Mittwoch, 29. Februar 2012

Wahr - Riikka Pulkkinen

Zwischen Wahrheit und Traumwelt

Still bin ich ebenfalls, bin ohne Stimme, kein Wort werde ich mehr sagen.“

Wahr... ein Text , in dem man sich ganz und gar verliert, der wie kein anderer dazu aufruft, sich der Frage bewusst zu werden, ob es so etwas wie Wahrheit eigentlich gibt. Was ist wahr? Was ist Realität und was Wirklichkeit? Wie wahr sind Liebe, Trauer, Hass, Schmerz?

Für Elsa bedeutet Wahrheit Fürchterliches. Sie lebt seit Kurzem in der Gewissheit, an einer unheilbaren Erkrankung zu leiden. Und das bedeutet den sicheren Tod. Doch bevor es soweit ist, möchte sie noch eines tun: Ihre Geschichte erzählen. Die Leser tauchen ein in eine Verstrickung von Familiengeheimnissen, die Generationen übergreifen, beginnend mit Elsa, deren Tochter Ella bis hin zur Enkelin Anna. Für die alle scheinen vergangene Zeiten eine wichtige Rolle zu spielen. Erzählt wird von Elsas Ehe, die unter dem betrug ihres Mannes leiden musste. Dieser führt eine Affaire mit dem Kindermädchen und fügt ihr so Kummer und Leid ungeahnten Ausmaßes an. Denn was für ihn nur ein Spiel ist, bedeutet für Evaa, seine Geliebte, die große Liebe. In mehreren Rückblenden erzählt sie ihre Geschichte als einzige Figur im Text aus der Ich-Perspektive. Dabei werden starke Emotionen spürbar, die sie mit diesem verheirateten Mann verbindet. Zusätzlich stellt man sukzessive eine Parallele zu Anna, Elsas Enkelin fest.

Erschreckend ist die innere Entwicklung der Geliebten, die an der Beziehung zu Elsas Mann immer mehr zerbricht. Gleichzeitig mit dieser Rückblende erlebt man Elsas Krankheitsgeschichte und die Sorgen, die dadurch bei ihrer Familie entstehen. Ein Buch, das mit geballter Wucht in das Seelenleben seiner Protagonisten führt und dabei viele gut gehütete Geheimnisse aufdeckt.

Der Text ist besonders interessant, weil er mit den verschiedenen Perspektiven spielt und dem Leser das Innenleben der Protagonisten schonungslos vor Augen führt. Innerseelische Zustände werden nach und nach aufgedeckt und an keiner Stelle des bisherigen Ausschnittes wird die Lektüre langweilig. Sie ist wunderbar leicht zu lesen. Überdies geht es hier um ganz existentielle Fragen. Fragen nach Wahrheit, Lüge, Realität, Fiktion, der eigenen Vergangenheit und der eigenen Zukunft mit oder ohne die Menschen, die man liebt. Veränderungen, Verzweiflung und der Kampf mit unheimlich bedrückenden Tatsachen, gegen die man als Einzelner nichts ausrichten kann.

Der Schreibstil der jungen Autorin ist poetisch, romantisch, tiefsinnig, einzigartig. Auf verblüffende Weise schafft sie es mit ihrem kreativen Spiel mit Wörtern, Emotionen fassbar zu machen.


Ich liege auf dem Boden, unfähig aufzustehen. Ich höre der Stille zu, die an den Wänden haftet. Ich zerfließe, sickere in die Ritzen zwischen den Dielen.“


Fazit: Eine tiefsinnige, wunderbare Geschichte, die in dem Leser eine Seite zum klingen bringt, wie es nur wenige Texte vermögen. Das Buch ist überaus lesenswert!

5 Sterne und ein herzliches Dankeschön an Vorablesen und List!

Mittwoch, 22. Februar 2012

Update für den Ruhestand - Hans Kantereit

So was gabs früher nicht./ Ich hab mein Leben lang nur gearbeitet./ Was ist bloß aus der Höflichkeit geworden?“

Dieser Ausschnitt immer wieder häufig verwendeter Floskeln im Ruhestandalter ist Teil des Floskelbingos, eine im Buch empfohlene Methode zum kreativen Zeitvertreib. Dazu gehören ebenfalls Vorschläge im Bereich Computerspiele, wie etwa Blubb, das virtuelle online-Aquarium oder aber auch zahlreiche humorvolle Tipps, wie man selbst für ausreichend Stress sorgen kann. Denn die wichtigste Erkenntnis ist folgende: Es gibt keine Freizeit mehr, sondern nur noch Zeit! Eine Differenzierung der beiden Begriffe ist nicht mehr länger nötig. Neues Ziel ist es daher, alte Denkmuster rigoros bekämpfen zu lernen. Ärger mit dem Chef, Hektik im Alltag, vergessene Termine im Beruf, uvm... , das alles sind Situationen, die nun nicht mehr existieren. Doch wie soll man einen solchen neuen Lebensabschnitt gebührend beginnen? Und wie aufrechterhalten?

Dieser humorvolle Ratgeberband stellt all das vor, was man heute über den wohl verdienten Ruhestand wissen muss. Das Buch will Trost und Segen sein, der beste Kumpel in der Westentasche. Während andere in der Rush-Hour Blut und Wasser schwitzen, schüttelt sich der Rentner gerade wieder sein Kissen zurecht und dreht sich noch mal gemütlich um. Aber wie geht man mit so viel verfügbarer Zeit um? Wie plant man seinen Tag? Auch hierfür werden im Text so manche Tipps gegeben. Eine Möglichkeit wäre, den Tag nach Essenszeiten einzurichten: erstes und zweites Frühstück, die leichte Mittagsmahlzeit und ein Imbiss vor dem eigentlichen Abendessen. Da kann man nur auf einen guten Appetit hoffen. Neben dieser Einteilung sind natürlich noch viele andere denkbar. In Hinblick auf die Textgestaltung sollte spätestens an dieser Stelle erkannt werden, dass der viele Klischees aufgriffen und mit der geballten Ladung Witz und Humor verarbeitet wurden. Der komplette Text ist herrlich ironisch. Erwähnt werden solle in diesem Zusammenhang auch der Blick auf einzelne Beufsgruppen und deren Besonderheiten im Rentenalter oder aber auch die Bedeutung der vier Jahreszeiten. Das Lesen wird an keiner Stelle langweilig. Gefreut werden darf sich auch über viele Comic-Illustrationen, die den Text nicht nur auflockern, sondern vielmehr selbst nochmal ein Grund sind, um herzhaft lachen zu können.

Fazit. Ein kleines Büchlein, das Freude bringt. Ein wunderbares Geschenk für vom Ruhestand Betroffene und alle, die es noch werden wollen.

5 Sterne!

Weitere Infos bei Lappan!

Dienstag, 21. Februar 2012

Warum Jesus kein Burnout hatte - Gordon MacDonald

Denn ich schrieb euch aus großer Trübsal und Angst des Herzens unter vielen Tränen; nicht damit ihr betrübt werden sollt, sondern damit ihr die Liebe erkennt, die ich habe besonders zu euch." 2 Kor 2,4

In Zeiten wie diesen, in denen das Leben in entscheidender Weise von stetig wechselnden Anforderungen und massenmedialen Einflüssen geprägt wird, strebt der Mensch danach, alles immer schneller und immer besser erledigen zu wollen. Die Zeit fliegt nur so dahin und neben Familie, Beruf, Partnerschaft und Freizeitaktivitäten vergisst man schnell das Wesentliche: Sich Selbst. Wann finden wir noch Momente, in denen wir uns ganz auf uns konzentrieren können, fern ab von Leistungsdruck und Verantwortung? Der selbst auferlegte Perfektionismus birgt die Gefahr, sich zu einem unüberwindbaren Teufelskreis zu entwickeln. Als Folge daraus resultieren die bekannten Gefühle des Ausgebrannt-Seins. Burnout. Der Mensch ist mit seinen Kräften am Ende.

Orientiert am Vorbild Jesu, der bereits zu seiner Zeit mit massiven Schwierigkeiten konfrontiert war aber dennoch sein inneres Gleichgewicht wahren konnte, stellt dieses Buch Vorgehensweisen vor, wie auch uns genau das gelingen kann. Der Text beginnt mit einem Vergleich. Es geht um den Bau der Brooklyn Bridge in New York. Dort wurde während der Baumaßnahmen massive Kritik geübt. Es seien keinerlei Fortschritte an der Wasseroberfläche zu sehen. Auch bei uns geht es vor allem darum, die inneren Fundamente zu sichern, bevor wir nach Außen hin aktiv werden und mit diesen Aktivitäten erfolgreich sein können. Aus diesem Grund ist das Buch in zwei Abschnitte unterteilt, beginnend mit dem Bereich „Inneres Leben“, auf den das „Äußere Leben“ folgt. Als erstes gilt es, das eigene Seelenleben zu reflektieren und sich in Hinblick darauf auch über den Glauben betreffende Dinge bewusst zu werden. Was bedeutet bedingungsloser Glaube? Welche Kraft gibt mit das persönliche Gebet? Wie sinnvoll nutze ich eigene Zeiten des Rückzugs, um neue Energien zu mobilisieren?

Die Leser werden gezielt angeleitet, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Ferner sollen biblische Größen, wie etwa Mose, helfen, ein grundlegendes Vertrauen aufzubauen. Und zwar nicht nur ein Vertrauen auf Gott, sondern vielmehr auch ein Vertrauen auf seine Mitmenschen und vor allem zu sich selbst. In diesem Zusammenhang wird immer wieder betont, wie wichtig eine gute familiäre Basis, familiärer Zusammenhalt wirklich ist und welche Kraft beispielsweise der Ehepartner sein kann. An manchen Stellen beschreibt MacDonald, der selbst als Pastor tätig ist, welche innerfamiliären Belastungen alleine durch Arbeit ausgelöst werden können. Der Umgang mit Konflikten, unangenehmen Erschütterungen und Krisensituationen des Lebens gehören ebenfalls zu den behandelten Themen des Buches. Ablenkung von Alltagssorgen ist eine weitere Strategie, um neue Energien zu sammeln. Schon Leonardo Da Vinci wusste, wie wichtig es ist, sich regelmäßige Auszeiten zu gönnen. Viele Erläuterungen sind eine sinnvolle Hilfe zur entspannten Lebensgestaltung. Der Aufbau der einzelnen Unterkapitel ist sehr ansprechend. Je ein Zitat leitet in das jeweilige Thema ein. Auf die Beschreibungen, die ihrerseits wieder thematisch unterteilt sind, folgen abschließend zum weiteren Nachdenken anregende Fragen. Somit kann die Lektüre als begleitender Ratgeber in einer schwierigen Lebensphase optimal genutzt werden.

Fazit: Gewinnbringende Erkenntnisse und sinnvolle Reflexionen als Ratgeber auf dem Weg zu einem sinnerfüllten Leben.

5 Sterne!

Weitere Informationen zum Titel beim Brunnen-Verlag!

Sonntag, 19. Februar 2012

Textdesign und Textwirkung in der massenmedialen Kommunikation - (Hg.) Kersten Sven Roth, Jürgen Spitzmüller

"Die Produkte der Massenmedien sind vorwiegend oder - je nach Definition auch: nur - Texte."

Basierend auf den neuesten Ergebnissen der gegenwärtigen Forschung werden die Phänomene Textdesign und Textwirkung in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen dargestellt und analysiert. Neben einleitenden Informationen zu den Begriffen liegt der Fokus dabei hauptsächlich auf der massenmedialen Kommunikation. Welche Rolle spielt Textdesign und Textkommunikation in Bezug auf Semantik und Pragmatik? Über welche grundlegenden Kenntnisse muss man verfügen, um Kodeverknüpfungen, Text- oder aber auch Bildmuster auf wissenschaftlicher Basis angemessen untersuchen zu können? Was bedeutet Textdesign und Textkommunikation in Hinblick auf die Gestaltung von Hörfunk, Fernsehnachrichten oder gar politischen Plakaten?

In diesem Band werden verschiedene Analysekriterien und Charakteristika des jeweiligen Bereiches nicht nur vorgestellt, sondern auch exemplarisch anhand eines konkreten Beispiels vorgeführt. Hierzu zählen sowohl digitale als auch Printmedien. Dadurch geht es nicht nur um die zuvor beschriebenen Theorien, sondern auch darum, ebendiese in logische Zusammenhänge zu bringen und dank der Anwendung praktisch nachvollziehbar zu machen. Thematisiert werden vor allem aktuelle Bereiche, wie etwa die opake Text-und Bildgestaltung in der Werbung, Websites als Kommunikationsform, das sogenannte Sehlesen oder Steuerungscodes zum Bildverstehen.

Alle Beiträge sind zudem ansprechend gegliedert und in verständlicher Sprache gehalten. Die typographische Gestaltung ist vorbildlich. Tabellarische Listen, graphische Illustrationen und Bildbeispiele ermöglichen ein angenehmes Arbeiten mit dem Text, sodass er nicht nur für Linguisten oder Kommunikationsforscher interessant ist. Vielmehr werden auch Studenten angesprochen. Sie erhalten eine Orientierungshilfe, einen Überblick zum gegenwärtigen Forschungsstand, kreative Ideen zur eigenen Arbeit sowie eine ganze Reihe gewinnbringender Erkenntnisse zur Werbe-, Nachrichten- und politischen Kommunikation.

Daher kann dieser Band ohne Weiteres als begleitende Lektüre eines entsprechenden universitären Seminars empfohlen werden. Wichtige Theorien der Linguistik, als Beispiel seien die Zeichentheorie von Charles S.Pierce und Kellers Theorie des semiotischen Wissens genannt, werden anschaulich erklärt oder weiterentwickelt. Die Aktualität der behandelten Inhalte zielt auf eine optimale Vorbereitung einer eigenen wissenschaftlichen Arbeit oder einzelner Prüfungen. Die zu den Beiträgen detailliert aufgelistete Literatur ist ebenfalls sehr zu empfehlen und erleichtert die weitere Recherche der behandelten Themen.

Fazit: Eine lohnenswerte, wissen-erweiternde Lektüre, die ein facettenreiches Repertoire möglicher Zugänge zu Textdesign und Textwirkung vorstellt. Sehr zu empfehlen!

5 Sterne!

Hintergrundinformationen zum Titel sowie eine Leseprobe sind auf der Seite des UVK Verlages zu finden.

Samstag, 18. Februar 2012

Du denkst du weißt wer ich bin - Em Bailey

Da glaubst du, du kennst jemanden. Und du denkst, derjenige kennt dich auch. Vor allem denkst du, dass derjenige die Dinge kennt, die du auf keinen Fall tun würdest. Niemals.“

Die in sich gekehrte, zurückgezogene Olive merkt sofort, dass etwas mit ihrer neuen Mitschülerin Miranda nicht stimmt. Obwohl die anfänglichen Gerüchte, sie sei Schuld am Tod ihrer Eltern sich schnell verflüchtigen, bleibt Olive bei ihrer anfänglichen Meinung: Denn das Mädchen verhält sich nicht nur äußerst merkwürdig, sondern sieht auch so aus. Ihre Augen ziehen einen regelrecht in den Bann, bewirken schauderliche Gefühle bei Olive und scheinen das Sonnenlicht zu spiegeln. Zum Glück gibt es da Ami, Olives beste Freundin, mit der sie darüber sprechen kann. Für die Masse ist die Neue allerdings ganz normal, ja sogar nicht weiter interessant. Diese Einstellung ändert sich jedoch relativ bald. Als sich Miranda ausgerechnet mit Katie, dem beliebtesten Mädchen der Schule anfreundet, finden alle Gefallen an ihr. Und auch Miranda selbst scheint sich stetig positiver zu entwickeln. Ihre Haare glänzen, sie ist attraktiv, wird geliebt und ist schon bald die neue beliebteste Schülerin. Zur gleichen Zeit geht es mit Katie rapide Berg ab. Sie wird immer dünner, sieht krank aus, hat allen Appetit verloren wirkt zunehmend depressiver. Es ist, als hätten sie und Miranda ihre Persönlichkeiten getauscht. Bis auf Ami und Olive bemerkt das allerdings niemand. Als sich die beiden Mädchen im Internet über ihre unheimliche Mitschülerin informieren wollen, machen sie eine erschütternde Entdeckung: Miranda ist ein Shapeshifter und dazu in der Lage, Lebensenergie aus anderen Menschen zu ziehen. Katie ist somit in höchster Gefahr. Bald schon schwebt sie zwischen Leben und Tod. Umso unverständlicher ist es für den Leser, als Miranda auch Olive, die das dunkle Geheimnis der Neuen kennt, ebenfalls beeinflussen möchte und es ihr sogar gelingt.

Em Bailey ist eine packende Geschichte gelungen, die ihre Leser in den Bann ziehen wird. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite ist garantiert. Somit wird der Anspruch des INK-Verlages, dessen Titel einen die Nächte durchlesen lassen, vollstens erfüllt. Durch die Beschreibung aus der Sicht der Protagonistin Olive kann man deren Gefühle, Ängste und Wünsche sehr gut nachvollziehen und partizipiert an ihrem Horror vor Miranda. Umso schlimmer entwickelt sich die Handlung, als man das ein oder andere Geheimnis der Ich-Erzählerin herausfindet und miterleben muss, wie sie selbst auf die zuvor gefürchtete, ja sogar gehasste Miranda hereinfällt. Droht ihr das gleiche Schicksal wie Katie? Oder wird sie die Wahrheit letztlich noch erkennen können?

Der Text ist eine packende Zusammenstellung von Dramatik, Spannung und der geballten Ladung Emotion. Außerdem greift die Autorin in erster Linie Themen auf, mit denen sich viele Heranwachsenden beschäftigen müssen. Was bedeutet Freundschaft? Wem kann man wirklich vertrauen? Und wie abgrundtief böse kann ein Mensch wirklich sein?

Die Wahrheit herauszufinden, ist oftmals ein schmerzlicher Prozess voller Enttäuschungen und Erschütterungen. Es erfordert Mut und Kraft, damit fertig zu werden. Der Umgang der Protagonistin mit dieser Situation kann man aus didaktischer Sicht sozusagen als Lernprozess bzw. eine nötige Entwicklungsphase bezeichnen, die eben in diesem Fall besonders hart und herausfordernd gestaltet ist. Als Leser begleitet man Olive nur allzu gerne auf ihre Reise durch diese Gefahrenwelt, die von einer guten Freundin ausgeht.

Fazit: Ein wahrer Thriller! Absolut lesenswert!

5 Sterne!

Ein herzliches Dankeschön an den INK-Verlag, der diese Leserunde bei Lovelybooks möglich machte!

Mittwoch, 15. Februar 2012

Catalina - Chufo Lloréns

"Die Nonne begann das Gebet. Die Geißel hob und senkte sich präzise und kraftvoll. Sie züchtigte die Haut, ohne sie zu zerreißen. Catalina ertrug den heftigen Schmerz und antwortete mechanisch auf die Litaneien, während ihr die Lederriemen der Peitsche zusetzten, doch über ihre Lippen kam kein einziger Seufzer. Stärker als ihr Leid und Kummer war das sie überwältigende Gefühl der Rebellion gegen die Ungerechtigkeit."


Spanien, 17. Jahrhundert, zur Zeit der Inquisition. Der Begriff der Ungerechtigkeit wird im Laufe der Geschichte für die Protagonistin immer wieder eine tragende Rolle spielen. Schon als Kind wurde sie ihrer Mutter brutal entrissen. Da diese bereits drei Töchter zur Welt gebracht hatte und sich in ihrer Not der Priorin des Benediktinerklosters angeschlossen hatte, in dem sie ihr Kind zur Welt bringen sollte, beschloss die Nonne kurzerhand das unerwünschte Mädchen gegen einen Jungen zu tauschen.

Diese spektakuläre Vertauschungsaktion war bis ins kleinste Detail geplant und versprach erfolgreich zu verlaufen. Eine Mutter wurde getäuscht, einer anderen gesagt, ihr Kind sei gestorben. Denn für das Mädchen hatte man ganz andere Pläne als ein bürgerliches Leben. Ihr Schicksal schien besiegelt. Sie sollte im Kloster aufwachsen und später als Nonne dem Benediktinerorden beitreten. Doch wird diese Lüge wirklich für immer verhüllt bleiben? Oder wird sie womöglich doch aufgedeckt werden können?

Die junge Catalina wächst also anfangs wie geplant im Kloster auf. Relativ bald jedoch wird ihr standhaftes Gemüt beklagt, die Unlust, sich mit Latein und Gebeten zu befassen und ihr lebhaftes Interesse an Jungenspielen. Besonders mit zunehmendem Alter erscheint die Zeit im Kloster für das junge Mädchen immer unerträglicher. Eines Tages wird sie sogar in eine Strafzelle gesperrt, umgeben von Eisengittern.

Als Leser stößt man auf zahlreiche irreführende Glaubensüberzeugungen der damaligen Zeit. So darf Catalina beispielsweise nicht mit der linken Hand schreiben, denn es ist die Hand des Bösen. Als ihre erste Periode einsetzt, wird sie für die "Blume des Bösen" in ihrem Körper durch Bußpflichten und Peitschenschläge brutal bestraft.

Catalina sieht nur noch eine Möglichkeit: Sie muss dieses Kloster unbedingt verlassen. Darum verkleidet sie sich als Junge und flüchtet entgegen aller Gefahren, die ihr dadurch bevorstehen. Wenig später wird sie von Don Benito de Cádenas auf dessen Landsitz mitgenommen, wo ihre Verkleidung schließlich aufgedeckt wird. Catalina verliebt sich in den Sohn Cádenas und träumt von einer glücklichen Zukunft - wäre da nicht das Brodeln inmitten der Mauern der Kirche ... Kann ihre Liebe den Gefahren der Umgebung trotzen?

Zeitreise gefällig?

Chufo Lloréns schuf einen opulenten historischen Roman, der besser nicht hätte sein können. Die Leser werden mitgenommen in die stürmischen Zeiten der Inquisition, gewaltsamer Auseinandersetzungen und den Kampf verschiedener Autoritätspersonen innerhalb der Kirche. Das Spanien des 17. Jahrhunderts wird vor dem inneren Auge des Lesers lebendig.

Der Text ist durch einzelne Rückblenden und die parallele Betrachtung unterschiedlicher Charaktere besonderes interessant gestaltet, sodass sich während der Lektüre keine Langeweile einstellt. Eine Geschichte, die mitreißt, die begeistert, in der man sich verlieren kann. Hochspannung pur!

4 Sterne!

Das Vorzelt zur Hölle - Tommy Krappweis

Der Bua wird scho seng, wia schee dass des dann is.“

In Zeiten, zu denen man den perfekten urigen Campingplatz noch nicht mit Google Maps oder der ein oder anderen heruntergeladenen App finden konnte, muss Tommy unzählige Urlaube in Wohnwagen und Zelt über sich ergehen lassen. Gemeint sind die wilden 70er, in denen ein grüner VW-Bus absolut hip war und obendrein das liebste Modell seines Vaters. Denn dieser ist, ganz im Gegensatz zu seinem Sohn, vom Camping mehr als nur überzeugt. Solche Urlaube sind für ihn zu einer Art Obsession geworden. Nicht wenige der Verhaltensweisen seines Sohnes erscheinen ihm daher fremd. Tommy, zu dem wie er selbst sagt die Charaktereigenschaft des Einzelgängertums gehört, ist gerne Herr seiner Freiheit. Nur ungern lässt er sich darauf ein, seine freien Tage eingesperrt auf einem Campingplatz zu verbringen. In den ersten Jahren seiner Kindheit bleibt ihm allerdings keine andere Wahl, er muss weg von seinem geliebten zu Hause, dem gewohnten Umfeld. Hinein ins Abenteuer.

Und als Leser darf man wirklich dankbar sein, dass Tommy regelmäßig von seinen Eltern zu solchen Urlauben gezwungen wurde, denn nur so konnte er seine Erfahrungen in diesem Buch verarbeiten. Es ist eine Sammlung der witzigsten Geschichten entstanden, die in einzelne thematische Kapitel gegliedert sind. Beschrieben werden die Schwierigkeiten des geringen Stauraums, die Fahrt aus der Perspektive eines Kindersitzes, Campen auf Korsika oder die Irrungen und Wirrungen des Vorzelt-Aufbaus, wobei ihn die bloße Erinnerung daran schon nervös werden lässt. Doch nicht nur Tommy schildert seine Erlebnissen. Vielmehr kommt auch sein Vater in einzelnen „Zwischenrufen“ selbst zu Wort. Hochinteressant ist hier der Perspektivenwechsel und die unterschiedlichen Sichtweisen von Vater und Sohn im Vergleich.

Unsinkbare Schlauchboote, die ersten amourösen Beziehungen, ironisch-sarkastisch kommentierte Peinlichkeiten und die volle Kraft des familiären Zusammenhalts, genau darum geht es auf der unterhaltsamen Reise zurück auf den Campingplatz der 70er. Die einzelnen Kapitel zeugen von einem unglaublichen kreativen Schreibtalent des Autors. Durch den kreativen Umgang mit Worten wird das Lesen zu einem sprachlich-ästhetischen Genuss, auch auf der Ebene des Humors. Dokumentarische Fotos der eigenen Campingtouren mit der Familie im Mittelteil des Buches führen vor Augen, wie es sich damals abgespielt haben muss. Die Geschichte des Jungen, der heute nur noch in Hotels übernachtet, kann man einfach nur mögen. Ein herrliches Leseereignis!

5 Sterne!

Der Titel erscheint am 01.03.2012.

Dienstag, 14. Februar 2012

Zum Traumpaar in 30 Tagen! - Micky Beisenherz

Bereits nach wenigen Tagen werden Sie, die richtige Anwendung vorausgesetzt, als Paar eine derartige Verschweißung erleben, als hätte man Sie vakuumverpackt. Das liegt zum einen daran, dass wir Sie an jedem einzelnen Tag mit wichtigen Informationen versorgen, sie aber andererseits in solch homöopathischen Dosen verabreichen, dass eine Überforderung ausgeschlossen sein dürfte.“

Heute ist Valentinstag. Gerade an Tagen wie diesen blicken wir mit einem Mix aus Neid und Bewunderung auf jene Paare, die ohne jeden Zweifel glücklich erscheinen. Paare, die an den anderen denken, ihm eine Freude machen, ihm den Tag versüßen wollen und zwar nicht nur einmal im Jahr zum Festtag der Liebenden. Partner, die nur ein Ziel verfolgen: Den jeweils anderen glücklich zu machen. Doch wie funktioniert das? Welches sind die Kernvoraussetzungen einer rundum erfüllenden Partnerschaft, einer Traumbeziehung?

Der Ratgeber „Zum Traumpaar in 30 Tagen“ verspricht Hilfe. In nur einem Monat soll es möglich sein, die Partnerschaft in allen Bereichen zu perfektionieren. 10 Lektionen stellen dazu eine Anleitung vor. Als erstes geht es um das gemeinsame Auftreten in der Öffentlichkeit. So kann es dabei nur von Vorteil sein, auch von Außenstehenden als zusammengehörige Partner erkannt zu werden. Für beide Teile des Paares empfiehlt sich, auch während einer öffentlichen Veranstaltung innerhalb des gleichen Raumes Blickkontakt zu suchen und miteinander zu flirten. Ein Zeichen der liebenden Fürsorge gilt das Getränkebesorgen für den anderen. In der nächsten Lektion werden interaktive Kommunikationsabläufe vorgestellt, die ausufernde Streitereien verhindern sollen. Wichtige Erkenntnisse liefern ebenfalls die folgenden Lerneinheiten, in denen Bereiche wie etwa Körperlichkeit, Socialising, gemeinsame Aktivitäten, der Nestbau oder das gemeinsame Altern thematisiert werden. Besonders gewinnbringende Informationen bietet der Ratgeber in Hinblick auf weibliche und männliche Kommunikationsschwächen und wie man am besten damit umgehen sollte. Die wichtigsten Hinweise, Ratschläge, Tipps sowie Fallen und Flops sind in Kästchen oder durch spezielle Markierungen auffallend vom Text hervorgehoben, damit diese Dinge leichter ins Auge fallen. Der Text insgesamt ist modern, mit bunten Illustrationen von dem ein oder anderen Traumpaar versehen und verzichtet, trotz all der sinnvollen Ratschläge, bei weitem nicht auf humorvolle Passagen, Ironie und ein kleines bisschen Sarkasmus. Dadurch wird das Lesen sehr angenehm und vor allem abwechslungsreich. Keine Lektion gleicht der anderen, jede hat neue Informationen und neue unterhaltende Inhalte zu bieten. An der eigenen Beziehung zu arbeiten, hat wohl noch nie so viel Spaß gemacht.

Fazit: Der ultimative Guide auf dem Weg zur trauten Zweisamkeit.

4 Sterne!

Weitere Infos zum Titel bei Langenscheidt!

Montag, 13. Februar 2012

Lumi im Test



Lumen – luminis, lat. = das Licht


Lumi = das Lichtchen


Ein wunderbares Produkt für alle Bücherfreunde ist dank des Moses-Verlags erhältlich: Lumi – Das Leselicht. Vorbei sind die Zeiten des Lesens in dunklen Ecken, auf dem Lieblingsplatz auf der schlecht beleuchteten aber umso bequemeren Couch, im Bett, in Bus und Bahn, in der Berghütte oder unter dem Weihnachtsbaum. Unzählige schöne Kulissen sind denkbar, die das Lesen nur leider durch schlechte Lichtverhältnisse spätestens bei mehreren hundert Seiten zu einem anstrengenden Unterfangen werden lassen. Abhilfe schafft nun Lumi, ein treuer Begleiter für jeden Leser.



Dabei ist die Anwendung kinderleicht. Das schlanke Leselicht wird einfach am Buchrücken befestigt. Eine flexible Klammer ermöglicht es, dass Lumi ohne Weiteres an jedem Buch angebracht werden kann, sei es ein Taschenbuch oder eine Hardcover-Ausgabe. In dieser Art befestigt, befindet sich der Lichtschalter am Buchrücken auf der hinteren Seite von Lumi. Mit einem Handgriff kann ist das Licht angeschaltet. Besonders praktisch ist die Dimmfunktion, die es ermöglicht, dass man Lumi den Lichtverhältnissen entsprechend entweder mit starker oder schwacher Beleuchtung einsetzen kann. Die süße Leselampe ragt nun nach oben über das Buch.


Von dieser Ausgangsposition lässt sich Lumi flexibel so weit nach unten schieben, wie es nötig ist, um besser zu sehen. Dadurch erhält man ausreichend Licht zum angenehmen Lesen. Selbst bei einem fast völlig dunklen Raum bietet Lumi ausreichend Licht. Dank des kleinen und sehr schmalen Kopf des Leselämpchens wird das Blickfeld des Nutzers an keiner Stelle geringer und Lumi wird nicht als störend empfunden. Wegen des geringen Gewichts kann das handliche Leselicht überall hin mitgenommen werden. Und das ist auch gut so. Denn einmal getestet, wird man auf Lumi nicht mehr verzichten wollen.


Unter dem ästhetischen Aspekt lässt sich zudem sagen, dass die modischen Modelle der Leselampe wunderbar aussehen und so manches Buch durchaus optisch aufwerten können. Somit ist Lumi nicht nur ein Licht, sondern vielmehr ein hübsches Accessoire für jede Lektüre, die in den Farben Rot, Schwarz, Lila, Türkis, Grau und Grün erhältlich ist.


Fazit: Test zu vollster Zufriedenheit bestanden! Nie mehr ohne Lumi.


5 Sterne!!!



Weitere Informationen zu Lumi:



Samstag, 11. Februar 2012

Couchgeflüster - Mira Becker


Lieblingsbuch



Immer wieder muss ich mich von schwülstigen Tagträumen losreißen und auf die Übungen konzentieren. Das Leben ist rosarot, alles ist mit magischem Feenstaub überzogen, und ich bin so übermütig wie schon lange nicht mehr. Statt mir Gedanken über meine Probleme zu machen, schlängelt sich nur noch ein einziges Wort durch meine entspannten Gehirnwindungen: Ben. Ben. Ben.“


Nelly, die sympathisch-flippige Protagonistin der Geschichte führt alles andere als ein beglückendes, zufriedenstellendes Leben. Nicht nur, dass sie nach einer schmerzlichen Trennung die Miete für die ehemals gemeinsame Wohnung nicht mehr aufbringen kann, vielmehr steht ihre berufliche Existenz kurz vor dem Aus! Als Yogalehrerin hat sie mit der Konkurrenz der großen Fitnessclubs zu kämpfen und verliert immer mehr Schüler an eben diese. Da hilft scheinbar nur noch eins: Die Decke über den Kopf ziehen und schlafen! Sich verkriechen, ganz nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn.“ Eine Lösung für ihre Probleme ist schließlich nicht in Sicht.


Doch die zufällige Begegnung mit Ben weckt neue Energien in der jungen Frau und lässt die Schmetterlinge in ihrem Bauch tanzen. Ihren Traummann trifft sie ausgerechnet beim Kauf einer Currywurst, ungeschminkt, unvorbereitet.


Nach einem ersten Date kann Nelly nur noch an eines denken und das ist Ben. Für sie ist er der perfekte Mann: gutaussehend, zuvorkommend, aufmerksam und lustig. Als er Nelly jedoch beim zweiten Treffen sitzen lässt, bricht für sie eine Welt zusammen. Und das ist noch lange nicht das Ende der Hiobsbotschaften, denn wenig später erleidet ihre sonst immer so starke Mutter einen Nervenzusammenbruch. Und Nelly erhält die zusätzliche Aufgabe, die Patienten der therapeutische Praxis ihrer Mutter über deren aktuelle Situation aufzuklären. Soweit so gut, bis plötzlich Ben vor der Tür steht. Diagnose: retrograde Amnesie. Nelly möchte ihm bei der Suche nach seinen Erinnerungen unbedingt helfen. Aus der verträumten Yogalehrerin wird also die seriöse Psychologin Dr. Ella Nitsche. Aber kann es ihr wirklich gelingen, Ben zu therapieren?


Couchgeflüster ist ein wunderbarer Roman über Freundschaft, Familie und die ganz große Liebe. Als Leser wird man immer wieder überrascht durch unvorhergesehene emotionale Höhen und Tiefen, denen sich die Protagonistin stellen muss. Das Buch ist voller Spannung, Humor und Gefühl! Nellys ungewöhnliche Behandlungsmethoden als Dr. Nitsche bringen einen oft zum Schmunzeln. Auch die Ängste ihrer Patienten, sie es die Furcht vor der Farbe Weiß oder eine hemmungslose Kaufsucht, sorgen für ein herrliches Lesevergnügen. Besonders spannend entwickelt sich die Geschichte durch das plötzliche Auftauchen der gemein-gefährlich Wahnsinnigen, Vera …


Fazit: Satz für Satz, Wort für Wort lesenswert! Man möchte es am liebsten gleich an alle Freunde verschenken! Wunderbar!


5 Sterne!!!





Dienstag, 7. Februar 2012

Flankengott - Dennis Bartz


Solange Mephisto, mein kleiner rauchender Vulkan, den ich ab und zu Schatzi nennen darf, mich in Ruhe lässt, werde ich einfach meinen freien Sonntag genießen...“

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Für Paul zählt nur eines im Leben und das ist Fußball. Seine freie Zeit verbringt er daher am liebsten zusammen mit seinen männlichen Kollegen auf einer Coutch vor dem Fernseher sitzend, während gerade ein Spiel läuft. Über Probleme reden sie, wenn, dann beiläufig an solchen Abenden. Doch es gibt ja auch keine Probleme. Paul hat einen guten Job, eine heiße Freundin und seine Jungs. Das Leben scheint perfekt, bis das große Genießen dieser Situation von niemand geringerem als seiner Freundin Tina gestört wird. Denn nach sieben Jahren an der Seite dieses Mannes verspürt sie doch den Wunsch, eine Familie zu gründen. Als sie Paul von ihren Wünschen erzählt, reagiert er mit Unverständnis, ignoriert seine Freundin und fühlt sich noch nicht bereit, die Rolle des Vaters zu übernehmen. Vielleicht hat er damit nicht ganz Unrecht. Tina allerdings ist zutiefst gekränkt, zieht erst mal aus der gemeinsamen Wohnung aus und sucht Abstand. Wird es Paul gelingen, seine Beziehung zu retten oder ist es schon längst zu spät dazu?

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Auf die im öffentlichen Diskus weit verbreitete Frage „Wer ist eigentlich Paul?“ kann man hier ganz eindeutig antworten: Ein riesiges Ars***, wie es im Buche steht. Der Protagonist der Geschichte verfügt über fast alle Charaktereigenschaften, die wohl jeder Frau den Ausdruck des Schreckens ins Gesicht zaubern können. Er interessiert sich nicht für sie, macht im Haushalt keinen Finger krumm, hört ihr nicht zu und am schlimmsten: Er nimmt sie nicht ernst, die personifizierte Respektlosigkeit. Aber warum sich mühen, solange im Bett alles nach seinen Wünschen läuft.

Als Leserin ist es schon sehr früh sehr fragwürdig, warum Tina überhaupt noch bei Paul bleibt, wie sie eine solche Beziehung ertragen kann und warum um Himmels willen sie mit einem solchen Mann ein Kind möchte. Die Konsequenz daraus muss schließlich so aussehen, dass sie ihn doch irgendwie liebt, diesen Paul. Dennoch bleibt während des Lesens die Hoffnung, dass Tina einen anderen findet und mit ihm glücklich wird. Denn die Aussicht einer 180 Grad – Wende, vom schlimmsten Frosch zum halbwegs erträglichen Menschen (an einen Prinzen ist im Traum nicht zu denken), scheint utpoisch.

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Mir fällt es schwer, angesichts dieser Geschichte neutral zu bewerten. Die Idee, die einzelnen Kapitel der Handlung in eine Art Fußballspiel zu gliedern, ist kreativ, außergwöhnlich, anders. Verschiedene Spielminuten repräsentieren den Verlauf der Geschichte, eine bisher völlig neuartige Idee. Auch der Sprachstil ist erfrischend, modern, knackig. Das Buch ist sehr gut, schnell und flüssig lesbar. An keiner Stelle entsteht Langeweile. Allerdings empfinde ich den Protagonisten, der aus seiner Sicht erzählt, als äußerst unsympathisch. Daher ist das Buch wohl ganz besonders für Freunde des schwarzen Humors, die ebenfalls vor frauenfeindlichen Anspielungen nicht abgeneigt sind und diese durch ironisierende Bemerkungen abwerten.

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Fazit. Sex, Fußball und Egoismus. Das Leben mit einem Anti-Prinz.

3 Sterne!

Samstag, 4. Februar 2012

Fridoline Pappelspitz - Manuela Inusa


„Ich liebe Sticker! [...] Mami erlaubt mir, die doppelten an mein Bett zu kleben. Deshalb sieht mein Bett wunderschön bunt aus. Ich möchte es mit keinem anderen Bett der Welt tauschen.“

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Fridoline Pappelspitz ist ein sympathisches, verträumtes Mädchen, das mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder Karl in Hamburg lebt. Sie berichtet in einer Art Tagebuch aus ihrem Leben und lässt die Leser an eben diesem teilhaben. Besonders für kleine Leserinnen und Leser ist es interessant zu sehen, wie sie ihren Tag verbringt. Viele ihrer Erlebnisse werden in dem Text wiedergegeben. Dazu gehören zum Beispiel ihre Entscheidungsnot am Morgen, wenn es um die Frage nach der aktuellen Garderobe geht, Erlebnisse mit ihrem süßen kleinen Bruder oder ausführliche Schilderungen ihres Alltags in Hamburg. Fridoline schreibt über die Schule, ihre Freunde und die Feier anlässlich ihres Geburtstags. Voller Stolz listet sie die Geschenke auf, die sie bekommen hat. Zusammen mit ihrer besten Freundin Anni genießt sie es, gemeinsame Zeit zu verbringen und von phantasievollen Welten zu träumen.

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Fridoline Pappelspitz bietet Kindern die Gelegenheit, in das Leben eines anderen Kindes zu blicken und vielleicht Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zu entdecken. Wie ist die Beziehung zu den Eltern gestaltet? Welches sind die bevorzugten Tätigkeiten in der Freizeit? Was denkt Fridoline über die Schule? Und wie sieht der Umgang zwischen ihr und ihrem kleinen Bruder oder aber auch zwischen ihr und ihrer Freundin Anni aus?

Die Figur des kleinen Mädchens ist sehr liebevoll gestaltet, sodass man sich in vielen Punkten in ihr wiederfinden kann. Die Aufteilung des Textes in mehrere kleine Abschnitte erleichtert das Lesen gerade für Anfänger. Ebenso ist die Geschichte gut geeignet, um vorgelesen zu werden. Farbige Illustrationen führen den Betrachter in Fridolines Welt und stellen Episoden ihres Lebens dar. Das Buch ist gut lesbar, allerdings hätte man sich fast schon einen längeren Text gewünscht. Gerade wegen der Kürze ist der Band schnell ausgelesen. Meine kleine Testleserin fand Fridoline gut und nutze Teile des Textes als Diktatvorlage zum „Schule spielen“. Kinder können hier zudem erste Einblicke erhalten, was es heißt, Tagebuch zu führen und Dinge, die einem persönlich wichtig erscheinen, aufzuschreiben.

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Fazit: Ein guter Text, der nur etwas umfangreicher hätte sein können.

3 Sterne!