Freitag, 9. September 2011

Das Leben ist ein Purzelbaum - Bernd-Lutz Lange



„Dem Lehrer platzt der Kragen. „Mäuschen, Kätzchen, Hündchen! Ihr sollt die Tiernamen nicht immer verkleinern! Es heißt die Maus, die Katze oder der Hund! Franz, nenn du mir ein Tier!“ Franz zögert und meint: „Wie wäre es mit – das Kanin.“
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Mit dieser herrlich heiteren Episode aus dem Schulalltag erfreut Bernd-Lutz Lange seine Leser im ersten Kapitel seines neuesten Werkes „Das Leben ist kein Purzelbaum“ und stellt damit schon am Anfang des Textes unter Beweis, dass er von der Heiterkeit des Seins durchaus zu berichten weiß. In zehn Kapiteln präsentiert er eine Sammlung interessanter Anekdoten aus dem Leben bekannter Parodisten, Schriftstellern und Verlegern. Dabei lässt er seine Leser an verschiedenen Epochen teilhaben, wie etwa der wilhelminischen Ära. Auf der Reise durch die Zeit wird einem schließlich wieder bewusst, warum Deutschland einst als das Land der Dichter und Denker galt. Er beschränkt sich allerdings nicht nur auf vergangene Tage, sondern widmet sich vielmehr auch der jüngeren Geschichte und letztlich auch der aktuellen Situation des Landes. Mit einem fröhlichen und einem traurigen Auge beschreibt Lange am Ende des Buches die aktuellen Änderungen der Sprache wie folgt: „Und der Deutschen größter Dichter sagte seinerzeit: „Der Dialekt ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft.“ Deshalb frage ich mich in Bezug auf die sprachliche Verluste: Und woraus schöpft sie dann zukünftig?“
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Besonders für Literaturkenner, Germanisten und Schriftsteller ist dieser Titel sehr zu empfehlen.
Denn allein schon durch Langes Ausdrucksweise, die von einem beneidenswertem Sprachgefühl zeugt, wird die Lektüre zu einem einzigartigen Erlebnis und darf genossen werden. Zusätzliche Berichte über bekannte Persönlichkeiten, zu denen etwa Carl Sternheim zählt, liefern neue Einsichten. Des Weiteren darf über so manche skurrile Begebenheit geschmunzelt werden. Als ein Beispiel sei an dieser Stelle der Zoologische Garten Leipzig genannt, in dem in der Nachkriegszeit Tiere zur Obhut abgegeben wurden, die aufgrund der Nahrungsmittelknappheit von den Besitzern nicht länger gehalten werden konnten. So war es keine Seltenheit, wenn aus dem Vogelhaus plötzlich ein „Heil Hitler“ gehört werden konnte. Die Zeichnung des Grafikers Egbert Herfurth, die hier eingefügt wurde, trägt sehr zum Amüsement bei. Eine umfassende Bibliographie im Anhang des Buches weist für interessierte Leser auf weiterführende Literatur hin und darf gerne als Empfehlung angesehen werden.
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Fazit: Die Texte Bernd-Lutz Langes erinnern nicht nur an vergangene Zeiten und die hohe Stellung der deutschen Dichtkunst, sondern stellen ebenso unter Beweis, dass auch der Autor selbst zu den Wort-Künstlern zu zählen ist. Sehr lesenswert!

5 Sterne!

Kommentare:

  1. Sehr schöner Blog - Sie haben ein neues Mitglied. Maren Anita www.Fashion-meets-Art.blogspot.com

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  2. Vielen Dank! Das Kompliment kann ich nur zurück geben!!! :)

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