Mittwoch, 31. Oktober 2012

EGO-TRIP - Birgit Ebbert

Wenn er die Zeit doch nur zurückdrehen könnte. Man müsste eine Zeitmaschine erfinden, waren seine letzten Gedanken, ehe er einschlief.“
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Der 14-jährige Mike wird zu drei Wochen Jugendarrest verurteilt, nachdem er ein Mädchen brutal attackierte. Hier lebt er, bis auf kurze Kontakte zu einem vorübergehenden Lehrer und einer Sozialarbeiterin, in völliger Isolation. Dabei soll er sein Verhalten überdenken und seine Tat reflektieren. Dank der sympathischen Steffi gelingt es ihm, einen Computer zu bekommen, eigentlich für die schriftliche Reflexion seiner Tat gedacht. Schließlich entdeckt Mike ein Spiel, das neben dem Schreibprogramm als einziges auf dem PC installiert ist. Von Neugier gepackt meldet er sich natürlich sofort an und begegnet in dieser fiktiven Welt Ekim, einer Figur, die ihm zum verwechseln ähnelt und sehr persönliche Fragen stellt. Die Reflexion beginnt …
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Für Mike setzt eine Reise in seine eigene Vergangenheit ein, bei der auch der Leser gleichzeitig immer mehr über den Jungen erfährt und die eigentlichen Hintergründe seiner Tat verstehen lernt. Von den alkoholabhängigen Eltern vernachlässigt, wächst er bis zum Ende des 4. Schuljahres bei seiner Großmutter auf. Doch als mit ihrem Tod die einzige Bezugsperson verschwindet und er keine Liebe und Zuneigung mehr erfährt, beginnen die Probleme. Mike rutscht ab in ein tiefes Loch aus Schmerz, Trauer und Hass. Seine Gefühle kanalisieren sich zunehmend in Gewaltausbrüchen. Erst durch die Inhaftierung lernt er eine Verdrängung seiner Emotionen zu vermeiden und über Probleme zu sprechen.
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Das Buch thematisiert eine ganze Reihe kritischer Bereiche im Leben eines Jugendlichen, die sehr authentisch beschrieben werden. Neben Enttäuschung, Aggression und Gewalt geht es insbesondere um Verlust und Trauer sowie deren Bewältigung; aber auch um Verantwortung, Träume und Ziele im Leben.
Dank der kurzen Kapitel ist der Text nicht nur angenehm lesbar, sondern stellt zudem eine ideale Schullektüre dar, die vielfältige Ansatzpunkte zur kritischen Reflexion innerhalb des Unterrichts bietet und darum nur empfohlen werden kann.
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Fazit: Eine ungewöhnliche Reise zu sich selbst, die lehrreicher nicht hätte sein können. 

5 Sterne! 

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