Samstag, 1. September 2012

Schamlose Neugier - Astrid Seeberger


Astrid Seeberger ist sich sicher, dass Gespräche Leben schenken. Wörter helfen, Wege ins Innere und nach außen zu finden. Das Gespräch ist ein unerlässlicher Teil des Heilungsprozesses.“
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Auf völlig neuartige Weise verbindet Oberärztin Astrid Seeberger, eine der führenden Nierenspezialistinnen Schwedens, die Bereiche Medizin, Literatur und Gesprächsführung. Inspiriert von einer Patientenbegegnung stellt sie sich die Frage, wie man Menschen wirklich erreichen und dadurch vielleicht in ihrem Heilungsprozess unterstützen kann. Dabei genügt es nicht, sich als Arzt um die rein körperliche Ebene zu sorgen. Innerseelische Prozesse sind häufig von entscheidender Bedeutung, ob eine Therapie Wirkung zeigt oder nicht. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Patienten kommt Seeberger zu dem Schluss, dass ein kommunikativer Austausch zwischen Arzt und Patient ungeheures Potenzial entfalten kann. Es gilt, im richtigen Augenblick die passenden Worte zu finden.
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Doch wie kann ein solches Gespräch gelingen? Welche elementaren Bestandteile gehören dazu? In Erinnerung an die Vorliebe ihres Großvaters für den Austausch mit Anderen, begleitet man die Autorin auf einem Reflexionsprozess des guten Gesprächs. Ein solches setzt Neugier, Geduld und Zeit voraus. Die Welt des anderen muss greifbar und deutlich werden. Denn nur so gelingt es im Idealfall, innerhalb eines offenen Gesprächs von Angesicht zu Angesicht, die Einzigartigkeit des Anderen, das Besondere seiner Selbst, zu erkennen.
Neben konkreten menschlichen Begegnungen schreibt Seeberger über Einsamkeit und Liebe, Hoffnungen und Ängste, das Gefühl von Zusammengehörigkeit und tiefster Verzweiflung. Dabei lässt sie immer auch Erlebnisse ihrer ganz persönlichen Lebensgeschichte einfließen. Auf beeindruckende Weise nutzt sie Zitationen literarischer Größen, die einen Beitrag zum Wesen des Gesprächs leisteten. Ohne gezielt auf Gesprächsführungstechniken einzugehen, vermag es der Text dennoch, den Blick zu weiten für die Relevanz der aufrichtigen Kommunikation.
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Fazit: In einer durch Stresssituationen und mangelnde menschliche Begegnungen geprägten Zeit nimmt die Unfähigkeit, ehrliche Gespräche zu führen immer mehr zu. Umso wichtiger ist es, die Chancen eines liebevollen Umgangs miteinander zu erkennen und zu nutzen. Seebergers Text gibt hierzu einen wichtigen Handlungsimpuls, der zum Umdenken anregt.
Ein literarisch-philosophisch gefärbter Erfahrungsbericht einer Ärztin als Plädoyer für die zwischenmenschliche Begegnung, gerade auch zwischen Arzt und Patient. 

4 Sterne! 

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