Montag, 23. April 2012

JoJo und Ich - Dean Bernal


"Wenn ich dann meinen letzten Schüler verabschiedet hatte, war es Zeit für mein tägliches Ritual: Ich schwamm die Küste bis zu einem Punkt knapp zwei Kilometer westlich des Hotels ab und suchte meine drei Delfinfreunde."
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Auf eindrucksvolle Weise schildert der in Kalifornien geborene Tauchlehrer Dean Bernal in einer autobiographisch gefärbten Erzählung seine Erfahrungen mit Delfinen. Dabei spielt vor allem Jojo, wie er seinen Delfinfreund liebevoll nennt, eine herausragende Rolle. Beim Durchforsten der karibischen Turks- und Caicosinseln trifft er zum ersten Mal auf den wilden Delfin. Von der enormen Anziehungskraft des Tieres motiviert, werden die Besuche in dieser Gegend immer häufiger, bis er schließlich durch besondere Achtsamkeit und Geduld das Vertrauen des Delfins gewinnt, obwohl sich wild lebende Tiere bisher noch nie einem Menschen angeschlossen haben. Doch Jojo ist anders. Bei ihm glückt dieser außergewöhnliche Versuch erstaunlicherweise sofort und es entsteht eine Freundschaft, wie sie im Bereich des menschlichen Miteinanders nie möglich wäre. Dean und der Delfin scheinen sich auch ohne gemeinsame Sprache zu verstehen, vielmehr noch: Sie kommunizieren regelrecht miteinander. Nur so war es für Jojo etwa möglich, die Angst seines menschlichen Freundes während eines Tauchgangs zu erkennen, ihn an die Oberfläche zu ziehen und ihm somit das Leben zu retten. Die Schilderungen dieser und weiterer Erfahrungen sind beeindruckend. Dabei zeigt sich, dass sowohl Mensch als auch Tier voneinander lernen und gemeinsam in einer Art Symbiose leben.
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Nicht nur die Faszination der Unterwasserwelt und das Zusammensein mit Jojo zeichnen die Besonderheit dieses Buches aus. In erster Linie geht es um eine klare Botschaft: Eine außergewöhnliche Freundschaft verdeutlicht die enorme Kraft der Liebe, die zu einem Zustand tiefer seelischer Ruhe und Zufriedenheit führen kann. Genau dies konnte der Delfin Jojo bei seinem menschlichen Kameraden bewirken. Durch das Beispiel des Tauchlehrers inspiriert der Text dazu, das Wunder des Lebens neu zu entdecken und die Schöpfung zu wahren. Er leitet dazu an, Respekt vor verschiedenen Lebensformen zu bewahren und ihnen mit Interesse zu begegnen. Auf fast schon spirituelle Weise wird man sich der heilenden Kraft der Freundschaft und des enormen Potenzials verschiedener Lebewesen bewusst. Obwohl manche Erfahrungen des Autors auf den ersten Blick befremdlich wirken können, wie etwa diese Freundschaft zu einem Delfin, sind seine Schilderungen immer nachvollziehbar. Im Mittelteil des Buches enthaltene Fotos lassen seine Erlebnisse über und unter Wasser für den Leser lebendig werden.
Mittlerweile zählt Dean Bernal zu den bekannten Größen in diesem Bereich. Sogar Robin Williams drehte bereits einen Dokumentarfilm zu seiner Geschichte. Als Gründer der Marine Wildlife Foundation hat er es sich nun zur Aufgabe gemacht, das Meer als Lebensraum zu bewahren und für den Erhalt zu kämpfen.
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Deans Geschichte weitet den persönlichen Horizont und läd dazu ein, die Welt mit all ihren Wundern als Geschenk zu betrachten. Aufrichtige Freundschaft ist dazu in der Lage, Ozeane zu bewegen, wie es im Buch symbolisch heißt.
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Fazit: Ein emotionales, ergreifendes Buch, welches die These von Plutarch eindrucksvoll unter Beweis stellt: "Dem Delfin hat die Natur als Einzigem die Gabe verliehen, nach der die besten Philosophen streben, uneigennützige Freundschaft."

5 Sterne! 

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