Sonntag, 12. August 2012

Sitzen vier Polen im Auto - Alexandra Tobor


Warum kann Oma eigentlich Deutsch?“
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Deutschland, ein Wunderland. Voller Reichtum, Süßigkeiten und Farben. So jedenfalls lautet die Vorstellung der achtjährigen Ola – den bunten Seiten des Quelle-Kataloges sei Dank!
Das Mädchen träumt von einem Aufenthalt in diesem Paradies und hat fortan nur noch ein Ziel vor Augen, das sich aus drei Buchstaben zusammensetzt: BRD!
Als ihre Familie 1986 den in Deutschland lebenden Onkel besuchen möchte, ist die Freude groß. Und tatsächlich fühlen sich Olas Eltern in diesem Land so wohl, dass sie kurzerhand beschließen, nicht mehr nach Polen zurückzukehren.
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Doch der Alltag in dem Land der Verheißung ist nicht so glorreich, wie einst angenommen. Denn eine gelungene Integration ist nicht das Ergebnis einer gelungenen Einschulung. Und so müssen sich Ola und ihre Familie vielfältigen Herausforderungen stellen und erst wieder neu lernen, den Alltag zu meistern. Mit welchen Problemen sie dabei konfrontiert werden, erfahren die Leser exemplarsisch an Ola.
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Aus der Perspektive des Mädchens begibt man sich als Leser mit auf eine Entdeckungsreise ins damalige Deutschland und darf an den skurrilen Erlebnissen der Protagonistin teilhaben. Missverständnisse und spätere Schwierigkeiten mit Klassenkameraden scheinen dabei an der Tagesordnung zu stehen. Doch Ola meistert alle Herausforderungen mit Bravour.
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Alexandra Tobor ist ein wunderbarer Roman gelungen, der trotz ernster Thematik nicht auf Humor und ironische Selbstreflexion verzichtet. Die mutige, phantasievolle Ola wird schnell zur Sympathieträgerin, mit der man gerne mitfiebert. Tobors Text überzeugt durch eine einzigartige Schreibweise und liebenswürdige Figuren voller außergewöhnlicher Eigenschaften. Es macht Spaß, sich an vielen Stellen über aussagekräftige Sätze voller Humor freuen zu dürfen. Hier ein Beispiel:
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Ich besuchte den Kommunions-Unterricht bei Pfarrer Braun, dem im Beichtstuhl die Ohren schlackerten, als ich aus Mangel an eigenen Ideen die Sünden kleinkrimineller Klassenkameraden auf mich lud.“
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Fazit: Wer Alexandra Tobors Blog- und Twittertätigkeiten mitverfolgte, wird diesen Roman lieben. Aber auch für alle anderen ist er wärmstens zu empfehlen als humorvoll-heitere Reflexion des eigenen Landes und seiner Eigentümlichkeiten aus den Augen eines achtjährigen Mädchens.

5 Sterne! 

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