Sonntag, 4. Dezember 2011

Erotisches Kapital - Catherine Hakim


Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie verbringen einen Abend bei Freunden oder Bekannten, vielleicht ein Geburtstag, einen Spieleabend oder einfach nur ein gemütliches Zusammensein. Sie unterhalten sich angeregt mit einer kleinen Gruppe und haben eine schöne Zeit. Wenige Wochen später können Sie sich noch an manche der Gäste bewusst erinnern, während Sie einige wenige von ihnen bereits völlig vergessen haben. Woran liegt das?

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Dr. Catherine Hakim, Soziologin an der London School of Economics, forscht seit Jahren als international anerkannte Expertin der Bereiche Familien- und Sozialpolitik sowie Arbeitswelt. Besondere Aufmerksamkeit widmet sie Frauen in ihren Forschungen. In ihrem neuesten Werk schildert sie die Theorie des erotischen Kapitals und erklärt präzise, warum manche Menschen erfolgreicher sind als andere.

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Erotisches Kapital, ein auf den ersten Blick schillernder Begriff. Ganz konkret meint Hakim damit „eine schwer fassbare, eminent einflussreiche Kombination aus Schönheit, Sex-Appeal, sozialen Kompetenzen und der Fähigkeit, das eigene Selbst zu präsentieren, in Worte zu fassen – eine Synthese aus sozialer und physischer Anziehungskraft, dank der manche Männer und Frauen besonders angenehme Gesellschaft und liebenswürdige Kollegen sind, die auf alle Angehörigen ihres Umfelds und insbesondere auf das andere Geschlecht höchst anziehend wirken.“

Wie diese erste Erklärung schon zu erkennen gibt, handelt es sich hierbei um mehrere Dimensionen, die dieser Begriff vereinigt. Erotisches Kapital ist ein anzustrebendes Attribut eines Menschen, das nicht nur Attraktivität und Sex-Appeal, sondern vielmehr noch Charme, Anmut, Vitalität oder das Auftreten im sozialen Kontext umfasst. Nach einer Darstellung des Begriffs geht es in erster Linie um den Unterschied zwischen Begehren und Begehrtwerden. Eine Polarität, die sich ebenfalls auf die Geschlechter übertragen lässt. Inwiefern die Frau hierbei unterdrückt wird, obwohl sie eigentlich im Vorteil wäre, stellt die Autorin Schritt für Schritt heraus. Besonders interessant sind die Schilderungen bzgl. der Bedeutung in der Werbeindustrie sowie die Konsequenzen des erotischen Kapitals für das alltägliche Leben. Auch die Erläuterungen zum Zusammenhang von Attraktivität und Geld oder den Einfluss auf das Einkommen sind sehr lesenswert und halten zahlreiche wissenswerte Informationen für den Leser bereit.

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Bei der Lektüre des Buches wird ersichtlich, welche ausführliche Vorbereitung diesem Text zugrunde liegt. Man erhält viele gewinnbringende Einsichten, die sich im Alltag sinnvoll einsetzen lassen, ob als Analysekriterien oder hilfreiche Reflektionstipps zum eigenen Auftreten. Trotz des wissenschaftlichen Anspruchs ist dieser Text angenehm lesbar und von hohem Nutzen. Die ausführlichen bibiographischen Daten im Anhang können für eigene Studien zum Thema oder zur weiterführenden Lektüre genutzt werden.

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Fazit: Prädikat empfehlenswert!


5 Sterne!

Weitere Informationen auf der Seite des Campus-Verlags!

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