Sonntag, 7. Oktober 2012

Ernährungsratgeber Reizdarm - Sven-David Müller, Christiane Weißenberger



Beim Reizdarm handelt es sich um eine funktionelle Störung des Verdauungstrakts. Das heißt, er ist in seiner Funktion beeinträchtigt, es lässt sich jedoch keine erkennbare Ursache an den Verdauungsorganen selbst feststellen.“
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In Deutschland leiden zur Zeit schätzungsweise 12 Millionen Menschen unter RDS, dem Reizdarmsyndrom. Diagnose und Behandlung erweisen sich dabei als besonders schwierig, da es sich um keine psychische Erkrankung handelt. Auch organische Ursachen können zumeist ausgeschlossen werden. Einen Reizdarm begünstigende Faktoren sind oft vielfältig und kaum überschaubar. Zu den möglichen Auslösern zählen neben hormonellen Einflüssen zumeist Stresssituationen, Allergien, Störungen der Darmflora oder Lebensmittelunverträglichkeiten.
Die beiden Autoren Sven-David Müller, einer der bekanntesten Ernährungs- und Diätexperten im deutschsprachigen Raum, sowie Christiane Weißenberger, eine auf die Entwicklung neuer Rezepte spezialisierte Diät- und Diabetesassistentin, machen ihren Lesern Mut, aktiv gegen die Erkrankung vorzugehen. Ihr Buch gibt Hoffnung, die mit einem RDS verbundenen Schmerzen reduzieren und somit einst verlorene Lebensqualität zurückerhalten zu können. Eine vollständige Heilung ist bisher leider noch nicht möglich, doch die Beschwerden können deutlich reduziert werden.
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Zu Beginn sind die Leser eingeladen, einen Test durchzuführen, der zu erkennen gibt, ob ein RDS vorliegt. Danach werden die drei verschiedenen Reizdarmformen vorgestellt, der Diarröh-, Obstipations- und der Schmerz-Typ. Außer der herkömmlichen, auf drei Säulen beruhenden Therapie (allgemeine Maßnahmen, medikamentöse Behandlung und Psychotherapie) ist eine Ernährungsumstellung zu empfehlen. Auf welche Besonderheiten es dabei zu achten gilt, führen die beiden Autoren anschaulich vor Augen, indem sie die Eckpfeiler einer darmgesunden Kost präsentieren. Die wichtigsten Formen verschiedener Lebensmittelunverträglichkeiten werden ebenso vorgestellt. Schließlich geben sie Handlungsimpulse zur Selbsthilfe bei ganz akuten und regelmäßig erscheinenden Symptomen. Da jeder Patient unterschiedlich auf Lebensmittel reagiert, geben die Autoren ihren Lesern die Vorlage eines Reizdarmtagebuchs für einen Monat zur Hand, die Aufschlüsse über die individuelle Verträglichkeit gibt. Wird sie kopiert, kann sie über einen längeren Zeitraum genutzt werden. Hilfreiche Tabellen, Tipps und Merkkästchen an den Rändern erleichtern das Lesen und machen es möglich, die wichtigsten Informationen schnell zu finden. Im Anhang sind hilfreiche Adressen und Internetlinks aufgelistet, die ebenfalls zur Lektüre empfohlen werden. Mittelpunkt des Buches bilden allerdings die 60 Rezeptideen für Frühstück, Mittagessen und Zwischenmahlzeiten. Sie ermöglichen eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung. Der Aufbau der Rezepte ist übersichtlich, sodass sie ohne Probleme nachgekocht werden können. Die leckeren Rezeptvarianten stehen dabei dem kulinarischen Genuss nicht im Wege. Als Patient ist es sehr beruhigend, über eine Rezeptsammlung zu verfügen, die eine einseitige Ernährung vermeidet und es gleichzeitig vermag, den Frust über die eigene Situation zu verringern.
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Fazit: Dieser Band wurde völlig zu Recht von der Deutschen Reizdarmselbsthilfe e.V. empfohlen. Er kombiniert Grundlagenwissen mit Behandlungsoptionen und Rezeptideen und ist daher für jeden Patient eine lohnenswerte Investition.

5 Sterne!

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