tahereh Mafi


Die Tür geht auf. Dahinter ein Abgrund. Keine Farbe, kein Licht, keine Verheißung, nur Grauen.“
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Wie würdest du dich fühlen – als Ausgestoßene – inmitten einer Welt, die du nicht wirklich kennst und in der du nicht leben möchtest? Dein bester Freund: Die Einsamkeit!
Diese Frage muss sich Juliette, die Heldin des Stücks, immer wieder stellen. Sie versteht weder ihre Existenz noch den Sinn eben dieser. Denn niemand scheint sie zu lieben, noch nicht einmal ihre Eltern, die sie auch wegsperren ließen. Und so begegnen die Leser einem ebenso verzweifelten wie verunsicherten jungen Mädchen, das in einem Raum festgehalten wird. Den wahren Grund ihrer Gefangenschaft entdeckt man dabei erst im Laufe der Lektüre: Juliette hat eine dunkle Gabe, durch ihre Berührungen sterben Menschen. Sie selbst hält sich für ein Monster und scheint an diesem Wissen regelrecht zu zerbrechen. Einzig und allein ihrem Notzizbuch vertraut sie ihre wahren Gefühle und Ängste an. Aus der Perspektive des Mädchens erhält der Leser eine Dokumentation ihrer durchweg aussichtslosen Lage und begibt sich zwischen Empathie und Spannung selbst die rätselhafte Welt der dystopischen Handlung.
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Juliettes innere Welt der Einsamkeit zerbricht, als man ausgerechnet ihr in Adam einen zweiten Gefangenen schickt. Sie selbst ist davon anfangs alles andere als begeistert und noch ahnt sie nicht, dass die Tage ihrer Gefangenschaft bald ein Ende finden werden. Denn ihre grausame Fähigkeit wird von den Regierenden als Gabe gesehen und Juliette soll nun in einer Welt voller Krieg, deren Regeln sie nicht kennt, als zusätzliche Waffe eingesetzt werden. Die Unsicherheit des Mädchens wird nun als Schwachstelle zum alles entscheidenden Punkt zwischen Gut und Böse.
Auf welcher Seite wird sie kämpfen?
Unterstützung und Hilfe erfährt Juliette in Adam, der sie aufrichtig liebt und zu ihr steht. Doch ist ihre Liebe stark genug, trotz aller Gefahren zu bestehen?
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Tahereh Mafi bereichert die Dytopie-Fantasy-Literatur durch ihr ebenso sprachgewaltiges wie fesselndes Debüt. Sie erzählt nicht nur eine neue, einzigartige Geschichte, sondern setzt diese auch auf schriftstellerische Weise einzigartig und neu in Szene. Innere Monologe der Protagonistin werden verkürzt, (Gefühls-) Momente gestrichen und neu zusammengesetzt, Satzfragmente gebildet. Vielleicht ist es diese Art des Schreibens, die die Protagonistin so realistisch werden lässt und ein derart fesselndes Leseerlebnis bietet.
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Fazit: Ein spannender Auftaktband zu einer neuen Reihe, die abwechslungsreicher nicht hätte sein können. Schonungslos werden die Leser großen Gefühlen ausgesetzt und in eine fremde Welt hinein gerissen, in der man nichts vorhersagen kann und alles selbst entdecken darf.

5 Sterne! 

Freitag, 20. Juli 2012

Mordsgeschäfte - Martin Sudermann


„Er verspürte einen kurzen heftigen Schmerz am Hinterkopf und stöhnte laut auf. Das Schwein!, war sein letzter Gedanke, bevor ihn die Kräfte verließen und er zu Boden sank.“
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Gleich zu Beginn der Geschichte werden die Leser Zeugen eines spektakulären Mordes. Ein Mann um die 60 wird brutal erschlagen, während er vor dem Portrait des Firmengründers der Herbert Schürmann Präzisionstechnik GmbH & Co. steht, dessen Büro schon bald in Schutt und Asche liegt. Als die Polizei am nächsten Morgen eintrifft, steht sie vor einem großen Rätsel und hält erst einen simplen Unfall für die wahrscheinlichste Brandursache. Doch dann wird eine bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leiche gefunden. Eine Identifizierung und somit die Aufklärung des Falls scheinen auf den ersten Blick unmöglich. Ins Visier der Ermittlungen gerät schon bald der Chef des Unternehmens, der sogar bei einer ersten Befragung wesentliche Elemente seiner beruflichen Tätigkeit verschweigt.
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Für Ulrike Schrader, die ermittelnde Kommissarin, wird der Fall zu einer wahren Herausforderung. Neben ihrer Untersuchung tritt schon bald eine zweite wichtige Figur auf: Thomas Krüdewagen, ein Journalist, der zur Zeit über die Kriegsverbrechen innerhalb des Örtchens recherchiert. Dabei ahnt er noch nicht, welche Zusammenhänge sich während seiner Arbeit auftun und das jede neu entdeckte Information ihn in größere Gefahr bringt – bis er schließlich um sein Leben bangen muss.
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Martin Sudermann präsentiert seinen Lesern einen packenden Kriminalfall und überzeugt dabei durch umfassende geographische und historische Kenntnisse. Die Schreibweise des Autors bleibt von der Charakterisierung der Figuren bis zur, vielleicht von einigen Lesern als langatmig empfundenen Recherchearbeit des Journalisten, durchweg authentisch.
Sowohl in der Kommissarin als auch im Journalisten finden sich zwei sympathische Charaktere, die man gerne auf ihrem Weg durch die Handlung begleitet. Auf parallele Weise entfalten sich dabei zwei unterschiedliche Geschichten rund um die beiden Protagonisten und erst am Schluss werden Zusammenhänge ersichtlich und das Rätsel gelöst. Überraschungselemente und eine sukzessiv ansteigende Spannung machen die Lektüre so interessant.
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Fazit: Ein kurzweiliges Krimivergnügen, für alle Fans des Genres bestens geeignet.

4 Sterne! 

Weitere Infos bei Sutton! 

Samstag, 14. Juli 2012

Mein Gott, Wanda - Ulrike Herwig


„Punchbag? Was war das? Egal. Wanda schrieb es trotzdem auf einen Zettel: Punchbag, um elf, für Rambo.“
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Wer hätte gedacht, dass es so viel Spaß macht, eine 63-jährige Dame in ihrem Alltag zu begleiten? Bei unserer Protagonistin geht es heiß her, seitdem sie ihren Teeladen aufgegeben und eigentlich den wohl verdienten Ruhestand genießen wollte. Doch an Ruhe ist in der letzten Zeit absolut nicht zu denken! Gerade noch freut sie sich auf eine anstehende Australienreise, die sie von ihrem Alltagstrott befreien und ihr neue Abenteuern bieten soll, als Sohn Stefan wegen eines Snowboard-Unfalls im Krankenhaus eingeliefert wird. Er bittet Wanda, in seiner Muckibude namens Herkules vorübergehend nach dem Rechten zu sehen. Natürlich schlägt die herzensgute Mutter ihrem Sohn diesen Wunsch nicht ab. Wanda verwirft kurzerhand alle Pläne und begibt sich schnurstracks Richtung Fitnesscenter. Und hier prallen schließlich Welten aufeinander: jung und knackig mit würdevoller Reife, jugendlicher Leichtsinn mit tiefem Verantwortungsgefühl, umfassende Kenntnisse im Bereich Sport und Fitness mit völliger Ahnungslosigkeit. Wanda fühlt sich inmitten all der glatzköpfig, wilden Tätowierten mit seltsam anmutender Sprache alles andere als wohl. Kann das etwa gutgehen?
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Was auf den ersten Blick wie eine desaströse der totalen Katastrophe geweihte Kombination erscheint, wird sich später als heilsame Mischung erweisen. Natürlich muss Wanda so manche Hindernisse bewältigen, seien sie sprachlicher, emotionaler oder zwischenmenschlicher Natur. Dennoch lässt sie sich nicht unterkriegen und macht das Beste aus ihrer Situation. Auch dann noch, als sich herausstellt, dass Stefan nicht die leiseste Ahnung von Marketing und wirtschaftlicher Geschäftsführung hat. Letztendlich geht es um alles oder nichts: Erfolg vs. wirtschaftlicher Totalschaden. Mit vereinten Kräften von Freundinnen und Tochter mobilisiert Wanda alle in ihr verborgenen Talente und gibt alles!
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Als herrlich amüsantes Lesevergnügen entpuppt sich Ulrike Herwigs neuer Roman „Mein Gott, Wanda“. Wer bereits den Vorgänger "Martha im Gepäck" kennt, darf sich auf diesen Roman richtig freuen und wird dabei nicht enttäuscht. Der Text liest sich in einem rasanten Tempo, denn er lässt keine Wünsche offen. Ein ebenso überzeugender Schreibstil in Kombination mit einer ebenso überzeugenden Geschichte. Wunderbar humorvoll und unterhaltsam, wunderbar Wanda! Herzlichen Dank Frau Herwig! 

5 Sterne und ein großes Dankeschön an Vorablesen und Ullstein! 

Weitere Infos zum Titel: Hier!

Donnerstag, 12. Juli 2012

Das Schiff aus Stein - [Akademie der Abenteuer ], Boris Pfeiffer



„Nicht alle Lehrlinge hatten die seltene und von einigen Meistern auch gefürchtete Gabe, eine Traumflut herbeizurufen. Rufus allerdings besaß sie.“
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Wenn sich Kinder und Jugendliche mit der Geschichte befassen sollen, befürchten viele von ihnen bereits quälende Stunden der Langeweile, gerade wenn es um längst vergangene Zeiten wie Antike und Altertum geht. Boris Pfeiffer allerdings schafft es, und das nicht nur bei seinen Protagonisten, den drei Schülern Rufus, Fili und No, aufrichtiges Interesse für geschichtliche Ereignisse zu entfachen. Verständlich wird dies, wenn man sich selbst in die Akademie der Abenteuer begibt, einer Internatsschule, die sich nicht nur in der Art und Weise des Unterrichts oder der einzelnen Fächern von herkömmlichen Schulen unterscheidet. Denn magische Zufälle, rätselhafte Ereignisse und weitere Merkwürdigkeiten sind hier keine Seltenheit.
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Wie schon in den Vorgängerbänden der Reihe gelingt es Rufus und seinen Freunden erneut, eine Traumflut auszulösen und so in die Vergangenheit einzutauchen. Nun finden sich die Drei bei dem antiken Volk der Phöniziern wieder und werden Zeugen einer spektakulären Entführung. Amilcar, der Sohn eines bekannten Glasmachers, wurde von griechischen Piraten verschleppt. Doch warum haben es die Seeräuber ausgerechnet auf ihn abgesehen? Verfügt er möglicherweise über ein geheimes Wissen, das sie nutzen wollen?
Ob sie dieses Mal den historischen Fall lösen können, bleibt ungewiss. Rufus jedenfalls muss sich in diesem Band vielfältigen Herausforderungen stellen. In der Akademie geht es währenddessen turbulent her: Ein Artefakt wird gestohlen, Freunde wenden sich ab und so manche eng Vertraute erweisen sich als Verräter.
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Alle Fans der Reihe dürfen sich freuen, im dritten Band neue Hintergründe und Einblicke bezüglich der Akademie und ebenfalls zu den einzelnen Charakteren zu erhalten. Oftmals wird dabei eine Entwicklung deutlich. Eindeutig positiv zu bewerten ist außerdem die Tatsache, dass es sich bei dieser Geschichte zwar um eine Reihe handelt, aber interessierte Leser die Handlung durchaus verstehen, wenn die Vorgängerbände unbekannt sind.
Nützliche Infos erfährt man zudem über antike Essensgewohnheiten oder eher unbekannte römische Sportarten. Gerade hierin bietet sich ebenfalls eine Chance, Kindern und Jugendlichen geschichtliche Daten und Fakten auf außergewöhnliche Weise näher zubringen.
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Fazit: Jeder Leser wird sich am Ende wünschen, selbst Schüler der Akademie der Abenteuer gewesen zu sein. Spannende Abenteuer, liebenswerte Freunde und jede Menge Überraschungen lassen dabei keine Langeweile aufkommen und sorgen für ein abwechslungsreiches Leseerlebnis.  Sehr zu empfehlen! 

5 Sterne! 

Weitere Infos hier! 

Sonntag, 8. Juli 2012

Unter der Stadt - Boris Pfeiffer [Unsichtbar und trotzdem da]


„Wie drei Schatten huschten die Unsichtbar-Affen über den halb fertigen Bahnsteig und verschwanden lautlos im Loch in der Wand.“
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Abbiegende U-Bahnen, Geisterfahrten und gruselige Begebenheiten tief unter der Stadt ...

Nach der spektakulären Verhinderung eines Museumraubs im Auftaktband der Reihe „Unsichtbar und trotzdem da“ haben es unsere drei Nachwuchsdetektive im zweiten Teil nun mit einem ebenso mysteriösen wie spannenden Fall zu tun.
Bei einer Verabredung der drei Freunde kommt Ağan massiv zu spät. Und völlig zurecht machen sich Addi und Jenny bereits Sorgen. Denn auf unerklärliche Weise ist ihr Freund Zeuge einer Geisterfahrt geworden, einziger Gast einer U-Bahn, die dann inmitten eines dunklen Tunnels plötzlich abbiegt. Als er völlig verängstigt am Treffpunkt ankommt und von seinen Erlebnissen berichtet, steht für die Freunde schnell fest, dass sie die Sache unbedingt aufklären müssen. Als Unsichtbar-Affen hatten sie schließlich schon einmal Erfolg. Doch nun werden sie mit einem Gegner konfrontiert, der weitaus gefährlicher ist als ein bloßer Museumsdieb …
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Der zweite Teil der Abenteuer unserer liebenswerten Detektive steht dem ersten in nichts nach, ganz im Gegenteil. Boris Pfeiffer führt die Geschichte auf eindrucksvolle Weise fort. Dabei gibt es für die Leser allerhand Neuigkeiten zu entdecken. So lernt man beispielsweise die Familie der drei Freunde näher kennen: Das wäre zum einen Jennys Mutter, die als Köchin im KaDeWe arbeitet oder auch Ağans Schwester, eine Polizistin. Allmählich wächst zudem die Kenntnis über Vorlieben und Interessen der drei Unsichtbar-Affen. Schließlich ist es die Stadt Berlin, die man während des Lesens immer besser kennen und lieben lernt. Das Detektiven-Team ist nun näher zusammengewachsen und darum macht es umso mehr Spaß, die Drei auf ihrem Weg zu begleiten.
Erwähnenswert sind letztlich die phantasievollen Zeichnungen von Stefani Kampmann, die während der gesamten Lektüre dazu beitragen, die Geschichte lebendig werden zu lassen.
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Fazit: Wieder ein gelungener Krimi für Kinder und Jugendliche voller Kuriositäten, Spannung, Witz und Abenteuer! Sehr zu empfehlen!   

5 Sterne! 

Samstag, 7. Juli 2012

Diebe der Nacht - Boris Pfeiffer [Unsichtbar und trotzdem da]


„Es gibt immer einen Weg, man muss ihn nur sehen.“
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Was es heißt, als Kind in der deutschen Hauptstadt zu leben, wird für die Leser von Boris Pfeiffers Auftaktband der Reihe „Unsichtbar und trotzdem da“ deutlich spürbar. Denn inmitten einer Welt voller Erwachsener sind Kinder regelrecht unsichtbar, vor allem dann, wenn sie sich unauffällig verhalten. Was auf den ersten Blick wie ein riesiger Nachteil erscheint, nutzen die drei Freunde Jenny, Addi und Ağan als große Chance. Denn es gibt immer einen Weg, man muss ihn nur erkennen. Zusammen sind die die Unsichtbaraffen, die spannende Abenteuer erleben und rätselhaften Ereignissen auf die Spur gehen.
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Im ersten Band „Diebe der Nacht“ treffen der coole Addi, der lässige Ağan und die ebenso hübsche wie kluge Jenny zum ersten Mal aufeinander. Während einer Autogrammstunde im Kadewuppdich lernen sich die Helden der Geschichte, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, näher kennen. Die Drei scheinen zuerst nicht so recht zueinander zu passen, schließlich stammen sie doch auch aus sehr verschiedenen Bereichen Berlins: Grunewald, Neukölln und Lichtenberg. Relativ schnell stellen sie aber fest, dass sie vieles gemeinsam haben und sich optimal ergänzen.
Bei einem Versteckspiel während einer Museumstour macht Addi dann eine furchterregende Entdeckung. Einer der Wächter unterhält sich mit einer merkwürdig klingenden Stimme, die direkt aus einem Gemälde kommt. Handelt es sich hierbei etwa um einen Geist? Voller Staunen wendet sich Addi an seine neuen Freunde, die anfangs verwundert sind, aber ihm dennoch bei der Aufklärung des Falls helfen möchten. Unterstützt werden sie von dem gaunerischen Affen Goffi, Addis Haustier, das so manchen hilfreichen Trick auf Lager hat.
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Boris Pfeiffer präsentiert seinen Lesern eine wunderbare Geschichte voller Spannung und Lebendigkeit. Die drei Hauptcharaktere, die zusammen mit dem Äffchen das Unsichtbar-Team bilden, wachsen einem sofort ans Herz. Durch Pfeiffers gekonnten Umgang mit der aktuellen Jugendsprache zeichnet sich der Text insbesondere durch einen hohen Grad an Authentizität aus. Er ist der Lebenswelt der heutigen Jugend auf gelungene Weise nachempfunden und bietet jungen Lesern ein Tor zu einer neuen abenteuerlichen Welt rund um mysteriöse Begebenheiten und herausfordernde Situationen. Nicht zu verkennen ist dabei der didaktische Mehrwert. Hier geht es vor allem um den hohen Wert echter Freundschaft, der die Protagonisten über sich hinauswachsen lässt.
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Fazit: Die perfekte Einstiegslektüre für junge Leser. Denn wer einmal beginnt, wird sich so schnell nicht losreißen können von den Unsichtbaraffen. So macht Lesen Spaß! Wunderbar! 

5 Sterne! 

Weitere Infos unter: www.borispfeiffer.de

Freitag, 6. Juli 2012

Ohne Netz - Alex Rühle: Jetzt auch als Schulbuch!

Gibt es ein Leben ohne Google, Amazon und Facebook? Ein Leben ohne Internet? Ohne Netz?
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Der Journalist Alex Rühle versucht diese Fragen zu beantworten und trifft eine, auf den ersten Blick wahnsinnige Entscheidung. In einem Selbstversuch möchte er für einen bestimmten Zeitraum auf die Vorzüge des Internets verzichten. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein paar Tage oder Wochen, sondern gleich um ein halbes Jahr: 6 Monate, mehr als 180 Tage, über 4.300 Stunden und fast 262300 Minuten. Scheinbar ein Ding der Unmöglichkeit ...
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Rühle stellt sich mutig dieser Herausforderung und trennt jeden ihn verbindenden Kontakt zum Internet in radikaler Weise aus seinem Leben. Gerade als Journalist wird er nun wieder mit ganz neuen, alten Aufgaben konfrontiert: Telefonnummern werden in Telefonbüchern gesucht, Wörterbücher als Übersetzungshilfe verwendet und Gerätschaften namens „Fax“ wieder zum Leben erweckt. Schnell merkt er, dass die Arbeit ohne Internet viel beschwerlicher ist, als er anfangs dachte und kämpft mit den Leistungen seines Gehirns, das sich jetzt mit einem „neuronalen Flipperautomaten“ vergleichen lässt.
Alle Erlebnisse und Erfahrungen dieser Zeit sind in einer Art Tagebuch zusammengestellt.
Deutlich spürbar sind anfängliche Entzugserscheinungen. Das Internet wird häufig mit einer Art Sucht verglichen, gegen die es anzukämpfen gilt. Eine harte Probe für das Selbstvertrauen des Journalisten stellen außerdem die albernen Äußerungen seiner Kollegen dar, die ihn mit einem Steinzeitmenschen in Verbindung bringen. Als sie schließlich merken, wie ernst es ihm ist, wandelt sich ihre Haltung von der Verachtung zur tiefen Bewunderung. Auch Rühle selbst reflektiert nicht nur seine Einstellung zum Internet, sondern auch die der Anderen. Das Blackberry ist schon längst zu einem Crackberry geworden, ein Suchtmittel. Doch welche Sucht wird gestillt? Sind wir wirklich nur so lange im Netz, weil wir es müssen oder etwa doch, weil wir hier hängen bleiben?
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Der Schreibstil des Autors ist unverwechselbar und ein wahrer Genuss. Dieser Journalist versteht sein Handwerk, und wie! Komplexe, längere Sätze in einem Zusammenspiel mit leichten, lockeren Aussagen. Beides ist angenehm zu lesen und voller Wortwitz.
Als Leser profitiert man schließlich auch von seinem umfassenden Wissen zu verschiedenen Themengebieten. Ein Beispiel dafür ist die Kritik an Odo Marquards These, dass an allen positiven Errungenschaften vom Menschen immer nur die Nachteile erkannt werden: „ Der Satz insinuiert ja, dass die hier verhandelten Dinge allesamt eingebildete Luxusprobleme einer dekadenten, undankbaren Gesellschaft seien, die das große Geschenk, den Fortschritt, so selbstverständlich einkassiert wie das Grünwalder Einzelkind den Geschenkeberg unterm Weihnachtsbaum. Ja, wir sind alle Prinzessinnen.“ Der Leser erhält einen Einblick in sein Familienleben, Berufsleben, Gefühlsleben und Alltagsleben – natürlich ohne Netz.
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Dieses Buch regt wie kein weiteres zum Nachdenken an und ist genau zur richtigen Zeit erschienen. Ein mutiger Selbstversuch, für den der Autor nur gelobt werden kann.
Ändern wir uns durch das Internet? Wie war die Zeit davor und wie ist sie jetzt? Ist es wirklich so nützlich? Bereichert es unser Leben oder nimmt es uns kostbare Zeit? Zeit, die wir sinnvoller nutzen könnten?
Dieser hochinteressante Erfahrungsbericht über ein Leben ohne Netz zeigt deutlich, dass dies immer noch möglich ist, auch in unserer heutigen, modernisierten Umwelt.
Die Vorteile des Internets können nicht genug gelobt werden. Vieles ist einfacher geworden. Tritt das Netz allerdings an erste Stelle in unserem Leben, müssen wir stutzig werden und handeln. Auf Überflüssiges sollte verzichtet werden. Also schmeißt das Blackberry zum Fenster raus oder für die weniger Mutigen unter euch: Freundet euch mit dem Off- Knopf an. Keine Angst, er beißt nicht :)
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Fazit: Ein wunderbarer Text. Jeder tägliche Facebook – User, der Angst hat, nachts um 2 seine Ernte zu verpassen, sollte dieses Buch lesen. Unbedingt!



Weitere Infos bei Klett! 


Schön, dass ich die Rezension an dieser Stelle noch einmal nutzen kann :)