Mittwoch, 2. Mai 2012

Der entfesselte Skandal - Bernhard Pörksen, Hanne Detel



Handle stets so, dass dir öffentliche Effekte langfristig vertretbar erscheinen. Aber rechne damit, dass dies nichts nützt.“
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Dieser neu formulierte, speziell für Online-Medien geltende kategorische Imperativ plädiert für einen bewussten Umgang mit persönlichen Daten. Gerade in Zeiten, in denen digitale Medien nicht nur Hochkonjunktur haben, sondern in denen wir uns ein Leben ohne sie schon gar nicht mehr vorstellen können, ist eine erneute Sensibilisierung für mögliche Gefahren überaus angebracht. Denn heute gilt Aufmerksamkeit längst nicht mehr nur Prominenten, sondern jeder kann gewollt und vor allem ungewollt zum Mittelpunk öffentlichen Interesses werden.
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Peinliche auf einer Party aufgenommene Fotos, heimlich gedrehte Filme oder die Veröffentlichung allzu privater Daten sorgen immer wieder für eine dauerhafte Zerstörung der digitalen Reputation. Und einmal losgetreten, kommt eine gewaltige Lawine in Gange, die sich rasend schnell und ungehindert auszubreiten vermag. Die Autoren nennen dieses seit geraumer Zeit zu beobachtende Phänomen den entfesselten Skandal.
Cybermob und Crowdsourcing sind zudem Begriffe, die man sich künftig merken sollte. Sie bezeichnen die beiden wichtigsten Charakteristika digitaler Medien, nämlich einerseits durch die Masse ausgelöste positive Folgen eines Ereignisses und andererseits regelrechte Beobachtungen einer Hetzjagd bis hin zu Rufmord.
Viele Beispiele werden von den beiden Autoren diesbezüglich genannt. Sei es der Fall eines 17-Jährigen, der öffentlich als Mörder denunziert wurde, natürlich fälschlicherweise, oder der bekannte Diskurs rund um die Guttenbergsche Plagiatsffaire. Vielfache Belege verdeutlichen zumeist negative Folgen eines allzu unreflektierten Umgangs mit Daten.
Erschreckend sind die Wirkungen solcher Skandale neuen Ausmaßes. An nicht wenigen Stellen des Buches wird man als Leser regelrecht wachgerüttelt. Aber auch positive Effekte sind beschrieben. Als Beispiel sei an die Greenpeace-Kampagne gegen Nestlé erinnert, die durch ihre besondere Radikalität eine große Adressatenschaft ansprechen und somit letztlich zu einer Veränderung bewegen konnte.
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Insgesamt vertritt das Buch eine eher pessimistische Einstellung in Hinblick auf die Potenziale digitaler Medien, meines Erachtens völlig zu Recht. Es wird höchste Zeit, einigen Nutzern gewisser Sozialer Netzwerke die Augen zu öffnen und sie zu einem Umdenken anzustiften. Welche Gefahren sich durch eine enthemmte Kommunikation ergeben können, werden hier sehr anschaulich vorgeführt. Den beiden Autoren ist es gelungen, ein Thema, das uns alle betrifft, auf wissenschaftlicher Basis ansprechend aufzubereiten. Jedes Kapitel ist hochinteressant und bietet zahlreiche ungeahnte Einblicke und Hintergrundinfos!
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Fazit: Wir haben uns dem Ende der Kontrolle zu stellen. Am besten kann dies durch umfassende Information gelingen. Genau das bietet dieser Text! Unbedingt zu empfehlen!

5 Sterne! 

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