Samstag, 5. Mai 2012

Religion im Alltag wahrnehmen und deuten - Uwe Böhm


Die Popularkultur wird zur Tradentin theologischer Inhalte und im Sinne vom Medium zur Vermittlerin jüdisch-christlicher Symbole.“
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Diese bei näherer Betrachtung leicht nachvollziehbare Behauptung Dr. Uwe Böhms, Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg, wird in seinem Band „Religion im Alltag wahrnehmen und deuten“ anhand konkreter Beispiele vielfach belegt. Angesichts der umfassenden Aufnahme religiöser Elemente in Film, Fernsehen, Musik, Sport und dem Bereich wirtschaftlichen Werbens wäre es nahezu fatal, diese Themen aus dem Forschungsfeld der Religionspädagogik auszuklammern. Denn durch ein Reduzieren der Theologie auf die rein kognitive Dimension ergibt sich ein zu eindimensionales Bild. Ist es nicht vielmehr so, dass gerade das, was Glauben und Religion ausmacht, sinnlich wahrnehmbar und erfassbar ist? Da Theologie immer auch anthropologische Interessen verfolgt und die konkrete Lebenswelt der Menschen nicht außer Acht lassen darf, lohnt sich ein Blick auf Böhms symboldidaktische Bausteine aktueller gesellschaftlicher Erscheinungen religiösen Inhalts.
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Bevor einzelne Modelle religiöser Elemente in der Popkultur genauer erläutert werden, geht es in einem ersten Schritt um eine theologisch-philosophische Auseinandersetzung mit diesem Phänomen, die ebenfalls Erkenntnisse aus der Soziologie, Psychologie und Semiotik aufgreift.
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Welches Menschenbild vermitteln unsere digitalen Medien?
Von welchem Symbolverständnis ist auszugehen?
Welches Grundverständnis von Religion ist den Ausführungen zu Grunde zu legen?
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Neben theoretischen Erläuterungen und Standpunkten namhafter Forscher wie etwa Ernst Cassirer, Carl Gustav Jung und Jean Piaget oder Theologen wie Paul Tillich, bietet der Text konkrete Vorschläge zur Anwendung von Unterrichtsmodellen, die sich beispielsweise mit der biblisch-christliche Dimension in Filmen wie Matrix und Der Herr der Ringe beschäftigen. Vorformulierte Aufgabenstellungen und Anleitungen sind als Material im Band enthalten und eigenen sich bestens dazu, direkt im Unterricht zum Einsatz zu kommen. Ein ebenso interessanter Entwurf ist die Analyse des Musiktitels „Where is the Love“ oder aber auch Handreichungen zur genaueren Betrachtung religiöser Erscheinungen im Sport. Ein Kapitel widmet sich zudem der Werbung, die die Sehnsucht nach Mehr und somit letztlich nach Transzendenz und Religion zum Ausdruck bringt. Religiöse Motive finden sich im Bereich der Werbung teils unterschwellig, teils deutlich sichtbar. Hier werden wissenschaftliche Erkenntnisse zusammengefasst, Vor- und Nachteile erörtert sowie beliebte religiöse Motive untersucht. Beispiele wären etwa das Exodus-Motiv und das auffällig häufige Erscheinen von Engeln in Werbebotschaften.
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Zu jedem Thema liefert der Autor eine ausführliche Literaturliste, die eine nähere Beschäftigung mit dem jeweiligen Bereich vereinfacht. Die übersichtliche Gestaltung der einzelnen Themen ermöglicht eine schnelle Orientierung innerhalb des Textes. Dank der Materialfülle sind zahlreiche didaktische Ideen direkt umsetzbar oder lassen sich leicht durch eigene Konzepte ergänzen.
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Fazit: Insgesamt sensibilisiert Böhms Text für die vielfältigen Erscheinungen des Religiösen in unserem Alltag. Er ist sinnvoller Denkanstoß und Orientierungshilfe zugleich, der es vermag, den Horizont der Leser zu weiten und neue Ideen anzuregen. Letztlich bleibt das hohe Potenzial des Bandes zum Einsatz in Unterricht, Gemeinde- und Jugendarbeit herauszustellen.
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Unbedingt empfehlenswert!

5 Sterne! 

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