Donnerstag, 7. Juli 2011

Am Abgrund ist die Aussicht schöner - Heike Wulf


„Sie war schwer gefallen, kein Prinz hatte sie aufgefangen, niemand den Sturz gedämpft.“

-

Diese und ähnliche negative Erfahrungen erleben Heike Wulfs Protagonistinnen. Das besondere Anliegen der Autorin, die als Redakteurin und Dozentin tätig ist, scheint die gezielte Unterstützung von Frauen, die in ihrem Leben ebenso wie die fiktiven Figuren am Rande des Abgrunds stehen und Fürchterliches erleben mussten. Daher macht sie am Ende ihres Werkes auf die Initiative Bloody Marys aufmerksam, in deren Kontext viele Geschichte Inspiration fanden.

_

Unbeschreibliche Geschehnisse werden in den einzelnen Texten für die Leser greifbar gemacht und kunstvoll in Worte gefasst. Dazu zählen Themen wie beispielsweise Zwangsprostitution, Mord, Eifersucht und Rache, Ehebruch und unglückliche Beziehungen, Lügen und Einsamkeit, die episodenhaft beschrieben werden. Hier zeichnet sich das Vermögen der Autorin ab, ausdrucksvolle Worte für Situationen zu finden, die am Rande des Alltäglichen stehen. Als Leser wird man zum Nachdenken angeregt, wie z.B. über die Problematik unterschiedlicher Kulturen im Zusammenhang mit Geschlechterverhältnissen. Es darf sich die Frage gestellt werden, wieso es ausgerechnet Frauen sind, die so vieles durchleiden müssen.

_

Vor allem die einzelnen Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Geschichten ist hochinteressant, da es nicht von Anfang an klar ist, worum es eigentlich geht. Vielmehr ist es die Leistung des Lesers, das zentrale Thema beim Prozess des Lesens zu entschlüsseln. Das Buch ist nicht nur angenehm lesbar, sondern schafft eine unvergleichliche Spannung und regt noch weit über das Lesen hinaus zur eigenständigen Reflektion an.

_

Fazit: Einblicke in die Abgründe menschlicher Seelenzustände.

4 Sterne!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen