Samstag, 12. Mai 2012

Ans Glück könnte ich mich gewöhnen - Ingrid Schilling-Frey


„Wir leben in einer Welt der Medien, der Schönen und Reichen, der Erfolgreichen und Schlanken. Da können wir uns schon fragen: Gibt es in unserer Welt, in der wir uns vergleichen, in der wir ständig versuchen, uns nach außen hin zu profilieren, keine authentischen glücklichen Menschen mehr?...“
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In Zeiten stark zunehmender Stresssituationen durch vielfältige berufliche sowie private Belastungen wird es immer schwerer, persönliches Glück zu finden – und mehr noch: dauerhaft zu halten!
Das Gefühl des permanenten Glücks scheint in unserer Gesellschaft ein Ding der Unmöglichkeit geworden zu sein. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, sich an das Glück zu gewöhnen. So lautet die These der Autorin Ingrid Schilling-Frey. Bemerkenswert ist hier vor allem die Tatsache, dass sie nicht etwa ein leichtes Leben führte, sondern durchaus einige Schicksalsschläge bewältigen musste. Die schwierigste Aufgabe stellte vermutlich die Diagnose eines Herzfehlers bei der eigenen Tochter dar. Und dennoch: Trotz Rückschlägen und Schwierigkeiten im Leben, ist es ihr gelungen, das persönliche Glück zu finden und vielmehr noch festzuhalten.
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Anhand der beispielhaften Geschichte der Autorin selbst lernen die Leser, was es heißt, das eigene Schicksal anzunehmen. Zwischen Ratgeberliteratur und biographisch gefärbter Erzählung wird ein kurzer Abriss der Philosophiegeschichte offenbar, der informativer und hilfreicher nicht hätte sein können. In drei Großkapiteln widmet sich Schilling-Frey den bekannten Denkern Aristoteles, Rousseau und Nietzsche, indem sie herausstellt, warum gerade deren Ausführungen für ein glückliches Leben nutzbar gemacht werden können und sollten.
Thematisiert wird die Frage, was ein von Glück erfülltes Leben eigentlich ausmacht. Dabei ist Glück nicht einheitlich definierbar und doch finden sich zumeist übereinstimmende Vorstellungen bei jedem von uns. Faktoren wie eine lebendige Gemeinschaft, nach Aristoteles die polis, oder aber auch die beglückende Aktivität, heute als Flow bezeichnet, können wesentlich zum Glück beitragen. Nach jedem Kapitel dienen reflexive Fragen dazu, sich des eigenen Glückszustandes bewusst zu werden und dabei wahrnehmen zu können, an welchen Punkten sich eigenes möglicherweise unvorteilhaftes Verhalten oder den emotionalen Zustand negativ beeinflussende Gewohnheiten zeigen. Vieles dient der Optimierung der eigenen Denkweise und somit der Herstellung von eigenen Glücksgefühlen.
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Fazit: Als Leser staunt man über die Fähigkeit der Autorin, die Erkenntnisse der klassischen Philosophie in verständlichen Worten auf unsere aktuelle Gesellschaft zu übertragen und drüber hinaus konkrete Tipps zu formulieren, anhand derer auch heute noch ersichtlich wird, was es heißt, glücklich zu leben. Zusätzlich dient das Buch der Verbesserung des eigenen Wissens in Bezug auf Philosophie, Neurobiologie, Verhaltens- und Kulturforschung. Sehr zu empfehlen!  

5 Sterne!

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