Donnerstag, 8. November 2012

Zamonien - Anja Dollinger/ Walter Moers



Und das war genau, was Professor Nachtigaller wollte: Wir sollten denken lernen, und zwar in möglichst viele verschiedene Richtungen.“
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Die Lektüre des Zamonien-Lexikons legt den Schluss nahe, dass Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, ebenso aufgeweckt wie hochintelligent, nach dem Vorbild des Autors konstruiert wurde. Denn Moers versteht es aufs Beste, in verschiedene Richtungen zu denken. So entführt er seine Leser in diesem Band in die abenteuerliche Welt von Zamonien, einer an Phantasie und Genialität kaum noch zu überbietenden Örtlichkeit.
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Puppetismus, Stollenrolle, Tratschwellen, Nebelheimer Trompaunist oder Fhernhachen, … was auf den ersten Blick gerade für in der zamonischen Welt kaum bewanderte Leser äußerst merkwürdig klingt, sind wesentliche Bestandteile dieser kunstvollen Romanwelt. Neben ganz alltäglichen Dingen wie etwa Fortbewegung, Beleuchtung oder Wetter werden jene Lebensformen vorgestellt, die charakteristisch zu Zamonien gehören und durch ihre Einzigartigkeit auffallen, z.B. Hildegunst von Mythenmetz, dessen außergewöhnliche Gabe auf das Alphabet der Sterne zurückzuführen ist, die reinste Quelle schriftstellerischer Inspiration. Die Leser erhalten wesentliche Informationen zur Seinsform der Schrecksen oder den Autodidakten, zu den Buntbären, den Buchlingen oder den Leidener Männlein, die rein zu wissenschaftlichen Forschungszwecken erschaffen wurden.
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Die einzelnen Texte sind mit Lexikonartikeln vergleichbar, wobei auch hier eine alphabetische Reihenfolge ein schnelles Orientieren erleichtert. Die meisten Artikel beginnen mit einem Originalzitat aus einem der vielen Romanserien. Es folgt ein erläuternder Text. Besonders interessant und humorvoll sind die zahlreichen Illustrationen, die beispielsweise Blaubär und sein Rettungssaurier zeigen, die Tratschwellen abbilden und die Eingangsstraße nach Großbuchhaim oder die bakteriellen Übertragung von Wissen anschaulich darstellen. Viele Kommentare unter den Bildern zeichnen sich aus durch pointierte Ironie und gekonnten Wortwitz. Erwähnenswert sind zudem die im Text beinhalteten Landkarten zur geographische Lage Zamoniens, die ihrerseits wissenswerte Hintergründe verständlich werden lassen.
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Der Text erfüllt ohne Zweifel die Zielsetzung des Vorwortes, Aufklärungsarbeit bezüglich des zamonischen Kontinents zu leisten. Er bietet in qualitativ hochwertiger Verarbeitung einen detaillierten Überblick, der Zusammenhänge einzelner Lebensformen aufdeckt und Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Romanen offensichtlich werden lässt.
Gerade für eingefleischte Fans wird es interessant sein, alte Bekannte unter den fiktiven Wesen zu entdecken und Neues über sie zu erfahren. Die erklärenden Texte machen es aber auch für neue Moers Leser möglich, in die zamonische Welt abzutauschen und sich dort zurechtzufinden. Letztlich gesteht der Autor im Vorwort, manchmal selbst überlegen zu müssen, was ein solches Lexikon längst überfällig werden ließ.
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Fazit: Humorvoll. Interessant. Empfehlenswert. Eine Lektüre, die Spaß macht! 

5 Sterne! 

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