Dienstag, 7. Februar 2012

Flankengott - Dennis Bartz


Solange Mephisto, mein kleiner rauchender Vulkan, den ich ab und zu Schatzi nennen darf, mich in Ruhe lässt, werde ich einfach meinen freien Sonntag genießen...“

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Für Paul zählt nur eines im Leben und das ist Fußball. Seine freie Zeit verbringt er daher am liebsten zusammen mit seinen männlichen Kollegen auf einer Coutch vor dem Fernseher sitzend, während gerade ein Spiel läuft. Über Probleme reden sie, wenn, dann beiläufig an solchen Abenden. Doch es gibt ja auch keine Probleme. Paul hat einen guten Job, eine heiße Freundin und seine Jungs. Das Leben scheint perfekt, bis das große Genießen dieser Situation von niemand geringerem als seiner Freundin Tina gestört wird. Denn nach sieben Jahren an der Seite dieses Mannes verspürt sie doch den Wunsch, eine Familie zu gründen. Als sie Paul von ihren Wünschen erzählt, reagiert er mit Unverständnis, ignoriert seine Freundin und fühlt sich noch nicht bereit, die Rolle des Vaters zu übernehmen. Vielleicht hat er damit nicht ganz Unrecht. Tina allerdings ist zutiefst gekränkt, zieht erst mal aus der gemeinsamen Wohnung aus und sucht Abstand. Wird es Paul gelingen, seine Beziehung zu retten oder ist es schon längst zu spät dazu?

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Auf die im öffentlichen Diskus weit verbreitete Frage „Wer ist eigentlich Paul?“ kann man hier ganz eindeutig antworten: Ein riesiges Ars***, wie es im Buche steht. Der Protagonist der Geschichte verfügt über fast alle Charaktereigenschaften, die wohl jeder Frau den Ausdruck des Schreckens ins Gesicht zaubern können. Er interessiert sich nicht für sie, macht im Haushalt keinen Finger krumm, hört ihr nicht zu und am schlimmsten: Er nimmt sie nicht ernst, die personifizierte Respektlosigkeit. Aber warum sich mühen, solange im Bett alles nach seinen Wünschen läuft.

Als Leserin ist es schon sehr früh sehr fragwürdig, warum Tina überhaupt noch bei Paul bleibt, wie sie eine solche Beziehung ertragen kann und warum um Himmels willen sie mit einem solchen Mann ein Kind möchte. Die Konsequenz daraus muss schließlich so aussehen, dass sie ihn doch irgendwie liebt, diesen Paul. Dennoch bleibt während des Lesens die Hoffnung, dass Tina einen anderen findet und mit ihm glücklich wird. Denn die Aussicht einer 180 Grad – Wende, vom schlimmsten Frosch zum halbwegs erträglichen Menschen (an einen Prinzen ist im Traum nicht zu denken), scheint utpoisch.

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Mir fällt es schwer, angesichts dieser Geschichte neutral zu bewerten. Die Idee, die einzelnen Kapitel der Handlung in eine Art Fußballspiel zu gliedern, ist kreativ, außergwöhnlich, anders. Verschiedene Spielminuten repräsentieren den Verlauf der Geschichte, eine bisher völlig neuartige Idee. Auch der Sprachstil ist erfrischend, modern, knackig. Das Buch ist sehr gut, schnell und flüssig lesbar. An keiner Stelle entsteht Langeweile. Allerdings empfinde ich den Protagonisten, der aus seiner Sicht erzählt, als äußerst unsympathisch. Daher ist das Buch wohl ganz besonders für Freunde des schwarzen Humors, die ebenfalls vor frauenfeindlichen Anspielungen nicht abgeneigt sind und diese durch ironisierende Bemerkungen abwerten.

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Fazit. Sex, Fußball und Egoismus. Das Leben mit einem Anti-Prinz.

3 Sterne!

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