Sonntag, 5. Juni 2011

Verfallen - Esther Verhoef

„Zitternd lege ich mich wieder ins Bett und ziehe die Decken hoch bis zum Hals. Mit weit offenen Augen liege ich da und starre an die Decke. Vollgepumpt mit Adrenalin, auf jedes Geräusch achtend.“

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Nachdem Eva ihren Job verloren hat und ihre journalistischen Fähigkeiten alles andere als gewürdigt wurden, will sie nur noch eins: Abschalten und Ruhe finden!
Am besten bei ihrer Freundin Dianne, die ihr ganzes Leben lang wie eine Schwester für sie war und nun in einem kleinen idyllischen Dorf In Frankreich lebt. Eva freut sich auf Natur, Erholung und ein Wiedersehen mit Dianne. Sie ist die einzige Person, die Eva nun aufmuntern und auf andere Gedanken bringen kann.
Doch seltsamerweise ist Dianne nicht zu erreichen, weder per Mail, Handy oder Telefon. Dennoch beschließt Eva zu ihr zu fahren und ahnt nicht, auf welche Gefahr sie sich dabei einlässt.
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Diannes Haus liegt ablegen in einem Waldstück und von Idylle kann keine Rede sein. Das ganze Haus verbreitet eine unangenehme Atmosphäre, die durch die herbstliche Umgebung nur noch verstärkt wird. Denn nicht nur das Haus, sondern vielmehr das ganze Dorf ist kühl und ablehnend. Ihre Nachbarn sind bedrohliche Jäger, die sich durch Evas Anwesenheit gestört fühlen. Auch die Polizei scheint ablehnend und geht nur wenig auf die Sorge der jungen Frau um ihre Freundin ein. Schließlich wird alles schlimmer, als die Katze auf brutale Weise ermordet wurde und deren Überreste plötzlich vor dem Haus liegen. Wenig später muss Eva selbst um ihre Sicherheit fürchten.
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Esther Verhoef ist völlig zurecht die Gewinnerin des Niederländischen Thrillerpreises. Ihr Werk verfügt über alle Merkmale eines guten Thrillers. Gleich zu Beginn wird der Leser Zeuge eines brutalen Mordes an einer jungen Frau und hegt daher im weiteren Verlauf der Lektüre die Vermutung, dass es sich dabei um die verschwundene Dianne handeln muss. In einzelnen Episoden blickt die Protagonistin auf ihre Kindheit zurück und berichtet von gemeinsamen Erlebnissen mit Dianne, die die beiden so sehr verbunden haben. Dadurch, dass die Autorin ihre Protagonistin selbst zu Wort kommen lässt und den Text in der Ich-Perspektive geschrieben hat, fühlt man als Leser mit. All die unheimlichen Situationen im Haus, die man nicht zuordnen kann, Diannes Schicksal und die Frage nach der Wahrheit werden quasi miterlebt. Jede einzelne Situation der Angst, des Ungewissen und der Spannung empfindet man mit Eva. Interessant ist auch die Entwicklung zwischen ihr und ihrem Freund Erwin, der die junge Frau unterstützt. Am Ende des Textes steht eine ungeahnte Erkenntnis, die ganz anders ausfällt, als eigentlich gedacht und sowohl der Figur selbst als auch jedem einzelnen Leser die Augen öffnet.
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Fazit: Ein packender Thriller, der auf beeindruckende Weise die Themenkomplexe Vertrauen, Liebe und Freundschaft mit Spannung und unvergleichlichem Nervenkitzel verbindet. Absolut lesenswert!

5 Sterne!

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