Sonntag, 23. September 2012

KLICK! MICH! AN! - Sai Gaddam, Ogi Ogas


SCHLAG! ES! AUF! 

Ja, ich glaube, dazu hätte ich Lust.“
_
Es gibt einen Ort, an dem nichts unmöglich scheint. An dem die intimsten Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen kein Geheimnis bleiben. Einen Ort der ungenierten Kommunikation, der zügellosen Bedürfnisbefriedigung. Ein sexuelles Schlaraffenland!
_
Die Rede ist natürlich von den virtuellen Weiten des Internets, die nun von zwei Neurowissenschaftlern entdeckt und zu Forschungszwecken genutzt wurden. Basierend auf einer umfassenden Recherchearbeit stellen die Autoren auf höchst lesenswerte Weise bisher streng geheimes und gut behütetes Wissen vor, das nun dank unserer heutigen digitalisierten Welt online abrufbar ist. Die paradoxe Gleichzeitigkeit voyeuristischer und exhibitionistischer Phänomene wird ebenso untersucht wie die eingegebenen Begriffe sexuell aufgeladener Suchabläufe. Was sich dabei herauskristallisiert ist ein schonungsloser, unverblümter Einblick in die sexuellen Vorlieben von heterosexuellen aber auch homosexuellen Männern und Frauen. Es ist als habe man die Möglichkeit, hinter jedes noch so prickelnde Detail, jede noch so gut behütete Begierde der Durchschnittsbürger zu blicken, ohne dabei selbst etwas über sich preisgeben zu müssen.
_
Das Buch beginnt mit einem historischen Abriss, der einen Überblick über den bisherigen Forschungsstand eröffnet. Erwähnung findet Krafft-Ebings, der Begründer des Standardwerks zur „Sexologie“ oder aber auch das berühmte Gergen Experiment. Dabei wurden fünf männliche sowie fünf weibliche Testpersonen über mehrere Stunden in einen völlig abgedunkelten Raum gesperrt. Den Ausgang des Experiments kann sich der interessierte Leser dabei an dieser Stelle sicher schon denken. Darüber hinaus geht es um biologische Phänomene, wie etwa die Veränderungen der weiblichen Attraktivität innerhalb des Zyklus, belegt durch Trinkgelduntersuchungen diverser Stripperinnen, die Wirkung charakteristischer männlicher sowie weiblicher Reize auf das je andere Geschlecht oder die Faszination der Pornographie.
Interessantes Wissen erhält man zur männlichen und weiblichen Identität, Rollenvorstellungen in Bezug auf die Sexualität sowie typische Vorlieben und Äußerungsformen ebendieser. Besonders eindrucksvoll ist der Abschnitt zu den Omega-Typen, auch bekannt als Nerds. Zudem zeigen die Autoren, wie eine kommerzielle Pornoseite aufgebaut sein muss, damit sie für ein weibliches Publikum funktioniert. Nicht zu verachten ist darüber hinaus die Untersuchung von 10.000 Liebesromanen, um zu zeigen, mit welchen Worten der klassische und unter Frauen sehr beliebte Typ des Helden beschrieben wird. Gerade solche Passagen bieten hochinteressante Einblicke in die Abgründe menschlichen Begehrens. Viele weitere Erscheinungen werden thematisiert.
_
An fundiertem Fachwissen kombiniert mit neuesten Forschungsergebnissen ist der Text kaum zu überbieten. Anschaulich zeigen Statistiken und Grafiken dazu zuvor Beschriebene. Ein gut lesbarer Text, der keine Facette der Sexualität auslässt, auch nicht den Kinky Sex oder andere schmutzige Details, die nicht selten für Überraschungseffekte sorgen und einen gewissen Anteil an Mut erforderlich werden lassen.
_
Fazit: Das Buch bietet einen unzensierten Einblick in das Gesamtbild menschlicher Sexualität durch eine bisher wenig bis nicht beachtete Quelle – das Internet. Es eröffnet Antworten zu den unterschiedlichsten Facetten menschlichen Begehrens, die für jeden sehr interessant sind.

4 Sterne! 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen