Mittwoch, 28. Dezember 2011

Herrschaft der Alten - Alfred Bekker


Zerstörerische, freiheitsvernichtende Vision einer zukünftigen Welt

Eine Zukunft gab es für sie nicht in dieser kleinen, mitteleuropäischen Gefängniszelle namens Deutschland, die sich erst für über Fünfundsiebzigjährige öffnete. Eine Zukunft, die diesen Namen verdiente, die gab es nur irgendwo da draußen.“

Dem demographischen Wandel ist es zu verdanken, dass in weniger als 100 Jahren die Gruppe der Kinder bzw. Jugendlichen eine absolute Minderheit in unserem Land darstellt und somit auf jegliche Rechte verzichten muss. Die große Masse der Bevölkerung Deutschlands wird hingegen von den Alten gebildet. Sie bestimmen alle Normen und Maßstäbe, an die es sich zu halten gilt. Bundesforce, eine Spezialeinheit der Polizei sowie speziell eingepflanzte Chipkarten machen die totale Kontrolle möglich und vor allem Jugendliche werden durch eine abweichende Meinung schnell zur Zielscheibe staatlicher Aufmerksamkeit. Um eine umfassende Versorgung der Alten und insbesondere der Uralten gewährleisten zu können, müssen Erwerbstätige nicht nur mehr als die Hälfte ihrer Einnahmen in Form von Steuern abgeben, sondern sind vielmehr dazu verpflichtet, regelmäßig für die Verpflegung der Ältesten Sorge zu tragen. Neben einem Hauptjob sind mehrere Zweitjobs an der Tagesordnung. Die Situation scheint sich nicht zu verbessern, im Gegenteil. Unter diesen Voraussetzungen sehen immer weniger Menschen Sinn darin, Kinder in eine solche Welt setzen. Eine Welt, in der es keine andere Zukunftsperspektive zu geben scheint. Schließlich werden die Alten immer Älter. Alzheimer- und Demenz-Rückführungstherapien sowie hochtechnologisierte medizinische Behandlungsmethoden lassen das Durchschnittsalter immer weiter steigen. Und an Auswandern ist vor dem 75. Lebensjahr nicht zu denken, so schreibt es schließlich das Gesetz vor. Ein Grund, warum sich viele jenseits dieses Alters zu einer sogenannten Reise ohne Wiederkehr entschließen. Ziel ist häufig eine Siedlung auf dem Planeten Mars. Doch mit 75 ist auch für sie die beste Hälfte des Lebens um.

Benn sieht das ähnlich. Er möchte ein Leben in Freiheit führen und versucht mit seinen Freunden Sara, Nicolas und Bahar jenem System zu entkommen, das einem Gefängnis gleicht. Doch um ihr Ziel zu verwirklichen, müssen sich die vier Freunde Gefahren bisher ungeahnten Ausmaßes stellen.

Freiheit. Ein Begriff, der verschiedene Dimensionen vereint, wie etwa Selbstbestimmung, Reisefreiheit oder die freie Entfaltung der Persönlichkeit. All diese inhaltlichen Dimensionen sind den Protagonisten dieses Werkes fremd. Sie leben in einer Umwelt, die ihnen sogar vorschreibt, was und wie viel sie essen dürfen oder ab wann es gestattet ist, sich frei zu bewegen. In diesem Sinne läd die Lektüre dazu ein, sich mit der Bedeutung allgemeiner Werte auseinanderzusetzen, eigene Freiheiten aus einer neuen Perspektive heraus zu betrachten und diese als wertvoll anzuerkennen. In positiver Weise werden zudem Bilder eines denkbaren Fortschritts entworfen, die der Menschheit neue Vorteile bieten und das Leben vereinfachen. Die Entwicklung der Massenkommunikation im Internet in Verbindung mit einer Art Chipkarte wäre eines der interessanten Utopien, die der Text seinen Lesern zu bieten hat. Zusammenfassend lässt sich hier eindeutig sagen, dass dieses Werk eine überaus empfehlenswerte Lektüre ist, gerade für Jugendliche im Hinblick auf die Zukunft. Meines Erachtens nach kann der Text ebenfalls wunderbar als Schullektüre zum Einsatz kommen. Der didaktische Mehrwert ist unverkennbar und die Schülerinnen und Schüler werden bei dieser Thematik und der spannenden Erzählweise des Autors die Motivation am Lesen sicher an keiner Stelle missen.

Fazit: Eine gelungene Kombination aus phantasievoller Geschichte, spannender Zukunftsvision und gesellschaftskritischen Elementen!

5 Sterne!

Weitere Infos zum Titel: www.editionzweihorn.de

Kommentare:

  1. Danke für diesen interessanten Buchtipp! Das klingt genau nach meinem Geschmack.

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  2. Gerne doch! Danke für deine Rückmeldung! Das Buch ist wirklich lesenswert!

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  3. Deine Rezension macht wirklich neugierig auf das Buch. Ich habe es gleich mal auf meine Wunschliste geschrieben.

    LG
    Jai

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  4. Vielen Dank für die positive Rückmeldung! Ich freue mich, wenn meine Rezensionen gut ankommen!

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