Donnerstag, 30. Juni 2011

LoveSong - Gayle Forman


„Nur ein weiterer Tag, nichts als ein Zeitraum von vierundzwanzig Stunden, den ich bewältigen muss.“

Diese trostlosen Worte stammen von Adam Wilde, einem bekannten Rockstar, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere so viel Schmerz empfindet und seinen Ruhm nicht genießen kann.

Er wurde vor langer Zeit von Mia verlassen und hat diese Trennung nie überwunden. Seitdem ist sein Leben sinnlos geworden, eine Aneinanderreihung einzelner Erlebnisse ohne jede Bedeutung.

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Die Geschichte beginnt mit einer Interview-Situation, die Adam zurück katapultiert in die Zeit der High School. Die Zeit der ersten und einzigen großen Liebe: Der Coole und die Streberin, Adam und Mia. Die unangenehme Interview bricht er schließlich ab, doch vor seinen Gefühlen kann er nicht davon laufen. Während einer Tour in New York sieht er Mia auf einem Plakat, die mittlerweile eine gefeierte Cellistin ist. Sofort entschließt er sich, dieses Konzert zu besuchen. Wenigstens hören möchte er sie noch ein letztes Mal. Als Mia um ein Treffen bittet, sprechen sich die beiden schließlich aus und vertrauen sich Dinge an, die über die ganzen Jahre tief in ihrem Herzen verborgen blieben.

Während ihrer damaligen Beziehung sind Mias Eltern auf tragische Weise gestorben. Auch die junge Frau wurde bei dem Unfall schwer verletzt und befand sich danach lange Zeit im Koma. Einzig und allein Adams Liebe konnte sie am Leben halten, eine Tatsache, für die sie ihren Freund sehr lange hassen wird. Wie gerne wäre sie selbst gestorben, doch Adam konnte sie nicht gehen lassen. In seiner Angst hat er ihr versprochen, alles zu tun, wenn sie nur wieder aufwachen würde. Zur Not würde er sie gehen lassen, wenn sie nur nicht sterben würde...

Wenig später fand Mia zurück ins Leben und ließ Adam alleine zurück.

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Gayle Formans Erfolge werden nach der Lektüre verständlich. Sie hat mit „LoveSong“ eine wunderbare Fortsetzung zu „Wenn ich bleibe“ geschaffen. Im ersten Band der Geschichte beschreibt Mia ihre Situation, während nun Adam nun aus seiner Perspektive berichtet. Ein wunderbarer Wechsel der Sichtweisen, der diese unvergleichliche Liebe der beiden Protagonisten vielfältig und umfassend erfahrbar werden lässt. Große Empfindungen werden geweckt!

Ausschnitte der Songtexten aus dem Album Collateral Damage, mit dem Adam dem Verlust seiner Liebe verarbeiten wollte, stehen am Anfang eines jeden Kapitels.

LoveSong ist eine literarische Reise in die Komplexität der durch Trennungsschmerz ausgelösten Emotionen, die sonst nur durch Musik spürbar werden.

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Fazit: Eine unglaubliche Geschichte, eine Explosion der Gefühle mit überraschendem Ausgang.

5 Sterne!

Mittwoch, 29. Juni 2011

Darf ich vorstellen: Die Sorgenfresser!


Sorgen ... jeder von uns wird von ihnen geplagt. Sie sind lästig, rauben den Schlaf, vermiesen den Tag und lassen sich nur sehr schwer vertreiben.
Wer will auch freiwillig die Sorgen anderer?

So unglaublich es auch klingt, aber diese Frage kann nun beantwortet werden. Die Sorgenfresser freuen sich, wenn sie von uns gefüttert werden. Sie können gar nicht genug bekommen.

Ein partnerschaftlicher Austausch mit Geben und Nehmen...


Bis zum 4. Juli werden die Sorgenfresser beim Mayersche Blog verlost. Ich würde mich über ein solches Tierchen freuen und ihr euch sicherlich auch. In sorgenvollen Zeiten kann man sich dann wenigstens noch mit einer süßen, aufmunternden Sache befassen.
Versucht euer Glück hier.

Montag, 27. Juni 2011

Werteerziehung - Jutta Sandop

„Die Gesamtheit der gesellschaftlichen Werte bildet das für die Integration und Stabilität einer Gesellschaft bedeutsame Wertesystem.“

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Gerade in unserer heutigen schnelllebigen Zeit, in der nicht zuletzt pluralistische Strömungen dafür sorgen, dass jeder Einzelne nach immer mehr Ansehen, Einkommen und auch Wissen strebt, verliert der allgemeine Wertediskurs stetig an Bedeutung. Es wird oft verkannt, dass es gerade Werte wie Akzeptanz, Toleranz, Respekt oder Solidarität sind, die das gelingende Zusammenleben untereinander und somit auch einen demokratischen Staat ermöglichen. Hier wird verständlich, wie wichtig Werteerziehung im Kontext der Schule ist. Denn nur so erhalten Schülerinnen und Schüler ein tragfähiges Fundament zur beruflichen sowie persönlichen Entfaltung.

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Jutta Sandop, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Pädagogischen Fakultät der Uni Bielefeld, stellt in diesem Werk die wichtigsten Konzepte der Werteerziehung umfassend dar. Neben einer theoretischen Grundlegung zum Thema Werte stellt Sandop Wertesysteme sowie entwicklungspsychologische Stufen detailliert dar und ermöglicht dadurch vertiefende Einblicke in einzelne Werte und deren Bedeutung für das Individuum. Darüber hinaus widmet die Autorin ein Kapitel der Werteerziehung in der Schule und beantwortet abschließend die Frage, wie eben diese erfolgreich im Unterricht stattfinden kann. Hierzu werden didaktische Prinzipien ganz konkret beschrieben, wie etwa die Gegenwarts- oder Zukunftsbedeutung, die bei jeder Unterrichtsplanung durchdacht werden müssen. Gerade Lehramtsstudenten oder Referendare erhalten hier eine Reihe gewinnbringender Ratschläge zur Umsetzung ihrer Unterrichtsziele. Methodische Hinweise, die sich konkret auf die jeweiligen Fächer beziehen, dürfen ebenfalls dankbar angenommen werden. Interessant sind außerdem die Erläuterungen zur Lehrerpersönlichkeit und warum eben diese im schulischen Kontext eine wichtige Rolle einnimmt.

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Der Text ist insgesamt übersichtlich gegliedert, dadurch angenehm lesbar letztlich auch leicht verständlich. Sandop greift alle relevanten Bereiche der Werteerziehung-Thematik auf, sodass dieses Buch als sinnvolle Unterstützung zur gezielten Prüfungsvorbereitung genutzt werden kann. Zentrale Begriffe wie Bildung oder Erziehung werden definiert, Unterrichtsziele und -prinzipien vorgestellt, Dilemmata-Diskussionen erläutert oder aber auch Kohlbergs Stufentheorie des moralischen Urteilens. Aber nicht nur für Studenten, sondern vielmehr auch für Lehrer ist dieses Buch mit konkreten Ratschlägen zur Umsetzung einzelner Inhalte im Unterricht ein Gewinn!

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Fazit: Eine unverzichtbare Sammlung wissenswerter Fakten, übersichtlich, detailliert, genau! Sehr zu empfehlen!


5 Sterne!

Sonntag, 26. Juni 2011

Bekanntgabe des Gewinners

Liebe Leser,
ich habe mich gefreut, dass viele von euch bei meinem ersten Gewinnspiel teilgenommen haben. Das Los hat entschieden: Die glückliche Magyria-Gewinnerin ist DearDamon!

An alle anderen: Bitte nicht traurig sein!
Es wird natürlich weitere Gewinnspiele geben.

Für meinen neuen Blogaward möchte ich mich herzlich bei Isabel bedanken. Ihren Blog besuche ich immer wieder gerne! Den "The Adorable Blog Award" möchte ich an all meine treuen Verfolger weitergeben.

Euch allen eine gute neue Woche!

Liebe Grüße,

Sophia

Atherton - Das Haus der Macht - Patrick Carman

„Das Erste, was du wissen musst – und es ist schwer begreiflich zu machen -, ist dies: Atherton ist nicht das, wofür du es hältst.“

Diese bittere Erkenntnis dringt ganz unverhofft in das Leben des 12-jährigen Edgar. Die geheimnisvolle Welt Atherton steht vor einer enormen Veränderung, ein Geheimnis, auf das der Junge ebenfalls als einer der ersten aufmerksam wird.

Die Erde, wie wir sie kennen, existiert schon lange nicht mehr. Sie wurde aufgrund einzelner Umweltzerstörungen unbewohnbar, darum ist Atherton entstanden. Doch der Planet ist alles andere als eine bessere, heile Welt. Vielmehr das Gegenteil ist der Fall.

Edgar lebt in der mittleren Ebene, in Tabletop und wie alle Bewohner von einem Aufseher abhängig, für den er arbeiten muss. Auf der Ebene über ihm befinden sich die Highlands, das zu Hause der Mächtigen. In den Flatlands, der untersten Ebene, tummeln sich gruselige Kreaturen.

Eines Tages macht Edgar eine Entdeckung und findet in einem Versteck ein rätselhaftes Buch. Obwohl es seine Verpflichtung wäre, diesen Fund abzugeben, entschließt er sich es zu behalten. Um herauszufinden was dort geschrieben steht, begibt er sich in große Gefahr. Nun muss Edgar nämlich nach oben klettern, zu den Highlands, denn nur die Menschen dort können lesen und damit den Inhalt des Buches entschlüsseln. Glücklicherweise begegnet ihm als erstes Samuel, mit dem er sich schnell anfreundet und der ihm helfen möchte.

Die beiden Jungen wissen allerdings nicht, in welche Gefahr sie sich dabei begeben. Unangenehme Erkenntnisse waren auf Edgar und schon bald passiert das Unvorstellbare: Die gewaltigen Highlands sinken auf die mittlere Ebene herab.

Atherton ist der spannende Auftakt einer neuen Fantasy-Trilogie, die alles bisher Gekannte in Frage stellt und spannender nicht hätte sein können. Patrick Carman nimmt seine Leser mit in ein eindrucksvolles Abenteuer inmitten einer fremden Welt. Die Geschichte ist von Anfang an so mitreißend, dass man das Buch gar nicht mehr zur Seite legen möchte. Auch die Gestaltung des Covers und der einzelnen Kapitel verleihen dem Werk den Glanz des Besonderen, Einzigartigen. So veranschaulichen viele Bleistiftzeichnungen den Aufbau Athertons und kleinere Dialoge der Erfinder mit Zitaten des berühmten Werkes Frankenstein am Anfang der Erzählteile bewirken eine unvergleichliche Spannung.

Der Text regt zusätzlich zum Nachdenken an über das Zusammenleben, kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede sowie Gerechtigkeit bzw. Freiheit als Menschenrecht. Ein interessanter, lohnenswerter Text. Zusätzlich dürfen sich die Leser über ein ausführliches Autoreninterview am Ende des Buches freuen.

Fazit: Eine Fantasy-Trilogie mit den besten Erfolgsaussichten, die sich zu lesen lohnt!


5 Sterne!

Freitag, 24. Juni 2011

Die Macht der Körpersprache - David Givens

„Man kann viel beobachten, wenn man achtsam ist.“ (Lawrence Peter Berra)

In der Arbeitswelt legen wir großen Wert auf das gesprochene und geschriebene Wort. Nichts scheint wichtiger, als Telefonate, Briefe und E-Mails. Dabei scheinen wir zu vergessen, wie wichtig nonverbale Mitteilungen sind. Denn gerade der Arbeitsplatz ist schließlich auch ein Ort der Begegnung und zwischenmenschlichen Kommunikation.

Diese Tatsache versucht David Givens, der als Berater großer Unternehmen wie etwa Epson oder Dell tätig ist, seinen Lesern nahe zu legen. Hierzu bietet er eine Fülle an Informationen, die zur Entschlüsselung nonverbaler Botschaften hilfreich sind. Schritt für Schritt wird beschrieben, worauf man bei der Begegnung mit Anderen achten sollte. Angefangen von gängigen Aspekten der Mimik und Gestik, über die Frisur, den Kleidungsstil bis hin zur Gestaltung der Büros und Konferenzräume.

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Die gezielte Analyse von Körpersprache fördert nicht nur die Entwicklung von Empathie oder Überzeugungskraft, sondern wirkt sich vielmehr positiv auf den Führungsstil aus und bietet daher gerade auch für Chefs eine Möglichkeit der Verbesserung der geschäftlichen Interaktion sowohl mit Kunden als auch mit Mitarbeitern. Als Leser erfährt man viele spannende Hintergründe und erhält eine Reihe gelungener Ratschläge. Besonders interessant waren für mich die Hinweise zu den sogenannten CLEMS, die seitlichen Augenbewegungen. Auch über die Kommunikation mit den Händen habe ich viel gelernt, wie etwa die Bedeutung einer nach oben oder nach unten gekehrten Handfläche oder den Einsatz pantomimischer Gesten zur Verständnisklärung. Positiv zu bewerten sind außerdem die vielen Kästchen, die sich vom durchgehenden Text hervorheben. Hier erklärt der Autor beispielsweise interkulturelle Unterschiede bzgl. der Körpersprache oder gibt konkrete Handlungsanleitungen.

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Die einzelnen Kapitel sind übersichtlich gestaltet und machen das Lesen besonders angenehm. Der Text verzichtet auf allzu theoretische, überflüssige Inhalte und gibt leicht zu verstehende, konkrete Hinweise zum aktiven Zuhören, Beobachten und analysieren. Ein umfassendes Literaturverzeichnis am Ende des Buches verweist auf weiterführende Literatur zum Thema.

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Fazit: Ein gewinnbringendes, lohnenswertes Buch! Interessant nicht nur für diejenigen, die großen Wert auf beruflichen Erfolg legen. Vielmehr geht es hier um die Sensibilisierung für versteckte Botschaften und nonverbales Verhalten und somit um Kenntnisse, die auch im Alltag nur hilfreich sein können.


5 Sterne!


Bekenntnisse eines Redners - Scott Berkun


„Die besten Redner wissen, warum sie Angst haben ... der einzige Unterschied zwischen den Profis und den Anfängern besteht darin, dass die Profis den Schmetterlingen beigebracht haben, in Formation zu fliegen.“ (Edward R. Murrow)

Vor Publikum eine Rede zu halten steht an erster Stelle auf der Liste der Dinge, vor denen wir uns am meisten fürchten, belegt in The Book of Lists. Damit wird das öffentliche Reden noch vor Krankheiten, finanziellen Problemen, Einsamkeit oder gar dem Tod genannt.

Warum aber haben wir eigentlich so viele Ängste, wenn wir vor fremdem Menschen sprechen sollen?

Lampenfieber, Angst und Panikattaken kommen immer gerade dann zum Vorschein, wenn es ums öffentliche Reden geht. Sogar berühmte Persönlichkeiten wie etwa George Washington, Elvis Presley, Winston Curchill oder Barbara Streisand leiden unter diesen Ängsten. Thomas Jefferson sah sich aus diesem Grunde gezwungen, die Rede zur Lage der Nation von einer anderen Person verlesen zu lassen. Mit diesen negativen Emotionen stehen wir also nicht völlig alleine da, vielmehr scheinen sie zur Normalität zu gehören. Eine interessante Tatsache, die vielleicht schon dabei helfen kann, gelassener zu werden.

Dem Leser werden natürlich weitere Hinweise gegeben, wie eine Rede erfolgreich verlaufen kann und sich die Nervosität überwinden lässt. Zudem widmet sich ein Kapitel dem Umgang mit schwierigen Räumen, schließlich spielt auch die Lokalität eine entscheidende Rolle. Ebenso sollte der Redner bei seiner Vorbereitung an den jeweiligen Hörerkreis denken.

Jeder gute Vortrag besteht aus einer Kernbotschaft, die es zu vermitteln gilt. Ausschweifungen, irrelevantes Vokabular soll vermieden werden. Um dies zu erreichen, werden hilfreiche Tipps gegeben, leicht verständlich und nicht selten mit einer Prise Humor.

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Nach der Lektüre muss ich sagen, dass ich dankbar bin, dieses Werk entdeckt zu haben.

Scott Berkun, Dozent für kreatives Denken, Autor der New York Times und Washington Post, schuf einen Ratgeber zur Kunst des öffentlichen Vortrags, wie er besser nicht hätte sein können. Zahlreiche Informationen zu Elementen einer gelungenen Rede sowie praktische Tipps in Kombination mit Anekdoten seiner Karriere als Redner machen sein Buch zu einer unverzichtbaren Sammlung hilfreicher Ratschläge, die sich niemand entgehen lassen sollte, der selbst vor Publikum auftreten und seine Zuhörer mitreißen möchte. Besonders gewinnbringend sind die Ratschläge bzgl. guten Unterrichts sowie die beschriebenen Reaktionsmöglichkeiten für Situationen, in denen etwas aus dem Ruder läuft.

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Fazit: Auf einfache, verständliche Weise berichtet Scott Berkun von seinen Erfahrungen und lässt die Leser an der Kunst, gehört zu werden teilhaben. Sehr zu empfehlen!


5 Sterne!


Für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares möchte ich mich herzlich bei Blogg dein Buch und dem O'Reilly Verlag bedanken!

Wenn ihr ebenfalls von diesem Buch profitieren wollt, könnt ihr es hier bestellen.







Samstag, 18. Juni 2011

Ruf mich an, wenn du tot bist! - Anne Borel


"Beim Gedanken an den Tod wurde ihr übel. Sie öffnete das Fenster und hielt ihr Gesicht in den Regen. Die feuchte Luft kühlte ihre Wangen, sie schloss die Augen und atmete den Fahrtwind tief ein, als könnte er sie von ihrer Angst befreien. Sie hoffte, er würde gleich ihren Schmerz wegwehen."
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Anouk hat seit dem Tod ihrer Mutter, die in ihrer Kindheit viel zu früh verstarb, eine gute Beziehung zu ihrem Vater. Jeden zweiten Mittwoch treffen sich die Beiden zum Essen. Anouk genießt die gemeinsamen Treffen mit ihm und die Zeit, die sie miteinander verbringen, bis er schließlich an einem Mittwoch einen Unfall hat und die dabei entstandene, schwere Gehirnerschütterung nicht überlebt.
Für Anouk bricht eine Welt zusammen. Nun wurde ihr alles genommen, was sie liebte. Mit wem soll sie jetzt sprechen? Wem kann sie sich anvertrauen? Zwar versucht ihre beste Freundin Claire, der jungen Frau beizustehen, doch sie ist schließlich keinen Ersatz für ihren Vater, der ihr doch so wichtig war. Während der Trauerfeier entdeckt sie das Handy ihres Vaters im Sarg. Mit dem letzten Funken Hoffnung, dass er doch nicht tot ist und vielleicht wieder aufwachen könnte, schaltet sie das Gerät an. Was dann passiert, sprengt die Grenze des Denkbaren. Anouk erhält tatsächlich einen Anruf.
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Die Autorin Anne Borel schuf mit "Ruf mich an, wenn du tot bist" ein Werk, das seine Leser zum Nachdenken anregen wird. Denn hier werden existentielle Fragen beschrieben, denen sich jeder früher oder später stellen muss. Liebe, Tod, Verlust, Angst!
Es ist interessant zu sehen, wie Anouk mit eben diesen umgeht und wie die junge Frau auf unvorhersehbare Situation reagiert. Durch die Anrufe aus dem Jenseits sieht sie sich zusätzlich gezwungen, sich mit ihrem eigenen Glauben zu beschäftigen.
Der Text ist angenehm lesbar und hält so manche Überraschung bereit.
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Fazit: Eine spannende Geschichte, die fast schon zu schnell zu Ende gelesen ist.

4 Sterne!

Montag, 13. Juni 2011

Zwei Noten auf Weltreise - Michaela Brauner-Zurmöhle


„Ein bisschen Angst habe ich schon. Ich war noch nie so weit weg von meinem Notenblatt.“

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Die zwei kleinen Noten Herr Pianissimo und Fräulein Allegro sind mit vielen Musikern auf einem Dorfplatz in Spanien als plötzlich das Unerwartete geschieht: Sie werden von einer Windböe von ihrem Notenblatt gefegt und hoch in die Lüfte getragen. Und zwar so hoch, dass die kleinen Noten ihr Dorf nicht mehr sehen können. In der Luft lernen sie nicht nur den anderen etwas besser kennen, sondern sehen auch, dass es noch viele weitere Lebensformen gibt hoch oben am Himmel, wie z.B. die Vögel. Natürlich kommen unsere beiden Noten wieder am Boden an und landen an einem herrlichen Strand. Von dort aus reisen sie per Flaschenpost weiter und erreichen bald schon Irland, dessen weite Landschaften die beiden in Staunen versetzt. Die nächste Station ist ein Land aus kaltem Puderzucker mit Eisbär-Einwohnern. Auch Japan mit Ying-Yang, die chinesische Mauer oder den Mount Everest als höchstem Berg der Welt dürfen Herr Pianissimo und Fräulein Allegro bewundern. So manches Abenteuer wartet auf die kleinen Freunde bis sie schließlich wieder an Bord eines richtigen Flugzeugs nach Spanien zurückfliegen und den Platz auf ihrem Notenblatt finden. Dort sind die Einwohner sehr glücklich, dass sie das alte Volkslied nach so langer Zeit wieder hören dürfen.
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Michaela Brauner-Zurmöhle schuf mit viel Phantasie ein herrliches Kinderbuch. Zusammen mit den zwei kleinen Noten dürfen sich die jungen Leser bzw. Zuhörer auf eine abenteuerliche Reise durch unsere Welt begeben und dabei viele interessante wie wissenswerte Dinge erfahren. Es macht richtig Spaß mit den kleinen, süßen Charakteren Neues zu entdecken und die beiden auf ihrer Reise zu begleiten. Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar und lässt vor dem Auge des Lesers lebendige, bunte Bilder entstehen. Ich bin sicher, dass gerade Kinder dieser Geschichte auch beim Zuhören gespannt folgen werden.
Der didaktische Mehrwert dieses Textes versteht sich von selbst. Es gibt viel zu erfahren von unserer Welt und fernen Ländern, ebenso werden aber auch Fachbegriffe der Musik nicht nur am Anfang des Buches erklärt, sondern sind zugleich in den Text selbst integriert. So dürfen die Kinder gespannt nach schauen, was die Namen Herr Pianissimo und Fräulein Allegro eigentlich bedeuten.
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Fazit: Dank einer einzigartigen Idee ist ein traumhaftes Kinderbuch entstanden, das man jedem nur empfehlen kann!

5 Sterne!

Samstag, 11. Juni 2011

Göttlich verdammt - Josephine Angelini

„Helen konnte Lucas' Herzschlag hören und der Arm, den er um sie gelegt hatte, spannte sich an, als wäre er in Gedanken schon bei der Schlacht, die ihm bevorstand, wenn er sie in seiner Nähe behalten wollte.“

Griechische Götter sind bloße Mythen, von Menschen personifizierte Naturgewalten und keinesfalls historische Gestalten. Von wegen!

Eine Lüge mit fatalen Konsequenzen, wie die junge Helen Hamilton bald herausfinden wird. Denn sie selbst ist eine Halbgöttin mit einer Reihe übernatürlicher Fähigkeiten.

Helen lebt mit ihrem Vater auf der Insel Nantucket und führt dort ein bescheidenes, ruhiges Leben. Warum ihre Mutter die beiden plötzlich verlassen hat, wird im weiteren Verlauf der Handlung geklärt. An ihrer High School gehört Lennie, wie sie liebevoll von ihrer besten Freundin Claire genannt wird, zu den unscheinbaren, schüchternen Schülern. Große Menschenmengen lassen sie nervös werden und nicht selten leidet sie unter Bauchkrämpfen, wenn sie im Mittelpunkt steht. Schon immer fühlte sie sich anders als die anderen, eine Vermutung, die mit dem Auftauchen der Familie Delos bestätigt wird. Für die neuen Mitschüler aus der Familie empfindet das sonst so selbstbeherrschte und zurückhaltende Mädchen tiefen Hass, ganz besonders gegenüber dem gut aussehenden Lucas.

Doch Helen kann ihre Aggressionen überwinden und stellt fest, dass sie von den Furien ausgelöst wurden, die verhindern wollten, dass sich die verschiedenen Häuser wieder vereinen.

Halbgötter wie Helen oder Lucas werden Scions genannt und stammen direkt vom Ödipus, Medea, Herkles und Persues ab. Die vier Häuser befanden sich in einer Fehde und nur das Haus Theben schien die lang andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen überlebt zu haben. Athen, Arteus und Rom galten als ausgelöscht, bis Helen entdeckt wurde. Damit wird die drohende Gefahr durch Zeus wieder real. Der mächtige Gott will alle Halbgötter vernichten, sollten sich die Häuser wieder vereinen. Vielfältige Gefahren ungeahnten Ausmaßes kommen auf Helen zu sowie tiefe Enttäuschungen. Ihr Leben scheint bis ins kleinste Detail vorherbestimmt und die Liebe zu Lucas scheint unmöglich.

Das Schicksal fügte hier zwei verwandte Seelen zusammen und erinnert an eine Liebe, die über mehrere Jahrtausende hinweg bestand: Helen und Lucas als direkte Nachkommen von Helena und Paris'. Werden sie sich auf Dauer voneinander fernhalten und die tiefe Sehnsucht füreinander ertragen können? Oder werden sie von den Göttern auf brutale Weise getrennt, damit nicht wieder ein Trojanischer Krieg ausbricht, der den Untergang der gesamten Welt bedeuten würde, so wie wir sie kennen?

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Eine atemberaubende Geschichte! Josephine Angelini ist es gelungen, eine außergewöhnliche Handlung entstehen zu lassen, die die unterschiedlichen Themenfelder wie Liebe, Sehnsucht, Kampf, antike Kultur, und griechische Götterwelt auf einzigartige Weise vereint. Nie waren epochale Meisterwerke wie Homers Ilias oder die Odysse attraktiver.

In der Familie Delos selbst finden sich vielfältige literarische Verweise, wie etwa die Fähigkeit der kleinen Cassie, Visionen der Zukunft zu empfangen wie einst das Orakel von Delphi.

Auch Namen wie Hector, Castor, Kreon zeugen von einer enormen Kenntnis der griechischen Mythologie. Ebenfalls muss man sich bei der Autorin bedanken, hier einen attraktiven männlichen Part einer Liebesgeschichte geschaffen zu haben. Lucas ist emotional und sexy, aber auch charismatisch und knallhart. Ein würdiger Halbgott, ein ganzer Mann!

Angelini schuf eine Wiederauferstehung der Antike, verbunden mit modernen Elementen, einer schicksalhaften Liebe und einem großen sich ankündigenden Kampf.

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Fazit: Action, Liebe und die Welt der Götter! Ich hätte es nie für möglich gehalten, nachdem mich weder Harry Potter, Der Herr der Ringe ,Bis(s) o.Ä. begeistern konnten. Doch nun wurde ich tatsächlich angesteckt mit dem Fantasy-Trilogie-Fieber! Und zwar völlig zu Recht!

Wäre ich 10 Jahre jünger, mein komplettes Zimmer wäre voller Starcrossed Poster.

Wenn sich ein Massenhybe lohnt, dann hier und jetzt!

Die Vorfreude auf den zweiten Teil ist groß!


6 Sterne ;)


Starcrossed ist in 20 Ländern erhältlich. Hier seht ihr andere Cover-Gestaltungen:



















(Schweden, UK, USA)

Bildquelle: http://www.josephineangelini.com

Weitere Infos: http://www.goettlich-verdammt.de Hier gibt es viele Hintergrundinformationen nicht nur zum Buch, sondern auch zur antiken Götterwelt. Sein Wissen kann man beim Götter-Quiz testen.
Das war mein Ergebnis:


Du bist fit für den Olymp!

Du hast die Göttin in dir erweckt! Deine Kenntnisse der griechischen Götterwelt sind hervorragend und machen dich zu einem ernsthaften Gegner. Du könntest problemlos auf dem Olymp mitmischen. Herzlichen Glückwunsch!


Zum Schluss ein kleiner Ausblick:
Teil 2: Mai 2012, USA: Es soll düsterer werden. Thema sind Helens Erfahrungen in der Unterwelt.
Teil 3: Der finale Kampf zwischen Göttern und Sterblichen.




Happy Aua - Spiel

Wilde Assoziationen und kreative Kommentare erwünscht!

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Den Irrgarten der deutschen Sprache führte uns Bastian Sick bereits in seinen berühmt gewordenen Werken vor Augen. Wie viele Fehler im Bereich der Grammatik und auch der Rechtschreibung im alltäglichen Leben zu finden sind, ist immer wieder verblüffend.

Aus den besten Beispielen ist nun ein Spiel entstanden, bei dem man sich vor Lachen nicht mehr halten kann! Denn eins ist sicher: Noch lustiger als die bloße Betrachtung der fiesen Fehler ist es, sich darüber lustig zu machen und das in geselliger Runde bei einem Spieleabend!

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Der Spielverlauf:

Auf 60 Bilderkarten ist jeweils ein Foto zu sehen, das die aberwitzigen Funde aus Zeitschriften, Anzeigen, Werbeplakaten, Autobeschriftungen und vielen anderen Bereichen zeigt.

Gespielt werden kann mit 3-6 Teilnehmern. Vor der ersten Runde werden die Karten gemischt und anschließend 6 Karten gezogen, die der Spielleiter bekommt. Nun wird die erste Karte aufgedeckt und alle Spieler sind aufgefordert, lustige Kommentare dazu aufzuschreiben. Danach werden diese vom Spielleiter eingesammelt und vorgelesen. Zusammen wird in einer Abstimmung entschieden, welches der Kommentare am witzigsten ist. Der kreative Verfasser dieses Beitrags ist der Gewinner der ersten Runde und bekommt die Bildkarte. Er darf nun den Beitrag vorlesen, der auf der Rückseite der Karte steht. Am Ende gewinnt der Spieler, der auf diese Weise die meisten Karten gewonnen hat. Auf Wunsch kann das Spiel verlängert werden, indem vor dem eigentlichen Start mehr als 6 Bildkarten gezogen werden.

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Die Bewertung:

Das Spiel fordert die Lachmuskeln der Spieler dreimal heraus:

Bereits bei der Betrachtung der Karten kann man sich zumeist nicht mehr halten vor Lachen. Als nächstes ist das Vorlesen der Kommentare der einzelnen Spieler zu nennen und schließlich die Bekanntgabe des Kommentars auf der Rückseite der Karte mit einem Hinweis auf den Fundort.

Hier zwei Beispiele:


Anzeige:

Aushilfe für die Belegten Brötchen gesucht: auf 400 Euro Basis, ab 18 Jahre ...

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Kommentar auf der Rückseite der Bildkarte:

„Unsere Brötchen machen Urlaub. Wenn Sie Erfahrung als Belegtes Brotchen haben, dann bewerben Sie sich!“

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Klebeetikett: Gruge

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Kommentar auf der Rückseite der Bildkarte:

Hessisches Gemüse. Wahlweise gibt’s auch noch Broggoli und Suggini.

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Fazit: Es macht riesigen Spaß, dieses Spiel zu spielen! Ein herrliches Vergnügen für die ganze Familie, auf Party- oder Spieleabenden mit Freunden, zur Auflockerung von Geburtstagsfeiern und vielleicht auch zum Zeitvertreib einzelner Freistunden in der Schule. Bringen Sie sich selbst und Ihre Schüler zum Lachen!


5 Sterne!


Montag, 6. Juni 2011

Magyria - Gewinnspiel

GEWINNSPIEL:

Magyria - Die Seele des Schattens (Lena Klassen)



„Sie sahen einander an und wussten es beide. Alles, was gewesen war. Alles, was sie bis hierher gebracht hatte. Hier, beim Licht, war die einzige Hoffnung auf Erlösung.“

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Mit Magyria 2 – Die Seele des Schattens ist Lena Klassen ein würdiger Nachfolger des ersten Bandes Magyria – Das Herz des Schattens gelungen.

Im Gegensatz zu den meisten Vampir-Romanen, geht es hier nicht einzig und allein um eine Liebe zwischen Menschenmädchen und unwiderstehlichem Vampir, sondern vielmehr um eine einzigartige Fantasy - Geschichte. Auf eindrucksvolle Weise fügt die junge Autorin alle wesentlichen Elemente des Genres zusammen und lässt eine außergewöhnliche Handlung entstehen, die sich von allem bisher Gekannten abgrenzt.

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Erneut wird der Leser mitgenommen auf eine abenteuerliche Reise mit Hanna und Mattim. Das junge Deutsche Au-Pair Mädchen hat in Budapest nicht nur die geheimnisvolle Parallelwelt Magyria gefunden, sondern in Mattim auch ihre große Liebe, der, obwohl er ein Vampir ist, für Hanna seine dunkle Seite besiegt und einzig und allein für das Gute lebt. Mattim ist kein gewöhnlicher Vampir, sondern ein mächtiger Prinz in seinem Reich. Leider müssen die beiden schnell erfahren, dass Mattims Vater, Magyrias König schon lange nicht mehr an das Gute glaubt. Die Idee seines Sohnes, Menschen und Vampire zu versöhnen, löst bei ihm Wut und Entsetzen aus. Hanna und Mattim konnten nicht ahnen, auf welche Gefahren sie sich eingelassen haben. Das ganze Geschehen verschlimmert sich, als Mattims Bruder Kunun mit einer Vampir-Armee vor den Toren Budapests steht. Es geht nicht mehr ausschließlich um ihre Liebe. Sie sind nun gezwungen, für das Gute zu kämpfen. Zusätzlich muss sich Hanna um ihr Au-Pair Schützling Réka kümmern, die ebenfalls immer mehr von der dunklen Seite angezogen wird.

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Fazit: Es geht in dem Buch nicht nur um Fantasy, sondern auch um Eifersucht, Macht, Liebe und Verluste. Damit werden Bereiche thematisiert, die gerade für junge Erwachsene eine wichtige Rolle spielen und das Lesen so interessant machen. Die Entwicklung der Charaktere ist spannend, die Erlebnisse, mit denen die beiden konfrontiert werden, ebenfalls. Schließlich ist ihre Liebe das einzige Licht in der Finsternis und in dem Kampf um das Gute und die eigenen Ideale.

4 Sterne!


Liebe Leser,

als kleines Dankeschön an euch möchte ich nun ein Gewinnspiel zu diesem Titel starten.


Der Preis ist Magyria 2 - Die Seele des Schattens (gebundene Ausgabe) inklusive einem Set verschiedenster Lovelybooks - Lesezeichen!


So könnt ihr teilnehmen:

1) Da ich mich bei meinem Lesern bedanken möchte, sollten die Teilnehmer als regelmäßige Leser meines Blogs gelistet sein. (Ihr könnt euch auch nachträglich eintragen.)

2) Schreibt mir als Kommentar, warum ihr dieses Buch unbedingt lesen wollt oder vervollständigt folgenden Satz:

"Ein Vampir-Prinz muss ..."


Die Beiträge schickt ihr zusammen mit eurer Adresse an: buchbewertungen[@]web.de

Einsendeschluss ist Sonntag, der 26.06.2011.


(Natürlich werden alle Adressen vertraulich behandelt und nach der Auslosung gelöscht.)

Es ist nicht erforderlich, Werbung für dieses Gewinnspiel zu machen. Solltet ihr dies trotzdem tun, freue ich mich natürlich.


Ich wünsche allen Teilnehmern viel Erfolg!

Liebe Grüße,

Sophia


Für die freundliche Unterstützung möchte ich mich herzlich bei Penhaligon bedanken!

Sonntag, 5. Juni 2011

Verfallen - Esther Verhoef

„Zitternd lege ich mich wieder ins Bett und ziehe die Decken hoch bis zum Hals. Mit weit offenen Augen liege ich da und starre an die Decke. Vollgepumpt mit Adrenalin, auf jedes Geräusch achtend.“

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Nachdem Eva ihren Job verloren hat und ihre journalistischen Fähigkeiten alles andere als gewürdigt wurden, will sie nur noch eins: Abschalten und Ruhe finden!
Am besten bei ihrer Freundin Dianne, die ihr ganzes Leben lang wie eine Schwester für sie war und nun in einem kleinen idyllischen Dorf In Frankreich lebt. Eva freut sich auf Natur, Erholung und ein Wiedersehen mit Dianne. Sie ist die einzige Person, die Eva nun aufmuntern und auf andere Gedanken bringen kann.
Doch seltsamerweise ist Dianne nicht zu erreichen, weder per Mail, Handy oder Telefon. Dennoch beschließt Eva zu ihr zu fahren und ahnt nicht, auf welche Gefahr sie sich dabei einlässt.
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Diannes Haus liegt ablegen in einem Waldstück und von Idylle kann keine Rede sein. Das ganze Haus verbreitet eine unangenehme Atmosphäre, die durch die herbstliche Umgebung nur noch verstärkt wird. Denn nicht nur das Haus, sondern vielmehr das ganze Dorf ist kühl und ablehnend. Ihre Nachbarn sind bedrohliche Jäger, die sich durch Evas Anwesenheit gestört fühlen. Auch die Polizei scheint ablehnend und geht nur wenig auf die Sorge der jungen Frau um ihre Freundin ein. Schließlich wird alles schlimmer, als die Katze auf brutale Weise ermordet wurde und deren Überreste plötzlich vor dem Haus liegen. Wenig später muss Eva selbst um ihre Sicherheit fürchten.
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Esther Verhoef ist völlig zurecht die Gewinnerin des Niederländischen Thrillerpreises. Ihr Werk verfügt über alle Merkmale eines guten Thrillers. Gleich zu Beginn wird der Leser Zeuge eines brutalen Mordes an einer jungen Frau und hegt daher im weiteren Verlauf der Lektüre die Vermutung, dass es sich dabei um die verschwundene Dianne handeln muss. In einzelnen Episoden blickt die Protagonistin auf ihre Kindheit zurück und berichtet von gemeinsamen Erlebnissen mit Dianne, die die beiden so sehr verbunden haben. Dadurch, dass die Autorin ihre Protagonistin selbst zu Wort kommen lässt und den Text in der Ich-Perspektive geschrieben hat, fühlt man als Leser mit. All die unheimlichen Situationen im Haus, die man nicht zuordnen kann, Diannes Schicksal und die Frage nach der Wahrheit werden quasi miterlebt. Jede einzelne Situation der Angst, des Ungewissen und der Spannung empfindet man mit Eva. Interessant ist auch die Entwicklung zwischen ihr und ihrem Freund Erwin, der die junge Frau unterstützt. Am Ende des Textes steht eine ungeahnte Erkenntnis, die ganz anders ausfällt, als eigentlich gedacht und sowohl der Figur selbst als auch jedem einzelnen Leser die Augen öffnet.
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Fazit: Ein packender Thriller, der auf beeindruckende Weise die Themenkomplexe Vertrauen, Liebe und Freundschaft mit Spannung und unvergleichlichem Nervenkitzel verbindet. Absolut lesenswert!

5 Sterne!

Donnerstag, 2. Juni 2011

Die letzte Zeile des Märchens - Massimo Gramellini

„Deine Geschichte kann die Geschichte eines Feiglings oder die eines Helden werden. Entweder bleibst du in der tiefen Höhle deiner Ängste stecken oder du lernst, dass die Liebe Berge versetzt. Triff eine Wahl. Aber hör auf, außerhalb deiner selbst zu suchen.“
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Der junge Tomàs erlebte bereits viele Enttäuschungen und hat daher jede Lebensfreude verloren. Alles scheint ihm sinnlos. Das Leben wirkt auf ihn wie eine trostlose Abfolge einzelner Tage. Schon lange hat er seine Träume und die Hoffnung, seine Zwillingsseele zu finden, aufgegeben.
Die große Liebe gibt es wohl nur im Märchen, eine These, die sich während seines ganzes Lebens scheinbar immer wieder aufs Neue bestätigt. Nach unglücklichen Liebschaften flüchtet er sich in der Zeit seines Studiums in Alkohol und diverse Lektüren, danach in wechselnde Affären. Als er schließlich die lang erhoffte große Liebe gefunden hat, wird er erneut enttäuscht und leidet nun umso mehr. Sein Schicksal spielt ihm übel mit, als er wenig später bei einem Strandspaziergang zusammengeschlagen wird und das Bewusstsein verliert.
Sieht so sein Leben aus? Ist er nur dazu auf der Welt, um unglücklich zu sein und zu leiden?
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Als Tomàs erwacht und sich bei einem magisch-übersinnlichen Wesen wiederfindet, glaubt er, gestorben zu sein und ist darüber fast schon glücklich.
Doch der magische Ort entpuppt sich nicht als Jenseits, sondern vielmehr als „Seelen-Therme“, eine der vielen möglichen Existenzebenen. Es handelt sich dabei allerdings nicht um einen Ort der Erholung, sondern um einen Ort der Belehrung und neuen Erkenntnis. Auf Tomàs warten neue Bekanntschaften, Erlebnisse und so manche Prüfung, der er sich stellen muss. Er wird mit sich selbst konfrontiert und lernt neue Perspektiven kennen.
Am Ende wird aus dem zynischen, selbstironischen, verbitterten Tomàs ein hoffnungsvoller Mensch, der offen ist für die Schönheit, die ihm das Leben bereit hält und die letzte Zeile seines Märchens verwirklichen will: Glücklich und zufrieden leben bis ans Ende der Tage.
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Massimo Garmellini ist es gelungen, auf einzigartige Weise ein Märchen für Erwachsene entstehen zu lassen, wie es spannender und lehrreicher nicht hätte sein können. Denn nicht nur der Protagonist des Stücks gelangt zu neuen Erkenntnissen, sondern auch jeder einzelne Leser.
Dabei nimmt der Autor immer wieder Bezug zu bekannten Märchen und deutet diese auf die Welt der Erwachsenen um. So entpuppt sich besonders „Die Schöne und das Biest“ als gewinnbringende Lebenshilfe. Interessant sind die Bezüge zum (christlichen) Glauben. Demnach ist der Name eine Anspielung auf die biblische Figur des ungläubigen Thomas, der die transzendente Sphäre ebenfalls anfangs nicht wahrnehmen konnte. Zitate aus dem apokryphen Thomas-Evangelium bilden den Rahmen des Textes.
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Fazit: Ein außergewöhnliches Buch, das sich spirituellen Themen auf einzigartige Weise nähert.

5 Sterne!