Samstag, 21. Juli 2012

Ich fürchte mich nicht - Tahereh Mafi


Die Tür geht auf. Dahinter ein Abgrund. Keine Farbe, kein Licht, keine Verheißung, nur Grauen.“
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Wie würdest du dich fühlen – als Ausgestoßene – inmitten einer Welt, die du nicht wirklich kennst und in der du nicht leben möchtest? Dein bester Freund: Die Einsamkeit!
Diese Frage muss sich Juliette, die Heldin des Stücks, immer wieder stellen. Sie versteht weder ihre Existenz noch den Sinn eben dieser. Denn niemand scheint sie zu lieben, noch nicht einmal ihre Eltern, die sie auch wegsperren ließen. Und so begegnen die Leser einem ebenso verzweifelten wie verunsicherten jungen Mädchen, das in einem Raum festgehalten wird. Den wahren Grund ihrer Gefangenschaft entdeckt man dabei erst im Laufe der Lektüre: Juliette hat eine dunkle Gabe, durch ihre Berührungen sterben Menschen. Sie selbst hält sich für ein Monster und scheint an diesem Wissen regelrecht zu zerbrechen. Einzig und allein ihrem Notzizbuch vertraut sie ihre wahren Gefühle und Ängste an. Aus der Perspektive des Mädchens erhält der Leser eine Dokumentation ihrer durchweg aussichtslosen Lage und begibt sich zwischen Empathie und Spannung selbst die rätselhafte Welt der dystopischen Handlung.
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Juliettes innere Welt der Einsamkeit zerbricht, als man ausgerechnet ihr in Adam einen zweiten Gefangenen schickt. Sie selbst ist davon anfangs alles andere als begeistert und noch ahnt sie nicht, dass die Tage ihrer Gefangenschaft bald ein Ende finden werden. Denn ihre grausame Fähigkeit wird von den Regierenden als Gabe gesehen und Juliette soll nun in einer Welt voller Krieg, deren Regeln sie nicht kennt, als zusätzliche Waffe eingesetzt werden. Die Unsicherheit des Mädchens wird nun als Schwachstelle zum alles entscheidenden Punkt zwischen Gut und Böse.
Auf welcher Seite wird sie kämpfen?
Unterstützung und Hilfe erfährt Juliette in Adam, der sie aufrichtig liebt und zu ihr steht. Doch ist ihre Liebe stark genug, trotz aller Gefahren zu bestehen?
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Tahereh Mafi bereichert die Dytopie-Fantasy-Literatur durch ihr ebenso sprachgewaltiges wie fesselndes Debüt. Sie erzählt nicht nur eine neue, einzigartige Geschichte, sondern setzt diese auch auf schriftstellerische Weise einzigartig und neu in Szene. Innere Monologe der Protagonistin werden verkürzt, (Gefühls-) Momente gestrichen und neu zusammengesetzt, Satzfragmente gebildet. Vielleicht ist es diese Art des Schreibens, die die Protagonistin so realistisch werden lässt und ein derart fesselndes Leseerlebnis bietet.
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Fazit: Ein spannender Auftaktband zu einer neuen Reihe, die abwechslungsreicher nicht hätte sein können. Schonungslos werden die Leser großen Gefühlen ausgesetzt und in eine fremde Welt hinein gerissen, in der man nichts vorhersagen kann und alles selbst entdecken darf.

5 Sterne! 

Kommentare:

  1. Sehr, sehr schöne Rezension! Ich möchte das Buch auf jeden Fall bald mal lesen und bin schon total gespannt darauf! ;) Bislang habe ich nämlich fast nur positive Meinungen gelesen :D

    Liebe Grüße, Selina
    (http://meine-lesewelt.blogspot.de)

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  2. Hallo Sophia!

    Das hört sich sehr vielversprechend an, weshalb das Buch auf meine Wunschliste wandert. Danke für die informative/wunderbare Rezension.

    Liebe Grüße
    Sabine

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