Mittwoch, 31. August 2011

Unterrichtsmethoden II: Praxisband - Hilbert Meyer



„Ich gehe davon aus, dass man lernen kann, gut zu unterrichten, und dass der Unterricht dann auch für Lehrer wie für Schüler Spaß macht.“

_
Irgendwann kommt für jeden Lehramtsstudenten hoffentlich der Tag, an dem er den universitären Boden verlassen und die Schule aufs Neue betreten darf. Dabei geht es nicht um erste Unterrichtserfahrungen oder ein mehrwöchiges Praktikum, sondern vielmehr um ein dauerhaftes Etablieren in dem Berufsfeld des Lehrers. Und genau dieses Vorhaben kann sich als schwieriger herausstellen als bisher gedacht. Denn im Rahmen der Universität wurden wenig bis keine praktischen Kenntnisse vermittelt im Hinblick darauf, wie gelungener Unterricht aussehen kann. Genau das gilt es nun selbst herauszufinden.
_
Um nicht regelrecht ins kalte Wasser geworfen zu werden, empfiehlt sich eine gezielte Vorbereitung auf den schulischen Alltag. Disziplinprobleme und Unterrichtsstörungen ergeben sich häufig aus einem schlecht organisierten Unterricht, gekoppelt mit einem aufgeladenen Arbeitsklima. Interessante, die Schüler ansprechende Stundenkonzepte hingegen begünstigen ein positives Lernumfeld und eine angenehme Klassenatmosphäre.
Wie genau eine solche Umsetzung gelingen kann, zeigt Hilbert Mayer, Professor für Schulpädagogik in Oldenburg, in diesem Praxisband.
Es geht neben Hintergrundinformationen methodischen Handelns ganz konkret um die Gestaltung des Unterrichts. Meyer erläutert die Vorzüge eines Gruppenunterrichts, der die Schülerinnen und Schüler zu einem selbständigen Denken, Fühlen und Handeln anleiten soll. Des Weiteren werden Charakteristika und Verbesserungsvorschläge zum Konzept des Frontalunterrichts gegeben. Im Mittelpunkt stehen dabei wünschenswerte Formen der Lehrerfrage sowie geschickten Techniken der Gesprächsführung. Viele gewinnbringende und abwechslungsreiche Ratschläge zur Gestaltung des Unterrichts zeichnen diesen Titel aus und machen ihn zu einem unverzichtbaren pädagogisch-didaktischen Werk für jeden Lehrer. Sie werden die eigenen Methoden erweitern, verbessern und variieren können sowie nützliche Praxistipps erhalten. Studenten und Referendare dürfen sich über die ansprechende Gestaltung des Textes freuen, der relevante Prüfungsthemen aufgreift und diese übersichtlich darstellt.
Positiv zu bewerten sind außerdem die zahlreichen Querverweise auf hilfreiche, weiterführende Literatur sowie die konkreten Beispiele aus dem schulischen Kontext, die besprochen und analysiert werden. Grafische Darstellungen und Illustrationen runden den Text ab. Viele der verwendeten Karikaturen und Arbeitsblätter eigenen sich durchaus zur Verwendung im Unterricht. Somit liefert das Buch eine zusätzliche Materialerweiterung. Die beigefügten so genannten didaktischen Landkarten visualisieren die zentralen Themen zur schnellen Orientierung. Auch hierbei handelt es sich um eine Methode, die ebenfalls im Unterricht eingesetzt und von dem Autor beispielhaft veranschaulicht wurde.
_
Fazit: Unterrichtsmethoden Band II ist eine gelungene Verknüpfung eines Repertoires neuer Ideen mit einer präzisen Zusammenfassung unverzichtbaren Wissens für den Lehrerberuf. Gehört unbedingt ins Bücherregal!

5 Sterne!

Didaktische Modelle - Werner Jank/Hilbert Meyer



„Lehren ist die methodisch geordnete Vermittlung eines Lehrinhalts an den Lernenden in einer pädagogisch vorbereiteten Umgebung.“

_
Bei einem ersten Blick auf diese Definition des Begriffes Lehren zeigen sich bereits die facettenreichen Hintergründe, die beim Thema Lehren mitbedacht werden müssen. Was genau versteht man unter einer methodisch geordneten Vermittlung? Wie kann eine pädagogisch vorbereitete Umgebung möglichst effizient gestaltet werden? Welche Strukturmodelle und allgemein didaktischen Prinzipien gibt es im Bereich der wissenschaftlichen Forschung? Wie lassen sich diese begründen?
_
Die Didaktik als Theorie des Lehrens und Unterrichtens umfasst eine Vielzahl unterschiedlichster Elemente des theoretischen Konstrukts Schule und Unterricht, die geordnet und verständlich gemacht werden müssen. Den beiden Pädagogen Jank und Meyer ist es auf äußerst gewinnbringende Weise gelungen, dieses theoretische Wissen greifbar zu machen und übersichtlich zusammenzustellen. Wertefreiheit, kategoriale Bildung oder mentale Repräsentation zählen zu den im Text erläuterten Begriffen, um nur einige Beispiele zu nennen. Wichtige Persönlichkeiten aus dem Forschungsfeld der Didaktik werden ebenso vorgestellt. Dazu zu zählen sind etwa Jean Piaget, Paul Heimann, Wolfgang Schulz, Gunter Otto oder Wolfgang Klafki, dessen Theorien und Konzepte eine zentrale Rolle spielen, wenn es um die konkrete Unterrichtsplanung und -struktur geht. Damit greift der Band „Didaktische Modelle“ alle relevanten Prüfungsthemen auf, die für das erste und zweite Staatsexamen oder aber auch für Prüfungen der modularisierten Bachelor/Master Studiengänge unverzichtbar sind. Als Leser erhält man detaillierte Übersichten, Hintergrundinformationen und somit einen lohnenswerten Fundus wesentlicher Bestandteile der Theorie der Didaktik. Gerade zur Prüfungsvorbereitung eignet sich dieser Titel hervorragend.
_
Dankbar darf man als Leser ebenfalls über die Hinweise und Ratschläge zur Erstellung eines Prüfungsstundenentwurfs sein sowie die beigefügten Beschreibungen typischer Prüfer. Worauf achten diese besonders? Wie sollte ein Referendar in einer Prüfungssituation auf bestimmte Fragen reagieren? Wie sieht eine gezielte Vorbereitung aus und was ist der Kern eines überzeugenden Stundenentwurfs? Diese Informationen am Ende des Buches sind Gold wert! Sie ermöglichen eine präzise Vorbereitung und nehmen dadurch auch ein Stück weit die Angst vor der Prüfung selbst. Graphische Hervorhebungen der Definitionen oder konstitutiver Thesen erleichtern eine schnelle Orientierung im Text. Karikaturen, Zeichnungen und Tabellen dienen der Konkretisierung der zuvor im Text benannten Zusammenhänge. Ein ausführliches Literaturverzeichnis am Ende des Buches verweist auf weiterführende Texte zu den einzelnen Themen. Die beigefügte didaktische Landkarte regt zur methodischen Nachahmung im Unterricht an und erleichtert zudem den eigenen Lernprozess.
_
Fazit: Lehr-/Lernprozesse können durch die Lektüre bewusster analysiert und reflektiert werden, eigenes Wissen in Bezug auf die Felder der Didaktik wird vertieft und Prüfungen können gezielt vorbereitet werden! Sehr empfehlenswert!

5 Sterne!

Sonntag, 28. August 2011

Das verbotene Eden - Thomas Thiemeyer



„Als Juna ihre Lippen von seinen löste, hatte er das Gefühl, doch nicht im Höllenfeuer versinken zu müssen. Im Gegenteil. Es war, als habe er gerade die selbstverständlichste Sache der Welt getan.“

_

Rückblick:

Im Jahr 2015 wird die Menschheit von einem tödlichen Virus bedroht, das sich unglaublich schnell ausbreitet und viele Todesopfer fordert. Doch zum Glück gibt es mit einem Impfstoff schon bald ein wirksames Gegenmittel. Der neu entdeckte Hoffnungsschimmer wird jedoch schnell zu einem Albtraum ungeahnten Ausmaßes. Die Menschen sind nun zwar von dem Virus befreit, bekämpfen sich aber gegenseitig. Denn die Nebenwirkung ist ein unglaublicher Hass auf das jeweils andere Geschlecht.

_

65 Jahre später existiert die Welt nicht mehr so, wie wir sie kennen. Ihr Antlitz hat sich von Grund auf verändert und auch eine Zivilisation besteht nicht mehr. Städte sind verwüstet und kriegerischen Auseinandersetzungen zum Opfer gefallen. Moderne Kommunikationsmittel und auch das Internet sowie Computer gehören der Vergangenheit an. Sogar etliche Buchbestände wurden zerstört, sodass die Menschheit plötzlich in einen Zustand katapultiert wurde, der sich mit dem Mittelalter vergleichen lässt. Wissensbestände gingen verloren und nur wenige können überhaupt noch lesen und schreiben. Die beiden Geschlechter leben nun getrennt voneinander. Männer bewohnen die Ruinen ehemaliger Städte, während sich die Frauen zurück in die Natur gezogen haben, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Der Plan funktioniert bis zu dem Tag, als sich die Vorräte der Männer langsam dem Ende neigen. Einige überfallen die Siedlungen der Frauen und verbreiten Angst, Schrecken und Gewalt. Nun lässt sich ein erneuter Krieg der beiden Fronten scheinbar nicht mehr vermeiden.

In dieser Zeit wird die junge Kriegerin Juna ausgesandt, um männliche Gefangene zu nehmen, die ihr die Pläne der Männer verraten sollen. So gerät sie ausgerechnet an den jungen Mönch David, dessen Hobby es ist, sich jenen verbotenen Werken der Weltliteratur zu widmen, die nach der Zerstörung gerettet werden konnten. Seine liebste Lektüre ist Shakespears Romeo und Julia.

Nicht zuletzt wegen dieser Geschichte teilt er die feindliche Einstellung seiner Klosterbrüder gegenüber den Frauen in weniger radikaler Weise. Nach dem Kennenlernen von Juna beginnt er, an seinen bisherigen Glaubensüberzeugungen zu zweifeln. Sind die Geschichten der Älteren wirklich wahr? Gab es einst ein friedliches Zusammenleben der Geschlechter?

_

Juna fühlt sich ebenfalls immer mehr zu dem jungen Mann hingezogen. Auch für sie zerbricht langsam jene Weltvorstellung, die hauptsächlich von Hass auf das gegenseitige Geschlecht geprägt war. Ihre Gefühle zu David werden immer stärker. Schließlich rettet sie ihn und begibt sich dadurch in ungeahnte Gefahr. Es entwickelt sich eine Liebe, die nicht sein darf und gegen alle Regeln der Gesellschaft verstößt. Und doch scheint sie der einzige Hoffnungsschimmer in diesen düsteren Zeiten zu sein.

_

Thomas Thiemeyer verbindet den Trend der Dystopien auf gekonnte Weise mit Gesellschaftskritik und einer romantischen, einzigartigen Lovestory. Damit greift er selbst das literarische Romeo und Julia Motiv auf und lässt eine Geschichte entstehen, die spannender nicht hätte sein können. Am Schluss bleibt die Frage, wie sich die Gesellschaft durch die aufkeimende Liebe zwischen Mann und Frau verändern wird. Ich bin mir sicher, dass alle Leser von „Das verbotene Eden“ schon jetzt eine Fortsetzung voller Spannung erwarten.

_

Fazit: Ein außergewöhnlicher, lesenswerte Text!


5 Sterne!

Zur Zeit meine favorisierte Dystopie!

Für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares bedanke ich mich herzlich bei Pan!


Mut zur Lebensfreude - Brigitte Bösenkopf



„Glücklichsein ist etwas anderes als Glück haben. „Glück haben“ passiert zufällig und hat mit externen Rahmenbedingungen zu tun.Glücklichsein ist mit bestimmten Fähigkeiten, die eine Person zum Leben hat, eng verbunden.“

_

Doch genau diese Fähigkeiten scheinen der Mehrzahl unserer der heutigen Bevölkerung abhanden gekommen zu sein. Immer mehr Menschen bezeichnen sich selbst als unglücklich oder gar depressiv. Sie sind anfällig für unterschiedliche Stressfaktoren und Burn-Out Symptome, die sich so sehr steigern können, bis der Sinn im Leben nicht mehr wahrgenommen wird. Eine derart negative Einstellung birgt also vielfältige Gefahren für den Betroffenen. Umso wichtiger ist es, solche Gefühle aktiv zu bekämpfen. Aber was kann man tun, um die Freude am Leben wieder herzustellen bzw. dauerhaft zu erhalten?

_

Die Autorin Dr. Brigitte Bösenkopf ist Lehrbeauftragte der Donauuniversität Krems und Leiterin der Arbeitsgemeinschaft für Präventionspsychologie in Wien. Menschliche Beziehungen sowie der differenzierte Umgang mit Burn-Out stehen im Zentrum ihrer Tätigkeit und Forschungsgebiete. In ihrem Buch „Mut zur Lebensfreude“ verrät sie, wie Stress sinnvoll bewältigt werden und lustvolles leben, lieben und arbeiten gelingen kann. Damit sind alle Bereiche des menschlichen Lebens abgedeckt. In zahlreichen Ratschlägen wird dem Leser ein umfassendes Repertoire an Bewältigungsstrategien geboten, die eine Erneuerung der individuellen inneren Einstellung hin zum Positiven fördern.

_

Nach einleitenden Gedanken, die die Thematik reflektieren, beschreibt Bösenkopf die verschiedenen Stadien einer Burn-Out-Erkrankung. Somit ist es für betroffene oder aber auch gefährdete Leser leicht möglich, den eigenen Gefühlshaushalt kritisch zu hinterfragen und sich evt. einem Stadium zuzuordnen. Mögliche Reaktionen des Körpers auf die seelischen Zustände werden ebenfalls erläutert. In einem nächsten Schritt lernen die Leser die wesentlichen Elemente der Stressbewältigung näher kennen. Zudem werden Lösungen eröffnet, wie man mit Depressionen, Angstzuständen oder Süchten konkret umgehen sollte.

Des Weiteren stellt die Autorin die unterschiedlichen Persönlichkeitstypen vor, wozu etwa der leistungsorientierte Workaholic, der emotionale Beziehungstyp oder der oberflächliche Lebenskünstler zu zählen sind. Wie jeder einzelne Typ mit Krisensituationen im besten Fall umzugehen hat und wie er sein Denken positiv beeinflussen kann, erfährt er mit auf ihn zugeschnittenen Hilfestellungen. Die folgenden Kapitel gehen der Frage nach, wie Lebensfreude im Alltag, in zwischenmenschlichen Beziehungen und am Arbeitsplatz gelingen kann. Die Analyse der eigenen Selbstmotivation ermöglicht ein abschließender Fragebogen am Ende des Buches.

_

Fazit: Glückliche Menschen weisen nicht nur eine höhere Hirnaktivität auf, sondern haben mehr vom Leben. Dieser qualitativ hochwertige Ratgeber unterstützt auf der Reise zu einem glücklicheren Selbst voller Lebensfreude. Eine gewinnbringende Lektüre!

5 Sterne!

Freitag, 26. August 2011

Vor dem Regen kommt der Tod - Lieneke Dijkzeul




"War es das jetzt? Fühlte es sich so an, das Sterben? So unvermutet, so armselig, so einsam? So als würde man weggeworfen wie ein wertloses Ding ohne jede Bedeutung, während die Wange im Teppich versinkt und alles, was man noch sieht, eine verstaubte Fußleiste ist? Wie sinnlos. Das sollte schon alles gewesen sein?"

_
Bevor sich der Leser dem Text genauer widmen kann, wird ihm hier ein einprägsames Cover mit einem ebenso einprägsamen Titel präsentiert. Noch vor dem Regen kommt der Tod, unausweichlich, leise und nicht selten wie aus dem Nichts. Wie Regentropfen fließt das Blut langsam an den Haaren hinab, die auf dem Cover zu sehen sind, völlig eingehüllt von der roten Flüssigkeit, von dem grausamen Tod.
_
Schon hier wird klar, dass es sich bei der Lektüre um einen außergewöhnlich kaltherzigen und brutalen Verbrecher handeln muss, der ein grausames Spiel mit seinen Opfern spielt. Und schon bald wird diese Vermutung bestätigt.
Denn gleich zu Beginn der Handlung wird der Leser hineingezogen in das erste, sich ereignende Verbrechen. Renèe Pettersen, die selbst Polizistin ist und normalerweise Kriminelle hinter Gitter bringt, erfährt nun die Grausamkeit eines Verbrechens am eigenen Leib. In ihrem eigenen Zuhause wird sie brutal überfallen und bedroht. Wenig später durchleidet die junge Frau Höllenquelen und Todesängste, die dem Leser sehr detailliert geschildert werden. Besonders grausam erfährt man hier, wie der Täter die Kopfhaut der jungen Frau mit einem Messer entfernt. Nur durch einen glücklichen Zufall bleibt Renèe am Leben und kann ihre Kollegen alamieren.
_
Als diese am Tatort eintreffen, sind die selbst erschüttert von der Grausamkeit, mit der der Täter vorgegangen ist. Römische Ziffern, die er seinem Opfer eingeritzt hat, geben zusätzlich neue Rästel auf. Und warum ist er derart interessiert an ihren Haaren? Nun beginnt die Suche nach diesem mysteriösen Täter, dem es gelingen konnte, eine gestandene Polizistin zu überwältigen. Es dauert nicht lange, bis die Galeristin Vivienne, die die Berichte in Zeitungsartikeln verfolgt, in ihrem Ehemann mehr sieht als einen Ehebrecher.
_
Der Autorin ist ein spannender, lesenswerter Thriller gelungen, der seine Leser fesselt und unter die Haut geht. Der Wechsel verschiedener Erzählperspektiven und -ebenen macht die Lektüre zu einem hochinteressanten Lesegenuss. Kurze elliptische Sätze und Einschübe tragen zu einem rasanten Lesetempo bei und erhöhen die Spannung, die dabei entsteht. An ein Aufhören ist schon fast nicht mehr zu denken. Die Geschichte ist abwechslungsreich und gibt viele Rästel und Fragen auf, die man als Leser unbedingt lösen möchte.
_
Fazit: Ein gelungener Text!

4 Sterne!

Ein herzliches Dankeschön geht an Vorablesen!

Mittwoch, 24. August 2011

Würde Platon Prada tragen? - Rebekka Reinhard

„Philosophie muss keine schwer verdauliche Kost sein. Sie darf manchmal auch Spaß machen oder sogar ein kleines bisschen glamourös sein.“

_

Dieses Versprechen hält die Autorin Rebekka Reinhard, die neben ihrer schriftstellerischen Arbeit als philosophische Beraterin tätig ist und dabei auch Führungskräfte gezielt unterstützt. In ihrem neuesten Werk „Würde Platon Prada tragen?“ richtet sie sich in erster Linie an die moderne Frau, die im Alltag mit Karriere, Familie, Beziehungen und den eigenen Macken kämpfen muss. Um dem Druck und der täglichen Hektik besser standhalten zu können, gibt sie ihren Leserinnen hilfreiche Tipps und verknüpft diese mit philosophischen Erkenntnissen und Theorien.

Aber auch männliche Leser sind dazu eingeladen, die Ängste, Sehnsüchte und Gedanken ihrer Frauen besser verstehen zu lernen.

_

Gegliedert in einzelne Kapitel, die einer Kolumne ähneln, beschäftigt sich die Autorin mit Themen wie etwa Selbstliebe, Eifersucht, Stil, Reisen, Small Talk oder dem Internet. In dem Abschnitt „Apropos Männer“ beschreibt Reinhard die Unterschiede der männlichen Spezies zu uns Frauen und verknüpft ihre Beobachtungen mit Thesen des schottischen Philosophen David Hume, der sich vor allem auf die menschliche Leidenschaften und Sinneswahrnehmungen konzentrierte. Folgender Ausspruch Humes liefert wertvolle Erkenntnisse im Umgang mit Männern: „Das Herz des Menschen ist so angelegt, dass es Widersprüche miteinander vereint.“

Auf ähnliche Weise nähert sich die Autorin den übrigen Bereichen. Neben der detaillierten Erläuterung eines Philosophen oder einer philosophischen Strömung werden Themenfelder unseres Alltags genauer reflektiert. Abgerundet werden diese von einem passenden Zitat.

_

Die Texte sind ansprechend gestaltet und vereinen auf gekonnte Weise wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse mit humorvollen, ironischen Sichtweisen. Eine angenehme Gliederung entsteht letztlich auch durch die Zeichnungen der Autorin am Anfang eines jeden Kapitels. Es macht Spaß, sich auf diese Weise mit Philosophie zu beschäftigen und ganz nebenbei das eigene Wissen in diesem Bereich zu erweitern.

_

Fazit: Wer hätte es gedacht: Philosophie kann tatsächlich dazu beitragen, alltägliche Phänomene auf humorvolle Weise besser bewältigen und verstehen zu können.

4 Sterne!



Wie Kinder lesen und schreiben lernen - Bredel, Fuhrhop, Noack


„Vieles, was über das Schriftsystem und seinen Erwerb im Umlauf ist, lebt von alten und im gesellschaftlichen Wissen fest verankerten Halbwahrheiten und Vorurteilen.“

_

In den letzten Jahren sind Begriffe wie Lese-Rechtschreibschwäche oder PISA-Schock gängige Vokabeln im öffentlichen, medialen Diskurs geworden. Eine Vielzahl an Schülerinnen und Schülern verfügt nur über mangelhafte Fähigkeiten im Bereich des Lesens und Schreibens. Und nicht nur das! Auch die Studie leo, die im März diesen Jahres erschienen ist, bestätigt, dass 7,5 Millionen Erwerbsfähige zu den so genannten funktionalen Analphabeten zu zählen sind. Demnach kann sogar eine auffallende Zahl Erwachsener die Funktionen des Lesens und Schreibens im Alltag nicht in korrekter Weise anwenden. Denn zum Lesen und Schreiben gehört viel mehr als im alltäglichen Sprachgebrauch damit gemeint ist. Es geht nicht nur um Teilfertigkeiten wie etwa eine korrekte Rechtschreibung. Vielmehr müssen weiterführende Kompetenzen mit bedacht werden, zu denen die Planung, Anfertigung und Überarbeitung von Texten oder die allgemeine Interpretationsfähigkeit zählen. Um Kinder auf ihrem Weg zum Schriftspracherwerb möglichst hilfreich zu unterstützen, ist das Wissen um die jeweiligen Lernprozesse unumgänglich. Genau diese Kenntnisse werden durch die Lektüre vermittelt.

_

Anhand eines Beispieltextes geht es in einem ersten Schritt um die wesentlichen Unterschiede von Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Zusätzlich werden silbische, syntaktische, phonologische oder morphologische Prinzipien näher betrachtet. Einzelne Kapitel gehen der Frage nach, wie unsere Schrift eigentlich funktioniert und wie Fehler und Störungen analysiert und behoben werden können. Interessant ist auch der geschichtliche Rückblick zur Entstehung unseres Schriftsystems. Zusätzlich widmen sich die Autoren der Zeichensetzung und Bedeutung eines korrekten Umgangs mit Interpunktionszeichen. Deutlich wird dies etwa durch den semantischen Unterschied der Sätze:

„Er will sie nicht.“ und im Vergleich dazu „Er will, sie nicht.“

Durch konkrete Beispiele oder Übungsaufgaben werden komplexere Zusammenhänge verdeutlicht. Zusätzliche Grafiken, Illustrationen oder handgeschriebene Auszüge kindlicher Schriftsprache führen die zuvor beschriebenen Sachverhalte vor Augen. In einem umfangreichen Glossar am Ende des Buches werden wesentliche Begriffe definiert. Die anschließende Bibliographie verweist auf hilfreiche Zusatzliteratur zu individuell interessanten Themen.

_

Fazit: „Wie Kinder lesen und schreiben lernen“ räumt nicht nur mit gängigen Vorurteilen auf, sondern bietet den Lesern ein detailliertes Repertoire wissenschaftlich fundierter Forschungsergebnisse zum Thema Schriftspracherwerb. Eine Vielzahl der aufgeführten Übungen können im schulischen Kontext sinnvoll genutzt werden. Gerade Lehrerinnen und Lehrern werden gewinnbringende Einblicke geboten, die sie bei der didaktischen, erzieherischen Arbeit mit Kindern nutzen können.

5 Sterne!


Für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares bedanke ich mich bei Blogg dein Buch sowie dem francke Verlag!

Hier könnt ihr den Titel bestellen.


Dienstag, 23. August 2011

Kinder denken mit dem Herzen - Margret Arnold

„Die Ergebnisse der Gehirnforschung können eine neue, natürliche Art des Lernens beschreiben, die radikale Konsequenzen für den Umgang mit kindlichem Lernen hat.“

_

Margret Arnold beschreibt in ihrem Werk die wichtigsten Erkenntnisse der modernen Hirnforschung und überträgt diese auf Lernprozesse insbesondere im schulischen Bereich.

Neben einem Überblick zur aktuellen Forschungssituation und einer Einführung in die Grundlagen der anatomischen Struktur des Gehirns verfolgt die Autorin vor allem ein Ziel: eine möglichst vielfältige und lebensnahe Gestaltung des Lernens in den Sozialisationsinstanzen Schule und Familie.

_

Tatsache ist, dass wir äußere Umwelteinflüsse mittels unserer Sinne wahrnehmen und anschließend gedanklich verarbeiten. Das Leben ist also ein einziges Experimentierfeld. Emotionen erleichtern zudem den Vorgang des Lernens erheblich. In diesem Sinne wird die Theorie António Damasios aufgegriffen, der mit Veröffentlichungen wie etwa „Ich fühle, also bin ich“ bekannt wurde. Auch die Bedeutung des sozialen sowie handlungsorientierten Lernens beschreibt Arnold sehr ausführlich.

_

Nach den Grundlagen ist das Buch in 12 Kapitel gegliedert, die so genannten 12 Lehr-Lern-Prinzipien, in denen die Konsequenzen der Hirnforschungen für den Unterricht vorgestellt werden. Arnold liefert ihren Lesern auf wissenschaftlicher Basis ein umfangreiches Repertoire an kreativen Ideen, Anregungen und Praxisbeispielen zur Gestaltung des Unterrichts. Dazu zählen etwa die Zeichen echten Denkens nach Renate Caine, eine präzise Auflistung kognitiver, affektiver und psychomotorischer Lernziele, wie sie Benjamin Bloom nannte oder die „global experience“- Methode als Unterrichtseinstieg. Gerade Lehrerinnen und Lehrer erhalten durch die Lektüre sinnvolle, innovative und gewinnbringende Ratschläge zur optimalen Vorbereitung des Unterrichts. Auch Eltern, Erzieher und Pädagogen werden von diesem fundamentalen Wissen profitieren.

_

Das Buch überzeugt letztlich auch durch einen ansprechenden, übersichtlichen und gut lesbaren Text. Zahlreiche Grafiken und Illustrationen verdeutlichen komplexere Zusammenhänge, wie etwa der detaillierte Aufbau des Gehirns.

_

Die hier dargebotenen Erkenntnisse können positiv dazu beitragen, die Lernorte Schule und Unterricht interessant zu gestalten und damit den Schülerinnen und Schülern Lernangebote zur Verfügung zu stellen, die sie mit Freunde annehmen werden. Denn Lernen kann und sollte auch Spaß machen!

_

Hier sollte man sich Goethes Motto zu Herzen nehmen:

„Es ist nicht genug zu wissen -

man muss auch anwenden..

Es ist nicht genug zu wollen -

man muss auch tun.“

_

Fazit: Die Sachbücher und Ratgeber des Beltz-Verlages werben mit dem Motto „Kinder stark machen.“ Mit diesem Werk ist ihnen eine Anleitung gelungen, die genau das ermöglicht! Kompetent und praxisnah! Eine lohnenswerte Lektüre, die in die Bücherregale engagierter Lehrerinnen und Lehrer gehört!

5 Sterne!


Freitag, 19. August 2011

Den Himmel gibt's echt - Todd Burpo

„Papa, nicht vergessen: Jesus hat gesagt, dass er die Kinder wirklich echt lieb hat!“

_

„ ... wenn euch eure Kinder um ein Stück Brot bitten, gebt ihr ihnen dann stattdessen einen Stein? Oder wenn sie euch um einen Fisch bitten, gebt ihr ihnen eine Schlange? Natürlich nicht! Wenn ihr, die ihr Sünder seid, wisst, wie man seinen Kindern Gutes tut, um wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen, die ihn darum bitten, Gutes tun?“

_

Pastor Todd Burpo hat viel Schlimmes erlebt in seinem Leben, genauer gesagt in den letzten Jahren. Nachdem seine Frau ein Kind verloren hat, wurde bei ihm wenig später der Verdacht auf eine Krebserkrankung diagnostiziert: Brustkrebs bei einem Mann! Von Gemeindemitgliedern und anderen Pastoren wird er mittlerweile schon Pastor Hiob genannt, nach der biblischen Figur, die ebenfalls vielfältiges Leid ertragen musste. Als dann auch noch sein dreijähriger Sohn Colton schwer erkrankt, bricht eine Welt für den jungen Pastor zusammen. Ist es ein schlechter Scherz oder wird auch er nun von Gott auf die Probe gestellt? Wieso muss er überhaupt so viel leiden als ein Mensch, der sich in den Dienst Gottes gestellt hat? Viele Fragen drängen sich auf sowie ärgste Zweifel.

_

Die Gebete, die er in dieser Zeit spricht, sind vor allem von Wut und Unverständnis geprägt. Dennoch werden sie erhört und Colton übersteht nicht nur seine Krankheit, sondern wird vielmehr Teil einer einzigartigen Erfahrung. Denn während seiner OP kommt der Junge plötzlich zu Bewusstsein und erwacht im Himmel, begrüßt von Jesus.

Natürlich denken seine Eltern, als er ihnen später davon erzählt, zuerst an eine Art Traum. Doch dann berichtet er ihnen immer häufiger von Dingen, die er so nicht wissen konnte. Im Himmel trifft er beispielsweise auf seinen Urgroßvater, der lange vor Coltons Geburt gestorben ist und den er noch nie zuvor gesehen hat. Außerdem spricht der Junge von einer toten Schwester, obwohl er von der Fehlgeburt seiner Mutter bislang nichts wusste. Die Eindrücke aus dem Himmel sind erstaunlich. Der kleine Colton muss sich nun den Fragen seiner Eltern stellen, die ganz gespannt sind auf weitere Details über Jesus und den Himmel.

_

Die Beschreibung des Himmels aus der Sicht eines Kindes ist zutiefst mitreißend und bewegend. Es ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der die Liebe Gottes erfahren durfte. Todd Burpo öffnet für seine Leser ein sehr privates Kapitel seines Lebens und beschreibt seine Erlebnisse offen und ehrlich. Durch eine Reihe einzelner Familienfotos im Mittelteil des Buches fühlt man sich regelrecht aufgenommen in den Kreis der Burpos. Zusätzlich erleichtern sie das Verständnis einiger Zusammenhänge und sind eine interessante Zugabe zu dem ebenso spannenden wir interessanten Text. Die Teilhabe an den Erfahrungen des kleinen Colton vermag es letztlich, den eigenen Horizont zu erweitern, seinen persönlichen Glauben zu festigen sowie Zweifel und Ängste zu besiegen.


Fazit: Eine außergewöhnliche, lohnenswerte Lektüre! Seite für Seite!

5 Sterne!



Gott bewahre - John Niven

„Den Rest der Mittagspause weint Gott bitterlich.“

-

Und genau dazu hat er auch allen Grund. Seit der Erschaffung der Welt ist Gott für die Menschen da gewesen und hat sich voller Hingabe um sie gekümmert. Doch im Jahr 1609 beschließt er, endlich selbst Urlaub zu machen und einfach mal ein paar Tage zu entspannen. Schließlich geht es seinen Schützlingen gut. Bis zur Renaissance haben sie eine Vielzahl unterschiedlicher Entdeckungen gemacht und erstaunliche Entwicklungen hinter sich. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Was soll schon großartig passieren? Und Jesus ist ja auch noch da!

_

Als Gott nach seinem Urlaub zurück kehrt, traut er seinen Augen kaum. Er kann es nicht fassen, wie sich seine Welt bis zum Jahr 2011 verändert hat. Sicher, im Himmel vergeht die Zeit schneller, aber Diskriminierungen, Hassprediger, Kriege, Massen- und Völkermord sowie eine fast schon bis zur Aussichtslosigkeit zerstörte Umwelt?! Was hat Jesus in der ganzen Zeit nur gemacht?

Für Gott steht fest: Er muss zurück! Ein zweites Mal auf die Erde.

Die Kreuzigung hat zwar erst vor einem Monat stattgefunden, aber es geht nicht anders. Jesus soll den Menschen erneut die Botschaft Gottes vermitteln, die da lautet: Seid lieb!

Jesus fügt sich natürlich dem Willen seines Vaters und begibt sich erneut auf die Reise. Dieses Mal hat er ein Ziel vor Augen: Eine Rock-Band gründen, ein Star werden und Gottes Botschaft in seinen Songs verkünden. Doch sein Vorhaben ist leichter gesagt als getan.

_

John Niven zeichnet einen zynisch wütend-aggressiven Gott und verdeutlicht seine Charaktereigenschaft in den vielen Gesprächen, die Gott mit seinen himmlischen Mitarbeitern oder auch seinem Sohn führt. Die Erfahrungen des Autors als Gitarrist, Manager einer Plattenfirma und Entdecker der Band Travis konnte er für diesen Text sicher gut nutzen. Viele beschriebene Abläufe gerade aus der Bandzeit von JC', wie Jesus von seinen modernen Anhängern genannt wird, sind sehr authentisch. Es ist interessant zu sehen, wie dieser Jesus in der modernen Zeit agiert.

Warum Niven dieses Buch geschrieben hat, erklärt er wie folgt:

„Nicht zuletzt war ich schockiert von der Tatsache, dass Jesus und Gott komplett vom rechten Flügel vereinnahmt werden: Gott gegen Schwule, Gott gegen Abtreibung etc. Dies ließ mich an etwas denken, was der große Bill Hicks einst gesagt hatte: dass sich Gott, falls er existierte, doch vor allem für Liebe und Toleranz einsetzen würde. Und nicht für Hass und Intoleranz.“

_

Seltsamerweise bemerkt man als Leser von Gottes „Seit lieb!“ bei ihm persönlich reichlich wenig. Ein liebender Gott würde in keinem Gespräch Worte wie „verf***“ oder „Flachw***“ verwenden und sie Gewalt der Worte aktiv anwenden. Viele der beschriebenen Szenen sind für meinen Geschmack zu viel des Guten, sei es Gottes Gewalt gegen Moses oder die fast schon lächerliche Szene, in der er Jesus als Bestrafungsmaßnahme am Ohr zieht.

Eins ist sicher: Den HARDCORE Hinweis hat der Titel wahrlich verdient!

_

Die Geschichte ist interessant und der Text lässt sich gut lesen. Doch Nivens Buch ist keineswegs der Inbegriff von Toleranz, Akzeptanz, Respekt und „Seid lieb!“ Es ist eine Kombination aus knallharter Gottes- und Gesellschaftskritik. Für manche Leser kann es großen Spaß machen, nur für mich leider nicht!

3 Sterne!


Donnerstag, 18. August 2011

Nicht der Typ für Gott - Holly Ordway

„Ich hatte mich immer über das Christsein mokiert. Und nun war ich dabei, zu bedenken, ob alles, was ich bisher geglaubt hatte, vollkommen falsch war.“

_

Holly Ordway hat eine glückliche Kindheit verbracht, ohne je von Gott gehört zu haben. Erst mit dem Eintritt in die Schule kam sie durch den Religionsunterricht mit Religion überhaupt in Kontakt. Aber auch hier war es für sie immer völlig bedeutungslos. Der Glaube empfand sie zwar als keinen Störfaktor, aber auch bei weitem als nicht interessant und wertvoll genug, um sich ernsthaft damit auseinander zu setzen. Ihre Einstellung gerade zum Christentum radikalisierte sich in ihrer universitären Zeit bis hin zum völligen Unverständnis und direkter Ablehnung.

Aber sie führte ein glückliches Leben. Sie geht völlig auf in ihrem Forschungsgebiet zur Englischen Literatur und wird schon schnell Professorin in diesem Gebiet. Selbst unterrichten zu können, genießt sie sehr und auch in ihrer Freizeit findet sie Freude am Fechten. Dennoch verspürt sie tief in ihrem Inneren eine sinnlose Leere.

_

Im Alter von ca. 30 Jahren beginnt Ordway, sich zunehmend existentielle Fragen zu stellen. In dieser Zeit begegnet sie ihrem Fecht-Trainer und dessen Frau, beides Christen. Ohne dass sie von ihnen angesprochen wurde, sucht sie die Begegnung mit dem Paar und macht in den gemeinsamen Gesprächen eine erstaunliche Entdeckung an sich selbst. Immer mehr fühlt sie sich angezogen von fundamentalen Glaubenswahrheiten und schließlich von der Vorstellung Gottes. Zögerlich beginnt sie die spannende Reise zu Gott und macht zunehmend religiöse Erfahrungen, wie beispielsweise der Zauber in den Worten großer Lyriker. Holly Ordway fühlt sich von Gott berufen und ändert ihr Leben auf drastische Weise. An diesem Prozess lässt sie ihre Leser Stück für Stück teilhaben.

_

Dass der eigene Glaubensweg schwierig sein kann und dabei auch Zweifel ein fester Bestandteil sind, wissen ebenfalls die meisten Gläubigen. In diesem Buch präsentiert sich eine wahre Zweiflerin, die sich 30 Jahre ihres Lebens selbst als Atheistin bezeichnete. Und dennoch ist es ihr gelungen, auf die Stimme Gottes zu hören, ja mehr noch: Dem liebenden Vater völlig zu vertrauen. Sie richtete ihr Leben neu aus, konzentriert sich nun ausschließlich auf ihren Glauben und konnte alle Zweifel besiegen.

_

Fazit: Ein offener und aufrichtiger Bericht einer Frau, die plötzlich und unerwartet von Gottes Stimme gerufen wurde und ihr folgte.

5 Sterne!

Für diese hochinteressante, geistreiche und philosophische Literatur möchte ich mich ganz herzlich bei Brunnen bedanken!

Sterben will gelernt sein - Samuel Gerber

„Wir wollen uns bewusst all des Schönen freuen, das uns begegnet. Wir sollten es als Geschenk Gottes annehmen und fröhlich genießen. Es soll uns aber nicht mit Panik erfüllen, denken zu müssen, dass das Leben im Flug davoneilt.“

_

Wie die Umsetzung dieser positiven Grundeinstellung gerade in der Auseinandersetzung mit den Themen Sterben und Tod gelingen kann, präsentiert uns Samuel Gerber in dem Werk „Sterben will gelernt sein“, das nun wegen wiederholter Nachfrage bereits in der 5. Auflage erschienen ist. Auf dem Cover der Neuauflage ist eine helle Kerze vor einem schwarzen Hintergrund zu sehen, deren Flamme kurz vor dem Erlöschen steht. Eine wohl gewählte Metapher für den Inhalt des Buches.

_

Sterben und Tod zählen auch in unserer heutigen aufgeklärten Gesellschaft noch immer zu eindeutigen Tabuthemen. Anders sah es etwa noch im Mittelalter aus, als eine Vielzahl an Kindern und Jugendlichen das Erwachsenenalter gar nicht erst erreichte. Mit zunehmender Modernisierung wurde der Tod immer mehr aus dem Bewusstsein verdrängt. Dabei ist es gerade so wichtig, sich mit diesen unausweichlichen Themen auseinander zusetzen. Denn eins ist sicher: Der Tod betrifft uns alle!

_

Durch die Gliederung des Textes in kurze Kapitel, die wiederum in einzelne, übersichtliche Abschnitte unterteilt sind, wird das Lesen sehr angenehm. Gerber hält fest, dass ein wirkliches Interesse an dem Thema erst bei Sterbenden und solchen gegeben ist, die unmittelbar betroffen sind. Gesunde erweisen sich häufig als zu feige, um sich mit der Thematik zu beschäftigen. Die Frage, ob sich eine Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit überhaupt lohnt, wird von dem Autoren eindeutig mit Ja beantwortet. Ausgehend von Bibeltexten und kurzen Zitaten vermittelt er seinen Lesern nicht nur biblische Grundlagen, sondern spricht vielmehr auch über Themen wie Euthanasie, angemessenes Verhalten in den letzten Stunden oder die Kunst des Loslassen Könnens. Die Bibeltexte sind hierbei ein wahrer Quell der Hoffnung und dazu in der Lage, Trost zu spenden und zu einer weiterführenden Reflektion des eigenen Lebens anzuregen. Der persönliche Horizont wird durch die Sensibilisierung für die menschliche Dignität erweitert.

_

Fazit: Die Beschäftigung mit der eigenen Sterblichkeit kann schließlich positiv dazu beitragen, die Perspektive auf das eigene Leben zu ändern. Eine lohnenswerte Lektüre!

5 Sterne!

Mittwoch, 17. August 2011

Ehe hoch 31 - Leo und Susanna Bigger

„Denn wohin du gehst, dahin will auch ich gehen, und wo du bleibst, da bleibe auch ich.“ Ruth 1,16

_

Die beiden Autoren Leo und Susanna Bigger, Gründerehepaar und Senior Pastoren der ICF Zürich, haben mit „Ehe hoch 31“ einen Ratgeber geschaffen, mit dessen Hilfe die Beziehung zum Ehepartner vertieft und das Eheband gefestigt werden kann. Dabei sind in erster Linie junge Paare im Alter von 20 bis etwa 35 angesprochen, aber auch gestandene Eheleute werden in diesem Band hilfreiche Tipps finden.

_

Es ist eine Erfrischungskur für die Liebe in 31 Tagen entstanden. In dieser Zeit soll man sich intensiv den Bedürfnissen seines Partners widmen, offene Gespräche führen und die gemeinsamen Stunden ganz bewusst wahrnehmen. Gerade für junge Paare treten nach der Phase der ersten Verliebtheit oftmals Schwierigkeiten auf, die nicht selten zu Krisen führen. Ein offener, ehrlicher Umgang miteinander kann dies allerdings verhindern. Wie eine solche positive Kommunikation gelingen kann, verraten die beiden Autoren in zahlreichen Tipps. Zusätzlich geben sie aber auch Ratschläge, wie man seinen Liebsten oder seine Liebste überraschen und den gemeinsamen Alltag versüßen kann. Außerdem leiten einige Texte zur Reflektion über sich selbst und seine Beziehung an.

_

Das Buch ist vor allem für eine junge Zielgruppe sehr ansprechend, alleine schon durch die moderne graphische Gestaltung des Textes. Zudem wird zu jedem Tag eine Fotografie eines jungen Pärchens in verschiedenen Situationen gezeigt. Hinzu kommt ein Bibelvers, welcher als Überleitung auf den jeweiligen kurzen Impulstext fungiert. Die einzelnen Verse der Heiligen Schrift eignen sich ebenfalls zur Meditation oder zum Innehalten. Am Ende eines jeden Textes findet sich ein sogenannter Ehe-Booster, ein konkreter Ratschlag. Dazu zählen beispielsweise Tipps wie das gegenseitige Wünsche-Erfüllen, sich gezielt Komplimente machen, über Ängste zu sprechen oder aber das erneute Aussprechen des Vertrauens. Die Bibelverse sind außerdem bestens geeignet, um sie etwa in einer SMS als Liebesbotschaft zu verschicken. Weitere kreative Ideen werden durch die Lektüre angeregt.

_

Fazit: Die an der Bibel orientierten Ratschläge beweisen, wie lebensnah die Texte der Heiligen Schrift sind und wie positiv sie im Alltag genutzt werden können. Durchweg empfehlenswert!

5 Sterne!

Dienstag, 16. August 2011

Alice im Netz - Antje Szillat

„Alice, ich habe dich gesehen. Aber du warst nicht alleine. Warum machst du das? Warum zerstört du alles? Jetzt bist du endgültig zu weit gegangen. Dafür wirst du bezahlen, Alice. Ich werde mich an dir rächen.“

_

Das Internet mit all seinen Möglichkeiten ist im Leben der heutigen Jugend geradezu omnipräsent. Soziale Netzwerke wie schülerVZ, wer-kennt-wen oder Facebook werden genutzt, um Kontakte zu Freunden und Mitschülern aufrecht zu erhalten und sich über Neuigkeiten auszutauschen. Die Vorteile der Online-Kommunikation liegen dabei auf der Hand, denn schließlich können auch schulische Fragen, die beispielsweise die Hausaufgaben betreffen, per Chat geklärt werden.


Doch eine auffallende Zahl von Kindern und Jugendlichen nehmen ihr virtuelles Selbst zu ernst und verbringen viele Stunden ihrer Freizeit im Netz.Dabei geht es in erster Linie um die ständige Optimierung des eigenen Profils:Neue Kontakte, interessante Fotos und so viele private Details wie möglich. Privatsphäre ist veraltet und somit out! Die neue Post Privacy dagegen hip!

Wie gefährlich ein solch einseitiges Bild des Internets in Verbindung mit einem naiven Umgang persönlicher Daten wirklich sein kann, führt uns Antje Szillats Roman „Alice im Netz“ vor Augen.

_

Alice ist ein sympathisches 16-jähriges Mädchen und Schülerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Zusammen mit ihrer besten Freundin Katja durchlebt sie so manche nervende Unterrichtsstunde oder schwierige Situation beim Zusammentreffen mit dem anderen Geschlecht. Sie lebt in einer wohl behüteten Familie und hat auch in schulischer Hinsicht keinerlei Probleme. Neben dem Lesen hat sie auch Spaß daran, eigene Texte zu verfassen. Aus diesem Grund führt Alice unter dem Pseudonym „Rasende Rita“ einen Schulblog. Hier sammelt sie alle Peinlichkeiten, Ärgernisse und neuesten Gerüchte aus der Schule, lässt ihre Leser aber gleichzeitig auch an eher privaten Erlebnissen teilhaben. Obwohl sie ihre wahre Identität verbirgt, wissen sowohl Schüler als auch Lehrer ganz genau, wer hinter der rasenden Rita steckt. Diese Tatsache scheint Alice ganz bewusst zu verdrängen...

Als sie sich eines Tages per Chat mit Katja unterhält, bekommt sie plötzlich eine mysteriöse E-Mail von einem gewissen Jared, der angeblich alles über sie weiß und behauptet, für Alice bestimmt zu sein. In einer ersten Reaktion glaubt Alice an einen üblen Scherz ihrer Freunde, doch wenig später erfährt sie der bitteren Wahrheit. Es beginnt ein grausames Spiel, das Alice an ihre Grenzen treibt und fast in einer Katastrophe endet.

_

Antje Szillat schuf eine außergewöhnliche Geschichte, die ihre Leser bis zur letzten Seite fesselt. Dabei werden Themen angesprochen, wie Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Enttäuschung, aber auch Gewalt, Datenmissbrauch und die Gefahren des Internets.

Besonders bemerkenswert ist der von der Autorin gewählte Schreibstil, der an mancher Stelle die Perspektive auf Jared lenkt und somit Einblicke in das Seelenleben eines Psychopathen eröffnet. So versteht man als Leser auch, was in einem derart extremen Stalker vorgeht. Was Alice widerfährt verfolgt man mit großer Spannung und Mitgefühl. Bis zum Schluss bliebt die Hoffnung, dass Jareds wahre Identität herausgefunden werden kann.

_

Fazit: Eine gute Geschichte und didaktisch wertvolle Lektüre, die, wie weitere Titel der Autorin, auch von der Caritas unterstützt wird. Im Nachwort ist daher ein Kommentar des Diözesan-Caritasdirektoren Dr. Frank Joh. Hensel zu lesen. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler für einen bewussten Umgang mit persönlichen Daten im Internet zu sensibilisieren.

Eine Erzählung, die unbedingt Pflichtlektüre an allen Schulen werden sollte!

5 Sterne!

Ich bedanke mich herzlich bei edition zweihorn für dieses Rezensionsexemplar und der Autorin Antje Szillat!

Weitere Informationen zur Caritas unter www.beratung-caritas.de


Montag, 15. August 2011

Was ist BdB?


Langeweile beginnt schon sehr früh ...