Mittwoch, 15. Februar 2012

Das Vorzelt zur Hölle - Tommy Krappweis

Der Bua wird scho seng, wia schee dass des dann is.“

In Zeiten, zu denen man den perfekten urigen Campingplatz noch nicht mit Google Maps oder der ein oder anderen heruntergeladenen App finden konnte, muss Tommy unzählige Urlaube in Wohnwagen und Zelt über sich ergehen lassen. Gemeint sind die wilden 70er, in denen ein grüner VW-Bus absolut hip war und obendrein das liebste Modell seines Vaters. Denn dieser ist, ganz im Gegensatz zu seinem Sohn, vom Camping mehr als nur überzeugt. Solche Urlaube sind für ihn zu einer Art Obsession geworden. Nicht wenige der Verhaltensweisen seines Sohnes erscheinen ihm daher fremd. Tommy, zu dem wie er selbst sagt die Charaktereigenschaft des Einzelgängertums gehört, ist gerne Herr seiner Freiheit. Nur ungern lässt er sich darauf ein, seine freien Tage eingesperrt auf einem Campingplatz zu verbringen. In den ersten Jahren seiner Kindheit bleibt ihm allerdings keine andere Wahl, er muss weg von seinem geliebten zu Hause, dem gewohnten Umfeld. Hinein ins Abenteuer.

Und als Leser darf man wirklich dankbar sein, dass Tommy regelmäßig von seinen Eltern zu solchen Urlauben gezwungen wurde, denn nur so konnte er seine Erfahrungen in diesem Buch verarbeiten. Es ist eine Sammlung der witzigsten Geschichten entstanden, die in einzelne thematische Kapitel gegliedert sind. Beschrieben werden die Schwierigkeiten des geringen Stauraums, die Fahrt aus der Perspektive eines Kindersitzes, Campen auf Korsika oder die Irrungen und Wirrungen des Vorzelt-Aufbaus, wobei ihn die bloße Erinnerung daran schon nervös werden lässt. Doch nicht nur Tommy schildert seine Erlebnissen. Vielmehr kommt auch sein Vater in einzelnen „Zwischenrufen“ selbst zu Wort. Hochinteressant ist hier der Perspektivenwechsel und die unterschiedlichen Sichtweisen von Vater und Sohn im Vergleich.

Unsinkbare Schlauchboote, die ersten amourösen Beziehungen, ironisch-sarkastisch kommentierte Peinlichkeiten und die volle Kraft des familiären Zusammenhalts, genau darum geht es auf der unterhaltsamen Reise zurück auf den Campingplatz der 70er. Die einzelnen Kapitel zeugen von einem unglaublichen kreativen Schreibtalent des Autors. Durch den kreativen Umgang mit Worten wird das Lesen zu einem sprachlich-ästhetischen Genuss, auch auf der Ebene des Humors. Dokumentarische Fotos der eigenen Campingtouren mit der Familie im Mittelteil des Buches führen vor Augen, wie es sich damals abgespielt haben muss. Die Geschichte des Jungen, der heute nur noch in Hotels übernachtet, kann man einfach nur mögen. Ein herrliches Leseereignis!

5 Sterne!

Der Titel erscheint am 01.03.2012.

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