Freitag, 19. August 2011

Gott bewahre - John Niven

„Den Rest der Mittagspause weint Gott bitterlich.“

-

Und genau dazu hat er auch allen Grund. Seit der Erschaffung der Welt ist Gott für die Menschen da gewesen und hat sich voller Hingabe um sie gekümmert. Doch im Jahr 1609 beschließt er, endlich selbst Urlaub zu machen und einfach mal ein paar Tage zu entspannen. Schließlich geht es seinen Schützlingen gut. Bis zur Renaissance haben sie eine Vielzahl unterschiedlicher Entdeckungen gemacht und erstaunliche Entwicklungen hinter sich. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Was soll schon großartig passieren? Und Jesus ist ja auch noch da!

_

Als Gott nach seinem Urlaub zurück kehrt, traut er seinen Augen kaum. Er kann es nicht fassen, wie sich seine Welt bis zum Jahr 2011 verändert hat. Sicher, im Himmel vergeht die Zeit schneller, aber Diskriminierungen, Hassprediger, Kriege, Massen- und Völkermord sowie eine fast schon bis zur Aussichtslosigkeit zerstörte Umwelt?! Was hat Jesus in der ganzen Zeit nur gemacht?

Für Gott steht fest: Er muss zurück! Ein zweites Mal auf die Erde.

Die Kreuzigung hat zwar erst vor einem Monat stattgefunden, aber es geht nicht anders. Jesus soll den Menschen erneut die Botschaft Gottes vermitteln, die da lautet: Seid lieb!

Jesus fügt sich natürlich dem Willen seines Vaters und begibt sich erneut auf die Reise. Dieses Mal hat er ein Ziel vor Augen: Eine Rock-Band gründen, ein Star werden und Gottes Botschaft in seinen Songs verkünden. Doch sein Vorhaben ist leichter gesagt als getan.

_

John Niven zeichnet einen zynisch wütend-aggressiven Gott und verdeutlicht seine Charaktereigenschaft in den vielen Gesprächen, die Gott mit seinen himmlischen Mitarbeitern oder auch seinem Sohn führt. Die Erfahrungen des Autors als Gitarrist, Manager einer Plattenfirma und Entdecker der Band Travis konnte er für diesen Text sicher gut nutzen. Viele beschriebene Abläufe gerade aus der Bandzeit von JC', wie Jesus von seinen modernen Anhängern genannt wird, sind sehr authentisch. Es ist interessant zu sehen, wie dieser Jesus in der modernen Zeit agiert.

Warum Niven dieses Buch geschrieben hat, erklärt er wie folgt:

„Nicht zuletzt war ich schockiert von der Tatsache, dass Jesus und Gott komplett vom rechten Flügel vereinnahmt werden: Gott gegen Schwule, Gott gegen Abtreibung etc. Dies ließ mich an etwas denken, was der große Bill Hicks einst gesagt hatte: dass sich Gott, falls er existierte, doch vor allem für Liebe und Toleranz einsetzen würde. Und nicht für Hass und Intoleranz.“

_

Seltsamerweise bemerkt man als Leser von Gottes „Seit lieb!“ bei ihm persönlich reichlich wenig. Ein liebender Gott würde in keinem Gespräch Worte wie „verf***“ oder „Flachw***“ verwenden und sie Gewalt der Worte aktiv anwenden. Viele der beschriebenen Szenen sind für meinen Geschmack zu viel des Guten, sei es Gottes Gewalt gegen Moses oder die fast schon lächerliche Szene, in der er Jesus als Bestrafungsmaßnahme am Ohr zieht.

Eins ist sicher: Den HARDCORE Hinweis hat der Titel wahrlich verdient!

_

Die Geschichte ist interessant und der Text lässt sich gut lesen. Doch Nivens Buch ist keineswegs der Inbegriff von Toleranz, Akzeptanz, Respekt und „Seid lieb!“ Es ist eine Kombination aus knallharter Gottes- und Gesellschaftskritik. Für manche Leser kann es großen Spaß machen, nur für mich leider nicht!

3 Sterne!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen