Dienstag, 5. Juli 2011

Das katholische Abenteuer - Matthias Matussek


Menschen in Extremsituationen – Die Religion in Extremsituationen

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Matusseks katholisches Abenteuer ist ein mutiges, ein ehrliches Buch, mit dessen Hilfe der Autor seinen Glauben neu bezeugt und das gerade in Zeiten, in denen das Schiff des Katholizismus vielen Stürmen ausgesetzt ist. Es hagelt Kritik von allen Seiten, doch nichts desto trotz ist Matussek stolz auf seinen Glauben. Er hält geradezu unerschütterlich daran fest.

In diesem Werk lässt er seine Leser daran teilhaben, warum er auch heute immer noch ein leidenschaftlicher Katholik ist. Dabei werden nicht nur Einblicke in seine persönliche Biographie offen gelegt, sondern vielmehr auch zum Nachdenken über provokante Thesen angeregt, die die Lehre der katholischen Kirche selbst betreffen.

Die Kapitel sind als kleinere Essays in folgende Kategorien gegliedert:

> Ausgangslagen

> Glaubensschlachten

> Meine Kirche

> Gott und die Welt

> Endspiele

Hochinteressant sind die Begegnungen mit bekannten Persönlichkeiten, wie beispielsweise Gregor Gysi und vielen weiteren, die detailliert beschrieben werden. Berichte über Favela-Priester in Rio de Janeiro oder orthodoxe Juden der USA liefern zusätzlich neue Erkenntnisse und weiten den Blick auf internationale Vergleiche. Die im Untertitel angekündigte Provokation richtet sich in erster Linie nicht an Mitchristen, sondern an den eher atheistisch geprägten Teil der Gesellschaft. Mit knallharten Argumenten begegnet er diesen Gruppen in einer Weise, die schon fast keinerlei Zweifel mehr zulässt.

Matthias Matussek ist ein begnadeter Journalist, der den kunstvollen Umgang mit Worten bestens beherrscht. Hier wird schon der Prozess des Lesens zu einem Abenteuer. Fotos verschiedenster Reisen sowie seiner Kindheit ermöglichen außergewöhnliche Einblicke und ziehen den Leser regelrecht in das jeweilige Themenfeld hinein. Einzelne Karikaturen sind eine willkommene Abrundung des zuvor Beschriebenen und dürfen genossen werden. Mit ironisch-sarkastischen Passagen ist ein Text entstanden, den man so schnell nicht wieder aus der Hand legen will. Er überzeugt! Auf diese Weise sollte schließlich auch der Glaube überzeugen.

Apropos genießen. Zum Abschluss ein Zitat zum Thema würdiges Leben:

Es ist eine schöne Pointe, dass es unserem gottesfürchtigem Umgang mit menschlichem Leben zu verdanken ist, dass es Stephen Hawking, den großen Gotteszweifler, überhaupt gibt – seine Krankheit wäre womöglich in einer pränatalen Diagnostik erkannt und der ganze Stephen Hawking schon früh aussortiert worden.“

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Fazit: Mut zur Provokation auch und gerade dann, wenn es um das katholische Abenteuer eines jeden Einzelnen geht.

5 Sterne!

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