„Ich
möchte dir gerne ein Auge von mir leihen, damit Du alle Schönheit
und Freude hier um mich sehen und miterleben kannst.“
_
Dietrich
Bonhoeffer, einer der bekanntesten Widerstandstheologen zur NS-Zeit,
übt noch bis heute große Faszination aus. Unzählige literarische
Werke existieren über seine Theologie und die Zeit seiner
Gefangenschaft. Nicht zu vergessen die zahlreichen Sammlungen
meditativer Gebetstexte und Gedichte. Doch die Frau an seiner Seite,
Maria von Wedemeyer, wird in den meisten literarischen Zeugnissen nur
sporadisch in den Blick genommen oder gar völlig ausgeblendet.
Wolfgang
Seehaber, ehemaliger Spiegel-Journalist möchte dies nun ändern und
präsentiert seinen Lesern mit diesem Band das Portrait einer
intelligenten, einfühlsamen Frau, die trotz vielfältiger
Leiderfahrungen ihren tiefen Glauben nie aufgegeben hat. Ebenso
beeindruckend ist ihre unerschütterliche Hoffnung und die Fähigkeit,
aufopfernd und bedingungslos zu lieben, zwei wesentliche
Charakteristika ihrer Person. Durch die persönliche Annäherung des
Journalisten an diese außergewöhnliche Frau ist eine mit viel Liebe
und Hinwendung geschriebene Biographie entstanden, die nicht nur die
Verlobte Bonhoeffers selbst zum Thema hat. Vielmehr beschäftigt sich
der Text mit dem gesamten sozialen Umfeld der Frau. So wird von dem
Leben auf einem Landgut mit sechs Geschwistern berichtet, von ihren
Eltern Hans und Ruth von Wedemeyer und deren Einstellung zum Glauben:
die Mutter, die das enge fast schon dogmatische Korsett des Glaubens
befürwortet und der Vater, der im Gegenteil offen war für neue ihn
inspirierende Gedanken. Interessant sind die Auswirkungen dieser
elterlichen Einstellungen auf die religiöse Entwicklung der Kinder
und vor allem auf Maria. Neben den Eltern ist es schließlich auch
Marias Großmutter, die sie ganz wesentlich prägt und auch später
für Dietrich zu einer wichtigen Bezugsperson werden wird.
Hochinteressant ist zudem der Briefwechsel zwischen ihr und ihrem
Verlobten. Dankenswerterweise lässt der Autor immer wieder einzelne
Originalzitate in den Text einfließen.
_
Das
Buch ist auch Zeugnis einer innigen Liebe, die sogar
Krisensituationen und den Tod selbst überwindet. Aus heutiger Sicht
kann man eine derartige Bindung eigentlich nur noch beneiden. Neben
dieser außergewöhnlichen Liebe ist es auch die Gefängnistheologie
Bonhoeffers, die besonders dazu anleitet, das irdische Leben zu
genießen und bis zuletzt auszukosten. Und das trotz seiner
ernüchternden Lage und der häufigen Erfahrung von Trauer,
Depression und Angst. Für beide wurde Gott auch immer im
Alltäglichen offenbar, letztlich auch in der Liebe zueinander.
Durch
die einzelnen Fragmente des Lebens von Maria von Wedemeyer begegnen
die Leser dieses Bandes einer einzigartigen Frau, erfahren zusammen
mit ihr eine einzigartige, innige Beziehung zu ihrem Verlobten und
erleben eine Theologie, die die Schattenseiten menschlichen Lebens
nicht ausblendet aber es dennoch vermag, aufbauende Trostbotschaft zu
sein. Sowohl Maria als auch Dietrich sind zwei Persönlichkeiten, bei
denen es sich lohnt, näher hinzublicken und ihre Biographie
rückblickend zu erfahren.
_
Fazit:
Beeindruckend, ergreifend, lesenswert!
5 Sterne!
Weitere Infos zum Buch bei Brunnen!

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen