Sonntag, 30. Oktober 2011

In die Füße atmen - Mark Welte


Wie konnte jemand wie ich überhaupt auf die Idee kommen, Schauspieler zu werden? So schüchtern wie ich war, damals. Aber wie jeder andere Schüchterne wartete auch ich auf einen kleinen Schubs. Denn in jedem Schüchternen steckt ein Mutiger, der befreit werden will, und dazu braucht es den Schubs.“

Jan Diamant ist alles andere als der perfekte Kandidat für eine Schauspielschule. Als introvertierter, zurückgezogener, vor jeder unbekannten Situation in Panik ausbrechender junger Mann sollte er wohl lieber ein weniger spektakuläres Berufsziel verfolgen. Und doch hat er dieses Ziel vor Augen: Lina. Er musste sich ausgerechnet in ein Mädchen verlieben, das schon zu Schulzeiten außerhalb seiner Reichweite lag. Mit vielen ihrer Charaktereigenschaften konnte Jan schon damals nicht mithalten: Sie ist aufgeschlossen, attraktiv, beliebt. Er ist ... Jan, der am liebsten mehrmals am Tag unsichtbar werden würde. Um Lina nach der Schule nicht aus den Augen zu verlieren, gibt es nur eine Möglichkeit. Jan muss sie auf die Schauspielschule verfolgen. Ja vielmehr noch: Durch seine Performance auf der Bühne überzeugen, um sich einen der beliebten Plätze zu ergattern und somit aufgenommen zu werden. Das Schicksal meint es gut mit ihm und tatsächlich schafft er die Aufnahmeprüfung. Dabei ahnt er allerdings noch nicht, welche abenteuerlichen Erlebnisse noch folgen werden.

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Mark Welte kombiniert in seinem Roman zwei Bereiche, die auf den ersten Blick nicht zueinander passen: Schüchternheit und Schauspielkunst. Allein die Idee, einen solchen Protagonisten zu entwickeln, wie wir ihn in Jan vorfinden, sollte gewürdigt werden. Es ist interessant zu sehen, wie er sich entwickelt und mit seiner Schüchternheit im Verlauf der Handlung umgeht. Die Tatsache, dass sein Zwillingsbruder das komplette Gegenteil von ihm ist, macht die Geschichte zusätzlich spannend. Für den Leser stellt sich die Frage, ob es Jan Diamant gelingen wird, Lina zu erobern und sich selbst zu überwinden. Viele lustige Situationen gilt es mitzuerleben. Ein interessanter, gut lesbarer Text. Besonders gefreut hat es mich, dass mit Jan eine authentische Figur entstanden ist, die viel Platz bietet für Identifikation und Sympathien der Leser. Er hat, wie jeder von uns, seine Schwächen und ist dennoch mutig, das beste daraus zu machen und seine Ziele anzugehen. Eine positive Botschaft, die hinter dem Text steht.

Fazit: Kurzweiliges Lesevergnügen.

4 Sterne!

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