Sonntag, 4. November 2012

Die Narben der Hölle - H. Dieter Neumann


Lässt den Puls höher schlagen

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Sich fallen lassen – verlockende Versuchung. Doch das durfte er sich nicht gestatten. Er hatte vor langer Zeit seine Entscheidung getroffen. Und er wurde hier gebraucht. Er musste funktionieren. […] Sein Auftrag, sein Beruf.“
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Gleich zu Beginn gibt H. Dieter Neumann seinen Lesern ein Rätsel auf. Soldat Johannes Clasen, der Protagonist der Geschichte, wurde bei seinem letzten Einsatz in Afghanistan derart stark verwundet, dass er sein Gedächtnis verloren hat. Zurück blieb ein Trauma und die Ungewissheit, möglicherweise für den Tod zweier Kinder verantwortlich zu sein. Um sich von diesem furchtbaren Erlebnis zu erholen, bricht er auf in die Ägäis. Die wunderbare Küstenlandschaft ist der ideale Ort für einen Segeltörn, der ihm letztlich auch dabei helfen soll, seine Erlebnisse zu verarbeiten und neue Kraft zu schöpfen. Doch schon bald geschehen merkwürdige Ereignisse und aus dem erholsamen Urlaub wird ein regelrechter Horrortrip. Plötzlich wird Johannes selbst zum Mittelpunkt eines Mordkommandos.
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Voller Dramatik und Spannung präsentiert Neumann den Handlungsablauf der Geschichte. Dank einer gelungenen Schreibweise sowie authentischen Darstellung gelingt es relativ früh, in den Text einzusteigen. Neben den äußeren Bedingungen des Soldatenlebens geht es zudem um das innerseelische Befinden des Protagonisten. Trauma, Beziehungsgeflechte und Gefühle der Verlassenheit spielen dabei eine entscheidende Rolle. Auch aktuell hochbrisante Themen werden angesprochen. Dazu zählt insbesondere die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Truppeneinsatzes in Afghanistan. Der Text stellt eine interessante Kombination der Genres Thriller und Politkrimi dar. Er wurde völlig zurecht für den Friedrich-Glauser-Debütpreis vorgeschlagen.
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Fazit: Fesselnd und mitreißend. Sehr zu empfehlen!

5 Sterne! 

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